Zum aktuellen US-Haushaltsstreit – 14

Ich brauche diesen Artikel “Where the G.O.P.’s Suicide Caucus Lives” hier wohl nicht weiter kommentieren.

Wir wissen alle, dass Barack Obama der erste afroamerikanische Präsident in der Geschichte der USA ist. Und wir alle haben wohl seit seiner Wahl im November 2008 geahnt, dass es für ihn nicht leicht werden würde.

Ein klar analysierender Artikel des Washington-Korrespondenten Gregor Peter Schmitz ebenfalls zum Thema des derzeitigen Verhaltens John Boehners und der Republikanischen Partei im aktuellen US-Haushaltsstreit mit dem Titel “Republikaner im US-Haushaltsdrama: Die Kamikaze-Partei” ist am 1.10.2013 in “Spiegel Online” erschienen.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Amerikas Kongressabgeordnete sind vor allem eines: politische Unternehmer in eigener Sache. Ihr Kundenkreis ist eng umrissen, er beschränkt sich weitgehend auf die Wähler im eigenen Wahlkreis. Das zeigt sich auch beim Streit über den Shutdown. (…).

Viele Abgeordnete rechnen auch in diesem Szenario kühl. Das US-Wahlrecht kennt nur Direktmandate, und im Repräsentantenhaus müssen sämtliche Mitglieder alle zwei Jahre ihren Sitz verteidigen. Also geht ihnen der Dienst an der Basis über alles, dorthin eilen sie beinahe jede Woche zurück, um Geld für den Wahlkampf zu sammeln und Geld nach dem Wahlkampf zu verteilen. Landesliste, Parteivorstand, Fraktionszwang? Diese Begriffe sind den meisten Kongressabgeordneten völlig unbekannt. (…).

Denn beide US-Parteien vermessen seit Jahren Amerikas Wahlkreise streng parteiisch neu, damit möglichst viele linke oder rechte Hochburgen entstehen. Bei der Kongresswahl im Jahr 2010 waren daher gerade einmal 30 von 435 Sitzen wirklich umkämpft, mit einem Abstand von unter fünf Prozent beim Ergebnis. In beinahe 70 Prozent der Wahlkreise gewann hingegen eine Partei mit mehr als 60 Prozent der Stimmen, haushoch also. Die Wahlkreise sind selbst nach Hautfarben fein säuberlich getrennt: In demokratischen Gebieten stellen Schwarze und Latinos die Mehrheit – die republikanischen sind zu fast drei Vierteln weiß.

Solche Faktoren beeinflussen das Abstimmungsverhalten mehr als jede Ermahnung, das Staatswesen zu retten. Abgeordnete, die so gut wie nie ein farbiges Gesicht sehen, stimmen gegen jede Einwanderungsreform. Und Tea-Party-Aktivisten, die im pragmatischen Washington unerwünscht sind, sind in ihren erzkonservativen Wahlkreisen nur unumstritten, wenn sie im Kongress möglichst prinzipientreu und kompromisslos bleiben. Denn sonst droht ihnen dort in parteiinternen Vorwahlen Konkurrenz von noch weiter rechts. Wie soll man sich besser davor absichern, als dem vermeintlichen Kommunisten Obama einen Shutdown zu verpassen?

Doch auch für die Republikaner gilt: Was Einzelnen nützt, ergibt noch lange nicht ein schlagkräftiges Ganzes. Die Konservativen spielen ein gefährliches Spiel. Denn viele Amerikaner mögen über den Staat schimpfen, aber sie wollen ihn nicht abschaffen – schon gar nicht, wenn ihre eigenen Leistungen beschnitten werden. Als Republikanerführer Newt Gingrich 1995 mit Bill Clinton ein ähnliches Duell versuchte, kegelte er sich selbst aus dem Amt und verhalf dem skandalbelasteten Clinton zum politischen Comeback. Auch nun zeigt landesweit eine Mehrheit der US-Bürger in Umfragen wenig Verständnis für das Gebaren der Abgeordneten”.

Einen Artikel mit dem Titel “From a letter … to a train wreck: How the GOP derailed the government” wurde am 1.10.2013 in “The Buffalo News” veröffentlicht.

Es handelt sich bei den “Buffalo News” um die bedeutendste Zeitung der “Buffalo – Niagara Falls metropolitan area“.

In diesem Artikel mit dem Titel “From a letter … to a train wreck: How the GOP derailed the government” findet man weitere Informationen darüber, wie es dazu kommen konnte, dass sich John Boehner und die restlichen eher gemäßigten Politiker der Republikanischen Partei in diesem US-Haushaltsstreit den radikalen Tea-Party-Politiker angeschlossen haben, die nun einen “government shutdown” erzwungen haben.

In diesem Artikel erfahren wir unter anderem: “In August, when a first-term Republican member of the House from North Carolina hatched the idea of defunding “Obamacare” while funding the government, Reps. Chris Collins and Tom Reed didn’t necessarily think it was a good plan.

Neither local lawmaker signed a letter from Rep. Mark R. Meadows to House Speaker John A. Boehner, R-Ohio, pushing that idea. Instead, Collins and Reed talked of other tactics for overturning the health care law they both detest.

By mid-September, though, Collins and Reed had agreed to Meadows’ approach.

More importantly, so had Boehner – who only 10 months earlier said Republicans would back off from their attempts to repeal the Affordable Care Act. “ ‘Obamacare’ is the law of the land,” Boehner said after President Obama, the law’s namesake, won re-election.

The story of how Boehner changed his mind – and how mainstream Republicans such as Collins and Reed did, too – is, in essence, the story of why the federal government shut down this week.

It’s also the story of the outsize power of a group of 30 to 40 GOP lawmakers, most of whom you’ve probably never heard of, who have come to infuse the House with the don’t-tread-on-me spirit of the tea party voters who elected them. (…).

Collins said he refused to sign the letter for two reasons. First and foremost, he said in an interview Tuesday, is that he prefers to talk to House leaders on the phone or on the House floor rather than through such letters. Moreover, the Clarence Republican said, he was “concerned” about the Meadows letter. (…).

Reed said he was unaware of the Meadows letter – not that he would have signed it if he had seen it. “I always prefer to deal with these issues one by one,” the Corning Republican said.

Boehner does, too – but after many machinations, he changed his mind. And it was all because of mathematics.

There are 232 Republicans in the House, along with 200 Democrats. To win a majority on controversial votes, Boehner needs 217 Republican votes – and without a big chunk of the 30 to 40 tea party members, he can’t get there. `The clock winds down, and you’ve got to get something passed´, Collins said” (Fettdruck von mir).

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