Zur Frage der Bewertung von Staatsschulden – 1

Gerade eben war ich mal wieder in meiner Stammkneipe (das Litfass). Und natürlich ging es am Stammtisch wieder mal um das sattsam bekannte Thema der Staatsschulden. Und die teilweise wirre Diskussion gipfelte in der Behauptung einiger Anwesender, die USA seien “Pleite(?!).

Nun, bevor ich hier auf die einzelnen Schuldenstände von verschiedenen Ländern eingehen werde, möchte ich die grundsätzliche die Frage erläutern, wie Staatsschulden und ihre jeweilige Höhe einzuschätzen sind.

Grundsätzlich wird der Schuldenstand eines Landes immer mit dem jeweiligen BIP (Bruttoinlandsprodukt) des Landes in Relation gestellt. Daraus resultiert dann eine Prozentangabe.

Worauf ist dann nun bei der Bewertung der Staatsschulden grundsätzlich zu achten?

Grundsätzlich ist darauf zu achten, wie die wirtschaftliche und technologische Leistungskraft und die Wettbewerbsfähigkeit des betreffendes Landes einzuschätzen ist, das den entsprechenden Schuldenstand aufweist. Ein Sonderfall können auch extrem rohstoffreiche Länder sein wie zum Beispiel Saudi-Arabien. Solange dort das Öl sprudelt, können sie wohl kaum Pleite gehen.

Für die wirtschaftliche Leistungskraft eines Landes gibt es verschiedene Indikatoren. Über einen Indikator habe ich vor kurzem ausführlich in einem Blogeintrag geschrieben: Die Patentanmeldungen eines Landes.

Seht hierzu meinen Blogeintrag “Das technologische und wirtschaftliche Gefälle zwischen Nord- und Mitteleuropa und Südeuropa“.

Wenn ein Land eine hohe Zahl von Patentanmeldungen aufweist, ist dies ein Indikator dafür, dass dieses Land wohl über eine hohe technologische Innovationskraft und wohl auch Wettbewerbsfähigkeit verfügt. Denn ist eine Erfindung erst mal patentiert, kann man damit in der Regel auch Geld verdienen.

Ein weiterer Indikator ist natürlich das BIP (Bruttoinlandsprodukt) des Landes im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl.

Es gibt hierzu einen Wikipedia-Eintrag “Liste der Länder nach Bruttoinlandsprodukt“.

Auf Platz eins stehen natürlich die USA mit einem BIP von 15.684.750 Millionen US-Dollar.

An zweiter Stelle kommt die Volksrepublik China mit einem BIP von
8.227.037 Millionen US-Dollar.

Allerdings: Die Volksrepublik China hat 1.349.585.838 Milliarden Einwohner. Die USA haben 314.167.157 Millionen Einwohner.

Das heißt, China hat über viermal soviel Einwohner wie die USA. Insofern sind die USA auf den einzelnen Einwohner umgerechnet natürlich viel reicher als China.

An dritter Stelle kommt Japan mit einem BIP von 5.963.969 Millionen US-Dollar. Und an vierter Stelle kommt Deutschland mit einem BIP von 3.400.579 Millionen US-Dollar.

Allerdings hat Japan auch eine höhere Einwohnerzahl als Deutschland. Japan hat 126.659.683 Einwohner. Deutschland hat 80.523.746 Einwohner.

Wenn es um die Patente geht, so gibt es eine Wikipedia-Liste mit dem Titel “List of countries by patents“. Die Zahlen in dieser Liste kommen von der World Intellectual Property Organization, die eine der 17 spezialisierten Agenturen der UNO ist.

Diese Liste mit dem Titel “List of countries by patents” wird von den USA angeführt mit 1.872.872 aktuell gültigen Patenten. Von den jährlichen Patentanmeldungen und -Bewilligungen her führt aber Japan die Liste an.

Seht euch diese Wikipedia-Liste mit dem Titel “List of countries by patents” an. Deutschland steht auf dem vierten Platz was die bewilligten Patente und auf dem sechsten Platz was die bestehenden Patente angeht.

Ein anderer möglicher Indikator sind die Durchschnittseinkommen in einem Land. Hier habt ihr die Durchschnittseinkommen aller Länder der Welt – eine Liste in “Durchschnittseinkommen.net“.

Hier ist natürlich die Schweiz vorneweg: In der Schweiz beträgt das Durchschnittseinkommen 76.380 US-Dollar (2011). Die Durchschnittseinkommen in Japan, Deutschland und die USA sind relativ vergleichbar: Japan: 45.180 US-Dollar (2011). Deutschland: 43.980 US-Dollar (2011). USA: 48.450 US-Dollar (2011).

Zum Vergleich: In der Volksrepublik China haben wir ein Durchschnittseinkommen von 4.930 US-Dollar (2011).

Die Chinesen sind also im Durchschnitt immer noch viel ärmer als die Bewohner der höchstentwickelten Länder der Welt, zu denen natürlich auch Deutschland gehört.

So, und sicherlich könnte man noch viele andere Faktoren finden, die sowohl Rückschlüsse auf den Entwicklungsgrad als auch auf die wirtschaftliche und technologische Leistungskraft eines Landes zulassen.

So wurde zum Beispiel von den Vereinten Nationen der “Human Development Index“, ein Wohlstandsindikator für Länder, entwickelt. Aber ich belasse es jetzt mal dabei.

Schauen wir uns jetzt mal die Staatsschulden der einzelnen Länder an, im Verhältnis Staatsschulden zu BIP, angegeben in Prozentzahlen.

Zu den USA findet ihr eine Chart mit dem Titel “USA: Staatsverschuldung von 2003 bis 2013 in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP)” in “Statista“.

Wie ihr sehen könnt, lag die Staatsverschuldung der USA im Jahr 2012 bei 106,53%.

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