Zwei gute Fernseh-Dokus über die fragwürdigen Machenschaften der Pharmaindustrie

Ich habe mir in den letzten Tagen zwei gute deutschsprachige Fernseh-Dokumentationen über die fragwürdigen Machenschaften der Pharmaindustrie angesehen.

Zum einen eine ungefähr 40minütige Dokumentation mit dem Titel “Das Pharma-Kartell: Wie Patienten betrogen werden”, die im Dezember 2008 in “Frontal21” (politisches Fernsehmagazin im ZDFausgestrahlt wurde. 

Pharmaunternehmen können in Deutschland nach Einschätzung
zahlreicher Experten fast ungestört ihre Profitinteressen verfolgen. Das
geht zu Lasten der Patienten, wenn dabei Nebenwirkungen verschwiegen,
Selbsthilfegruppen instrumentalisiert oder Politiker, Ärzte und Heilberufe mit
Gefälligkeiten und Geschenken umworben werden.

Christian Esser und Astrid Randerath decken in dieser Fernseh-Dokumentation auf, wie dieses System von “Big Pharma” in Deutschland funktioniert.

Uwe Dolata ist Korruptionsexperte der Kriminalpolizei und ermittelt dabei auch immer wieder gegen verschiedene Pharmafirmen. “Sehr perfide” nennt er die Methoden der
Pharmaindustrie. “Sie geht vor mit einem Netzwerk der Korruption, das sie über
Deutschland ausgeworfen hat“, sagt Dolata.

Politik, Verwaltungen,niedergelassene Ärzte und Krankenkassen seien vom Einfluss der Pharmalobby durchdrungen. “Sie nimmt Einfluss direkt oder indirekt, sie begeht Sponsoring, sie füttert an.” Auch Forschungsberichte und Universitäten würden beeinflusst. Wichtigstes Ziel ist dabei offenbar immer, Medikamente gewinnbringend zu
verkaufen.

Auch fragwürdige Medikamente werden nach Ansicht von Kritikern in den
Markt gedrückt und eine Gefährdung der Patienten in Kauf genommen. “Der auch in
der Öffentlichkeit immer noch vorherrschende Irrglaube, ein Arzneimittel, was
zugelassen ist, ist sicher, ist eindeutig nicht richtig“, sagt Professor Wolf-Dieter
Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft.

Ich habe mir diese Dokumentation in Ruhe angeschaut und sie ist wirklich gut gemacht. Auch Albrecht Müller war von dieser Fernseh-Dokumentation wohl wirklich beeindruckt.

Seht hierzu seinen Artikel vom 10. Dezember 2008 mit dem Titel “Das Pharma-Kartell bei Frontal 21 – Kraftfutter für `Verschwörungstheoretiker´” in den “NachDenkSeiten“.

Tatsächlich erhielten Christian Esser und Astrid Randerath im Jahre 2009 den Hanns-Joachim-Friedrichs-Förderpreis für diese Fernseh-Dokumentation.

Die Jury hielt diese Frontal-21-Dokumentation Das Pharma-Kartell: Wie Patienten betrogen werden” für ein herausragendes Beispiel von investigativem Journalismus (Siehe hierzu auch eine entsprechende Pressemitteilung in FAZ.NET).

Im November 2011 wurde in “Arte” ein Themenabend mit dem Titel “In den Fängen der Pharmalobby” ausgestrahlt.

Teil dieses Themenabends war auch die ungefähr 50minütige Fernseh-Dokumentation “Krankheiten nach Maß” (Maladies à vendre) von Anne Georget.

Medikamente dienen der Heilung von Krankheiten, zumindest ist das die Annahme von Patienten, die Arzneimittel einnehmen. Doch gibt es den Verdacht, dass es auch Marketingstrategien der pharmazeutischen Industrie gibt, Krankheiten zu fördern. 

Diese Dokumentation versucht unter anderem diesem Phänomen des sogenannten “Condition Branding“, der bewussten Förderung von Krankheiten, auf die Spur zu kommen.

Ob es sich um überhöhte Cholesterinwerte, Depressionen, bipolare Störungen oder Impotenz handelt: Diese Fernseh-Dokumentation zeigt die Strategien der Pharmabetriebe, die zum Ziel haben Menschen in Kranke – das heißt in Medikamentenverbraucher – zu verwandeln. Dabei werden Mediziner und Gesundheitsbehörden zu mehr oder weniger passiven Komplizen solcher Methoden.

Zum Thema des sogenannten “Condition Branding” seht zum Beispiel auch den Artikel von Shannon Brownlee vom 30. März 2008 mit dem Titel “Anxiety Attacks: Let’s Stop Running Scared” in der “Washington Post“.

Ich fand auch diese Arte-Dokumentation “Krankheiten nach Maß” (Maladies à vendre) gut gemacht und wirklich erhellend.

Beide Fernseh-Dokumentationen lassen sich zur Zeit in YouTube auffinden.

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