Das technologische und wirtschaftliche Gefälle zwischen Nord- und Mitteleuropa und Südeuropa – 2

Aber das scheint überhaupt so eine Sache zu sein mit der Freundschaft zu Angela Merkel: Gibt es überhaupt irgend jemanden, der langfristig von der “Freundschaft” Angela Merkels profitiert hat?  (Christian Wulff, Karl-Theodor zu Guttenberg, etc.).

Außer Liz Mohn und Friede Springer fällt mir da eigentlich niemand ein. Und die beiden sind auf der sicheren Seite, denn medientechnisch und auch lobbytechnisch (Bertelsmann-Stiftung) gesehen sind Friede Springer und Liz Mohn viel bedeutender und mächtiger als Angela Merkel.

Im Klartext: Würde Angela Merkel es jemals wagen, eine dieser beiden Frauen zu benutzen und dabei auszutricksen oder sonst irgendwie zu beschädigen, wäre sie erledigt.

Insofern ist Angela Merkel von Friede Springer und Liz Mohn abhängig, aber Friede Springer und Liz Mohn sind keinesfalls von Angela Merkel abhängig.

Diese beiden Erbinnen von mittlerweile verstorbenen deutschen Medienzaren (Axel Springer und Reinhard Mohn) können selbst entscheiden, wenn sie medial unterstützen oder versenken wollen.

Seht hierzu auch den Artikel vom 28.1.2011 mit dem Titel “Das Triumfeminat – Angela Merkel, Friede Springer, Liz Mohn” in den “Nachdenkseiten“.

Angela Merkel hatte bei ihrer Eurokrisenpolitik seit dem Jahre 2009 vor allem immer den deutschen Wähler im Auge.

Das hat sich für Angela Merkel ausbezahlt: Die Deutschen wählten sie bei der Bundestagswahl am 22. September 2013 mit noch mehr Zustimmung als bisher wieder, weil sie das Gefühl hatten, dass Angela Merkel ihren Sparstrumpf wie eine Jeanne d´Arc heldisch verteidigt.

Mit martialischen Sprüchen wie “Euro-Bonds: Nicht solange ich lebe” konnte Angela Merkel bei den deutschen Wählern kräftig punkten und die sogenannten “Eurogipfel” (= Treffen des Europäischen Rates), die praktisch alle ergebnislos verlaufen sind, wurden auch in den deutschen Medien oft im kriegerischen Ton als eine Art Scharmützel zwischen den europäischen Ländern und ihren jeweiligen nationalen Vertretern präsentiert.

Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 27.6.2012 mit dem Titel “Euro-Bonds: „Nicht solange ich lebe: Merkel zieht mit klarer Kampfansage in den EU-Gipfel” im “Handelsblatt“.

Tatsächlich ist es historisch aber so, dass alle führenden Politiker in den jeweiligen Ländern seit dem Jahre 1999, dem Jahre der Einführung des Euros als Buchgeld (2002 als Bargeld) in Sachen “fundamental weaknesses and imbalances of member states’ economies” weggeschaut haben (Delors spricht hier von “turning a blind eye“).

Einige dieser europäischen Spitzenpolitiker haben dabei wohl durchaus geahnt, dass die von Delors so bezeichneten “fundamental weaknesses and imbalances of member states’ economies” irgend wann einmal die Eurozone in eine schwere Krise stürzen könnten.

Und genau das ist dann anlässlich der weltweiten Finanzkrise ab 2007, die den von den USA ausging und dann auf die Eurozone in Form der sogenannten Eurokrise übergesprungen ist, auch passiert: Diese “fundamental weaknesses and imbalances of member states’ economies” wurden sichtbar und plötzlich war ein massiver Riss in der Eurozone erkennbar, der zwischen Mittel- und Nordeuropa auf der einen Seite und Südeuropa auf der anderen Seite durchgeht.

Aber solange das Geschäft gut lief und alle Eurozonen-Länder und ihre jeweiligen Wähler mehr oder weniger zufrieden waren, wollte natürlich niemand die “EurozonenFiesta” mit Unken– und Kassandra-Rufen stören.

Ich selbst und mein Bruder Stefan Gauger (Entwickler bei SAP, Walldorf) wussten hinsichtlich der Schwächen der südeuropäischen Länder natürlich Bescheid, aber unter anderem aus einem einfachen Grund: Wir sind beide Halbspanier und kennen Spanien und damit auch Südeuropa bestens (unsere Mutter Carmen Gauger, geborene Rodríguez García, ist Spanierin).

Und dass wir Deutschland bestens kennen, ist sowieso klar. Wir leben beide seit Kind an hauptsächlich in Deutschland und haben beide einen deutschen Pass. Wir können also beide Länder Deutschland und Spanien in den jeweils zentralen Bereichen und Aspekten miteinander vergleichen.

Mein Bruder Stefan und auch ich, wir hatten nie die Illusion, dass Spanien und die anderen südeuropäischen Länder (mit Ausnahme Norditaliens) technologisch und wirtschaftlich auf demselben Niveau wie die mittel- und nordeuropäischen Länder sein könnten.

Wir beide wir wussten übrigens auch schon Jahre vor dem Platzen der spanischen Immobilienblase gegen Anfang des Jahres 2008, dass der spanische Immobilienmarkt völlig überhitzt war und den realen Boden schon längst verlassen hatte. Und uns beiden war damals auch klar, dass der damalige vermeintliche Reichtum Spaniens aus dieser Immobilienblase sprudelte.

Wer damals die spanischen Durchschnittsgehälter kannte (und die kannten mein Bruder und ich natürlich, wir haben unter anderem jede Menge Verwandte in Spanien. Diese spanischen Durchschnittsgehälter waren schon immer deutlich niedriger als zum Beispiel die deutschen Durchschnittsgehälter) und sie damals mit den zunehmend völlig aberwitzigen spanischen Immobilienpreisen verglich, konnte schon Jahre vor dem Platzen der spanischen Immobilienblase wissen, dass diese Preisentwicklung für Immobilien in Spanien zunehmend völlig irreal und spekulativ wurde.

Seht hierzu auch meinen Blogeintrag: “Spainistan, from the Real Estate Bubble to the Crisis (by Aleix Saló)“.

Spanien ist natürlich auch von seinen Bildungsinstitutionen, von seinem Sozialsystem und von seinem administrativen Standard (Bürokratie) her noch nie auf deutschem Niveau gewesen.

In Spanien herrschte (genau wie in Griechenland und Portugal) bis Mitte der 1970er-Jahre eine Diktatur (Francisco Franco in Spanien, der “Estado Novo” unter António de Oliveira Salazar und Marcelo Caetano in Portugal und die Militärdiktatur von 1967 – 1974 in Griechenland).

Diese Länder sind überhaupt erst seit ungefähr Mitte der 1970er-Jahre mehr oder weniger moderne Demokratien

Was nun diese von Delors im Artikel “Jacques Delors: Euro was flawed from beginning” so bezeichneten “fundamental weaknesses and imbalances of member states’ economies” angeht, so kann ich euch dies vielleicht am einfachsten anhand einer Patentstatistik der 27 Länder der Europäischen Union (EU-27) aufzeigen, jeweils nach den einzelnen Ländern aufgeschlüsselt.

Wie ihr alle sicher wisst, besteht der erste Schritt zur wirtschaftlichen Verwertung einer neuen Erfindung darin, diese Erfindung patentieren zu lassen.

Mit Agrarprodukten kann man nicht allzu viel Geld verdienen. Geld verdient ein Land in erster Linie mit innovativen Industrie- und Hochtechnologieprodukten. Länder, die in diesem Bereich stark sind, können sehr viel Geld einnehmen.

Einfach gesagt: Mit zum Beispiel Autos oder Computern kann man viel mehr Geld verdienen als mit Tomaten.

Nun: Im Netz könnt ihr eine Chart mit dem Titel “Patent applications to the EPO and patents granted by the USPTO, 2000-2008” auffinden, angehängt unter dem Stichpunkt “Quelldaten für die Tabellen und Abbildungen (MS Excel)” an den Eintrag “Patentstatistik” in “Eurostat” (Statistisches Amt der Europäischen Union).

Zur Erläuterung:

Die EPO ist die Europäische Patentorganisation (Sitz in München).

Die USPTO ist das “United States Patent and Trademark Office” (also das Patentamt der Vereinigten Staaten).

Also, die Zahlen in dieser Excel-Chart mit dem Titel “Patent applications to the EPO and patents granted by the USPTO, 2000-2008” für Deutschland sehen folgendermaßen aus (ich hier bringe als Referenzwert erst einmal die Zahlen Deutschland):

Deutschland:

Die EU-27 hat im Jahre 2008 bei der EPO 59.468 Patentanträge gestellt. Von diesen entfielen im selben Jahr 24.557 auf Deutschland. Für Deutschland ergab das im Jahre 2008 eine Zahl von 298,7 Patent-Anträgen pro eine Million deutsche Einwohner bei der EPO.

Im Jahre 2005 wurden seitens der USPTO den EU-27 18.153 Patente gewährt. Davon entfielen 7766 gewährte Patente auf Deutschland. Das ergibt 94,1 gewährte Patente seitens der USPTO pro 1 Million Deutsche für das Jahr 2005

Und jetzt die Zahlen für die vier südeuropäischen PIIGS-Staaten, und zwar genau in der Reihenfolge, in der die Eurokrise sich durch Südeuropa durchgefressen hat: Ich beginne mit Griechenland (denn hier begann die Eurokrise mit der sogenannten Griechischen Finanzkrise), dann kommt Portugal, dann Spanien und als letztes Italien, das südeuropäische Land, das als letztes massiv durch die Eurokrise angeschlagen wurde.

Wie man anhand dieser Chart mit dem Titel “Patent applications to the EPO and patents granted by the USPTO, 2000-2008” sehen kann, ist Griechenland von den Patenten her gesehen (und damit logischerweise auch wirtschaftlich) das schwächste Land in Südeuropa (wobei der Unterschied zwischen Griechenland und Portugal im Bereich der Patente praktisch gleich Null ist. Beide Länder sind in diesem Bereich gleich stark oder eigentlich genauer: Gleich schwach) und Italien von den Patenten her gesehen (und damit auch wirtschaftlich) das stärkste Land in Südeuropa.

Die Patentanmeldungen eines Landes spiegeln also immer zugleich seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und natürlich auch seine Wettbewerbsfähigkeit wider.

Creative Commons Lizenzvertrag Das technologische und wirtschaftliche Gefälle zwischen Nord- und Mitteleuropa und Südeuropa – 2 Klaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz

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