Die USA und der drohende Sturz von der sogenannten “Fiskalklippe” – 9

Am 27.12.2012 erschien ein Artikel mit dem Titel “Drohender Finanzkollaps der USA: Der Zeitlupen-Crash” in “Spiegel-Online“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Nur noch wenige Tage bleiben Amerikas Mächtigen, sich im Haushaltstreit zu einigen. Doch Demokraten und Republikaner sind tief zerstritten. Die Republikaner führen inzwischen auch einen Krieg in den eigenen Reihen, der jeden Versuch einer Annäherung unmöglich erscheinen lässt. Kommt es zu keiner Einigung, greift am 1. Januar automatisch ein Maßnahmenpaket, um die Ausgaben der weltgrößten Wirtschaftsnation zu beschränken und die Steuereinnahmen zu steigern. (…).

Die meisten Analysten sind sich einig, dass Demokraten und Republikaner sich noch Monate streiten müssten, bis die Folgen des automatischen Sparpakets mit voller Wucht auf die US-Wirtschaft durchschlagen. Träte allerdings dieser Worst Case ein, wären die Folgen tatsächlich verheerend.

Laut Berechnungen des überparteilichen Congressional Budget Office dürfte sich das Wirtschaftswachstum 2013 dann um vier Prozentpunkte reduzieren, ein Rückfall in die Rezession wäre damit wahrscheinlich. Die Zahl der Arbeitslosen würde um rund zwei Millionen höher liegen als ohne die Einschnitte. Die US-Bank Morgan Stanley rechnet gar mit Einbußen beim BIP von bis zu fünf Prozent.

2011 lag der Anteil der USA am kaufkraftbereinigten BIP der gesamten Welt bei rund 20 Prozent. Dementsprechend hätte ein Einbruch der US-Wirtschaft globale Folgen. Länder wie Deutschland wären gleich doppelt betroffen: Die Nachfrage nach ihren Gütern in den USA würden einbrechen; ebenso die Nachfrage in anderen exportorientierten Ländern, die durch die Schwäche Amerikas ebenfalls weniger Güter exportieren.

An den Börsen würden in einer solchen Lage weltweit die Kurse fallen. In einem Szenario der UBS ist etwa davon die Rede, dass der breit gefasste US-Index S&P im Falle einer amerikanischen Rezession rasch mehr als tausend Punkte abstürzen würde. Der Dow Jones könnte laut einem Szenario der Firma Macroeconomic Advisers binnen weniger Tage um 2000 Punkte abstürzen. (…).

Trotz der zähen Verhandlungen rechnen Analysten nicht damit, dass der Worst Case eintritt. Sollten die USA am 1. Januar über die Fiskalklippe gehen, sind Kurseinbrüche an den Märkten wahrscheinlich. Diese würden Demokraten und Republikaner zusätzlich unter Druck setzen, rasch eine Lösung zu finden. Das muss zunächst noch nicht einmal der große Wurf sein: Obama hat vor seinem Weihnachtskurzurlaub bereits angedeutet, dass zunächst auch ein Kompromiss denkbar wäre, der nur einige Teile der zu verhandelnden Punkte klärt.

Entsprechend gelassen geben sich die Finanzexperten. “Der simple Schluss, dass ein Sturz über die Fiskalklippe unweigerlich eine Rezession bedeutet, ist falsch”, sagt Lewis Alexander, Ökonom bei Nomura Securities.

Erst wenn Ende Februar noch immer kein Kompromiss in Sicht wäre, würden die Analysten langsam nervös. Dann nämlich rechnen sie damit, dass immer mehr Firmen Investitionen zurückhalten – und eine Abwärtsspirale in Gang setzen, die sich nur noch schwer aufhalten lässt“.

Lewis Alexander hat vor seinem Job bei Nomura Securities im amerikanischen Finanzministerium (Department of Treasury) gearbeitet. Seht hierzu den Artikel vom 19.9.2011 mit dem Titel “Former Treasury Official Joins Nomura” im “Dealbook” der “New York Times“.

Tja, gut möglich, dass Lewis Alexander recht hat. Allerdings ist diese Sache ein Spiel auf Zeit. Je länger nach dem 1.1.2013 die notwendige Lösung für das Problem der “Fiskalklippe” in den USA ausbleibt, umso kritischer und gefährlicher wird diese Sache.

Und dann kommt noch dazu, dass die USA in den nächsten Tagen voraussichtlich die bisher vereinbarte Schuldenobergrenze erreichen.

Seht hierzu den Artikel vom 26.12.2012 mit dem Titel “U.S. will hit debt limit on Dec. 31, Treasury Department says” in der “Washington Post“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “The U.S. government will hit the $16.4 trillion federal debt limit Monday and turn to “extraordinary measures” to continue borrowing, the Treasury Department said Wednesday, beginning a countdown until Congress either passes legislation to allow for more borrowing or the government defaults on its debt.

In a letter to Congress, Treasury Secretary Timothy F. Geithner said that although the debt ceiling would be reached Dec. 31, the government could buy roughly two months’ more time before it would be unable to meet all its obligations. (…).If the nation goes over the fiscal cliff, two forces will work against each other. Taxes would rise and spending would be cut, requiring less U.S. borrowing and potentially delaying default. Higher unemployment and a recession would also be likely, depressing tax receipts and requiring more borrowing.

In contrast to the fiscal cliff, defaulting on the debt would cause an immediate financial earthquake, probably causing intense volatility in the markets given the special role played by U.S. government debt.

The federal government borrows about $100 billion a month, and Geithner’s letter to Congress said undertaking “extraordinary measures” — as the Treasury did in 2011 — could create about $200 billion of room to continue borrowing.

“However,” he wrote to lawmakers, “given the significant uncertainty that now exists with regard to unresolved tax and spending policies for 2013, it is not possible to predict the effective duration of these measures.” (…).

After last year’s debt-limit debacle, the ratings firm Standard & Poor’s downgraded U.S. government debt for the first time, arguing that the paralysis of Washington policymaking was posing new risks to investors in U.S. government bonds.

That had little effect on U.S. interest rates.

S&P and other ratings firms have threatened to downgrade the country again if lawmakers are not able to find a sensible resolution on the fiscal cliff and the debt limit”.

Nun gut, ein Land von der Grösse der USA kann letztlich nicht einfach zahlungsunfähig werden. So etwas wäre ein glatter Wahnwitz. Und natürlich wird das amerikanische Volk von seinen Politikern fordern, dass sie das Problem mit der “Fiskalklippe” und der bisherigen Schuldenobergrenze in irgendeiner Form lösen, sei es vor oder eben dann nach dem 1.1.2013.

Aber dieses ganze üble Theater wirkt auf die Finanzmärkte bedrohlich, lähmt die Wirtschaft der USA und verunsichert die amerikanischen Bürger und kann auch die Ratingagenturen auf den Plan rufen und die Bonität der USA beschädigen.

Seht hierzu auch den Artikel vom 27.9.2012 mit dem Titel “Wie die USA im neuen Jahr stolpern könnten” in “derstandard.at“.

Seht hierzu ebenfalls den Artikel vom 27.9.2012 mit dem Titel “Obama bricht Urlaub wegen Etatstreit ab” in “derstandard.at“.

Seht hierzu weiterhin den Artikel vom 27.9.2012 mit dem Titel “USA unter Zeitdruck: Noch keine Einigung im Haushaltsstreit in Sicht” in “derstandard.at“.

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