Zum Fall Aleister Crowley – 2

Charles Manson war ein gemeingefährlicher Spinner, der seine Tage in dem kalifornischen Gefängnis beenden wird, in dem er völlig zurecht lebenslänglich einsitzt.

Also auf Charles Manson und andere kriminelle satanistische Spinner – die es immer mal gab und wohl auch leider weiterhin geben wird – geschissen.

Solche kriminelle satanistische Spinner können sich eigentlich auch nicht auf Crowley und seine Ideen berufen, denn Crowley war für seinen exzentrischen und ausschweifenden Lebensstil bekannt, aber er war wohl kein Mörder (sonst wäre er im Knast gelandet, genau wie Manson auch).

Für die Heavy-Metal-Musiker ist Aleister Crowley in erster Linie wegen dieses ausschweifenden Lebensstils (Sex and Drugs: Crowley war bisexuell und lebte es offen aus und war unter anderem heroinsüchtig) ein natürlich ironisch und provokativ begriffenes frühes Vorbild.

Literarisch und geistesgeschichtlich würde ich Aleister Crowley in der dekadenten Spätromantik verankern. Aleister Crowley wurde 1875 geboren. Oscar Wilde wurde 1882 geboren.

Oscar Wilde (der wie Crowley auch bisexuell war: Er war zugleich mit Constance Lloyd verheiratet und hatte zwei Kinder mit ihr) hatte das Pech, sich einen Liebhaber zuzulegen, Lord Alfred Douglas, dessen Vater, der Marquess of Queensberry, sehr mächtig und einflussreich und über die Liebesbeziehung seines Sohnes zu Oscar Wilde sehr verärgert war. Das brach Oscar Wilde das Genick.

Im übrigen war Oscar Wilde wohl als Literat viel talentierter als Aleister Crowley. Die literarischen Erzeugnisse von Aleister Crowley habe ich nie gelesen. Aber “Das Bildnis des Dorian Gray” (1890) von Oscar Wilde ist bis heute einer meiner Lieblingsromane und ein absolutes Meisterwerk der dekadenten Spätromantik.

Aleister Crowley wurde ab den 1960er-Jahren zu einer Pop- und Rock-Ikone. Nicht nur für die Heavy-Metal-Musiker (zum Beispiel für die Musiker von “Black Sabbath) war Crowley wichtig, sondern auch für viele Pop- und Rock-Bands.

So findet man das Foto von Aleister Crowley – wie schon erwähnt – zum Beispiel auch auf dem Cover des berühmten Konzeptalbums “Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band” (1967) der “Beatles“. Auch ein Foto von Oscar Wilde ist übrigens auf diesem Cover aufzufinden (was Sinn ergibt: Beide gehörten der dekadenten Spätromantik an und waren bisexuell und pflegten einen libertären Lebensstil).

Dieses Cover wurde – in Zusammenarbeit mit Paul McCartney – von dem Art Director Robert Fraser, dem Pop-Art-Künstler Peter Blake und dem Fotografen Michael Cooper gestaltet. Es ist heute eine Ikone in der Geschichte der Cover-Kunst.

Aber am Fall von Oscar Wilde kannst Du auch erkennen, lieber Peter, dass Aleister Crowleys mehr oder minder offen ausgelebte Bisexualität zu jener Zeit durchaus nicht selbstverständlich war.

Und so versteht man auch, warum bigotte und reaktionäre Christen bis heute felsenfest behaupten, Crowley sei ein gefährlicher Satanist gewesen. Hinzu kommt, dass Crowley auch noch sein Leben lang heroinsüchtig war.

Im Grunde sind die Leute, die heute Aleister Crowley als gefährlichen Satanisten verteufeln, die gleichen Leute, von denen sich Aleister Crowley als junger Mann befreien wollte: Bigotte, reaktionäre und verklemmte Christen wie es seine eigenen Eltern waren.

Und ich bin sicher, diese bigotten, reaktionären und verklemmten Christen würden auch niemals “Das Bildnis des Dorian Gray” von Oscar Wilde lesen und diese hirnlosen Spießer sind sicherlich davon überzeugt, dass Oscar Wilde zurecht zu jahrelangem Zuchthaus verurteilt wurde und nach seinem Tod verdientermaßen direkt in die Hölle gefahren ist.

Zurück zu Aleister Crowley: Für den Rock´n´Roll (Sex and Drugs and Rock and Roll, so der Titel des legendären Songs von Ian Dury aus dem Jahre 1977) hat Crowley sich wohl nicht interessiert.

Der textliche Einstieg in den Song Sex and Drugs and Rock and Roll von Ian Dury lautet:

“Sex and drugs and rock and roll / is all my brain and body need / sex and drugs and rock and roll / is very good indeed.”

(„Sex, Drogen und Rock ‘n’ Roll ist alles, was mein Hirn und Körper braucht – Sex, Drogen und Rock’n’Roll ist wirklich sehr gut.“).

Hier habt ihr eine Live-Version aus dem Jahre 1977 des Songs “Sex and Drugs and Rock and Roll” von Ian Dury.

Lyrics Sex and Drugs and Rock and Roll

Nun: Aleister Crowley starb schon im Jahre 1947. Damals gab es in den USA erst den “Rhythm and Blues”, den schwarzamerikanischen Vorläufer des “Rock´n´Roll“.

Ich bin kein Crowley-Anhänger in dem Sinne, dass ich seine esoterische Lehre ernst nehme und an sie glaube und ein gläubiger “Thelemit” bin.

Crowley kam aus der Hochgradfreimaurerei und seine Religion “Thelema” funktioniert über ein komplexes Stufensystem. Der “Ordo Templi Orientis” (O.T.O) ist bis heute die Organisation, die hauptsächlich diese Lehre “Thelema” anbietet und an seine Mitglieder weitergibt.

Wenn Du dich für das Thema interessieren solltest, kann ich Dir das Werk “Aleister Crowley´s Scientific Illuminism, Magie und Mystik als angewandte Psychologie zur Transformation des Menschen” von Andreas Ludwig empfehlen (Marburg: Tectum Verlag 2005). Das Buch ist bei amazon.de erhältlich und natürlich kannst Du es auch in jeder deutschen Unibibliothek ausleihen (auch in Freiburg).

Es handelt sich bei diesem Buch um die überarbeitete Fassung einer Examensarbeit im Fach vergleichende Religionswissenschaft, seinerzeit eingereicht an der Friedrich-Wihelms-Universität Bonn.

Nun, die Lektüre dieses Buches von Andreas Ludwig war für mich amüsant und teilweise auch interessant.

Aber an so etwas glaube ich natürlich nicht und ich glaube auch nicht, dass man durch die Beschäftigung mit der Lehre “Thelema” zu einem mächtigen OkkultMagier werden kann, was immer das überhaupt sein soll.

Ich selbst habe so jemanden noch nie kennengelernt und da ich ein sehr rationaler Mensch bin, würde ich im Fall, dass jemand mir gegenüber behauptet, solch ein Okkult-Magier zu sein, erst mal vermuten, dass er ein Scharlatan ist.

Und der berühmte Satz aus dem Liber Al vel Legis (Crowleys “Bibel” aus dem Jahre 1909):

Do what thou wilt shall be the whole of the Law” (AL I: 40)

ist einfach eine Art freimaurerischer Anarchismus.

Tatsächlich bin ich natürlich in religiöser Hinsicht kein Crowley-Anhänger, sondern ein Christ und vor allem auch ein aufgeklärter Mensch. Ich bin nie aus der Katholischen Kirche ausgetreten und habe das auch nicht vor.

Bis dann, Dein

Klaus

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