Zur Frage der Bewertung von Staatsschulden – 2

Für Japan findet ihr eine Chart mit dem Titel “Japan: Staatsverschuldung von 2003 bis 2013 in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP)“, ebenfalls in “Statista“.

Für Japan lag die Staatsverschuldung im Jahr 2011 bei 230,28%.

Für die EU-27 finden wir in “Statista” eine Chart mit dem Titel “Staatsverschuldung in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union im 1. Quartal 2013 in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP)“.

Den höchstens Wert weist hier Griechenland mit 160,50% auf. Und auf Griechenland folgen die PIIGS-Staaten Italien (130,30%), Portugal (127,20%) und Irland (125,10%). Deutschland weist hier einen Wert von 81,20% auf. Fehlt noch der letzte PIIGS-Staat Spanien. Spanien weist zur Zeit einen Wert von 88,20% auf.

Allerdings sind auch in Spanien seit dem Platzen der spanischen Immobilienblase im Jahre 2008 die Staatsschulden massiv hochgeschnellt.

Seht hierzu auch die Chart mit dem Titel “Spanien: Staatsverschuldung von 2003 bis 2013 in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP)” in “Statista“.

Im Jahre 2007 lag die spanische Staatsverschuldung bei 36,30%. Die spanische Staatsverschuldung hat sich also in knapp sechs Jahren mehr als verdoppelt.

Genauso war es übrigens in Irland.

Seht hierzu die Chart mit dem Titel “Irland: Staatsverschuldung von 2003 bis 2013 in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP)” in “Statista“.

In Irland lag die Staatsverschuldung im Jahre 2007 bei 24,99 %. In Irland hat sich die Staatsverschuldung in knapp sechs Jahren sogar vervierfacht.

Wie erklärt es sich, dass Spanien und Irland, zwei wirtschaftlich und technologisch nicht besonders starke Länder, im Jahre 2007 wesentlich geringere Schulden hatten als zum Beispiel Deutschland damals?

Seht hierzu die Chart mit dem Titel “Staatsverschuldung von Deutschland gemäß Maastricht-Vertrag (in Milliarden Euro) von 1991 bis 2012*” in “Statista“.

Angehängt an die Chart mit dem Titel “Staatsverschuldung von Deutschland gemäß Maastricht-Vertrag (in Milliarden Euro) von 1991 bis 2012* finden wir einen Hintergrund-Artikel mit dem Titel “Staatsverschuldung Deutschlands im Jahr 2011“.

Und in diesem Artikel erfahren wir: “In den Jahren 2003 bis 2008 bewegten sich die Anteile der Schulden (Deutschlands) am BIP zwischen 64,4 und 68,6 Prozent“.

Also hatte Deutschland im Jahre 2007 deutlich mehr Schulden als Spanien und Irland damals.

Nun, das erklärt sich folgendermaßen: In Spanien und Irland sprudelte jede Menge Geld aus der jeweiligen Immobilienblase in diesen Ländern. Das kam auch der staatlichen Einnahmenseite dieser Länder zugute.

Also brauchten sich diese beiden Länder kaum verschulden, solange der jeweilige Immobilienboom am Laufen war. Aber als dann die Immobilienblase in beiden Ländern Anfang des Jahres 2008 geplatzt ist, war die Fiesta vorbei. Und seitdem schießen in beiden Ländern die jeweiligen Schuldenstände gnadenlos hoch.

Zu den jeweiligen Immobilienblasen in diesen Länder seht die Wikipedia-Artikel “Spanish property bubble” und “Irish property bubble“.

Nun, wenn es um die Bewertung des Schuldenstandes eines Landes geht, muss dieser Schuldenstand immer in Beziehung gesetzt werden zu seiner technologischen und wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und zu seiner Wettbewerbsfähigkeit.

Das habe ich schon zu Anfang des Artikels so festgestellt.

Das heißt konkret folgendes: Wenn zum Beispiel Griechenland aktuell einen Schuldenstand von 160,50 % aufweist und Japan schon im Jahre 2011 bei 230,28% lag, heißt das keinesfalls, dass Griechenland in Sachen Staatsverschuldung besser dastünde als Japan.

Tatsächlich ist es genau umgekehrt: Japan hat sicher einen recht hohen Schuldenstand, steht aber deshalb noch keineswegs mit einem Fuß in der Pleite.

Griechenland ist allerdings mehr oder weniger Pleite, obwohl der aktuelle griechische Schuldenstand (160,50 %) deutlich niedriger ist als der japanische (2011: 230,28%).

Das lässt sich auch leicht nachweisen, und zwar anhand der Ratings, die diese Länder  seitens der führenden Ratingagenturen zugewiesen bekommen. Ein Rating ist im Finanzwesen eine Einschätzung der Bonität eines Schuldners.

Es gibt einen Wikipedia-Artikel “List of countries by credit Rating“. Die jeweiligen “Outlooks” für die Länder lasse ich hier weg, weil sie spekulativ sind und sich schnell ändern können.

Eine ähnliche Liste “Credit Rating – Countries – List” findet man in “Trading Economics“.

Eine farbige Tabelle mit der Spezifizierung der einzelnen Ratings findet ihr im Wikipedia-Artikel “Credit Rating“.

Für Japan haben wir in dieser “List of countries by credit Rating” folgende Ratings: Standard & Poor’s: AA-  Fitch: A+  Moody´s: Aa3.

Diese Ratings für Japan liegen im Bereich “High Grade “oder “Upper Medium Grade“. Hier muss man ganz bestimmt noch keine größeren Ängste haben.

Für Griechenland haben wir folgende Ratings: Standard & Poor’s: B- Fitch: B- Moody´s: C.

Diese Ratings für Griechenland sind hingegen im Keller. Sie liegen im Bereich “Highly Speculative” oder “Extremely Speculative“.

Das heißt, Griechenland steht mit einem Bein in der Pleite und es ist aus der Sicht der Rating-Agenturen eine sehr spekulative Geldanlage, wenn man diesem Land noch für längere Fristen Geld leiht. Sollte ein weiterer Schuldenschnitt kommen (und das ist zu erwarten und wohl auch unvermeidlich), ist das für die Anleger natürlich schlecht. Und im Falle einer Pleite wäre das Geld der Anleger dann mehr oder weniger weg.

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