Zu den “Abenomics” in Japan – 2

Seht hierzu den Artikel vom 5.6.2013 mit dem Titel “Automobilbranche: Japaner überholen Deutsche dank schwachem Yen” im Wirtschaftsblog “Reflexe” der “Neuen Zürcher Zeitung“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Die japanischen Automobilhersteller befinden sich auf der Überholspur. Im ersten Quartal haben sie ihre deutschen Konkurrenten im Durchschnitt bei der operativen Marge überholt. Während die Profitabilität der Autobauer aus dem Reich der aufgehenden Sonne um 2,7 Prozentpunkte auf 6,9% stieg, sank jene der Konkurrenz aus Europas grösster Volkswirtschaft um gut 2 Prozentpunkte auf 5,9%. Zu diesem Ergebnis kamen die Unternehmensberater von Ernst & Young im Rahmen einer Bilanzanalyse der 17 grössten Autohersteller der Welt, wobei die Konzerne unterschiedliche Rechnungslegungs-Standards verwenden. Spitzenreiter bei den einzelnen Unternehmen ist weiterhin BMW mit einer Marge von 11,6%. Die beiden anderen deutschen Vertreter Volkswagen (5,0%) und Daimler (3,5%) erlitten markante Einbussen der Profitabilität, während Toyota (8,6%) und Mazda (5,1%) die Margen verdoppelten und Honda (5,0%) und Nissan (6,1%) leichte Fortschritte erzielten. Nach einem Tief infolge mehrerer Naturkatastrophen und selbstverschuldeter Probleme sind die Japaner zurück. Sie steigerten die Effizienz und profitierten vom geringen Gewicht im schwächelnden Markt Europa, wogegen sie in den gut laufenden USA stark vertreten sind – im Gegensatz zum deutschen Konkurrent Volkswagen. Die Hauptursache ist jedoch laut Ernst & Young der schwache Yen. Er hat sich gegenüber dem Euro seit einem Jahr um fast 40% abgeschwächt”.

Nun, wenn man den entsprechenden Eintrag “Euro – Yen (EUR-JPY) – Historische Kurse”  in “Finanzen.net” betrachtet, stand der Yen im März 2012 bei ungefähr 108 Yen zu einem Euro. Im Juni 2012 stand er bei ungefähr 100 Yen zu einem Euro. Aktuell steht er bei ungefähr 128 Yen zu einem Euro.

Nun, 40% Abwertung des Yen gegenüber dem Euro seit einem Jahr – wie Ernst & Young behauptet – ist vielleicht etwas übertrieben.

Aber ähnlich wie gegenüber dem US-Dollar dürfte der Yen seit einem Jahr ungefähr um etwas über 20 % gegenüber dem Euro abgewertet worden sein. Für die japanischen Automobilhersteller lohnt sich das natürlich und für den Rest der japanischen Exportindustrie wohl auch.

Auch die deutschen Automobilhersteller hatten bis vor anderthalb Jahren aufgrund des wegen der Eurokrise deutlich schwächelnden Euro einen weltweiten Verkaufsboom, bis dann die Eurokrise sich so weit in die Eurozone hineinfraß, dass die Absatzzahlen in der Europa zunehmend massiv einbrachen und damit den europäischen und letztlich auch den deutschen Automobilherstellern das Geschäft verdorben wurde.

Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 25.11.2011 mit dem Titel “Deutsche Autohersteller feiern bestes Jahr aller Zeiten” in “Die Welt“.

Schon am 22.5.2010 erschien ein Artikel mit dem Titel “Hoffnung auf Exportschub: Industrie jubelt über schwachen Euro” in “Spiegel Online“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Es klingt paradox: Der Bundestag verabschiedet ein  milliardenschweres Rettungspaket für den Euro – doch die deutsche Industrie findet den Absturz der Gemeinschaftswährung nicht so schlimm. Im Gegenteil: Nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) wird der sinkende Wechselkurs die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland stärken.

Unter dem Strich werde der schwache Euro der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr ein Wachstumsplus von rund fünf Milliarden Euro bringen, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben der “Rheinpfalz am Sonntag”. Damit würden etwa 80.000 Arbeitsplätze in der Industrie gesichert.

Zur Begründung sagte Wansleben, dass der Billig-Euro die Exportchancen der deutschen Unternehmen steigere. Ihre Produkte würden auf den internationalen Märkten günstiger und ließen sich so leichter verkaufen. Das gelte vor allem für Autos, aber auch für Produkte der Elektrotechnik und der Chemie, fügte Wansleben hinzu. Dagegen verteuerten sich Waren aus dem Dollarraum.

Allerdings weist der DIHK-Geschäftsführer auch auf Nachteile hin. So müssten die Deutschen mehr für Importe zahlen. Das gelte vor allem für Öl und andere Rohstoffe, so bleibe den Verbrauchern durch die Euro-Schwäche weniger Geld für den Kauf heimischer Produkte. Da Deutschlands Wirtschaft aber vor allem auf dem Export basiert, sieht der DIHK unter dem Strich ein Plus für die Gesamtökonomie”.

In der Bild-Zeitung erschien am 9.4.2010 ein Artikel in einer etwas schlichteren, aber ähnlich lautenden Diktion mit dem Titel “Schwacher Euro: Deutsche Firmen exportieren wie die Weltmeister“.

Tja, wie heißt es so schön: “Des einen Freud ist des anderen Leid“.

Seht hierzu auch meinen Blogartikel “Das deutsche `Exportwunder´ und die prallen Kassen des deutschen Fiskus in den letzten anderthalb Jahren: Herzlichen Dank an die Krisenländer Südeuropas“.

Seit etwas über einem Jahr sieht es nun für die europäischen und auch die deutschen Automobilhersteller aufgrund der wegen der Eurokrise immer weiter absackenden Absatzzahlen in der Eurozone zunehmend mau aus.

Seht hierzu auch meinen Blogartikel “Zum geplanten Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA“.

Seht hierzu auch zum Beispiel den Artikel vom 3.4.2013 mit dem Titel “Verkaufszahlen: Europas Autoabsatz sinkt auf Rekordtief” im “Handelsblatt“.

Daher dürfen jetzt ungefähr 60.000 Leiharbeiter, die in den deutschen Automobilfirmen arbeiten, um ihren Job zittern.

Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 2.5.2013 mit dem Titel “Autokonzerne in der Krise: 60 000 Automobil-Leiharbeiter zittern um ihre Jobs” in “Focus“.

Seht hierzu ebenfalls den Artikel vom 2.5.2013 mit dem Titel “Automobilindustrie: 60.000 Leiharbeiter auf der Kippe” in der “FAZ“.

Mittlerweile befindet sich die Eurozone schon im sechsten Quartal in der Rezession. Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 15.5.2013 mit dem Titel “Eurozone recession continues into sixth quarter” in “BBC News“.

Tja, wenn ganz Südeuropa (PIIGS-Staaten) mitsamt Frankreich in die Rezession rutscht, ist das eben auch für Deutschland und die deutsche Wirtschaft kein wirklich gutes Geschäft mehr.

Deutschland ist ein Land in Mitteleuropa und lebt nicht zuletzt von seinen europäischen Handelspartnern. Und von allen deutschen Handelspartnern ist Frankreich der wichtigste.

Seht hierzu zum Beispiel den Eintrag “Rangfolge der wichtigsten Handelspartner Deutschlands nach Wert der Exporte im Jahr 2012 (in Milliarden Euro)” in “Statista“.

Seht hierzu auch den Artikel vom 27.2.2013 mit dem Titel “Export 2012: Frankreich wichtigster Handelspartner” in “Markt und Mittelstand“.

Und Frankreich ist im Zuge der Eurokrise im ersten Quartal 2013 wieder in die Rezession gerutscht.

Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 15.5.2013 mit dem Titel “French economy returns to recession” in “BBC News“.

Daher hat der IWF (Internationaler Währungsfonds) folgerichtigerweise die Wachstumsprognose auch für Deutschland deutlich abgesenkt.

Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 3.6.2013 mit dem Titel “Prognose auf 0,3 Prozent gesenkt: IWF traut Deutschland kaum noch Wachstum zu” in der “FAZ“.

Seht hierzu ebenfalls den Artikel vom 3.6.2013 mit dem Titel “Konjunktur: IWF halbiert Prognose für Deutschland” in der “Deutschen Welle“.

Soweit also dies. Aber nun zurück zu den “Abenomics” in Japan.

Wie bewerten nun die weltweit führenden Top-Ökonomen die “Abenomics” in Japan? Schauen wir uns erst einmal die Bewertung seitens der beiden führenden amerikanischen “New KeynesiansJoseph Stiglitz und Paul Krugman an.

Seht hierzu einen Artikel vom 22.3.2013 mit dem Titel “Nobel Laureate Stiglitz Gives  `Abenomics´ Thumbs Up” im Blog “Japan Realtime” des “Wall Street Journals“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Prime Minister Shinzo Abe’s policy of strong-arming the Bank of Japan into adopting an aggressive monetary easing policy has gotten a thumbs up from one of the world’s best-known economists–Nobel laureate Joseph Stiglitz of Columbia University.

The aggressive easing and fiscal stimulus advocated by Mr. Abe are exactly what Japan needs in this age of “competitive currency devaluation,” Prof. Stiglitz said Friday in an interview with media organizations in Tokyo. On Thursday, he met with Mr. Abe and conveyed support for his economic policies.

Prof. Stiglitz’s approval of Mr. Abe’s policies–known as “Abenomics”–is so strong he wants his own country to follow suit.

“What we really need in the U.S. is expansionary policies that Abenomics is bringing into Japan,” he said, lamenting the political gridlock in Washington and the inability of the U.S. Congress to do much by way of economic stimulus.

Prof. Stiglitz is a leading figure in the liberal school of economics along with fellow Nobel laureate Paul Krugman of Princeton University. In January, Prof. Krugman praised Mr. Abe’s coordinated fiscal-monetary push in his New York Times column. Many of Mr. Abe’s economic advisors are under the influence of Prof. Stiglitz and his liberal School”.

Joseph Stiglitz findet also das aggressive Programm Shinzō Abes zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstum in Japan gut und sogar vorbildhaft und empfiehlt unter anderem den USA, es selbst auch so zu machen.

Paul Krugman wird in diesem Artikel mit dem Titel “Nobel Laureate Stiglitz Gives  `Abenomics´ Thumbs Up” auch erwähnt, der sich offensichtlich schon im Januar in seiner Kolumne in der “New York Times” ebenfalls positiv zu den “Abenomics” geäußert hat.

Hinsichtlich der Einschätzung der “Abenomics” in Japan durch Joseph Stiglitz seht auch den von Joseph Stiglitz verfassten Artikel vom 8.4.2013 mit dem Titel “The Promise Of Abenomics” im “Social Europe Journal“.

Joseph Stiglitz stellt in diesem Artikel unter anderem fest: “Nonetheless, as many Japanese rightly sense, Abenomics can only help the country’s recovery. Abe is doing what many economists (including me) have been calling for in the US and Europe: a comprehensive program entailing monetary, fiscal, and structural policies. Abe likens this approach to holding three arrows – taken alone, each can be bent; taken together, none can.

The new governor of the Bank of Japan, Haruhiko Kuroda, comes with a wealth of experience gained in the finance ministry, and then as President of the Asian Development Bank. During the East Asia crisis of the late 1990’s, he saw firsthand the failure of the conventional wisdom pushed by the US Treasury and the International Monetary Fund. Not wedded to central bankers’ obsolete doctrines, he has made a commitment to reverse Japan’s chronic deflation, setting an inflation target of 2%.

Deflation increases the real (inflation-adjusted) debt burden, as well as the real interest rate. Though there is little evidence of the importance of small changes in real interest rates, the effect of even mild deflation on real debt, year after year, can be significant.

Kuroda’s stance has already weakened the yen’s exchange rate, making Japanese goods more competitive. This simply reflects the reality of monetary-policy interdependence: if the US Federal Reserve’s policy of so-called quantitative easing weakens the dollar, others have to respond to prevent undue appreciation of their currencies. Someday, we might achieve closer global monetary-policy coordination; for now, however, it made sense for Japan to respond, albeit belatedly, to developments elsewhere. (…).

There is every reason to believe that Japan’s strategy for rejuvenating its economy will succeed:  the country benefits from strong institutions, has a well-educated labor force with superb technical skills and design sensibilities, and is located in the world’s most (only?) dynamic region. It suffers from less inequality than many advanced industrial countries (though more than Canada and the northern European countries), and it has had a longer-standing commitment to environment preservation.

If the comprehensive agenda that Abe has laid out is executed well, today’s growing confidence will be vindicated. Indeed, Japan could become one of the few rays of light in an otherwise gloomy advanced-country landscape”.

Was nun Paul Krugmans Bewertung der “Abenomics” angeht, so seht hierzu zum Beispiel seinen Artikel vom 23.5.2013 mit dem Titel “Japan the Model” in seiner Kolumne in der “New York Times“.

In diesem Artikel erfahren wir unter anderem: “A generation ago, Japan was widely admired — and feared — as an economic paragon. Business best sellers put samurai warriors on their covers, promising to teach you the secrets of Japanese management; thrillers by the likes of Michael Crichton portrayed Japanese corporations as unstoppable juggernauts rapidly consolidating their domination of world markets.

Then Japan fell into a seemingly endless slump, and most of the world lost interest. The main exceptions were a relative handful of economists, a group that happened to include Ben Bernanke, now the chairman of the Federal Reserve, and yours truly. These Japan-obsessed economists viewed the island nation’s economic troubles, not as a demonstration of Japanese incompetence, but as an omen for all of us. If one big, wealthy, politically stable country could stumble so badly, they wondered, couldn’t much the same thing happen to other such countries? 

Sure enough, it both could and did. These days we are, in economic terms, all Japanese — which is why the ongoing economic experiment in the country that started it all is so important, not just for Japan, but for the world.       

In a sense, the really remarkable thing about “Abenomics” — the sharp turn toward monetary and fiscal stimulus adopted by the government of Prime Minster Shinzo Abe — is that nobody else in the advanced world is trying anything similar. In fact, the Western world seems overtaken by economic defeatism. 

In America, for example, there are still more than four times as many long-term unemployed workers as there were before the economic crisis, but Republicans only seem to want to talk about fake scandals. And, to be fair, it has also been a long time since President Obama said anything forceful publicly about job creation.       

Still, at least we’re growing. Europe’s economy is back in recession, and it has actually grown a bit less over the past six years than it did between 1929 and 1935; meanwhile, it keeps hitting new highs for unemployment. Yet there is no hint of a major change in policy. At best, we may be looking at a slight relaxation of the savage austerity programs Brussels and Berlin are imposing on debtor nations. (…).

So, how is Abenomics working? The safe answer is that it’s too soon to tell. But the early signs are good — and, no, Thursday’s sudden drop in Japanese stocks doesn’t change that story.      

The good news starts with surprisingly rapid Japanese economic growth in the first quarter of this year — actually, substantially faster growth than that in the United States, while Europe’s economy continued to shrink. You never want to make too much of one quarter’s numbers, but that’s the kind of thing we want to see.       

Meanwhile, Japanese stocks have soared, while the yen has fallen. And, in case you’re wondering, a weak yen is very good news for Japan because it makes the country’s export industries more competitive.       

Some observers have raised the alarm over rising Japanese long-term interest rates, even though these rates are still less than 1 percent. But the combination of rising interest rates and rising stock prices suggests that both reflect an increase in optimism, not worries about Japanese solvency.       

To be sure, Thursday’s sell-off in Japanese stocks put a small dent in that optimistic assessment. But stocks are still way up from last year, and I’m old enough to remember Black Monday in 1987, when U.S. stocks suddenly fell more than 20 percent for no obvious reason, and the ongoing economic recovery suffered not at all.       

So the overall verdict on Japan’s effort to turn its economy around is so far, so good. And let’s hope that this verdict both stands and strengthens over time. For if Abenomics works, it will serve a dual purpose, giving Japan itself a much-needed boost and the rest of us an even more-needed antidote to policy lethargy”.

Tja, also auch Paul Krugman ist hinsichtlich des erstaunlich schnellen Erfolgs der “Abenomics” in Sachen Wachstum positiv überrascht und hofft, dass die “Abenomics” langfristig und dauerhaft positive Ergebnisse für Japan erbringen, nicht nur wegen Japan selbst, sondern auch wegen des möglichen Vorbildcharakters der “Abenomics” für die USA und auch für den Rest der Welt.

Dies gilt im Prinzip natürlich auch für die Eurozone, im Falle, dass die europäischen Politiker sich auf solch eine Wachstumsstrategie im Stile der “Abenomics” einigen könnten.

Im Moment halte ich das aber für ausgeschlossen, da solch ein Programm im Sinne der “Abenomics” den wirtschaftspolitischen Prinzipien und Rezepten der deutschen neoliberalen Austeritätsfanatiker in der aktuellen schwarz-gelben Koalition unter Angela Merkel (Kabinett Merkel II) radikal widersprechen würde. Mit den deutschen Neoliberalen, die zumindest in den letzten Jahren in der Eurozone den Ton angegeben haben, wäre solch ein Programm wohl nie durchführbar.

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