Mariano Rajoy und die aktuelle Politik des `nationalen Stolzes´ in Spanien – 2

Siehe zur spanischen Obstruktionspolitik gegenüber Gibraltar im August 2013 auch den Artikel vom 8.8.2013 mit dem Titel “Gibraltar: Grenzscharmützel am `Affenfelsen´” in der österreichischen Tageszeitung “Die Presse“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Für den spanischen Premierminister, Mariano Rajoy, ist es eine willkommene Abwechslung von innenpolitischen Skandalen, für seinen britischen Kollegen, David Cameron, ein unnötiges Ärgernis – die Rede ist vom jüngsten Streit an der Grenze zwischen Spanien und Gibraltar. Seit das britische Überseegebiet vor zwei Wochen mit der Aufschüttung eines künstlichen Riffs vor der eigenen Küste begonnen hat, gehen zwischen Madrid und London die Wogen hoch(…).

Hinter diesen Grenzscharmützeln versteckt liegt das eigentliche Motiv: Spanien hat die britische Hoheit über Gibraltar nie akzeptiert – die Royal Navy eroberte den „Affenfelsen“ 1704 während des spanischen Erbfolgekriegs, 1713 wurde Gibraltar im Vertrag von Utrecht Großbritannien zugesprochen. Dass die „Gibraltareños“ nicht zu Spanien gehören wollen (beim letzten Referendum 2002 stimmten 99 Prozent der Einwohner für den Verbleib bei Großbritannien), tut aus spanischer Perspektive nichts zur Sache.

Während Rajoys sozialistische Vorgänger konziliante Töne anschlugen – 2009 besuchte Außenminister Miguel Angel Moratinos als erster Vertreter der Regierung in Madrid seit drei Jahrhunderten die Halbinsel –, setzt der konservative Premier auf Konfrontation. Die Gründe für den Kurswechsel dürften in der Innenpolitik liegen: Rajoy und seine Regierungspartei PP sind wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise unbeliebt und obendrein in einen Korruptionsskandal verwickelt, der Konflikt mit Gibraltar dient somit als Ablenkung der Wählerschaft”.

Allerdings, für die Regierung Mariano Rajoy geht es bei diesem Schmierentheater um Gibraltar in erster Linie darum, von den eigenen Schwächen und Fehlern abzulenken.

Mariano Rajoy und David Cameron riefen in Sachen Streiterei um Gibraltar im August 2013 sogar die EU (Europäische Union) an.

Siehe hierzu zum Beispiel den Artikel vom 18.8.2013 mit dem Titel “Streit um Gibraltar Rajoy und Cameron rufen EU an” in der “FAZ“.

Und David Cameron und Mariano Rajoy haben diese Streiterei um Gibraltar anscheinend im vergangenen August 2013 sogar zur “Chefsache” gemacht.

Siehe hierzu zum Beispiel den Artikel vom 7.8.2013 mit dem Titel “Konflikte: Cameron und Rajoy machen Gibraltar-Streit zur Chefsache” in “Focus“.

Für eine Einschätzung dieser Spannungen zwischen Spanien und England im August 2013 aus britischer Sicht siehe zum Beispiel den Artikel vom 9.8.2013 mit dem Titel “Mariano Rajoy: ‘Spain will defend its interests in Gibraltar‘” in der britischen Tageszeitung “The Daily Telegraph“.

Mariano Rajoy hatte sogar den Nerv, diese alberne Geschichte Ende September 2013 vor die Vereinten Nationen zu bringen, die weiß Gott wichtigere Themen auf der Tagesordnung hat als diese lächerliche Streiterei um den sogenannten “Affenfelsen” (die Halbinsel Gibraltar ist der einzige Ort in Europa mit frei lebenden Affen).

Siehe hierzu zum Beispiel den Artikel vom 26.9.2013 mit dem Titel “Spanish prime minister raises ‘anachronism’ of Gibraltar at UN” in der britischen Tageszeitung “The Guardian“.

Siehe hierzu auch den Artikel vom 26.9.2013 mit dem Titel “Mariano Rajoy: ‘Gibraltar is an anachronism and the last colony’ in Europe” in der britischen Tageszeitung “The Daily Telegraph“.

In diesen Artikel eingebettet findet man auch einen kurzen Video-Clip der Rede Mariano Rajoys vor den Vereinten Nationen.

Auffällig in diesem Video-Clip ist, dass die gesamten Stuhlreihen vor dem Rednerpult Mariano Rajoys praktisch komplett unbesetzt waren. Wohl kaum einer der UN-Delegierten hat sich damals für dieses Thema interessiert und sich die Mühe gemacht, diese Rede von Mariano Rajoy anzuhören.

Einen treffenden spanischen Artikel mit dem Titel “”Ridículo de Rajoy en la ONU reivindicando Gibraltar como Franco” (Deutsch: “Der lächerliche Mariano Rajoy hat wie Franco vor der UNO Gibraltar eingefordert“) hat Enric Sopena in der spanischen digitalen Online-Zeitung “El Plural” am 28.9.2013 veröffentlicht.

Eine andere Version dieses Artikels von Enric Sopena unter demselben Titel “Ridículo de Rajoy en la ONU reivindicando Gibraltar como Franco” findet man im Blog “Navia de Suarna, Socialista“, der politische Informationen aus verschiedenen Quellen anbietet.

Der altgediente spanische Journalist Enric Sopena (1945 in Barcelona geboren) ist sich als Spanier seiner Generation natürlich vollkommen bewusst, dass Mariano Rajoy mit seinen Forderungen gegenüber England nach einer Rückgabe Gibraltars wie seinerzeit der Diktator Francisco Franco daherkommt, dessen klerikalfaschistisches und imperialistisches Theater (Parolen“¡Arriba España!” “¡Una, Grande y Libre!”) natürlich immer auch die Forderung nach einer Rückgabe Gibraltars an Spanien miteinschloss.

Wer das auch zu kapieren scheint ist der aktuelle Londoner Bürgermeister Boris Johnson.

Siehe hierzu zum Beispiel den Artikel vom 11.8.2013 mit dem Titel “Spanish behaviour over Gibraltar a throwback to Franco, says Boris Johnson” in der britischen Tageszeitung “The Independent“.

Boris Johnson gilt als typischer, konservativer und zugleich exzentrischer Oberschichtbrite. Ganz dumm scheint er aber nicht zu sein, denn er kapierte damals, dass die Ideen und politischen Rezepte Francisco Francos hinter dem aggressiven Theater der Regierung Mariano Rajoy (Kabinett Rajoy) um Gibraltar im Sommer 2013 standen.

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