Zur Frage der Bewertung von Staatsschulden – 3

Dieser Unterschied zwischen den Ratings von Japan und Griechenland erklärt sich damit, dass Japan eine technologisch und wirtschaftlich extrem leistungsfähige Industrienation ist. Griechenland hingegen ist technologisch und wirtschaftlich vergleichsweise schwach.

Seht zum Thema Griechenland auch nochmals meinen Blogeintrag “Das technologische und wirtschaftliche Gefälle zwischen Nord- und Mitteleuropa und Südeuropa“.

So glauben also die Ratingagenturen, dass Japan bei einer guten wirtschaftlichen Entwicklung seine Schulden dauerhaft bedienen und auch reduzieren kann. Und so ist das auch wohl.

Im Fall von Griechenland haben die Ratingagenturen diese Hoffnung nicht mehr. Und wohl ebenfalls zurecht.

Ein Schuldenstand von über 160% ist für ein Land wie Griechenland wahrscheinlich nicht mehr zu packen, vor allem, wenn es mit dem Land wirtschaftlich immer weiter bergab geht. Und genau das ist ja schon seit Jahren der Fall in Griechenland.

Wie sehen nun die aktuellen Ratings für die USA aus?

Einige der Freiburger Provinzkartoffeln in meiner Stammkneipe waren überzeugt davon, dass die USA Pleite seien. Nun, das ist völlig absurd. Das reichste Land der Welt geht nicht so einfach Pleite. Da muss mehr passieren als nur eine weltweite Finanzkrise ab 2007.

Die Ratings für die USA in diesem Wikipedia-Artikel “List of countries by credit Rating” sehen folgendermaßen aus: Standard & Poor’s: AA+ Fitch: AAA  Moody´s: Aaa.

Damit liegen die USA in der Bewertung durch die Ratingagenturen im Bereich “Prime oder “High Grade“.

Seht hierzu nochmals die farbige Tabelle mit der Spezifizierung der einzelnen Ratings im Wikipedia-Artikel “Credit Rating“.

Dass Standard & Poor’s am 5.8.2013 die USA von AAA auf AA+ abgeratet hat, war eine Folge der sogenannten “United-States debt-ceiling crisis of 2011” (Haushaltskrise in den Vereinigten Staaten 2011).

Das heißt, hier war vor allem auch die Tatsache, dass die Tea-Party-Politiker in der Republikanischen Partei ein gefährliches Spiel mit dem Feuer betreiben, wenn sie die mögliche Verweigerung der Erhöhung der Schuldenobergrenze (debt ceiling) als strategisches und politisches Mittel ihres Kampfes gegen Barack Obama verwenden, dafür verantwortlich, dass die Ratingagentur Standard & Poor’s zur Zeit im Fall der Staatsanleihen der USA nicht mehr von einer absoluten Top-Bonität ausgeht.

Seht hierzu auch den Artikel vom 30.9.2013 mit dem Titel “Shutdown And Debt Ceiling Debate Prove U.S. Not Worthy Of AAA Credit Rating: S&P” im “Forbes Magazine“.

Nicht zuletzt Ben Bernanke (Präsident der Federal Reserve, des amerikanischen Zentralbanksystems) war wohl damals wegen dieser Herabstufung des Ratings der USA durch Standard & Poor’s Anfang 2011 aufgrund des ökonomisch gefährlichen Dauerstreites im US-Kongress um die Erhöhung der Schuldenobergrenze richtig sauer.

Seht hierzu den Artikel vom 26.8.2011 mit dem Titel “Bernanke Slams Congress For Harming Economy With Debt Limit Brinkmanship” im Blog “TPM” (Talking Points Memo).

Nun zu Deutschland. Die Ratings für Deutschland sehen folgendermaßen aus: Standard & Poor’s: AAA Fitch: AAA Moody´s: Aaa.

Damit liegt Deutschland in der Bewertung aller drei führenden Ratingagenturen im höchsten Bereich “Prime“.

Aber der Unterschied zwischen den Ratings für Deutschland und zu denen für die USA ist recht gering, wie ihr selbst überprüfen könnt. Und zwar aus gutem Grund. Beide Länder sind durch ihren jeweiligen Schuldenstand keineswegs wirklich bedroht.

Tatsächlich ist der Unterschied zwischen dem deutschen und amerikanischen Schuldenstand, prozentual am BIP gemessen, auch nicht wirklich groß.

Deutschland hatte für das erste Quartal 2013 einen Schuldenstand von 81,20% des BIP.

Für die EU-27 seht in “Statista” nochmals die Chart mit dem Titel “Staatsverschuldung in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union im 1. Quartal 2013 in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP)“.

Und die Staatsverschuldung der USA lag für das Jahr 2012 bei 106,53% des BIP.

Seht hierzu nochmals die Chart mit dem Titel “USA: Staatsverschuldung von 2003 bis 2013 in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP)” in “Statista“.

Warum dann also diese dauernde “Schuldenhysterie” in Deutschland?

Das ist leicht erklärt: Wenn man kräftig sparen will und die Leute dazu bringen will, den Gürtel enger zu schnallen, muss man ihnen das auch begründen.

Gut ist es, wenn man ihnen sagt, ihr Land sei angeblich “völlig überschuldet (?!) und nur durch eisernes Sparen und Konsolidieren könne die kommende Katastrophe, die drohende Pleite, noch abgewendet werden.

Besser ist es noch, man postiert irgendwelche “Schuldenuhren” in den Städten, auf denen astronomische Summen durchrattern. Und am besten, man integriert solche virtuelle Schuldenuhren zusätzlich in jede neoliberal gestrickte Website.

Da läuft dann dem Deutschen Michel der Angstschweiß über die Stirn, wenn er vor solch einer “Schuldenuhr” steht oder sie auf dem Bildschirm im Internet beobachtet. 

In den USA gibt es eine treffende Bezeichnung für solche hysterische “Schuldenmahner“: Man nennt sie dort oft “deficit hawks” (Defizit-Falken).

Diese Defizit-Falken in den USA gehören immer dem rechten politischen Spektrum an (in den USA: Republikanische Partei) und sie wissen auch immer, wo gespart werden muss: Vornehmlich natürlich bei den Sozialausgaben. An höhere Steuern, zum Beispiel für Besserverdienende, denken solche “deficit hawks” (Defizit-Falken) in den USA nie.

Kommt euch das irgendwie bekannt vor, hm? Aber ich will hier nicht polemisieren. Da die deutschen Wähler offensichtlich so glücklich sind mit Angela Merkel, will ich sie in ihrem Glück nicht weiter stören.

Immerhin ist die FDP in der letzten Bundestagswahl 2013 rausgeflogen. Die Politiker der FDP waren unter anderem wohl die übelsten “deficit hawks” (Defizit-Falken) in der deutschen politischen Landschaft.

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