ARD-Dokumentation “Lohnsklaven in Deutschland – Miese Jobs für billiges Fleisch”

Eine der besten deutschen Dokumentationen, die ich in diesem Jahr im Fernsehen angesehen habe, war die ARD-Reportage “Lohnsklaven in Deutschland – Miese Jobs für billiges Fleisch” von Marius Meyer und Michael Nieberg, die am 24.6.2013 um 22.45 Uhr in “Das Erste” ausgestrahlt wurde.

Es geht in dieser Reportage um die teilweise skandalösen Arbeitsverhältnisse in der deutschen Fleischindustrie. Stundenlöhne von fünf Euro brutto, ungeregelte Einsatzzeiten und Jobs ohne Sozialversicherung und ohne jeden Kündigungsschutz: In vielen fleischverarbeitenden Betrieben in Deutschland werden vor allem osteuropäische Arbeiter gnadenlos ausgebeutet, von den Betrieben ebenso wie von dubiosen inländischen und ausländischen Subunternehmen und Vermittlungsfirmen.

Ihr könnt diese Dokumentation “Lohnsklaven in Deutschland – Miese Jobs für billiges Fleisch” nicht nur in der ARD-Mediathek, sondern auch in anderen Video-Kanälen auffinden.

Diese Reportage ist wirklich gut recherchiert und professionell gemacht, mit aussagekräftigen Bildern und Interviews.

Es wurden zahlreiche Rezensionen in deutschen Tageszeitungen zu dieser Dokumentation veröffentlicht.

Seht hierzu ein Interview vom 22.6.2013 mit Michael Nieberg mit dem Titel “`Uns kam das vor wie ein Schattenreich´” in der Website des “NDR“.

Seht hierzu den Artikel vom 22.6.2013 “Miese Jobs für billiges Fleisch” in der Website des “NDR“.

Seht hierzu die Rezension vom 23.6.2013 mit dem Titel “Skandalöse Verhältnisse in der Fleischindustrie: Lohnsklaven in Deutschland” in der “Süddeutschen Zeitung“.

Seht hierzu auch den Beitrag vom 24.6.2013 mit dem Titel “Lohnsklaverei in Deutschland: Unmenschliche Bedingungen” in der Website des WDR.

Seht hierzu die Rezension vom 24.6.2013 mit dem Titel “Fleischindustrie: Ermittlungen wegen Lohnsklaverei in Schlachthöfen” in der “Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“.

Seht hierzu die Rezension vom 25.6.2013 mit dem Titel “ARD-Reportage `Lohnsklaven in Deutschland´: System der Menschenausbeutung” in der “Frankfurter Rundschau“.

Seht hierzu die Rezension vom 26.6.2013 mit dem Titel “ARD-Doku: Schwere Vorwürfe gegen die Fleischindustrie” in der “Augsburger Allgemeinen“.

Seht hierzu die Rezension vom 26.6.2013 mit dem Titel “`Lohnsklaven in Deutschland´: Mafiapaten der Schlachthöfe” im “Hamburger Abendblatt“.

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Die Titelstory des Spiegel 34/2013: “Die Attacke. Wie der VW-Konzern die Welt überrollt” – Ein alter Hut – 2

Auch die japanischen Autohersteller schlagen sich auf dem amerikanischen Markt zur Zeit anscheinend bestens.

Seht hierzu auch den Artikel vom 1.8.2013 mit dem Titel “GM, Honda and Toyota Lead U.S. Auto Sales Gains in July” in “Bloomberg“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “General Motors Co. (GM), Honda Motor Co. and Toyota Motor Corp. (7203) led automakers reporting U.S. vehicle sales gains for July, extending a resurgence that’s putting the market on course for its best year since 2007.GM deliveries rose 16 percent, with all four of its brands advancing, while Honda’s climbed 21 percent and Toyota’s increased 17 percent to surpass Ford Motor Co. (F) for the month. Light vehicle sales for Ford, Chrysler Group LLC and Nissan Motor Co. all gained 11 percent”.

Vor allem bei Toyota sieht es zur Zeit anscheinend wirklich gut aus. Dieser japanische Hersteller hat sich – was die Gewinnmarge angeht – mittlerweile weltweit an die Spitze der Massenhersteller vorgearbeitet.

Seht hierzu den Artikel vom 7.8.2013 mit dem Titel “So viel verdienen die Autohersteller pro Fahrzeug” in “Die Welt“.

Seht hierzu den Artikel vom 7.8.2013 “Profit-Könige der Autohersteller: Was die Autobauer an einem Wagen verdienen” in “Focus“.

Seht hierzu auch den Artikel vom 7.8.2013 mit dem Titel “Gewinn pro Auto: Toyota erfolgreichster Massenhersteller” in “DiePresse.com“.

Seht hierzu auch den Artikel vom 7.8.2013 mit dem Titel “Toyota verdient pro Auto mehr als alle anderen” in “Süddeutsche.de“.

Seht hierzu auch den Artikel vom 2.8.2013 mit dem Titel “Toyota lässt Konkurrenz mit Gewinn erblassen” in “Reuters Deutschland“.

Seht hierzu auch den Artikel vom 5.8.2013 mit dem Titel “Toyota-Rekordgewinn dank besonderer Umstände” in der Website “Japan Markt online“.

Tja, das sieht wirklich nicht schlecht aus zur Zeit für Toyota und damit auch für Japan. Denn Toyota ist jetzt knapp hinter dem Weltmarktführer GM (General Motors) der zweitgrößte Autobauer der Welt an Stückzahlen gemessen.

Wir erfahren im obenerwähnten Artikel vom 5.8.2013 mit dem Titel “Toyota-Rekordgewinn dank besonderer Umstände” in der Website “Japan Markt online” unter anderem: “In der 2. Jahreshälfte dürften sich Toyota und GM ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Weltmarktführung liefern. Als weltweit erster Autobauer wollen die Japaner in diesem Jahr mehr als 10 Millionen Autos montieren. Die Weltproduktion soll auf 10,12 Millionen Stück steigen, 180 000 mehr als bislang vorhergesagt.

Doch im abgelaufenen Vierteljahr verkaufte General Motors erstmals seit 2011 mehr Fahrzeuge als Toyota. Im 1. Halbjahr 2013 sank der Absatz der Toyota-Gruppe um 1,2 Prozent auf 4,91 Millionen Stück. GM lag mit 4,85 Millionen Stück (+4 Prozent) bereits dicht dahinter, gefolgt von Volkswagen mit knapp 4,7 Millionen Stück (+5,5 Prozent). Vor allem der starke US- und China-Markt könnte das Überholmanöver von GM zum Erfolg machen. So verkaufte GM in den USA im Juli mit 234 000 Stück 21 Prozent mehr Autos als Toyota”.

Diese sehr gute Entwicklung bei Toyota und den anderen japanischen Automobilherstellern hängt sicherlich auch mit den sogenannten “Abenomics” zusammen, die sich auf die japanische Wirtschaftsentwicklung ganz offensichtlich positiv auswirken.

Zu den “Abenomics” habe ich schon im Juni dieses Jahres einen Blogartikel mit dem Titel “Zu den `Abenomics´ in Japan” verfasst.

Tja, in Japan und den USA sieht es für die Autohersteller dieser Länder also zur Zeit wirklich gut aus.

Das liegt nicht zuletzt gerade auch am derzeit boomenden Automobilmarkt in den USA und auch in China, wobei die chinesische Wirtschaft zur Zeit anscheinend im Vergleich zu früher etwas schwächelt.

Die Wachstumsraten in China sind jetzt anscheinend nicht mehr so extrem hoch wie früher. 

Seht hierzu unter anderem den Artikel vom 11.8.2013 mit dem Titel “Ernüchterung in China: Langsameres Wachstum für Schwellenländer” in “FAZ.net“.

Seht hierzu auch den Artikel vom 15.7.2013 mit dem Titel “Wirtschaftswachstum verlangsamt sich erneut: 7,5 % – für chinesische Verhältnisse wenig” in “tagesschau.de“.

Doch zur Zeit läuft der Automobilmarkt in den USA bestens und in China ist wohl selbst bei einem kleineren Wachstum von ca. 7.5% der Automobilmarkt sicherlich dennoch ein lukrativer Automobilmarkt und bietet immer noch erhebliche Verkaufsmöglichkeiten für die europäischen, japanischen und amerikanischen Automobilhersteller.

Was den derzeit boomenden amerikanischen Automobilmarkt angeht, so seht hierzu auch den Artikel vom 6.8.2013 mit dem Titel “GM Says Industry Vehicle Sales May Exceed 15.5 Million” in “Bloomberg“.

Soweit meine Ausführungen in meinen Blogartikel vom August 2013 “Die Entwicklung auf dem europäischen Automobilmarkt seit Ende März 2013 – 2“.

Auf dem europäischen Automobilmarkt ging es hingegen in den letzten Monaten weiterhin kräftig bergab.

Zur Krise auf dem europäischen Automobilmarkt seht unter anderem nochmals meinen Blogartikel vom März 2013 “Zum geplanten Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA“.

Seht hierzu auch nochmals meinen Blogartikel vom August 2013 “Die Entwicklung auf dem europäischen Automobilmarkt seit Ende März“.

Warum das Magazin “Der Spiegel” jetzt nochmals mit dieser alten Geschichte kommt (die das “Wall Street Journal” schon im November 2012 ganz klar analysiert hatte: Seht hierzu nochmals den Artikel vom 14.11.2012 mit dem Titel “Eurokrise ebnet VW den Weg zur Herrschaft“) und die hier im markigen und kriegerischen Ton präsentiert wird, weiß ich nicht.

Ich habe diese 10seitige Titelstory mit dem Titel “Die Attacke. Wie der VW-Konzern die Welt überrollt” gerade eben durchgelesen und sie bietet außer langatmigem Gequatsche und atmosphärischen Impressionen über den “Wolfsburger Weltkonzern” und seinem “HerrscherMartin Winterkorn nur wenige harte Zahlen und Daten. Offensichtlich sollen hier dem vor Ehrfurcht erschauernden Spiegel-Leser “vertraulich” anmutende Einblicke in das “kolossale” VW-Imperium gewährt werden, wobei Martin Winterkorn anscheinend die Rolle des “Darth Vader” einnimmt und Ferdinand Piëch die des “Imperators“.

Nun, was soll´s. Hierzu übrigens ein witziges Video mit dem Titel “Virales Marketing in  Stuttgart“. Vielleicht hat mal jemand Lust, eine Wolfsburger Variante dieses Videos zu produzieren.

Ich selbst weiß allerdings, warum ich schon seit Monaten kaum mehr etwas zur Eurokrise schreibe. Die Sache langweilt mich mittlerweile und im Grunde habe ich aus meiner Sicht schon längst alles dazu gesagt. Und Überraschungen erwarte ich hier keine mehr.

Mir macht es mittlerweile wesentlich mehr Spaß, über die wirtschaftliche Entwicklung zum Beispiel in den USA oder in Japan zu schreiben. In diesen Ländern ist die wirtschaftliche Entwicklung wesentlich dynamischer und vor allem auch positiver und teilweise auch überraschend.

So kommen zu Beispiel die Erfolge der “Abenomics” in Japan seit Beginn des Jahres überraschend schnell und teilweise auch auf recht durchschlagende Weise.

Seht hierzu nochmals meinen Blogartikel mit dem Titel “Zu den `Abenomics´ in Japan” und meinen Blogartikel “Die Entwicklung auf dem europäischen Automobilmarkt seit Ende März 2013 – 2“.

Was die Eurozone angeht, so ist hier – bei Weiterführung der bisherigen Krisenpolitik – wenn überhaupt nur langsam eine Besserung zu erwarten.

Und speziell für die südeuropäischen PIIGS-Staaten (Griechenland, Portugal, Spanien und Italien) sehe ich ziemlich schwarz. Die werden sich – bei Beibehaltung der bisherigen widersinnigen Austeritätspolitik – wenn überhaupt nur ganz langsam und unter großen Schmerzen wieder hocharbeiten, wobei diese Schmerzen natürlich nicht die jeweilige reiche Oberschicht in diesen Ländern betreffen, sondern einzig und allein die jeweilige Unter- und Mittelschicht. Das sollte man ehrlicherweise hinzufügen.

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Die Titelstory des Spiegel 34/2013: “Die Attacke. Wie der VW-Konzern die Welt überrollt” – Ein alter Hut – 1

Der neue Spiegel 34/12 kommt mit der Titelstory “Die Attacke. Wie der VW-Konzern die Welt überrollt“.

Nun, das ist ein alter Hut. Seit geraumer Zeit schon baut VW massiv seinen Marktanteil auf dem schwer in der Krise befindlichen europäischen Automobilmarkt aus und liefert sich mit seinen Konkurrenten ganz bewusst einen harten und aggressiven Preiskrieg.

Das weiß auch der “AutopapstFerdinand Dudenhöffer und er hatte auch schon Ärger deswegen mit den VW-Bossen, weil er dies in seinen Analysen auch so dargestellt hat.

Seht hierzu unter anderem den Artikel vom 31.10.2012 mit dem Titel “Dudenhöffer weist Kritik des VW-Konzerns an Rabattstudien zurück” in “Die Welt“.

Unter den europäischen Automobilherstellern hatte sich schon im Juli 2012 FIAT-Chef Sergio Marchionne im Juli 2012 gegen die aus seiner Sicht zerstörerische Preispolitik von VW ausgesprochen.

Seht hierzu unter anderem den Artikel vom 26.7.2012 mit dem Titel “Kampf um Marktanteile: Fiat-Chef Marchionne wirft VW `Blutbad´ vor” in “FTD“.

Was nun die Krise auf dem europäischen Automobilmarkt angeht, so seht hierzu unter anderem meinen Blogartikel vom März 2013 “Zum geplanten Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA“.

Seht hierzu auch meinen Blogartikel vom August 2013 “Die Entwicklung auf dem europäischen Automobilmarkt seit Ende März“.

Hinsichtlich des massiven Vormarschs von VW (Volkswagen) auf dem europäischen Automobilmarkt habe ich mich schon im November 2012 ausführlich geäußert.

Seht hierzu auch meinen Blogartikel “Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 166“, den ich im November 2012 verfasst habe.

Ich wiederhole hier nochmals aus diesem Artikel:

“Über die sich für die deutschen Autohersteller und die deutschen Automobilzulieferer zunehmend anbahnende Krise habe ich schon in zahlreichen Blogeinträgen berichtet. Seht hierzu auch den Blogeintrag “Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 148” und nachfolgende. (….)

Inwiefern der deutsche Staat und die deutsche Export- und Autoindustrie allgemein bisher vom Niedergang Südeuropas profitiert haben, habe ich in meinem Blogartikel mit dem Titel “Das deutsche `Exportwunder´ und die prallen Kassen des deutschen Fiskus in den letzten anderthalb Jahren: Herzlichen Dank an die Krisenstaaten Südeuropas” ausführlich erläutert.

Nun, Volkswagen nutzt einen weiteren wichtigen und für Deutschland und seine Wirtschaft günstigen Effekt dieser Eurokrise, um auf dem europäischen Markt abzuräumen und unter anderem die französische und italienische Konkurrenz zu übertrumpfen.

Seht hierzu den Artikel vom 15.11.2012 mit dem Titel “Autobauer: Euro-Krise macht VW zum Herrscher über Europa” in “Die Welt“.

Dieser Artikel stammt ursprünglich aus der deutschen Online-Ausgabe des “Wallstreet Journals“. Ihr findet dort einen Artikel vom 14.11.2012 mit dem Titel “Eurokrise ebnet VW den Weg zur Herrschaft“.

Lest diesen langen und gut recherchierten Artikel in Ruhe durch, damit ihr kapiert, was zur Zeit auf dem europäischen Automarkt passiert.

VW betreibt anscheinend zur Zeit ganz bewusst einen aggressiven Preiskrieg, um die europäische Konkurrenz (vor allem aus Frankreich und Italien) auszubooten.

Der aktuelle Hauptvorteil von VW liegt darin, dass die deutschen Finanzierungsmodelle für den Kauf von deutschen Autos aufgrund der guten wirtschaftlichen und finanziellen Lage Deutschlands und seiner Banken viel attraktiver sein können als die der französischen und italienischen Hersteller, deren Länder und Banken deutlich schlechter dastehen.

VW nutzt diesen Vorteil auf aggressive Weise, mit dem Ergebnis, dass die deutschen Autos im Fall eines kreditfinanzierten Kaufs im Preis-Leistungsverhältnis deutlich günstiger dastehen als die französische und Italienische Konkurrenz.

Und in vielen Ländern der Eurozone, gerade auch in den weniger wohlhabenden Ländern Südeuropas, ist es absolut üblich, sein Auto auf Kredit zu kaufen und abzuzahlen. Und jetzt in der aktuellen Eurokrise in den PIIGS-Staaten wird dies noch viel mehr der Fall sein als vorher.

Wir erfahren in diesem Artikel mit dem Titel “Autobauer: Euro-Krise macht VW zum Herrscher über Europa“: “Auch Volkswagen, dessen Marken von Audi über Skoda bis Porsche reichen, ist nicht immun gegen den Abschwung in Europa. Zwar hielten sich die Verkäufe von VW-Modellen in Deutschland bis Ende Oktober auf Vorjahresniveau, im restlichen Europa sank der Absatz allerdings um sechs Prozent, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Dennoch: Mit Hilfe billiger Autokredite lockt VW Legionen von Käufern von den Konkurrenten weg, die in diesem Jahr in Europa fast durch die Bank Absatzverluste im zweistelligen Prozentbereich hinnehmen mussten”.

Auf einer allgemeinen europäischen Ebene gesprochen: Was wir seit der Beginn der Eurokrise im Grunde erleben, ist, dass die aktuelle deutsche schwarze-gelbe Regierungskoalition (Kabinett Merkel II) die hinter ihr stehenden neoliberalen Lobbys (Bertelsmann-Stiftung, INSM) und die deutsche Industrie ganz bewusst die Eurokrise nutzen, um auf politischer und wirtschaftlicher Ebene eine Art deutsche Hegemonie in Europa zu installieren.

Man darf nicht vergessen: Die Philosophie, die hinter dem Neoliberalismus steht, ist letztlich der Sozialdarwinismus: Auf dem “Freien Markt” überleben die starken, schlauen und skrupellosen. Die schwachen, dummen und moralischen Akteure haben in diesem Spiel keine Chance.

Letztlich handelt es sich dabei um eine Art “Wirtschaftskrieg” der deutschen Neoliberalen gegen die PIIGS-Staaten und jetzt auch Frankreich, um Europa zu dominieren und nach ihren wirtschaftspolitischen Vorstellungen umzukrempeln.

Und wenn die deutschen Autohersteller bei dieser Gelegenheit auch noch ihre europäische Konkurrenz fertig machen und ausschalten, ist das für´s eigene Geschäft letztlich nur gut”.

Tja, soweit also meine Ausführungen vom November 2012 in meinem Blogartikel “Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 166“.

Ich habe dem auch heute, über ein halbes Jahr später, nichts hinzuzufügen. Was ich im November 2012 geschrieben habe, stimmt aus meiner Sicht heute noch genauso.

Nur in einem Punkt muss ich dem großspurigen Titel des neuen Spiegel 34/12 “Die Attacke. Wie der VW-Konzern die Welt überrollt” widersprechen: VW überrollt vielleicht den angeschlagenen europäischen Automobilmarkt.

Weltweit gesehen allerdings sind die amerikanischen und die japanischen Automobilhersteller zur Zeit ebenfalls mehr also nur sehr gut aufgestellt.

Seht hierzu unter anderem nochmals meinen Blogartikel vom August 2013 “Die Entwicklung auf dem europäischen Automobilmarkt seit Ende März 2013 – 2“.

Ich wiederhole hier nochmals aus diesem Artikel:

“Die Lage der amerikanischen Automobilhersteller hat sich schon seit längerer Zeit zunehmend immer weiter gebessert.

Seht hierzu unter anderem meinen Blogartikel “GM is Making a Remarkable Comeback – 1” und meinen nachfolgenden Blogartikel “GM is Making a Remarkable Comeback – 2“.

Bei den amerikanischen Automobilherstellern sind in den letzten Monaten die Verkäufe weiterhin kräftig gestiegen.

Seht hierzu den Artikel vom 1.8.2013 mit dem Titel “GM sales climb 16% in July; Ford, Chrysler up 11%” in “USA Today“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Detroit’s Big 3 automakers saw a strong sales performance in July. General Motors, the largest of the three, saw a 16% sales gain. Ford and Chrysler are both reporting 11% sales gains for July, making it one of the best performing months in years”.

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Wolfgang Schäuble: Stasi 2.0

Wikipedia: Stasi 2.0

stasi20-schablone

Seht hierzu auch meinen Blogeintrag “Zum `Fall Schäuble´ ein witziges Fake-Plakat“.

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7.12.2012: Heute erschien die letzte Ausgabe der “Financial Times Deutschland”

In verschiedenen Online-Portalen der deutschen Tageszeitungen, Wochenzeitungen, Radiosender und TV-Sender wird heute über das definitive “Aus” für die “Financial Times Deutschland” berichtet.

Das ist auch für mich ein trauriger Tag. Mir hat die “Financial Times Deutschland” gut gefallen und sie war gerade auch in dieser Eurokrise kritisch gegenüber dem Eurokrisen-Managment der aktuellen deutschen schwarz-gelben Regierungskoalition (Kabinett Merkel II).

Seht zu diesem “Aus” für die “Financial Times Deutschland” den Artikel vom 7.12.2012 mit dem Titel “Letzte Ausgabe der FTD: Finale „Financial Times“
vielerorts ausverkauft” in “Focus“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Die „Financial Times Deutschland“ ist Geschichte: Mit großflächig geschwärzter Titelseite kam die Wirtschaftszeitung am Freitag zum letzten Mal heraus. Ironisch: Die finale Ausgabe des defizitären Blatts ist vielerorts ausverkauft.

Unter dem verstümmelten Logo „Final Times“ standen die Worte „Endlich schwarz“ – eine Anspielung auf die schwarzen Zahlen, die die „FTD“ nie geschrieben hat. „Wir haben, als dann feststand, dass wir eingestellt werden, natürlich ein paar Tage sehr stark getrauert. Aber dann begann so eine kleine Welle der Kreativität. Und dann war dieser Titel schnell geboren“, sagte Vize- Chefredakteur Sven Oliver Clausen im „Deutschlandradio Kultur“. Die „FTD“ wolle sich „mit Anstand“ verabschieden. Das Aus hatte der Konzern Gruner + Jahr (G + J) vor zwei Wochen bekanntgegeben. (…).

Die letzte Ausgabe war an vielen Kiosken schnell ausverkauft. „Die ganze Zeit
wollte die nie jemand haben“, sagte ein Kioskverkäufer in Berlin. Auf einmal
gebe es jetzt solch einen Ansturm. Laut Verlag sollten am Freitagnachmittag die
letzten redaktionellen Inhalte auf die Internetseite „ftd.de“ gestellt werden.
Der Webauftritt werde voraussichtlich noch bis zur Jahreswende erhalten bleiben”.

Tja, wenn der Webauftritt der “Financial Times Deutschland” dann Anfang nächsten Jahres tatsächlich verschwinden sollte, dürft ihr euch natürlich nicht wundern, wenn ihr in meinem Blog die entsprechenden Links zu den Artikeln von “FTD” anklickt und dann dieser Artikel leider nicht erscheint.

Das heisst, das Verschwinden des Webauftritts von “FTD” wird dann unter anderem auch leider traurige Löcher in meine diversen Eurokrisen-Artikel reissen.

Seht zu diesem “Aus” für die “Financial Times Deutschland” auch das Interview von André Hatting mit dem Titel “`Financial Times Deutschland´: Ein Abschied mit Anstand” mit dem stellvertretenden Chefredakteur der “FTD” Sven Oliver Clausen im “Deutschlandradio“.

Wir erfahren in diesem Interview unter anderem. “André Hatting: Mit dem heutigen Tag ist die Zeitungslandschaft in Deutschland ärmer. Nach fast 13 Jahren erscheint die “Financial Times Deutschland” zum letzten Mal. Das Aus hatte der Vorstand des Zeitschriftenkonzerns Gruner & Jahr am 23. November offiziell bekannt gegeben. Kein Trauerrand, sondern komplett schwarz – so sieht heute die Titelseite der “Financial Times Deutschland” aus, auf der ein paar Buchstaben heruntergeplumst sind. “Final Times Deutschland” heißt es heute. Am Telefon ist der stellvertretende Chefredakteur der FTD, Sven Oliver Clausen. Guten Morgen!

Sven Oliver Clausen: Guten Morgen, Herr Hatting.

Hatting: “Endlich schwarz” heißt der Titel heute. Ein Zynismus, von Wegen schwarze Zahlen?

Clausen: Ja genau. Wir haben, als dann fest stand, dass wir eingestellt werden, natürlich ein paar Tage sehr stark getrauert. Aber dann begann so eine kleine Welle der Kreativität und da war dieser Titel schnell geboren, und wenn wir noch einmal die Chance hatten, ihn jetzt hier zu drucken, dann haben wir gesagt, dann machen wir es halt so”.

Seht zu diesem “Aus” für die “Financial Times Deutschland” auch den Artikel vom 7.12.2012 mit dem Titel “Letzte “FTD”-Ausgabe `endlich schwarz´” in der Website des NDR.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem. “Die letzte Ausgabe war an vielen Kiosken schon am Morgen ausverkauft. Am Nachmittag kündigte der Verlag an, dass 30.000 weitere Abschiedszeitungen nachgedruckt werden sollen. Die neuen Ausgaben werden jedoch vermutlich erst am Samstag am Kiosk liegen. Die letzten redaktionellen Inhalte sollten am Freitagnachmittag auf die Internetseite ftd.de gestellt werden. Der Webauftritt werde voraussichtlich noch bis zum Jahreswechsel bestehen.

Ganz in die Trauerfarbe Schwarz gekleidet waren auch viele der etwa 150 Mitarbeiter, die am Freitagnachmittag vor dem Verlagsgebäude von Gruner + Jahr am Hamburger Baumwall protestierten. “Wir haben zwölf Jahre geliefert. Jetzt ist G+J dran”, forderten sie auf einem meterlangen Plakat eine gerechte Entschädigung für die insolvenzbedingte Entlassung. Jetzt sei Zahltag, sagte “FTD”-Betriebsrätin Maike Rademaker. Die meisten Demonstranten trugen Solidaritätsschleifen, die lachsrosa wie das “FTD”-Papier waren.“Die Stimmung ist seltsam”, sagte Rademaker. “Neben Trauer und Feiern ist da auch die Wut, wie mit uns umgegangen wird.” Für viele ihrer Kollegen herrsche Unsicherheit, wie es mit ihnen weitergeht. Betroffen von dem Aus sind nach Angaben von Gruner + Jahr 364 Mitarbeiter. Für einige sollen andere Aufgaben im Verlag gesucht werden. Doch was mit der Mehrheit der Mitarbeiter passiert, steht noch nicht fest. “‘Unklar’ ist dafür noch ein zarter Ausdruck”, kritisierte Rademaker: “Wenn man eine Zeitung zumacht, dann sollte man wissen, wie man sie zumacht.”

Tja, sieht so aus, als wenn die Mitarbeiter der “FTD” am Ende sogar noch ganz persönlich und individuell Opfer der neoliberalen Doktrin in Deutschland werden.

Dass es die “FTD” von ihren wirtschaftspolitischen Ausrichtung her schon immer schwer hatte in einem Land, das sozial, politisch, wirtschaftlich und ideologisch schon lange in der Hand der deutschen Neoliberalen ist, war sowieso immer klar.

Seht zu diesem “Aus” für die “Financial Times Deutschland” auch den Artikel vom 7.12.2012 mit dem Titel “`Final Times Deutschland´: FTD-Redakteure nehmen Abschied” in “n-tv“.

Ein guter Artikel zu diesem “Aus” für die “Financial Times Deutschland” mit dem Titel “Zeitungsbranche: Warum wir die Financial Times Deutschland vermissen werden” erschien am 7.12.2012 auch in “Zeit Online“.

In diesem Artikel kommen unter anderem Jürgin Trittin und Gustav Horn zu Wort.

Besonders gut finde ich hier den Kommentar von Jürgin Trittin, der in diesem Artikel auch an erster Stelle erscheint.

Ich gebe daher diese Bemerkungen von Jürgin Trittin hier wieder: “Jürgen Trittin, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag: Zwölf Jahre lang hat die Financial Times Deutschland die wirtschaftspolitische Berichterstattung bereichert. So mancher Linke fremdelte mit einem Blatt, dem der Ruf der New Economy und des Börsenkapitalismus anhaftete.

Doch wer die FTD aufschlug, dem war solch undifferenzierte Kritik fremd: Sie hat nicht nur qualitativ hochwertig berichtet, sie hat auch immer wieder neue Blickwinkel abseits des wirtschaftspolitischen Mainstreams eingenommen.

Märkte waren für sie nie Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck. Der Staat nie Marionettenspieler, der Wirtschaft und Gesellschaft steuert, sondern Rahmensetzer. Auf den angeblichen Gegensatz zwischen Markt und Staat hat sich die FTD nie eingelassen. 

In der Euro-Krise gehörte die Zeitung stets zu den klügsten  Kritikern des Merkelschen Krisenmanagements. Und sie brachte mit  einem neuen klugen Neo-Keynesianismus nach Art von Paul Krugman oder  George A. Akerlof Schwung in die deutsche Debatte zwischen  Ordnungspolitikern und Alt-Keynesianern.

Sie hat noch etwas  anderes Einzigartiges gemacht. Sie hat Wahlempfehlungen ausgesprochen. Eine echte Neuerung.

Das werde ich nicht nur vermissen, weil wir Grüne dabei wiederholt mit einer FTD-Empfehlung geehrt wurden, sondern weil  die Zeitung damit Mut bewiesen hat, klar Stellung zu beziehen.

Die  FTD trat an, das Monopol der Finanzzeitungen in Deutschland  aufzubrechen. Es ist ihr fast 13 Jahre lang gelungen. Von heute an wird  die Meinungsvielfalt in Wirtschafts- und Finanzthemen deutlich kleiner  sein. Nach über zwölf Jahren ausgezeichneter Berichterstattung geht ein  wichtiger Bestandteil der deutschen Qualitätspresse zu Ende”.

Tja, da kann ich Jürgen Trittin nur zustimmen.

Die “FTD” war tatsächlich immer deutlich kritisch gegenüber dem Eurokrisen-Managment der aktuellen deutschen schwarz-gelben Regierungskoalition (Kabinett Merkel II) und stand den “New Keynesians” wie Paul Krugman oder Joseph Stiglitz zumindest sehr viel näher als ein Wochenmagazin wie zum Beispiel “Der Spiegel“, das oft wie die Hauspostille der Bertelsmann-Stiftung daherkommt.

Vor allem war die “FTD” in den Punkten gegenüber der aktuellen deutschen Wirtschaftspolitik kritisch, wo man es vernünftigerweise auch sein musste, wie zum Beispiel hinsichtlich des schon seit Jahren konstant massiven Handelsbilanzüberschusses Deutschlands (Stichwort: Exportweltmeister), der die Handelsbilanzen der verschiedenen Länder in der Eurozone in ein gefährliches Ungleichgewicht befördert hat. Den es einen Handelbilanzüberschüsse (=Gewinne und Forderungen) sind des anderen Handelsbilanzdefizite (=Verluste und Schulden). Und die “FTD” repräsentierte tatsächlich ohne Zweifel mit das Beste, was die deutsche Presse zu bieten hatte.

Dieses “Aus” für die “Financial Times Deutschland” ist wirklich traurig und schmerzlich. Aber wir bewegen uns schon seit Beginn dieses Jahrtausends in eine mediale Phase einer immer näher anrollenden weltweiten Zeitungskrise hinein. Und am schwersten hat es aktuell ohne Zweifel weltweit der Qualitätsjournalismus.

Über einige Ursachen dieser weltweiten Zeitungskrise habe ich im Zusammenhang mit dem geplanten “Leistungsschutzrecht für Presseverleger” in meinem Artikel mit dem Titel  “Online-Petition gegen das geplante `Leistungsschutzrecht´” berichtet.

Hinter der Entscheidung, die “FTD” einzustellen, stand übrigens anscheinend nicht zuletzt der Bertelsmann-Konzern. Bertelsmann ist mit fast 75% an Gruner + Jahr beteiligt.

Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 23.11.2012 mit dem Titel “Kein funktionierendes Geschäftsmodell”: Bertelsmann sieht keine Alternative zur Einstellung der FTD” im regionalen Wirtschaftsportal “weser-ems-business-on.de“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Der Mehrheitseigentümer Bertelsmann hat sich demonstrativ hinter die Entscheidung des Gruner + Jahr-Vorstandes zur Schließung der “Financial Times Deutschland” gestellt. Europas größter Medienkonzern trage die Entscheidungen bezüglich der Wirtschaftsmedien “uneingeschränkt mit”, erklärte das Unternehmen am Freitag auf dapd-Anfrage.

Aus Sicht von Bertelsmann habe es keine wirtschaftlich tragfähige Alternative zu diesem Schritt gegeben, erklärte ein Sprecher. Der Konzern fühle sich grundsätzlich weiter dem Qualitätsjournalismus verpflichtet. Voraussetzung sei aber ein funktionierendes Geschäftsmodell. Dies habe es für die “FTD” nicht gegeben.

Bertelsmann hält knapp 75 Prozent der Anteile am “FTD”-Mutterhaus Gruner + Jahr, den Rest besitzt die Hamburger Verlegerfamilie Jahr. Im vergangenen Jahr hatte Gruner + Jahr trotz der “FTD”-Verluste einen Betriebsgewinn (Operating Ebit) von 233 Millionen Euro ausgewiesen. Allerdings fiel der Gewinn damit um gut 10 Prozent niedriger aus als im Jahr zuvor”.

Also, dazu will ich nur folgendes sagen: Dass der Bertelsmann-Konzern sich dem “Qualitätsjournalismus(?!) verpflichtet fühlt, glaube ich eher weniger.

Meiner Meinung nach fühlen sich der Bertelsmann-Konzern und speziell Liz Mohn vor allem dem Neoliberalismus germanischer Prägung im Sinne Reinhard Mohns verpflichtet.

Und was konkret das “Aus” für die “FTD” angeht, so will ich es mal so sagen: In diesem Fall dürfte dieser Beschluss dem Bertelsmann-Konzern wohl wenig schwer gefallen sein. Die Blattlinie der “FTD” dürfte kaum den Vorstellungen der “Bertelsmann-Stiftung” entsprochen haben.

Der Betriebsgewinn (Operating Ebit) von Gruner + Jahr lag ja trotz der Verluste durch die “FTD” anscheinend immer noch im letzten Jahr bei 233 Millionen Euro.

Seht zu den Hintergründen der Einstellung der “FTD” auch den Artikel vom 20.11.2012 mit dem Titel “Medien: Gruner + Jahr stellt `Financial Times Deutschland´ ein” in der “FAZ“.

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Die Blogs, Mailinglisten und eine kurze Erzählung von Tobias Wimbauer

Einer der besten Kenner des Werks von Ernst Jünger in Deutschland ist Tobias Wimbauer.

Wimbauer begann 1999 an der Universität Freiburg ein Studium der Germanistik und Philosophie, das er 2002 abbrach. Danach war er als Journalist für die Wochenzeitung Junge Freiheit und im Verlagswesen tätig. 2004 nahm er in Wuppertal das Studium in den Fächern Germanistik und Soziologie wieder auf.

In der Jünger-Forschung wurde Wimbauer 1999 bekannt, als er in seinem Personenregister der Tagebücher Ernst Jüngers zahlreiche von Jünger verwendete Decknamen entschlüsselte (Wimbauer, Tobias, Personenregister der Tagebücher Ernst Jüngers, Hagen-Berchum: Eisenhut-Verlag, 3., aktualisierte Auflage, 2010).

Zudem erstellte er ein Register für die Korrespondenz Jüngers mit Carl Schmitt. Aufgrund der aufwändigen Indizierungsarbeiten sowie neuer Funde zum Briefwechsel Jüngers (u. a. mit Alfred Kubin und Schmitt) ist Wimbauer einer der besten Kenner des Lebens und der Biographie von Ernst Jünger.

Über die Fachöffentlichkeit hinausgehende Aufmerksamkeit erhielt Wimbauers Entdeckung eines unbekannten Briefes von Paul Celan an Jünger, den er 2005 in der Frankfurter Allgemeine Zeitung präsentierte.

2004 stieß Wimbauer mit einer neuen Auslegung der „berüchtigten Burgunderszene“ aus den Strahlungen eine Debatte über den fiktionalen Gehalt der Tagebücher Jüngers an, indem er Indizien zusammentrug, denen zufolge der dort beschriebene Luftangriff in Wirklichkeit nicht stattgefunden hatte (in: Anarch im Widerspruch, Schnellroda: Edition Antaios 2004). Wimbauers These, Jünger habe in der „Burgunderszene“ eine eskalierende Liebesaffäre mit der Pariser Ärztin Sophie Ravoux chiffriert, hat in der Jünger-Forschung eine nähere Beschäftigung mit der Affäre zur Folge gehabt.

Wimbauer betreibt ein Versandantiquariat und verlegt seit einiger Zeit auch Bücher. Er hat einen eigenen Blog im Netz und natürlich auch einen Blog zu seinem “Eisenhutverlag” und den Blog zu seinem Versandantiquariat.

Tobias Wimbauer ist ein guter Freund von mir und ein belesener und interessanter Mann. Unter anderem betreibt er eine Ernst-Jünger und eine Carl-Schmitt-Mailingliste, die alle neuerscheinenden Artikel (sowohl viele Fachartikel als auch vor allem die der Presse) über diese beiden Gestalten der deutschen Philosophie und Literatur an die interessierten Empfänger zumailt. Wer von euch Bloglesern Interesse hat, sollte sich zu diesem Zweck an Tobias Wimbauer wenden.

Wimbauer hat aber auch seinerzeit eine kleine Sammlung mit eigenen Erzählungen unter dem Titel “Lagebericht” veröffentlicht (Wimbauer, Tobias, Lagebericht und andere Erzählungen, Schwielowsee: Telesma-Verlag 2008).

Manche von ihnen sind wirklich gelungen, und am besten gefällt mir die kurze Erzählung “Eine Rezension”, die ich auch deshalb hier mit der Erlaubnis von Tobias Wimbauer präsentieren möchte, weil sich die hier widerspiegelnden Erfahrungen Wimbauers als Journalist und Rezensent mit meinen eigenen Erfahrungen als Journalist und Rezensent decken. Im Nachfolgenden also der wirklich erheiternde und sarkastische, fiktive Bericht über die Entstehung einer Buchrezension, der allerdings eine geballte Portion Wahrhaftigkeit enthält, wie euch jeder gewiefte Journalist wird bestätigen können.

PS: Nachtrag März 2013: Tobias Wimbauer hat jetzt seine Ernst-Jünger-Mailingliste eingestellt und bietet stattdessen nun einen neu eingerichteten Ernst-Jünger-Blog (ernstjuenger.wordpress.com) an.

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EINE REZENSION

Das Telephon klingelt. Joachim nimmt ab. Es ist drei Uhr mittags, am Apparat ist die Redaktion. Ein Werbekunde habe abgesagt, man müsse nun zwei Spalten redaktionell füllen.

Er, Joachim, habe doch vor ein, zwei Monaten den neuen Roman von Schriftsteller Soundso bekommen. Joachim schaut an die Decke und erinnert sich weder des Romans noch des Autors.

Der Redakteur sagt: „Bittebitte, mailen Sie mir Ihre Rezension bis 17 Uhr, 1800 Zeichen, ist dann morgen drin.“

Joachim sagt: „Das wird eng.“

Der Redakteur sagt noch einmal „bittebitte“, und Joachim stimmt zu.

Joachim geht zu dem Bücherstapel auf seinem Schreibtisch und stapelt dort die Bücher um. Der Roman ist nicht dabei. Dann geht Joachim zu dem Bücherstapel auf seinem Nachttischchen und schaut dort die Bücher an. Der Roman ist nicht dabei. Auch nicht in der Küche bei den Zeitungen, auch nicht im Arbeitszimmer auf dem Lesetisch.

Er googelt den Romantitel. Immerhin findet er den Klappentext des Verlages im Internet. Darin steht, der Roman sei ein vertrackter Kriminalroman. Also schreibt Joachim: „Das Erscheinen eines feinkomponierten und geradezu vertrackten Krimis ist zu vermelden.“ Und zählt: noch 1714 Zeichen. Er setzt einen Doppelpunkt, kopiert den Namen des Autors und den Titel in sein Schreibprogramm, setzt in Klammern dahinter die bibliographischen Angaben, die der Verlag gegeben hat, und schon ist er bei 1500 verbleibenden Zeichen angelangt.

Im Klappentext heißt es weiter, daß der Autor selbst Polizist werden wollte, also schreibt Joachim „autobiographisch?“ und markiert diese Zeile rot. Dann heißt es, daß der Roman in Schleswig-Holstein spiele und mit der Landschaft eng verwoben sei. „Aha“, sagt Joachim und schreibt los. Erst einen Absatz über Schleswig-Holsteins Landschaft im Allgemeinen und im Speziellen, dann über den landestypischen Charakter, wie er für Krimis bislang doch nur mit Kommissar Klaus Borowski repräsentiert worden sei, und dann einen Abschnitt über Borowski und seine Psychologin und über Axel Milberg.

In den verbleibenden 400 Zeichen variiert Joachim das Thema „autobiographische Elemente und Autor als gerngewesener Polizist“, um mit dem Eingeständnis zu schließen, daß nichts mehr fehl am Platze sei, als irgendetwas von der Handlung dieses packenden Krimis zu verraten. Daß dem Rezensenten, so er kein Spielverderber sein wolle, allenfalls zugestanden sei, Andeutungen über Stimmung und Hintergrund zu geben, und er ansonsten allein die dringliche Kaufempfehlung aussprechen könne.

1793 Zeichen — die fehlenden Sieben bügelt die Redaktion dann schon aus mit Absätzen und Formatierung.

Joachim ruft in der Redaktion an: „Ist fertig“, und mailt den Text an den Redakteur. Wenige Minuten später ruft der Redakteur bei Joachim an; er ist begeistert und bedankt sich.

Anderntags liest ein Autor mit zufriedenem Glück die Rezension seines Buches, keiner hat ihn je so gut verstanden, der Verlag wird Auszüge aus Joachims Besprechung auf dem Umschlag künftiger Auflagen abdrucken, und Joachim bekommt sein Honorar überwiesen. Alle sind zufrieden.

Und irgendwann fällt Joachim dann ein, daß er das Besprechungsexemplar vor ein paar Wochen Tante Margret zu ihrem Achtzigsten geschenkt hatte.

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Albrecht Müller, Wolfgang Lieb, Jens Berger und die “NachDenkSeiten”

Zu meinen Liebingsblogs im WWW gehören die “NachDenkSeiten” von Albrecht Müller und Wolfgang Lieb, die vor allem kritische Informationen zur bundesrepublikanischen Wirtschafts- und Sozialpolitik enthalten und der als wirtschaftspolitisch keynesianischer und sozialpolitisch links stehender Blog eine klare Gegenposition zum wirtschafts- und sozialpolitisch neoliberalen Mainstream in den Printmedien liefert (Warum dies der Mainstream ist, habe ich in meinem Blog schon öfters erläutert. Einfach ausgedrückt: Die Printprodukte, die in der Herstellung und Verbreitung teuer sind und viel Finanzkapital benötigen, sind praktisch ausnahmslos in der Hand reicher Verleger. Siehe hierzu meine Blogartikel: “Lobbys, PR-Agenturen und ihr Einfluß auf die Medien und Politik in Deutschland” und “Zur aktuellen Situation des Printjournalismus: Perspektiven und das Internet als mögliche Lösung“).

Tatsächlich nutzen auch Albrecht Müller und Wolfgang Lieb ganz bewusst das Internet als kostengünstige mediale Plattform, um ihre Botschaft unter die Leute zu bringen, da ihnen der Zugang zu einem Grossteil der deutschen Medien, auch der Printmedien, aufgrund ihrer kritischen Haltung zum aktuellen wirtschaftspolitischen und sozialpolitischen Mainstream verwehrt ist.

Der 1944 geborene Wolfgang Lieb studierte Rechtswissenschaften in Köln und war in dieser Zeit Mitglied im Sozialdemokratischen Hochschulbund (SHB). 1969/70 gehörte er kurzzeitig dem Vorstand des Verbands Deutscher Studentenschaften (VDS) an.

Nach dem Jura-Studium wurde Lieb 1972 zunächst Wissenschaftlicher Assistent an der damaligen Gesamthochschule Essen und wechselte 1976 an die sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Bielefeld. Von 1979 bis 1983 arbeitete er in der Planungsabteilung des Bundeskanzleramtes und wurde anschließend Leiter des Grundsatzreferates in der Landesvertretung Nordrhein-Westfalens in Bonn. Ab 1987 war er zunächst stellvertretender, später Regierungssprecher und Leiter des Landespresse- und Informationsamtes des Landes Nordrhein-Westfalen unter Ministerpräsident Johannes Rau. Zuletzt war er von 1996 bis 2000 Staatssekretär im nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerium.

Im März 2011 ist dann auch noch Jens Berger, der den Blog “Spiegelfechter” betreibt, zum bisherigen Herausgeber-Duo Albrecht Müller und Wolfgang Lieb dazugestossen. Mittlerweile haben wir also ein Herausgeber-Trio bei den “NachDenkSeiten“.

Der wirtschaftspolitische Kopf der “NachDenkSeiten” ist aber vor allem Albrecht Müller.

Wer ist Albrecht Müller? Albrecht Müller, geboren 1938 in Heidelberg, war von 1987 bis 1994 für die SPD Mitglied des Deutschen Bundestages und ist seitdem als freier Autor und Berater tätig.

Müller wuchs in Meckesheim auf. Auf eine Lehre zum Industriekaufmann folgte das Studium der Volkswirtschaftslehre und der Soziologie in Mannheim, Berlin, München und Nottingham. Nach seiner ersten Stellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Internationale Wirtschaftsbeziehungen der Universität München war er ab 1968 Redenschreiber des Bundeswirtschaftsministers Karl Schiller.

Von 1970 bis 1972 war er als Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit des SPD-Parteivorstandes maßgeblich an der Wahlkampfarbeit Willy Brandts unter dem Slogan „Willy wählen“ beteiligt. Er stand in engem Kontakt mit der sozialdemokratischen Wählerinitiative, die von Günter Grass, Siegfried Lenz, Günter Gaus und weiteren Prominenten des öffentlichen Lebens geführt wurde.

Danach arbeitete er von 1973 bis 1982 als Leiter der Planungsabteilung im Bundeskanzleramt unter Willy Brandt und Helmut Schmidt.

Nach dem Wahlsieg von Helmut Kohl 1982 war er als nichtbeamteter Abteilungsleiter einer der ersten Mitarbeiter, die ihre Stelle im Bundeskanzleramt verloren.

Er wurde nun freiberuflicher politischer und wirtschaftspolitischer Berater. 1984 trat er als Kandidat bei den Oberbürgermeisterwahlen in Heidelberg an, konnte sich aber gegen Reinhold Zundel nicht durchsetzen, obwohl er den Stimmanteil seiner Partei bei der Wahl von 27 auf 40,8 Prozent steigern konnte.

Von 1985 bis 1986 gehörte er der Wahlkampfmannschaft des niedersächsischen SPD-Spitzenkandidaten Gerhard Schröder an. Nach der Bundestagswahl 1987 zog Müller in den Bundestag ein, dessen Mitglied er über zwei Legislaturperioden bis 1994 blieb.

Heute ist Albrecht Müller als Autor und Journalist, Politik- und Unternehmensberater tätig.

Albrecht Müller hat drei hervorragende Bücher veröffentlicht, in denen er den deutschen neoliberalen “Eliten” (eigentlich ein Euphemismus angesichts der Mittelmäßigkeit und Käuflichkeit dieser Leute) ans Leder geht.

Sein erstes Buch “Die Reformlüge“ erschien im Jahre 2004. Das Buch war ein Bestseller. Es belegte Platz 8 auf der Spiegel-Liste im Oktober 2004. Im Manager Magazin führte das Buch im März 2005 die Wirtschaftsbestsellerliste an. Auf dem Ranking der Zeitschrift Stern erreichte es Platz 11.

Das Buch behandelt die Wirtschafts- und Sozialpolitik der damaligen rot-grünen Bundesregierung unter Gerhard Schröder.

Albrecht Müller konstatierte in diesem Buch, dass die Reform des Sozialstaats (Agenda 2010) nicht zur Lösung der gesellschaftspolitischen Probleme wie der wirtschaftlichen Stagnation, der Nachfrageschwäche und der Arbeitslosigkeit tauge. Er wirft in diesem Buch den in Deutschland den Mainstream repräsentierenden und führenden neoliberalen Politikern, Ökonomen und Journalisten grobe Fehler in ihrer Reformargumentation vor. Dabei kritisiert er auch die betriebene Öffentlichkeitsarbeit: Insbesondere mittels dramatisierender Veröffentlichungen über die Globalisierung der Märkte und die Überalterung der Gesellschaft diskreditiere ein Netzwerk von Verbandsfunktionären, Wissenschaftlern, Politikern und Journalisten die sozialen Sicherungssysteme, den Kündigungsschutz, angemessene Löhne und vernünftige Arbeitszeiten.

Demgegenüber ist Müller auf Grund seiner Erfahrungen als Leiter der Planungsabteilung des Kanzleramtes für eine vom Staat überwachte und mitbeeinflusste Wachstumspolitik, die auch die Nachfrage auf dem Binnenmarkt stärkt, wenn die Konjunktur mal nachlässt (makroökonomische Steuerung mit dem Ziel des “Magischen Vierecks” mit seinen vier Zielen: Angemessenes und stetiges Wirtschaftswachstum, Preisniveaustabilität, hoher Beschäftigungsstand und außenwirtschaftliches Gleichgewicht).

Tatsächlich fussen Deutschlands wirtschaftliche Erfolge in den letzten Jahrzehnten praktisch nur auf dem Export, wir sind mit China sogenannte “Exportweltmeister“.

Wir erkaufen diese Erfolge allerdings durch niedrige Löhne und damit Herstellungskosten in Deutschland, was unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit zwar steigert, aber den Binnenmarkt schwächt, denn die Deutschen sind so wenig konsumfreudig. Deutschland verfügt über einen extremen Aussenhandelsüberschuss, das Ziel des aussenwirtschaftlichen Gleichgewichts, eines der Ziele des “Magischen Vierecks”, wird völlig verfehlt.

Sollten wir mal ohne Exporterfolge bleiben, sieht es für Deutschland nicht mehr so gut aus, im übrigen beuten wir durch diese Politik gnadenlos vor allem unsere europäischen Nachbarländer und auch die USA aus (Siehe hierzu meinen Blogartikel: “Deutschlands neoliberale Sparpolitik: Auf Kosten anderer Länder, auch der USA“).

Zurück zu Albrecht Müllers “Die Reformlüge“: Die einseitige neoliberale, die Nachfrage vernachlässigende Wirtschaftstheorie, so Müller, habe einen anhaltenden Einfluss auf Medien und Politik in Deutschland und ruiniere so die Politik und Wirtschaft in Deutschland, sorge damit für eine Schwächung des Binnenmarkts und natürlich auch für eine Schwächung notwendiger sozialstaatlicher Elemente.

Dem Mitglied des Sachverständigenrats Peter Bofingerhat das Buch […] sehr gut gefallen. In sehr sachlicher und systematischer Form werden dort viele der Vorurteile widerlegt, die jeden Sonntag abend im Fernsehen bei Sabine Christiansen die Runde machen. Albrecht Müller ist dabei das Kunststück gelungen, ein ausgesprochen spannendes Buch über grundlegende wirtschaftliche Zahlen und Fakten zu schreiben“.

Das zweite Buch von Albrecht Müller aus dem Jahre 2006 heisst “Machtwahn – Wie eine mittelmäßige Führungselite uns zugrunde richtet. Müller kritisiert hier die Führungskräfte aus Politik und Publizistik, aus Wissenschaft und Wirtschaft, die Deutschland durch rücksichtslose Reformen zu Grunde richten. Er interpretiert die Politik der letzten Jahrzehnte als systematische Konkursverschleppung und erläutert die dahinter stehende Ideologie und deren Umsetzung. Bezüglich der Medien beschreibt der Autor die Ökonomisierung des gesellschaftspolitischen Diskurses, von dem die mediale Öffentlichkeit bestimmt werde.

Die Medien bezögen Informationen aus einem Netzwerk von unternehmensfinanzierten Wissenschafts- und Beratungseinrichtungen, die sich aber neutral geben. Insbesondere die Bertelsmann– und auch die Bosch-Stiftung (siehe hierzu in den “Nachdenkseiten”: “Krake Bertelsmann” – eine Dokumentation) seien die zentralen politischen Konzeptionalisierungs- und Beratungsagenturen.

Dadurch hätten sich neoliberale Sprachregelungen durchsetzen und die bisherige und wohl auch zukünftige Wirtschafts- und Sozialpolitik als alternativlos dargestellt werden können. Müller nannte die Verflechtung zwischen den neoliberalen “think tanks” und den Medien als eine Form des „Ideologieplacements“.

Als drittes und bisher letztes Buch erschient im August 2009 “Meinungsmache: Wie Wirtschaft, Politik und Medien uns das Denken abgewöhnen wollen“, in dem Albrecht Müller die These vertritt, dass die öffentliche Meinung mit systematisch inszenierten, durch die Wirtschaft finanzierte Kampagnen beeinflusst werde.

Wenn man sich als Beispiel die in der Vergangenheit oft extrem erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit der INSM (Iniative Neue Soziale Marktwirtschaft) anschaut, kann man Albrecht Müller auch in dieser Sache nur Recht geben.

Die Öffentlichkeitsarbeit der INSM ist charakterisiert durch die Strategie der integrierten Kommunikation. Die Verbreitung der Inhalte erfolgt durch Anzeigen, Broschüren, Magazine, Bücher und Lehrveranstaltungen.

Die INSM stellt aus den Reihen ihrer Botschafter Experten für Diskussionsrunden im Fernsehen sowie Interviewpartner für Zeitungsredaktionen, liefert fertige Beiträge für Print- und Fernseh-Redaktionen, stellt O-Töne für Hörfunkjournalisten zur Verfügung und beliefert Bildagenturen mit Bildmotiven. Ebenso finanzierte die INSM einen Workshop an der RTL-Journalistenschule in Köln. Die INSM stellt auch Lehrern natürlich tendenziöse Materialien zum Thema Wirtschaft für den Schulunterricht zur Verfügung und greift so auf den Schulunterricht in Deutschland zu.

Von 2003 bis 2005 kürte die INSM zusammen mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung jährlich den „Reformer des Jahres“. Dabei sollten Personen ausgezeichnet werden, die sich im betreffenden Jahr in besonderer Weise für „marktwirtschaftliche Reformen“ in Deutschland eingesetzt haben. Mit dem Titel wurde 2005 der Verfassungsrichter Udo di Fabio ausgezeichnet, 2004 der CDU-Politiker Friedrich Merz und 2003 das spätere CDU-Kompetenzteam-Mitglied Paul Kirchhof.

In den Jahren 2004 und 2003 wurden zusätzlich mit dem IG Metall-Vorsitzenden Jürgen Peters und dem SPD-Präsidiumsmitglied Andrea Nahles schäbigerweise auch die “Blockierer des Jahres“ ernannt.

Seit 2004 bewertet die INSM mit ihrer Rangeinstufung von Städten zusammen mit der Zeitschrift Wirtschaftswoche deutsche Städte auf Erfolg und „Dynamik“. Sieger waren 2006 München (Erfolg) und Dresden (Dynamik). Die Rankings der Initiative, die Bundesländer danach beurteilen, inwieweit sie Ziele der INSM verwirklichen, wurden von vielen großen Printmedien als neutrale Statistiken über wirtschaftliche Erfolge der Bundesländer übernommen.

Der fast faschistoid und ungut anmutende INSM-Slogan “Sozial ist, was Arbeit schafft” (Man denke nur an “Arbeit macht frei“) ist im Wahlkampf 2005 auch von Angela Merkel, Edmund Stoiber, Guido Westerwelle und anderen CDU- und FDP-Politikern unzählige Male in ihren Reden zitiert und wiedergekäut worden. Seht hierzu auch den Artikel vom 16.8.2002 mit dem Titel “Slogan aus Nazizeit” in “taz.de“.

Die INSM unterhält zahlreiche Medienpartnerschaften. Bisher gab es Medienpartnerschaften zwischen der INSM und den bedeutenden überregionalen Organen Financial Times Deutschland, der Wirtschaftswoche, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, der Zeitschrift Focus und dem Handelsblatt. Im Handelsblatt erschien zeitweise eine regelmäßige Kolumne des Kuratoriumsvorsitzenden der INSM, Hans Tietmeyer, und des Kuratoriumsmitglieds Oswald Metzger.

Die INSM ist aber nur ein Beispiel für einen neoliberalen Think-Tank, der sich tief in die deutsche Medien- und Politiklandschaft hineingefressen hat. Aber es gibt noch unzählige andere neoliberale Wirtschaftsinstute und Think-Tanks, die einen massiven Einfluss auf die wirtschafts- und sozialpolitische Diskussion in Deutschland ausüben und sie im Grunde völlig dominieren. Minderheitenstimmen wie die von Albrecht Müller Wolfgang Lieb und Jens Berger dringen da kaum durch, sind auch massiv auf das Internet als das einzige freie und kostengünstige Medium in Deutschland angewiesen.

Diese drei Bücher von Albrecht Müller kann ich euch also mehr als empfehlen. Sie werfen ein scharfes und kritisches Licht auf die Art, wie in Deutschland die neoliberalen “Eliten (?!), ihre Unternehmer und Politiker, die deutsche Bevölkerung einer Gehirnwäsche unterziehen, indem sie über die Medien massiv Propaganda für ihre neoliberale Wirtschafts- und Sozialpolitik betreiben und sie als alternativlos darstellen.

Das übliche Totschlagargument: Die sogenannte “Globalisierung“, die übrigens absolut nichts Neues ist. Schon im 19. Jahrhundert war der Kapitalismus global und universell, Karl Marx gehört nicht nur zu den schärfsten Kapitalismuskritikern seiner Zeit, sondern war auch schon ein Globalisierungstheoretiker, in dem er den globalen Siegeszug des damaligen Manchester-Kapitalismus (der dem heutigen neoliberalen Kapitalismus zum Verwechseln ähnlich ist) kritisch kommentiert und ihm seine allerdings mittlerweile völlig obsolete und durch die historische Erfahrung desavouierte Vision einer kommunistischen Gesellschaft entgegenstellt.

Viel Spass also bei der Lektüre dieser Bücher und vor allem auch der “NachDenkSeiten” (es gibt auch einen Wikipedia-Eintrag zu dieser Website), die viele aktuelle, gute und kritische Kommentare zur bundesrepublikanischen Wirtschafts- und Sozialpolitik liefern.

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