Eurozone: Arbeitslosigkeit liegt mittlerweile bei 12,2 Prozent – 1

Ich hatte mir ja eigentlich vorgenommen, nicht mehr die Eurokrise in meinem Blog zu kommentieren, zumindest so lange nicht, bis klar erkennbar wird, dass die bisherige hirnlose Austeritätspolitik in den PIIGS-Staaten aufgegeben wird.

Diese absurde Austeritätspolitik ist im wesentlichen auf dem Mist der deutschen Neoliberalen und ihrer politischen Marionetten gewachsen. Angela Merkel und Wolfgang Schäuble waren letztendlich die Hauptverantwortlichen für die politische Durchsetzung dieser aberwitzigen Austeritätspolitik in den PIIGS-Staaten.

Dennoch will ich hier nochmals ein Dauerthema dieser Krise ansprechen, das aus meiner Sicht besonders schmerzhaft und bitter ist: Ich meine hier den rasanten Anstieg der Arbeitlosenquoten in den PIIGS-Staaten, vor allem auch im Bereich der Jugendarbeitslosigkeit.

Zum letzten Mal habe ich dieses Thema im November 2012 erwähnt. Seht hierzu meinen Blogartikel “Eurozone: Arbeitslosenquote erreicht Ende November 2012 Rekordwert von 11,7 Prozent – Nochmals der Lösungsvorschlag der `Dead Kennedys´“.

Mittlerweile liegt die Arbeitslosigkeit in der Eurozone bei 12,2 Prozent.

Wie aberwitzig die Situation in den PIIGS-Staaten mittlerweile im Bereich der Jugendarbeitslosigkeit ist, könnt ihr dem Eintrag “Jugendarbeitslosenquote in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union im Mai 2013 (saisonbereinigt)” in “Statista” entnehmen.

Seht hierzu auch den kurzen, aber klaren Artikel vom 1.7.2013 mit dem Titel “Griechenland, trauriges Beispiel der Eurozone: 60 Prozent Jugendarbeitslosigkeit” in der Website von “n-tv“.

Einen guten Artikel vom 31.5.2013 zu diesem asozialen Aberwitz könnt ihr im Blog “Querschüsse” von Steffen Bogs unter dem Titel “Eurozone: Arbeitslosenquoten der Schande” auffinden. Wie immer bei Steffen Bogs enthält dieser Artikel auch einige aufschlussreiche Charts.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Heute veröffentlichte Eurostat die saisonbereinigten Arbeitslosenquoten für die EU17 und die EU27 und diese belegen, wie nun schon jeden Monat, die Schärfe der Krise in der Südperipherie und die unhaltbaren Divergenzen in der Eurozone. (…).

Die Krise dokumentiert sich auch im April 2013 in hohen Arbeitslosenquoten, vor allem in der Südperipherie der Eurozone. So lag die offizielle saisonbereinigte Arbeitslosenquote in Portugal im April 2013 bei 17,8% (+0,1 Prozentpunkte zum Vormonat), in Italien lag sie bei 12,0% (+0,1 Prozentpunkte), in Spanien lag sie bei 26,8% (+0,1 Prozentpunkte) und in Griechenland, die mit ihrer monatlichen Datenerhebung immer um zwei Monate hinterherhinken, stieg die saisonbereinigte Quote für Februar 2013 auf 27,0% (+0,3 Prozentpunkte). In allen diesen Ländern wurden neue Allzeithochs bei der Arbeitslosenquote markiert!

Eine Schande und unumstößlicher Beleg für eine Versagerzone, welche der Jugend in vielen Ländern ihrer Perspektiven beraubt. Die Entwicklung bei den Arbeitslosenquoten, ob Gesamt oder bei den Jugendlichen dokumentiert die unhaltbare Situation in der Eurozone. Ein Wirtschaftraum der gewichtige Bestandteile dermaßen perspektivlos abdriften lässt und mit seinen Maßnahmen den Niedergang dort prozyklisch befeuert, befeuert auch immer seinen eigenen Zusammenbruch als Ganzes und es wird kein anderes Endergebnis geben, es bleibt weiter nur eine Frage der Zeit, bis das erste Mitglied die Reißleine zieht.

Bei den dargestellten Daten handelt es sich wohlbemerkt nur um die offiziellen weichgespülten Arbeitslosenquoten nach ILO-Definition, dem Verhältnis aus den Beschäftigten zu den Erwerbsfähigen die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Millionen Erwerbsfähige die angeblich dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen (Nichterwerbspersonen, Inaktiv oder auch Not in Labor Force) spielen bei Arbeitslosenquote- und zahl keine Rolle. (…).

Auch die extremen Arbeitslosenquoten aus der Südperipherie sind maskierte Daten, denn Millionen Entmutigte, Unterbeschäftigte und Selbstständige ohne ausreichendes Einkommen sind damit nicht mal offengelegt.

Tja, so ist es allerdings. Niemand weiß das besser als ich, denn ich bin Halbspanier und pendele in der Regel zwischen Freiburg und Madrid hin und her.

Und es ist genauso, wie Steffen Bogs in seinem Artikel vom 31.5.2013 mit dem Titel “Eurozone: Arbeitslosenquoten der Schande” behauptet: Selbst diejenigen in Spanien, die noch Arbeit haben, sind in der Regel von den Auswirkungen der Austeritätspolitik stark betroffen.

Bei den Selbständigen läuft das Geschäft in der Regel schlecht oder es läuft gar nicht mehr. Oft decken die Einnahmen nicht mal mehr die Betriebskosten.

Die Beamten sind von deutlichen Kürzungen betroffen. In den Betrieben ist die Auftragslage oft schlecht, die Angestellten zittern um ihren Job und fragen sich, ob sie die zwangsläufig kommende nächste Entlassungswelle wieder mal überleben werden oder diesmal ihren Job verlieren.

Diejenigen Unternehmen, die hauptsächlich von Staatsaufträgen leben, sind ebenfalls betroffen, denn der spanische Staat muss auf Befehl Angela Merkels sparen, wo es nur geht.

Stark betroffen sind natürlich auch alle diejenigen Menschen, die zum Beispiel im spanischen staatlichen Gesundheitssystem arbeiten, egal ob es Ärzte oder Pfleger sind.

Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 18.12.2012 mit dem Titel “Gesundheitswesen in Spanien: Die große Wut der `weißen Flut´” in der “taz“.

Euphemistisch nennt man diese drastischen Kürzungen dann eine Verschlankung des Staates. Wenn das Staatseigentum verschleudert wird, nennt man das dann eine angesichts der Lage vermeintlich “notwendige” (?!) und angeblich lohnende (?!) Privatisierung.

Unter diesen ganzen Sparmaßnahmen kollabiert letztlich der Binnenmarkt des betreffenden Landes, im oben beschriebenen Fall Spanien und das ganze Land rutscht als Folge hiervon dauerhaft in eine massive Rezession. Denn mit dem Binnenmarkt kollabieren in der Regel auch die Steuereinnahmen des Staates.

Was der Staat an Ausgaben einspart, geht dann meist über die deutlich verringerten Steuereinnahmen wieder verloren. Der Spareffekt ist letztlich – wenn überhaupt – nur sehr gering und das Land gerät insgesamt in eine gefährliche wirtschaftliche Abwärtsspirale.

Technisch gesehen geht es dabei um das Problem des sogenannten “fiscal multipliers” (auf Deutsch: Multiplikators). Ich habe mich zu diesem Thema schon öfters ausführlich in meinen Blogartikeln geäußert.

Seht hierzu unter anderem meinen Blogeintrag “Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 189“.

Zum Thema der massiven Rezession zum Beispiel in Spanien seht den Artikel vom 30.4.2013 mit dem Titel “Anhaltende Rezession: Spaniens siebtes schlechtes Quartal” in “tagesschau.de“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Spaniens Wirtschaft ist das siebte Quartal in Folge geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt sank zwischen Januar und März wie erwartet um 0,5 Prozent zum Vorquartal. Dies war zwar etwas weniger als das Minus von 0,8 Prozent Ende 2012, aber zugleich der siebte Rückgang seit Sommer 2011. Binnen Jahresfrist schrumpfte die Wirtschaftskraft damit wie erwartet um zwei Prozent.

Die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone steckt derzeit tief in der Rezession. Etwa 6,2 Millionen Menschen haben keinen Job, die Arbeitslosenquote stieg im ersten Quartal auf den Rekordwert von 27,2 Prozent.

Die Regierung rechnet für dieses Jahr mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent, mehr als doppelt so viel wie zuvor erwartet”.

In Italien ist es mittlerweile übrigens ähnlich. Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 6.5.2013 mit dem Titel “Wirtschaftswachstum: Italien auf dem Weg in eine tiefe Rezession” in “Die Welt“.

Auch Frankreich ist schon seit einigen Monaten wieder in die Rezession gerutscht. Seht hierzu unter anderem den Artikel vom 26.6.2013 mit dem Titel “Draghi fordert wachstumsfreundliche Konsolidierung: Frankreich steckt in der Rezession” in “n-tv“.

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One thought on “Eurozone: Arbeitslosigkeit liegt mittlerweile bei 12,2 Prozent – 1

  1. Reblogged this on horstbellmer and commented:
    Euphemistisch nennt man diese drastischen Kürzungen dann eine “Verschlankung“ des Staates, und wenn das Staatseigentum verschleudert wird, nennt man das dann eine angesichts der Lage vermeintlich “notwendige” (?!) und angeblich lohnende (?!) Privatisierung.

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