Die biologistische Psychiatrie: “Seelsorge” im Auftrag der Pharmaindustrie – 4

Siehe hierzu auch den entsprechenden Artikel vom 3.1.2008 mit dem Titel “Pharmakonzerne: Mehr Geld für Werbung als für Forschung” in “Der Spiegel”:

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: 

“Medikamentenwerbung ist nahezu allgegenwärtig. Kaum eine Zeitschrift kommt ohne sie aus, kaum ein Arzt ist vor Besuchen der Arzneiproben verteilenden Pharma-Referenten sicher. Im Fernsehen kommt Medikamentenwerbung so oft vor, dass die Mehrheit der Deutschen in der Lage sein dürfte, den Standardspruch über Risiken und Nebenwirkungen im Schlaf herunterzubeten.

 Forscher haben jetzt ausgerechnet, wie viel US-Pharmakonzerne für Werbung ausgeben – im Verhältnis zu ihren Forschungsetats. Das Ergebnis: Die Ausgaben für die Werbung liegen fast doppelt so hoch wie für Forschung und Entwicklung, schreiben Marc-André Gagnon und Joel Lexchin von der York University im kanadischen Toronto im Online-Fachblatt “PLoS Medicine”. Im Jahr 2004 steckten US-Arzneifirmen demnach insgesamt 57,5 Milliarden Dollar in Werbemaßnahmen, aber nur 31,5 Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung (39,3 zu 21,5 Milliarden Euro). Das Ergebnis bestätige den öffentlichen Eindruck, dass die Pharmaindustrie marketinglastig sei, kritisieren die Forscher”.

Seht hierzu auch den Artikel vom 1.3.2008 mit dem Titel “The Cost of Pushing Pills: A New Estimate of Pharmaceutical Promotion Expenditures in the United States” im US-amerikanischen Online-Fachblatt PLOS Medicine.

In den USA werden zunehmend Neuroleptika auch an Kinder verschrieben. Neuroleptika wurden ausschließlich für Erwachsene entwickelt, da Kinder in Regel keine Psychosen bekommen. Und Neuroleptika sind sogenannte Antipsychotika. So werden sie zunehmend heute auch in Deutschland bezeichnet.

Aber im Zuge der Ausweitung des sogenannten “Off-Label-Use” solcher Antipsychotika werden diese stark wirkenden und nebenwirkungsreichen Neuroleptika in den USA auch zunehmend an Kinder verabreicht.

Siehe zu diesem Thema der Verschreibung von Neuroleptika an Kinder auch meinen Blogartikel “`Teenscreen´ in Amerika“.

Die amerikanischen Psychiater haben es offensichtlich sogar geschafft, diese Antipsychotika (Neuroleptika), die am stärksten wirkenden und damit auch nebenwirkungsreichsten Psychopharmaka, zu Massenmedikamenten (!) zu machen.

Siehe hierzu zum Beispiel den Artikel “Mass psychosis in the US: How Big Pharma got the Americans hooked on anti-psychotic drugs” vom 12.6.2011 verfasst von James Ridgeway in Al-Jazeera .

In den USA sind die Antipsychotika “Seroquel” und “Abilify” (es handelt sich in beiden Fällen um sogenannte atypische Neuroleptika) sogar mit in die Gruppe der meistverkauften verschreibungspflichtigen Medikamente aufgestiegen.

Das macht sogar US-amerikanischen Psychiatrieprofessoren und Psychopharmakologie-Spezialisten wie Richard A. Friedman mittlerweile Sorgen.

Seht hierzu auch den Artikel in der New York Times vom 24.9.2012 mit dem Titel “A Call for Caution in the Use of Antipsychotic Drugs.

Creative Commons Lizenzvertrag Die biologistische Psychiatrie: “Seelsorge” im Auftrag der Pharmaindustrie – 4 Klaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s