Zum sogenannten “Referendum über die katalanische Selbstbestimmung” – 5

Weiterhin ist ist dieses kommende “Referendum über die politische Zukunft Kataloniens 2014” und die dann möglicherweise erfolgende Abtrennung Kataloniens von Spanien eine Bedrohung für die sich bisher nur ganz langsam und zögerlich erholende spanische Wirtschaft.

Seht hierzu auch den Artikel vom 12.12.2013 mit dem Titel “Catalonia Sets Nov. 9 as Date for Independence Referendum” im “Wall Street Journal“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “The Catalan challenge comes at a time when Mr. Rajoy is trying to build on some modest improvement in the long sickly Spanish economy.

Spain recently exited a nine-quarter recession. The stock market has surged and investors such as Bill Gates and Carlos Slim have recently placed bets on Spain. A secession crisis involving a region known as “the factory of Spain” could quickly curb that positive momentum, analysts say”.

Auch die katalanischen Banker und Geschäftsleute scheinen über den wachsenden Separatismus in Katalonien nicht begeistert zu sein.

Seht hierzu auch den Artikel vom 16.1.2014 des Madrid-Korrespondenten der “Financial Times” Miles Johnson mit dem Titel “Catalonia heads for clash with Spain on independence

Miles Johnson bemerkt in diesem Artikel unter anderem: “The sharp increase in separatist sentiment in Catalonia has prompted concerns among Catalan business leaders over stability. (…).

The Catalan government’s drive for a plebiscite has gained greater resonance in Europe as Scotland prepares for a referendum this year on independence from the UK, prompting concern among national governments that regions in countries such as Belgium and Italy could follow suit”.

Wie der Madrid-Korrespondent der “Financial Times” Miles Johnson obenstehend anmerkt, verfolgen die Regierungen der Länder, die ebenfalls von separatistischen Bewegungen bedroht werden, diese Entwicklung in Katalonien wohl mit unguten Gefühlen.

Und tatsächlich sind auch die nationalen Regierungen anderer EU-Länder wie zum Beispiel Italien (Norditalien und Südtirol), Belgien (Flandern) oder England (Schottland) vom Separatismus bedroht.

Seht zu diesem Separatismus in einigen EU-Ländern auch den Essay vom 2.12.2012 mit dem Titel “Separatismus: Am prächtigsten allein” in “Zeit Online“.

Das Autorenteam dieses Essays bemerkt im zweiten Abschnitt mit dem Titel “Es geht nicht um Freiheit oder Selbstverwirklichung” zurecht: “Es geht den sezessionistischen Flamen, Schotten oder Katalanen nicht um Freiheit oder Selbstverwirklichung. Kein Katalane wird ernsthaft behaupten können, Madrid unterdrücke ihn. Und kein Südtiroler muss sich die Demokratie erstreiten. Nein, es geht vor allem darum, eine strapazierte Solidarität maximal einzugrenzen. Sicher, die Frage ist berechtigt, warum ein erfindungsreiches Flandern ein wirtschaftlich wenig ambitioniertes Wallonien dauerhaft alimentieren soll, noch dazu, wenn nun Zusatzsolidarität auf höherer Ebene, der des Euro-Raumes, abverlangt wird. Aber wenn das Motiv lautet, Solidarität zurückzufahren auf die kleinste gemeinsame Gruppe, wo landet sie dann am Ende? In der Region, ja gut – aber wieso eigentlich? Warum nicht in der eigenen Stadt? An der eigenen Haustür? Vermeintliche Gemeinschaftsgefühle haben sich schon oft als Engstirnigkeit entpuppt. Man muss in Estland nur mit Vertretern der zurückgelassenen russischen Minderheit sprechen, um zu erfahren, wie eifersüchtig und exklusiv die »nationale Unternehmung« in Wahrheit ablief.

Bezeichnenderweise sind weder Katalanen noch Flamen, noch Südtiroler bereit, den Euro aufzugeben, sollten sie unabhängig werden. Das zeigt, wie viel Gratis-Mut letztlich in ihren Bewegungen steckt. Das Vertrauen in die eigene Kraft reicht offenkundig nur so weit, wie andere das Risiko des Scheiterns tragen”.

Allerdings: Alle diese Separatisten appellieren unter dem Deckmantel der kulturellen Eigenständigkeit an den Egoismus ihrer regionalen Wähler. Aber mit dem gleichen Argument wie diese Separatisten könnten zum Beispiel in Deutschland die Münchner oder Stuttgarter versuchen, die wesentlich ärmeren Berliner oder die ostdeutschen Regionen insgesamt loszuwerden.

Tatsächlich hat zum Beispiel Horst Seehofer seinerzeit in Bayern mit Erfolg versucht, bei seiner Bierzelt-Lederhosen-Wählerschaft mit solchen regionalen Egoismen zu punkten. Horst Seehofer erzielte bei den bayerischen Landtagswahlen im September 2013 ein hervorragendes Ergebnis für die CSU. Seht hierzu den Wikipedia-Artikel zur Landtagswahl in Bayern 2013.

Zu Horst Seehofers Strategie im vorangegangenen Wahlkampf gehörte es unter anderem, gegen den Länderfinanzausgleich zu wettern, der seiner Meinung nach das Land Bayern benachteilige und schädige.

Ein guter Artikel hierzu mit dem Titel “Die Kapriolen des bayerischen Landesvaters” erschien hierzu am 18.7.2012 in der “Berliner Morgenpost“.

Die Frage allerdings, die sich im Zusammenhang mit solchen regionalen Egoismen stellt, ist folgende: Wo hört man dann eigentlich auf?

Und wie will man unter solchen Voraussetzungen ein vereintes Europa schaffen, wenn in manchen europäischen Ländern offensichtlich sogar die nationalstaatliche Einheit in Frage gestellt wird?

Creative Commons Lizenzvertrag Zum sogenannten “Referendum über die katalanische Selbstbestimmung” – 5 Klaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s