Zum Tode Margaret Thatchers – 1

Heute, am 8.4.2013, erfahren wir, dass die sogenannte “Eiserne Lady” Margaret Thatcher im Alter von 87 Jahren verstorben ist.

Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 8.4.2013 mit dem Titel “Großbritannien: Margaret Thatcher gestorben” in der “FAZ“.

Unter anderem erfahren wir in diesem Artikel: “Margaret Thatcher war von 1979 bis 1990 Premierministerin Großbritanniens. Sie machte sich vor allem durch den Falkland-Krieg gegen Argentinien und ihre Rolle innerhalb der damaligen Europäischen Gemeinschaft einen Namen. Ihre Worte „Ich will mein Geld zurück“, mit denen sie den sogenannten „Britenrabatt“ durchsetzte, wurden legendär. Nach ihrem Abgang aus der Downing Street wurde sie in den Adelsstand erhoben und trat in das britische Oberhaus („House of Lords“) ein.

Der amtierende Premierminister und Parteifreund Thatchers, David Cameron, nahm die Nachricht vom Tod seiner Vorgängerin mit großer Trauer auf. „Wir haben eine große Führungspersönlichkeit, eine großartige Premierministerin und eine große Britin verloren“, schrieb Cameron über den Kurznachrichtendienst Twitter.

Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte Margaret Thatcher „eine der überragenden Führungspersönlichkeiten der Weltpolitik ihrer Zeit“. Sie habe früh die Kraft der Freiheitsbewegungen Osteuropas erkannt und sich für sie eingesetzt, sagte Frau Merkel nach Angaben der Regierung in Berlin. „Ihren Anteil an der Überwindung der Teilung Europas und am Ende des Kalten Krieges werde ich nicht vergessen.“ Weiter sagte die Kanzlerin: „Indem sie sich zu Zeiten, als dies noch nicht selbstverständlich war, als Frau im höchsten demokratischen Amt behauptete, hat sie vielen nach ihr ein Beispiel gegeben.“

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso würdigte Margaret Thatcher als „große Politikerin“. „Sie wird sowohl wegen ihrer Beiträge als auch wegen ihrer Vorbehalte zum Projekt Europa in Erinnerung bleiben“, sagte Barroso am Montag in Brüssel. Frau Thatcher sei „eine vorsichtige und dennoch engagierte Akteurin in der Europäischen Union“ gewesen. Barroso würdigte ihren Beitrag zur Erweiterung der EU um die Staaten Mittel- und Osteuropas. Thatcher habe die Gestalt des heutigen Großbritanniens geformt – dazu gehöre auch die besondere Rolle, die das Land bis heute in der EU spiele”.

Nun, über die wirtschaftspolitischen “Verdienste” (?!) von Margaret Thatcher habe ich schon mal einen längeren Blogartikel verfasst, und zwar im Zusammenhang mit der weltweiten neoliberalen Revolution, die unter Margaret Thatcher (England) und Ronald Reagan (USA) Anfang der 1980er-Jahre begann. Seht hierzu meinen Blogartikel “Die Ursachen und Folgen der neoliberalen Revolution ab den 80er-Jahren“.

Letztlich verdanken wir Margaret Thatcher und Ronald Reagan unter anderem auch die Finanzkrise ab 2007, denn die entscheidende Wurzel dieser Finanzkrise ab 2007 war vor allem auch die weltweite Deregulierung der Börsen und Banken während dieser Anfangsphase der neoliberalen Revolution.

Margaret Thatcher verwandelte damals London in den weltweit wichtigsten Finanzplatz, indem sie die bis damals üblichen Regulierungen für Börsen und Banken abschaffte (= Deregulierung). Als Reaktion hierauf zogen viele Banker und Börsianer begeistert mit ihren Geschäften nach London um. Nichts ist für diese Leute schöner als ein Casino, in dem jedes noch so fragwürdige und riskante Geschäft erlaubt ist.

Seht hierzu unter anderem den Artikel vom 15.3.2012 mit dem Titel “Finanzplatz City of London: Die Macht der Quadratmeile” in der Schweizer “WOZ“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: ” (…) dieser Casinowirtschaft verhalf Margaret Thatcher kurz nach ihrer Wahl zur Premierministerin 1979 zum Durchbruch: Die Devisenkontrollen wurden abgeschafft, der Wert des Pfunds stieg, und die Ausfuhrgüter der britischen Industrie verteuerten sich massiv. Zwischen 1981 und 1984 verlor allein die Londoner Industrie 90 000 Arbeitsplätze (landesweit vernichtete Thatchers finanzmarktorientierte Politik ein Fünftel aller industriellen Arbeitsplätze), während im Finanzsektor 45 000 neue Jobs geschaffen wurden. Und dieser wurde zunehmend dereguliert – bis hin zum «Big Bang» 1986 (vgl. weiter unten: «Der Big Bang»), der London zum internationalen Finanzplatz schlechthin machte.

Finanzdienstleistungen sind heute der wichtigste Sektor der britischen Wirtschaft – sie machen rund zehn Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus. Obwohl in der Square Mile nur etwa 9000 Menschen wohnen, tummeln sich hier an Werktagen 350 000 Banker, Versicherungsspezialistinnen, Broker und Verwaltungs­angestellte. Die hohen Löhne und Boni, die in der City seit Mitte der achtziger Jahre verteilt werden, waren ein wichtiger Grund für den Boom, den die Londoner Dienstleistungsökonomie in den neunziger Jahren erlebte – aber sie sind auch entscheidend dafür verantwortlich, dass London die Metropole mit dem grössten sozialen Gefälle der westlichen Welt ist: Die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung verfügen über 273-mal mehr Geld als die ärmsten zehn Prozent. Gleich hinter der östlichen Grenze der Square Mile, im Schatten der gläsernen Hochhäuser, liegt Tower Hamlets, eine der ärmsten Gemeinden Britanniens. Und trotz allen Reichtums hat der Finanzsektor sogar in den Boomjahren von 2002 bis 2008 nur halb so viele Steuern bezahlt wie die Industrie”.

Ronald Reagan machte übrigens damals in den USA genau das gleiche und gab den Banken und Börsen freie Hand, in dem er die bisherigen Regulierungen für diese beiden Bereiche beseitigte. Unter anderem verwandelte Ronald Reagan damals die Ostküstenmetropole New York in ein Zocker-Paradies für Börsianer (Wall Street). 

London und New York sind die beiden bedeutendsten Finanzplätze der Welt (Seht hierzu den Wikipedia-Artikel mit dem Titel “Finanzplatz“).

Der Prophet des Neoliberalismus Gordon Gekko (Der Protagonist des Films “Wall Street” von Oliver Stone aus dem Jahre 1987) brachte die Philosophie und Realität der neoliberalen Ära und Gesellschaft in einem Filmdialog mit seinem Zögling und Partner Bud Fox auf den Punkt (IMDb: Gordon Gekko, Quotes): “The richest one percent of this country owns half our country’s wealth, five trillion dollars. One third of that comes from hard work, two thirds comes from inheritance, interest on interest accumulating to widows and idiot sons and what I do, stock and real estate speculation. It’s bullshit. You got ninety percent of the American public out there with little or no net worth. I create nothing. I own. We make the rules, pal. The news, war, peace, famine, upheaval, the price per paper clip. We pick that rabbit out of the hat while everybody sits out there wondering how the hell we did it. Now you’re not naive enough to think we’re living in a democracy, are you buddy? It’s the free market. And you’re a part of it. You’ve got that killer instinct. Stick around pal, I’ve still got a lot to teach you”.

Das ist die Realität, in der wir seit den 1980er-Jahren leben. Und es ist seit den 1980er-Jahren ganz bestimmt nicht besser geworden.

Zurück  zur sogenannten “Eisernen Lady” Margaret Thatcher: Wir verdanken der “Ära Thatcher” in England auch Begriffe wie “working poor“: Menschen, die arbeiten und dennoch arm sind. Das gibt es als “Massenphänomen” erst seit der neoliberalen Revolution Anfang der achtziger Jahre. Dieses Phänomen mit den sogenannten “working poor” begann damals in England.

In Deutschland nennt man solche Menschen übrigens heutzutage “Niedriglohnempfänger” (das klingt etwas besser, meint aber im Prinzip genau das gleiche wie der Begriff “working poor“). Diese Niedriglohnempfänger machen in Deutschland mittlerweile ca. 20% der arbeitenden Bevölkerung aus.

Im Wikipedia-Artikel zu Margaret Thatcher erfahren wir weiterhin: “Der Falklandkrieg 1982 gegen Argentinien brachte Thatcher einen Popularitätsschub. In der Folge rief sie für den 9. Juni 1983 Unterhauswahlen aus und konnte ihren Popularitätszuwachs in einen Wahlsieg ummünzen, wobei sie auch von der Spaltung der Labour Party profitierte. Nachdem die USA, die der Entsendung britischer Soldaten zur Rückeroberung der Falklandinseln zunächst ablehnend gegenüberstanden, Thatchers Rückeroberungspolitik logistisch unterstützten, folgte sie in anderen außenpolitischen Fragen der Linie der USA, sowohl im NATO-Doppelbeschluss als auch in der Haltung zu Libyen.

Diese Unterstützung Englands durch die USA im Falkland-Krieg verdankte Margaret Thatcher natürlich dem damaligen US-Präsidenten und ihrem ideologischen Weggefährten Ronald Reagan. Eine neoliberale Hand wäscht die andere.

Was nun den Falkland-Krieg angeht, so erfahren wir im entsprechenden Wikipedia-Artikel zu diesem Krieg unter “Verluste und Kriegskosten“:

Großbritannien

Kriegskosten: ca. 2,5 Milliarden Britische Pfund.

Argentinien

Kriegskosten: unbekannt.

Im übrigen wird im Fall des Falkland-Kriegs vermutet, dass eine grosse Zahl von britischen Veteranen sich aufgrund der posttraumatischen Belastungsstörungen selbst umgebracht haben. Seht hierzu den Punkt “Medizinische Kriegsfolgen” im Wikipedia-Artikel zum Falkland-Krieg.

Es versteht sich von selbst, dass die Eiserne Lady (?!) Margaret Thatchter selbst kein Gewehr in die Hand genommen und mitgekämpft hat. So “eisern” war sie natürlich nicht.

Margaret Thatcher hat sich das Spektakel damals gelegentlich bei ihren Frontbesuchen grinsend per Fernrohr angeschaut. Das konnte man auch in den deutschen Fernsehnachrichten im Jahre 1982 öfters so sehen. Ich war damals 17 Jahre alt.

So machen das diese Sorte von konservativen Politikern in der Regel. Sie schauen sich das Kriegspektakel per Fernrohr oder auf einem Video-Bildschirm an, während die Soldaten ihres Landes ihr Leben in unnötigen Kriegen riskieren und Siege erkämpfen, die dann von diesen konservativen Politikern in Wahlerfolge umgemünzt werden können.

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