Wolf Wondratschek: Bundespost (1969)

Wolf Wondratschek: Bundespost (1969)

“In Dienstanfängerkreisen der Bundespost kommen immer wieder Verwechslungen der Begriffe “Wertsack”, “Wertbeutel”, “Versackbeutel” und “Wertpaketsack” vor. Um diesem Übel abzuhelfen, ist dieses Merkblatt dem Paragraphen 49 der ADA vorzuheften.

Der Wertsack ist ein Beutel, der auf Grund seiner besonderen Verwendung im Postbeförderungsdienst nicht Wertbeutel, sondern Wertsack genannt wird, da sein Inhalt aus mehreren Wertbeuteln besteht, die in den Wertsack nicht verbeutelt, sondern versackt werden.

Das ändert nichts an der Tatsache, dass die zur Bezeichnung des Wertsackes verwendetet Wertbeutelfahne auch bei einem Wertsack mit Wertbeutelfahne bezeichnet wird und nicht mit Wertsackfahne, Wertsackbeutelfahne oder Wertbeutelsackfahne.

Sollte es sich bei der Inhaltsfeststellung eines Wertsackes herausstellen, dass ein in einem Wertsack versackter Versackbeutel statt im Wertsack in einen der im Wertsack versackten Wertbeutel hätte versackt werden müssen, so ist die in Frage kommende Dienststelle unverzüglich zu benachrichtigen.

Nach seiner Entleerung wird der Wertsack wieder zu einem Beutel, und er ist auch bei der Beutelzählung nicht als Sack, sondern als Beutel zu zählen.

 Bei einem im Ladezettel mit dem Vermerk “Wertsack” eingetragenen Beutel handelt es sich jedoch nicht um einen Wertsack, sondern um einen Wertpaketsack, weil ein Wertsack im Ladezettel nicht als solcher bezeichnet wird, sondern lediglich durch den Vermerk “versackt” darauf hingewiesen wird, dass es sich bei dem versackten Wertbeutel um einen Wertsack und nicht um einen ausdrücklich mit “Wertsack” bezeichneten Wertpaketsack handelt.

Verwechslungen sind insofern im übrigen ausgeschlossen, als jeder Postangehörige weiß, dass ein mit “Wertsack” bezeichneter Beutel kein Wertsack, sondern ein Wertpaketsack ist”.

Dies ist einer der besten Texte aus dem ersten Werk von Wolf WondratschekFrüher begann der Tag mit einer Schußwunde” von 1969 (der Band steht ebenfalls bei mir zuhause in einem der Regale meiner privaten Bibliothek).

Wie mir eine gute Bekannte einmal vor einigen Jahren erläutert hat, die bis zu ihrer Verrentung bei der Bundespost gearbeitet hat und der ich einmal diesen Text per Email zugeschickt habe, ist dieser Text aus ihrer Sicht nur bedingt parodistisch. Tatsächlich sind ihrer Erfahrung nach manche deutschen Behördenanweisungen, auch bei der Deutschen Bundespost, sehr nahe an dieser Parodie dran.

Im Klartext: Aus der Sicht meiner Bekannten hätte dieser Text durchaus ein Originaltext der Deutschen Bundespost sein können.

Interessant übrigens, dass es im ersten stark autobiographisch eingefärbten Roman von Charles Bukowski auch unter anderem um die amerikanische staatliche Post geht.

Charles Bukowski arbeitete viele Jahre bei der amerikanischen staatlichen Post, bevor er die Chance bekam, als freier Schriftsteller leben zu können. In diesem ersten Roman verarbeitete Bukowski unter anderem seine jahrelangen Erfahrungen als Beamter der amerikanischen staatlichen Post.

Dieser erste Roman von Charles Bukowski von 1971 heisst im englischen Originaltitel “Post Office” (Deutsche Übersetzung: “Der Mann mit der Ledertasche”). Und auch in der amerikanischen staatlichen Post wieherte nach der Darstellung von Charles Bukowski in seinem Roman “Post Office” zumindest damals oft genug der Amtsschimmel.

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