Günther Lachmanns und Ralf Georg Reuths “Das erste Leben der Angela M.” (2013)

Seht zu Günther Lachmanns und Ralf Georg Reuths “Das erste Leben der Angela M.” (2013) unter anderem auch den Beitrag von Andreas Lueg vom 27.5.2013 mit dem Titel “Das erste Leben der Angela M.” in der Website des “NDR” zur damals neuerschienenen Biographie über Angela Merkel (erschienen im Piper Verlag, München 2013).

Zu Angela Merkels Vergangenheit seht unter anderem auch meinen Blogartikel “Angela Merkel: Die Biographie einer Opportunistin“.

Ich selbst habe am 4.9.2013 das Buch “Das erste Leben der Angela M.” von Günther Lachmann und Ralf Georg Reuth durchgelesen.

Günther Lachmann habe ich übrigens ich schon öfters in meinem Blog zitiert, da er öfters sehr gute Artikel zur Eurokrise verfasst hat.

Seht hierzu zum Beispiel meinen Blogartikel mit dem Titel “Eurozone: Arbeitslosigkeit liegt mittlerweile bei 12,2 Prozent – 3“.

Günther Lachmanns und Ralf Georg Reuths Werk “Das erste Leben der Angela M.” ist ausführlich und akribisch recherchiert und übertrifft an Detailfülle und Sachkenntnis meinen eigenen Blogartikel “Angela Merkel: Die Biographie einer Opportunistin” natürlich bei weitem.

Die Lektüre dieses Buches war für mich mehr als nur lohnend und ohne Zweifel ein großer Gewinn.

Ich zitiere hier aus dem Fazit dieses Buches mit dem Titel Ohne Macht gibt es Chaos(S. 284ff.):

“Gut zwei Jahre nach ihren Anfängen beim Demokratischen Aufbruch
im Oktober/November 1989 war Angela Mer­kel Stellvertreterin des CDU-Bundesvorsitzenden Helmut Kohl. Es war dies nicht die Blitzkarriere einer
Seiteneinstei­gerin in die Politik.

Denn Angela Merkel war in ihrem ers­ten Leben nicht fern von Politik. Sie war vielmehr von Ju­gend an durch ihren sozialistischen Vater politisch geprägt und von Schulzeiten an in die politischen Organisationen des SED-Staates eingebunden – und dies nicht als Mitläufe­rin, sondern als Funktionärin, ob in der Freien Deutschen Jugend oder in der
Betriebsgewerkschaft. Unter dem Ein­druck der sowjetischen Reformpolitik trat
sie dann für den demokratischen Sozialismus in einer eigenständigen DDR ein. Sie schloss sich dem Demokratischen Aufbruch zu ei­nem Zeitpunkt an, als er noch für dieses Ziel stand.

Als die Mauer gefallen war und der Ruf nach dem wiederver­einigten Vaterland alles zu beherrschen begann, wurden die Reformkommunisten und damit auch Angela Merkel schließlich von der neuen Wirklichkeit eingeholt. Und erst als sich der Kreml dieser neuen Wirklichkeit beugte und die Reformparteien im Dezember 1989 einschwenken ließ, wurde auch Angela Merkel zu einer Befürworterin von Ein­heit und Marktwirtschaft.

Als Angela Merkel in der Politik des wiedervereinigten Deutschland aufstieg und die
Öffentlichkeit sich für sie zu interessieren begann, wurde ihr erstes Leben von
ihr selbst und auch von anderen mit den Vorstellungen der west­lichen CDU-Anhängerschaft von Leben und Rolle einer Pfarrerstochter in der DDR in
Einklang gebracht.

Sie sei immer gegen den Sozialismus gewesen, gegen den realen ebenso wie gegen den angestrebten demokratischen. Sie habe schon seit ihrer Jugend staatliche Einheit und soziale Marktwirtschaft im Blick gehabt. Und die DDR sei nie ihr Staat gewesen, sie habe ihn innerlich mit »Entschieden­heit«’ abgelehnt, stand jetzt über die Stellvertreterin des CDU-Parteivorsitzenden Helmut Kohl zu lesen.

Und es ge­lang Angela Merkel tatsächlich – begünstigt durch die Un­kenntnis und Gleichgültigkeit im Westen gegenüber den tatsächlichen Verhältnissen in der DDR -, eine Legende in die Welt zu setzen, die Legende von der patriotischen Pfar­rerstochter, die in der Wende auszog, um mitzuhelfen, die gespaltene Nation zusammenzufügen.(…).

Es gehört wohl zu dem politischen Urerlebnis der An­gela Merkel, dass im Zuge dieser friedlichen Revolution innerhalb kürzester Zeit nichts mehr galt, was bislang ge­golten
hatte. Alles, für das sie und viele andere Reform­kommunisten aus den Reihen der Intelligenzija einmal ge­standen und für das sie sich engagiert hatten, war nicht nur obsolet, sondern ins genaue Gegenteil verkehrt worden.

Statt demokratischem Sozialismus war nun Kapitalismus angesagt. Statt Zweistaatlichkeit nationale Einheit. Statt Mitgliedschaft in RGW und Warschauer Pakt Zugehörig­keit zu EU und NATO. Wer eine solche Wendung mit­macht – für den können politische Inhalte nicht im Mittel­punkt stehen. Für den geht es um Karriere und Macht. Für den ist Macht Selbstzweck“.

Tja, dem ist wenig hinzuzufügenSo ist es wohl. Natürlich steht Angela Merkel mit solch einer Haltung nicht allein. Für viele Menschen in unserem neoliberalen und technokratischen System ist Macht (und oft auch Geld) Selbstzweck. Nicht umsonst hat Angela Merkel viele Fans in Deutschland und sicherlich werden nicht alle ihrer Fans so naiv gewesen sein, ihr das Märchen von der patriotischen Pfarrerstochter abzukaufen, die in der Wende auszog, um mitzuhelfen, die gespaltene Nation zusammenzufügen.

Angela Merkel passt in unser neoliberales und technokratisches System gut hinein, keine Frage.

Aber es lohnt sich natürlich dennoch, mal im Detail nachzulesen, wie viel opportunistische Anpassungsbereitschaft Angela Merkel während ihrer Jahre in der DDR gezeigt hat und wie viele ideologische Richtungswechsel sie vor allem auch in den kritischen Monaten des Mauerfalls und der sogenannten “Wende” durchlaufen hat, um schließlich als eine Art “Quereinsteigerin” Mitglied der konservativen West-CDU zu werden und als “Kohls Mädchen” (also als Liebling des damaligen Bundeskanzlers und Vorsitzenden der CDU Helmut Kohl) eine zügige und zielstrebige Karriere zu durchlaufen, die sie seit dem Jahre 2005 an die Spitze unseres politischen Systems als deutsche Bundeskanzlerin befördert hat.

Und dass Angela Merkel ein großes Talent dafür hat, lästig gewordene Freunde” (?!) loszuwerden, wissen wir auch alle. Die Liste ihrer ehemaligen politischen Freunde, die sie während ihrer Laufbahn als Schachfiguren benutzt und schließlich vom Brett befördert oder fallen gelassen hat, ist lang (Karl Theodor zu Guttenberg, Christian Wulff, etc.).

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