Eurozone: Arbeitslosigkeit liegt mittlerweile bei 12,2 Prozent – 3

Eine ebenso frühe wie scharfsichtige Analyse  hat Günther Lachmann schon am 29.3.2012 in “Die Welt” in seinem Artikel mit dem Titel “Eurodämmerung: Spanien-Misere lebensgefährlich für Deutschland” geleistet.

Günther Lachmann bemerkt in diesem Artikel unter anderem: “Wie sehr die spanische Krankheit die anderen Euro-Staaten treffen wird, zeigt ein Blick auf die Liste der Gläubiger. “51 Milliarden Dollar an spanischen Schulden liegen demnach in Großbritannien, 187 Milliarden in den USA, 224 Milliarden in Frankreich und 244 Milliarden Dollar in – surprise, surprise! – Deutschland”, schreibt der “Tagesanzeiger” und fügt süffisant hinzu: “Ob Frau Merkel sich dessen bewusst ist?”

Seht zum Thema der geplatzten spanischen Immobilienblase auch den Artikel von Mark Dittli vom 23.3.2012 mit dem Titel “Die wahre Bombe liegt in Spanien” im Blog “Never Mind The Markets” des “Tagesanzeigers“.

Tatsächlich hat eine Vielzahl von europäischen Banken die gigantische spanische Immobilienblase mitfinanziert.

Sollten die spanischen Banken zu Boden gehen, würden sie diese europäischen Banken mitbeschädigen.

Letztlich also bedroht die geplatzte spanische Immobilienblase das ganze europäische Bankensystem.

Und die Austeritätspolitik in Spanien treibt zugleich die Arbeitslosenzahlen in Spanien massiv in die Höhe. Viele Spanier haben aber vor Ausbruch der Krise (beziehungsweise vor dem Platzen der spanischen Immobilienblase im Jahre 2008) eine Immobilie auf Kredit gekauft.

Verliert solch ein Spanier nun seinen Job, hat auch die finanzierende Bank meist kurz darauf einen weiteren faulen Kredit in den Büchern.

In Spanien ist also diese Austeritätspolitik besonders schädlich, weil sie gleichzeitig die Zahl der faulen Immobilienkredite in den spanischen Banken mit hochtreibt und damit auch die schwelende Bankenkrise in Spanien noch weiter anheizt.

Weiterhin bemerkt Günther Lachmann in seinem Artikel vom 29.3.2012 mit dem Titel “Eurodämmerung: Spanien-Misere lebensgefährlich für Deutschland” in “Die Welt” : “Europa ist alles also andere als auf dem Wege der Besserung. Sein Zustand verschlechtert sich zusehends. Der griechische Virus hat längst Portugal und Spanien befallen und droht sie ebenfalls dahinzuraffen. Andere wie Italien haben sich bereits angesteckt.

Um 18,9 Prozent sind die Pkw-Zulassungen im Februar in Italien gesunken. (…). Besonders stark betroffen davon sind übrigens die deutschen Hersteller. Audi verkaufte 35 Prozent weniger Autos in Italien, Mercedes verbuchte ein Minus von 14 Prozent und Opel sogar von 40 Prozent.

Warum die Stimmung in der deutschen Wirtschaft angesichts dieser Fakten weiterhin gut ist, bleibt das Geheimnis der Manager und Unternehmer, die dies behaupten. Sehen sie denn nicht, dass ihnen die Absatzmärkte wegbrechen?”

Zum Thema der schon seit mindestens einem Jahr schwelenden Krise in der europäischen und auch deutschen Automobilindustrie seht auch meinen Blogartikel “Zum geplanten Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA“.

Der europäische Automobilmarkt ist mittlerweile mehr oder weniger zusammengeklappt. Wenn die deutsche Autoindustrie zur Zeit überhaupt noch verdient und sich über Wasser halten kann, so liegt dies vor allem an dem zur Zeit florierenden Automobilgeschäft in den USA (der weltweit wichtigste und größte Markt für Luxusautos) und an dem weiterhin wachsenden Automobilmarkt in China, der in den letzten Jahren zunehmend gerade auch für deutschen Automobilhersteller immer bedeutender geworden ist.

Dennoch sind auch in Deutschland die Jobs von 60.000 Leiharbeitern, die in der deutschen Automobilindustrie arbeiten, seit Mai dieses Jahres auf der Kippe. Gut möglich, dass diese Leiharbeiter bald ohne Job dastehen. Seht hierzu auch meinen Blogartikel “Jetzt geht´s dann langsam los…“.

Europäische Hersteller, die auf den europäischen Automobilmarkt fokussiert sind, wie zum Beispiel der französische PSA-Konzern und der französische Automobilhersteller Renault, sind mittlerweile schwer angeschlagen.

Seht hierzu zum Beispiel auch den Artikel vom 24.4.2013 mit dem Titel “Französische Autobauer: Absatzkrise lässt PSA und Renault nicht los” im “Handelsblatt“.

Ähnlich sieht es beim italienischen Automobilhersteller FIAT aus. Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 15.1.2013  mit dem Titel “Fiat-Chef Marchionne: `Wir verkaufen zu lächerlichen Preisen´“ im “Handelsblatt“.

Unter anderem ist auf dem europäischen Automobilmarkt schon seit längerem eine massive Rabattschlacht zwischen den europäischen Automobilherstellern im Gange.

Selbst wenn also einige europäische Automobilhersteller auf dem europäischen Automarkt noch halbwegs erfolgreich Neuwagen verkaufen können, verdienen sie nur noch wenig daran. Das betrifft übrigens auch die deutschen Automobilhersteller wie zum Beispiel Volkswagen (VW).

Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 29.4.2013 mit dem Titel “Rabattschlacht nagt am VW-Gewinn” in der “Mittelbayerischen Zeitung“.

Seht hierzu auch den Artikel vom 2.7.2013 mit dem Titel “Neuzulassungen: Rabattschlacht um Autos erreicht ihren Höhepunkt” in “Die Welt“.

Und ob sich in nächster Zeit tatsächlich eine Besserung auf dem europäischen Automobilmarkt einstellen könnte, wie der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer in diesem Artikel mit dem Titel “Neuzulassungen: Rabattschlacht um Autos erreicht ihren Höhepunkt” vermutet, sei dahingestellt. Im Moment ist noch kein Ende der Absatzkrise auf dem europäischen Automobilmarkt erkennbar.

So sind es vor allem die französischen und italienischen Autohersteller, die für Angela Merkels Austeritätspolitik büßen müssen.

Das hat übrigens nichts damit zu tun, dass diese französischen und italienischen Automobilhersteller angeblich “Ladenhüter” (?!) produzierten und vermeintlich die “Entwicklung verschlafen” (?!) hätten. Tatsächlich sind diese Autos oft formschön und bequem und in der Regel auch technisch up-to-date und haben vor allem ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Ein Oberklasse-Peugeot ist zum Beispiel wesentlich preisgünstiger als ein entsprechendes Modell von Audi, BMW oder Mercedes. Und diese französischen und italienischen Autos sind dennoch gute Autos, auch wenn sie nicht dem sogenannten Premium-Segment zugerechnet werden.

Dass diese vergleichsweise preisgünstigen Autos von PSA, Renault und FIAT traditionell vor allem in Südeuropa gern gekauft werden, hat einem schlichten Grund: Die Südeuropäer verdienen im Durchschnitt deutlich weniger als die Mittel- und Nordeuropäer. Deshalb kaufen die Südeuropäer eben oft diese preisgünstigeren französischen und italienischen Autos.

Ein Durchschnittsspanier zum Beispiel kann sich nicht so ohne weiteres einen BMWMercedes-Benz oder Audi leisten. Ich weiß das genau, weil ich oft in Spanien bin und die spanischen Durchschnittsgehälter kenne. Sie sind deutlich niedriger als die deutschen Durchschnittsgehälter und das war auch schon vor der Eurokrise so.

Und ein VW Golf zum Beispiel (ein sogenanntes “Mittelklasse-Automobil“) ist wesentlich teurer als ein vergleichbares Modell aus dem Hause PSA, Renault oder FIAT. Und natürlich sind diese französischen und italienischen Autos in der Regel keine sogenannten Premium-Automobile, die gerne von reichen Amerikanern oder Chinesen gekauft werden.

Reiche Amerikaner oder Chinesen kaufen in der Regel einen Mercedes-Benz, einen BMW oder Audi, wenn sie ein europäisches Luxusautos kaufen wollen (es gibt ja auch amerikanische Premium-Automobile, die zum Beispiel von GM – Cadillac – hergestellt werden oder japanische Premium-Automobile, die zum Beispiel von ToyotaLexus hergestellt werden).

Das ist also der Grund, warum die deutschen Automobilhersteller in dieser Krise auf dem europäischen Absatzmarkt noch relativ gut weg kommen und die französischen und italienischen Hersteller eben nicht.

Aber Angela Merkel und ihren europapolitischen Pudel Mariano Rajoy ficht das alles nicht an. Sie geben weiterhin ihre Durchhalteparolen durch, nach dem Motto: “Der Endsieg wird kommen“.

Und solange der deutsche Wähler mit Angela Merkel zufrieden ist, kann ihr nichts passieren. Wer von den deutschen Wählern hat schon den Verstand und die Muße oder auch nur die Lust, diese in manchen Aspekten sehr komplexe Eurokrise etwas genauer zu analysieren?

Und vor allem: Solange diese Eurokrise nicht beim eigenen Geldbeutel ankommt, wird dem Durchschnittsdeutschen die Misere in den PIIGS-Staaten, gerade auch in den südeuropäischen Krisenstaaten, völlig egal sein. Und auch der Niedergang der französischen und italienischen Automobilindustrie wird den Durchschnittsdeutschen kaum stören.

Zwar will Angela Merkel jetzt einige Milliarden Euro zur Förderung der arbeitslosen Jugendlichen vor allem auch in den südeuropäischen Krisenländern locker machen. Aber auch diese paar Milliarden Euro soll es nur im Gegenzug zu den angeblich notwendigen “Strukturreformen” geben.

Seht hierzu unter anderem den Artikel vom 3.7.2013 mit dem Titel “Arbeitslosigkeit: Geld für die Jugend gibt es nur gegen Reformen” in “Die Welt“.

Diese neoliberalenStrukturreformen” sind uns allen sattsam bekannt. Es geht dabei in der Regel um den Abbau von Arbeitnehmerrechten und die Herabsetzung oder gleich Abschaffung der Mindestlöhne, etc. Das Vorbild ist hier unter anderem die “Agenda 2010“.

Das alles ist nur ein fauler Zauber, mehr nicht. Keines der südeuropäischen Krisenländer wird durch solche Reformen gesunden.

Und der konservative spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy des postfranquistischen “Partido Popular” fühlt sich naturgemäß einzig der reichen spanischen Oberschicht verpflichtet. Das ist Mariano Rajoys Klientel, die er bedient und die ihn auch politisch stützt.

Dieser reichen spanischen Oberschicht ist aber die Krise in Spanien gleichgültig und ihre Finanzberater haben das Vermögen dieser reichen Spanier schon längst in stabilere Länder gebracht.

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