OECD senkt die Wachstumprognosen für die Eurozone und Deutschland

Da die widersinnige Austeritätspolitik in den Krisenstaaten der Eurozone weiterhin durchgeknüppelt wird, geht es mit der Eurozone logischerweise wirtschaftlich weiter munter bergab.

Nicht nur die PIIGS-Staaten sind schon seit langem in der Rezession, sondern auch Frankreich, Deutschlands wichtigster Handelspartner, ist mittlerweile in die Rezession gerutscht.

Seht hierzu den Eintrag mit dem Titel “Rangfolge der wichtigsten Handelspartner Deutschlands nach Wert der Exporte im Jahr 2012 (in Milliarden Euro)” in “Statista“. Und seht hierzu auch meinen Blogartikel “Zur Kritik François Hollandes an der Austeritätspolitik in den Krisenstaaten der Eurozone“.

Die Wachstumsprognosen für die Eurozonen-Länder müssen also realistischerweise noch weiter gesenkt werden. Das hat die OECD vor drei Tagen getan.

Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 29.5.2013 mit dem Titel “OECD cuts eurozone growth forecasts” in “BBC News“. Der Artikel ist klar genug, lest ihn in Ruhe durch.

Seht zu diesem Thema auch den Artikel vom 29.5.2013 mit dem Titel “OECD sieht 2013 stärkere Rezession in der Eurozone” im “Wall Street Journal“.

Seht hierzu auch den Artikel vom 29.5.2013 mit dem Titel “OECD cuts world economic forecast” in “Reuters“.

Seht hierzu auch den Artikel vom 29.5.2013 mit dem Titel “OECD cuts economic forecasts as eurozone drags on growth” in der “Financial Times“.

Da China zur Zeit auch klar erkennbar schwächelt, stehen unter den weltweit ökonomisch stärksten Ländern im Moment eigentlich nur die USA und neuerdings auch Japan (Abenomics) gut da. Seht hierzu den Wikipedia-Artikel “Liste der Länder nach Bruttoinlandsprodukt“. An der Spitze der Ländern in dieser Liste stehen natürlich die USA. China kommt an zweiter, Japan an dritter und Deutschland an vierter Stelle.

Die Wachstumsprognose der OECD für die USA liegt bei + 1,9% im Jahr 2013 und + 2,8 % im Jahr 2014. Und für Japan liegt die Wachstumsprognose der OECD bei + 1,6% im Jahre 2013 und + 1,4% im Jahr 2014.

Für Deutschland soll das Wachstum für das Jahr 2013 bei mageren + 0,4% liegen. Seht hierzu auch den Beitrag vom 29.5.2013 mit dem Titel “Vom Ende des Wachstums: OECD senkt Prognose für Deutschland” im “Deutschlandradio“.

Tja, vor allem auch die in der Eurozone wirtschaftlich und politisch dominierende deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Mitstreiter (Kabinett Merkel II) haben also ihre eigenen europäischen Handelspartner “heruntergespart” und in die Rezession getrieben. Das betrifft nicht zuletzt den wichtigsten deutschen Handelspartner Frankreich.

In diesem heruntergesparten und teilweise schlicht ruinierten europäischen Umfeld (das betrifft vor allem Griechenland, Portugal und Spanien) wird es auch für Deutschland so schnell kein Wachstum mehr geben. Das ist meine Prognose.

Die OECD selbst glaubt, dass es in Deutschland im Jahre 2014 wieder ein deutliches Wachstum geben wird. Wie das gehen soll, wenn ganz Südeuropa einschließlich Frankreich weiterhin immer tiefer in die Rezession rutscht, ist mir allerdings schleierhaft. 

Auch Österreich schafft in diesem Jahr wohl nur noch ein Wachstum von + 0,5%. Seht hierzu den Artikel vom 29.5.2013 mit dem Titel “Österreich droht starker Wachstumsabfall” in “Der Standard“.

Wer sich von euch für die Details dieses OECD-Berichtes interessiert, kann diesen 290 Seiten starken Bericht online lesen. Seht hierzu den Eintrag “OECD-Wirtschaftsausblick” in der deutschsprachigen Website der OECD.

Creative Commons Lizenzvertrag OECD senkt die Wachstumprognosen für die Eurozone und Deutschland Klaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz

Advertisements

“China Blue” (2005)

Mit “China Blue” ist hier nicht der Erotikthriller von Ken Russell aus dem Jahre 1984 gemeint, sondern ein Dokumentarfilm von Micha X. Peled aus dem Jahre 2005 über die Massenfabrikation von Billigprodukten für den westlichen Markt in der Volksrepublik China, vorgeführt am Beispiel einer Jeansfabrik in Shaxi (Provinz Guangdong).

Der Regisseur Micha X. Peled arbeitete bei dieser Dokumentation teilweise mit verdeckter Kamera, um die unwürdigen Arbeitsbedingungen der chinesischen Arbeiter und Arbeiterinnen in solch einer Fabrik filmisch zu dokumentieren und er erzählte dem Firmenbesitzer nicht, dass er eine kritische Dokumentation drehen will.

Der Film zeigt, wie die westlichen Abnehmer dieser Billigwaren, in diesem Fall Jeans, die nachher zu durchaus stolzen Preisen zum Beispiel in amerikanischen Wal-Marts an den Kunden weitergereicht werden, gnadenlos die dem chinesischen Fabrikbesitzer gezahlten Preise für diese Billigware drücken und unbarmherzig auf Liefertermine bestehen.

Bezahlen müssen diese gnadenlose Preisdrückerpolitik der westlichen Abnehmer letztlich die Arbeiter und Arbeiterinnen in diesen chinesischen Fabriken, die weit unter jedem nur vorstellbaren westlichen Mindestlohn entlohnt werden und praktisch von der Hand in den Mund leben, wobei sie das wenige gesparte Geld auch noch in der Regel an ihre Familien in den Dörfern schicken.

Denn die Arbeiter und Arbeiterinnen in diesen chinesischen Fabriken sind in der Regel einfache Bauernkinder vom Land, wo eine derartige Armut herrscht, dass selbst diese miserabel bezahlte Knochenarbeit in den chinesischen Fabriken noch attraktiv erscheint.

Die Arbeiter und Arbeiterinnen arbeiten dabei nicht selten bis zum Umfallen, mehr als 16 Stunden am Tag, und schieben oft eine Nachtschicht nach der anderen. Die Besucher der westlichen Abnehmerfirmen lassen sich dagegen in Luxusrestaurants vom chinesischen Fabrikbesitzer bewirten, der selbst ebenfalls recht gut verdient.

Wenn man sich diesen ca. 50minütigen Film anschaut, hat man ein handfestes Beispiel für das, was der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften Joseph E. Stiglitz in seinem gleichnamigen Bestseller “Die Schatten der Globalisierung” nannte, wobei China insgesamt bei der Globalisierung gut vorankommt und profitiert, wie Stiglitz zu Recht in seinem Buch feststellte, und China sich seinerzeit auch klugerweise nicht an die Ratschläge von IWF und Weltbank gehalten hat.

Aber die internationale Verflechtung von Firmen und Märkten und der ungebremste Ultrakapitalismus, der hinter der Globalisierung steht, zwingt auch die chinesischen Unternehmer dazu, ihre Arbeiter gnadenlos auszupressen. Von einer sogenannten “sanften Globalisierung” kann auch im Fall von China keine Rede sein, wenn man sich diese Bilder im Film “China Blue” anschaut.

Globalisierung ist für die Entwicklungsländer eben oft Segen und Fluch zugleich. Die chinesische Wirtschaft hat Wachstumsraten von jährlich manchmal über 10%, aber dieses Wachstum wird auf dem Rücken der Sklavenarbeiter und Sklavenarbeiterinnen (anders kann man diese armen Schweine nicht bezeichnen) erzielt, die sich in den Fabriken und auf den Baustellen des riesigen Landes für einen Hungerlohn totschuften.

Die Bilder, die Micha X. Peled zeigt, sich manchmal dabei schockierend und hart, man fühlt sich an die Bericht von Friedrich EngelsDie Lage der arbeitenden Klassen in England” von 1845 erinnert, ein Werk, in dem Engels die englische Bourgeosie für die Verelendung der englischen Arbeitklasse in der Mitte des 19. Jh. verantwortlich macht.

Ähnliche Zustände scheint es jetzt im 21. Jahrhundert auch in China zu geben, auch hier lebt jetzt anscheinend eine reiche Mittel- und teilweise auch millionenschwere Oberschicht auf Kosten von Wanderarbeitern vom Land, die in den Fabriken und auf den Baustellen der Städte für einen Hungerlohn die einfachen Tätigkeiten erledigen.

Dass die Volksrepublik China dabei nach eigenem Selbstverständnis ein kommunistisches System ist (de facto handelt es sich im Fall von China heute eher um eine ultrakapitalistische Entwicklungsdiktatur) ist von sicher von tiefer Ironie.

Wer will, kann sich diesen Film in YouTube anschauen. Es gibt zumindest zur Zeit zahlreiche Versionen dieses Films in YouTube.

Creative Commons Lizenzvertrag“China Blue” (2005)Klaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.