Die biologistische Psychiatrie: “Seelsorge” im Auftrag der Pharmaindustrie – 6

Viele sogenannte Yuppies (die natürlich unter anderem Trendsetter-Funktion haben) und zunehmend auch Durchschnittsmenschen nehmen seit den neunziger Jahren Psychopharmaka wie zum Beispiel bestimmte Antidepressiva (Prozac) nicht aus Krankheitsgründen ein, sondern einfach deshalb, um leistungsfähiger und besser gelaunt zu sein.

Seht hierzu auch den kurzen Artikel vom 28.11.2007 mit dem Titel “20 Millionen Prozac-Patienten” in “Die Welt“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “In den USA wird die Zahl der Prozac-Konsumenten auf 20 Millionen geschätzt. Es wurde dort nach der Einführung als medizinisches Wunder gefeiert und galt wegen seiner motivierenden Wirkung als Yuppie-Droge”.

Solche Psychodrogen gehören mittlerweile auch zum “Lifestyle” vieler Menschen in Deutschland.

Seht hierzu auch den Artikel mit dem Titel “Die Welt als Pille und Vorstellung(eine Anspielung auf Arthur Schopenhauers Hauptwerk) von Sabine Magerl im “Süddeutsche Zeitung Magazin” (Heft 7/2008):

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem:

Apotheker berichten derzeit, dass der Verkauf von Psychopharmaka deutlich zunimmt. Dabei besteht der Verdacht, dass Antidepressiva nicht mehr nur gegen die Krankheit Depression eingenommen werden – sondern zur Leistungssteigerung. Im Jahr 2006 wurden in Deutschland allein von den neueren Antidepressiva, welche die Produktion des Botenstoffs Serotonin im Gehirn anregen, 4,8 Millionen Packungen verkauft. Sie haben im Vergleich zu früheren Medikamenten weniger Nebenwirkungen und, seit Prozac als eines der ersten Psychopharmaka der neuen Generation auf den Markt kam, auch das Image von Glückspillen. »Diese Medikamente haben sich den gesellschaftlichen Bedürfnissen angepasst und sind damit im Alltag angekommen«, sagt Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik an der Universität Bremen. »Sie wirken nicht mehr nur dämpfend wie früher, sondern vor allem auch stimulierend.« Das Versprechen der Medikamente sei groß, »beinahe so, als könne aus einem traurigen Menschen ein schöner Schwan werden«. Und wer sei dafür nicht empfänglich, in einer Welt, in der jeder aktiv und leistungsstark sein soll und seine Persönlichkeit optimieren will?”

In New York gehört es offensichtlich sogar zum „Lifestyle“ der Oberschichten, regelmäßig zum Psychiater zu gehen.

Seht hierzu auch den Artikel vom 20.6.2012 im Blog des deutschen Wirtschaftsjournalisten und Korrespondenten Tim Schäfer mit dem Titel “Reiche in New York: Kokosmilch, Psychiater, Luxuswohnung“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem:

New Yorker sind ein Trendsetter in vielerlei Hinsicht. Machen Sie sich schon mal darauf gefasst, dass Psychologen und Psychiater einen Boom weltweit erleben werden. In Manhattan ist es jedenfalls schick, einen Seelenklempner zu haben. Ich traf kürzlich eine prominente Psychiaterin zum Plausch in einem Café am Central Park. Sie ist Professorin an einer renommierten Uni und hat jede Menge reiche Privatpatienten. Ihre Kunden sind Hollywoodstars, Hedgefondsmanager, Politiker, Banker, TV-Stars. Als einer ihrer Patienten einen Oscar gewann, bedankte sich die Schauspielerin ausdrücklich in ihrer Rede für die mentale Unterstützung vor laufender Kamera. Sie können sich sicherlich vorstellen, wie das die Psychiaterin gefreut hat – so wichtig wie die engsten Familienmitglieder zu sein”.

Es gibt in New York anscheinend auch eine Szene von Psychotherapeuten für Superreiche.

Seht hierzu auch den Artikel vom 7.7.2008 mit dem Titel “Age of Riches: Challenges of $600-a-Session Patients” in der “New York Times“.

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