Die USA und der drohende Sturz von der sogenannten “Fiskalklippe” – 13

Im übrigen widerspreche ich auch in einem weiteren Punkt Marcel Bernet, wenn er in seinem Blogartikel “Staatschulden sind keine: US-Entwicklung seit 1950 feststellt: “Hier liegt der kommunikativ interessante Aspekt: Staatsschulden sind keine Schulden. Zurückzahlen ist nicht vorgesehen. «Too big to fail» gilt für den Staat erst recht. Eine wichtige Kennzahl ist das Verhältnis dieser Schuld zum Bruttosozialprodukt, und da sieht Japan ganz wesentlich schlechter aus als die USA – siehe Liste auf diesem Wikipedia-Eintrag”.

Ich glaube schon, dass sowohl die USA als auch Japan in der Lage sein werden, diese Staatsschulden langsam wieder zurückzuzahlen.

Voraussetzung hierfür ist aber auch eine nachhaltige staatliche Finanzpolitik, in der die Einnahmenseite des Staates mit der Ausgabenseite halbwegs übereinstimmt.

Und das Wachstum in allen diesen Ländern sollte unter anderem durch eine entsprechende Finanzpolitik (Klassisch in Rezessionsphasen: antizyklische Finanzpolitik) angeregt werden. Das hat Barack Obama übrigens auch getan, und die Wirtschaft der USA ist seit einiger Zeit wieder moderat am wachsen. Aber es gibt natürlich noch andere wirtschaftspolitische und finanzpolitische Möglichkeiten, das Wachstum eines Landes anzuregen und zu fördern. Zum Beispiel spielt auch die Lohnpolitik hier eine wichtige Rolle.

Einer der Hauptgründe für die steigenden Staatsschulden in vielen Ländern ist auch das in der Regel schwache Wachstum in den meisten dieser Länder.

Auch in Deutschland haben wir in den letzten Jahrzehnten nur noch ein schwaches Wachstum gehabt.

Seht hierzu eine entsprechende Graphik mit dem Wirtschaftswachstum in Deutschland seit 1950. Die Wachstumsraten in Deutschland seit der ungefähr 1990 sind nicht mehr allzu berauschend.

Für die USA gilt übrigens das Gleiche. Auch hier sind die Wachstumsraten in den letzten beiden Jahrzehnten nicht mehr allzu berauschend gewesen. Seht hierzu eine entsprechende Graphik mit dem Wirtschaftswachstum in den USA seit 1947.

Was nun die staatliche Finanzpolitik angeht: Nachhaltigkeit in diesem Bereich bedeutet unter anderem auch, dass man keine sinnlosen Steuergeschenke an Spitzenverdiener im Stile der “Bush tax cuts” machen sollte. Und sinnlose Kriege sind auch kontraproduktiv und teuer (das gilt vor allem für die USA, die in der Lage sind, solche Kriege zu führen).

Und mit diesen Steuergeschenken an die reichen Oberschichten stehen die USA nicht alleine da. Auch zum Beispiel in Deutschland wurden seit der Ära Gerhard Schröder (1998-2005) massiv Steuergeschenke an Besserverdienende, Aktionäre (Kapitalanleger) und Unternehmen gemacht.

Und auch in Deutschland ist die Staatsverschuldung in den letzten Jahrzehnten konstant gestiegen. Seht hierzu den Wikipedia-Artikel “Staatsverschuldung Deutschlands“. Deutschland liegt aktuell bei etwas über 80% (Staatsschulden im Verhältnis zum BIP).

Diese Entwicklung der immer weiter steigenden Staatsschulden in der neoliberalen Wirtschaftsphase ab den 80er-Jahren (Ronald Reagan – USA/Margaret Thatcher – England) ist übrigens ein allgemeines Phänomen in allen G7-Staaten (also den weltweit führenden Industrieländern).

Seht hierzu eine Graphik “Historische Entwicklung der Staatsverschuldung in G7-Ländern” vom Bundesfinanzministerium.

Zum aktuellen Stand der Staatsschulden in den wichtigsten Industrienationen seht den Eintrag “Staatsverschuldung in den wichtigsten Industrie- und Schwellenländern im Jahr 2012 in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP)” in “Statista“.

Seht hierzu auch die Graphik “Debt as % of GDP” in “ACEMAXX-Analytics“.

Seht hierzu auch denn Wikipedia-Artikel “Liste der Länder nach Staatsschuldenquote“.

Die rasant steigenden Staatsschulden in allen führenden Industrienationen ab den 80er-Jahren ist eines der Ergebnisse der weltweiten neoliberalen Revolution, die unter Ronald Reagan in den USA und Margaret Thatcher in England begann.

Einen guten und kämpferischen Artikel mit dem Titel “Let’s Not Make a Deal” hat Paul Krugman am 8.11.2012 in der “New York Times” veröffentlicht.

In diesem Artikel bemerkt Paul Krugman unter anderem: “To say the obvious: Democrats won an amazing victory. Not only did they hold the White House despite a still-troubled economy, in a year when their Senate majority was supposed to be doomed, they actually added seats. (…).

But one goal eluded the victors. Even though preliminary estimates suggest that Democrats received somewhat more votes than Republicans in Congressional elections, the G.O.P. retains solid control of the House thanks to extreme gerrymandering by courts and Republican-controlled state governments. And Representative John Boehner, the speaker of the House, wasted no time in declaring that his party remains as intransigent as ever, utterly opposed to any rise in tax rates even as it whines about the size of the deficit.       

So President Obama has to make a decision, almost immediately, about how to deal with continuing Republican obstruction. How far should he go in accommodating the G.O.P.’s demands?       

My answer is, not far at all. Mr. Obama should hang tough, declaring himself willing, if necessary, to hold his ground even at the cost of letting his opponents inflict damage on a still-shaky economy. And this is definitely no time to negotiate a “grand bargain” on the budget that snatches defeat from the jaws of victory.       

In saying this, I don’t mean to minimize the very real economic dangers posed by the so-called fiscal cliff that is looming at the end of this year if the two parties can’t reach a deal. Both the Bush-era tax cuts and the Obama administration’s payroll tax cut are set to expire, even as automatic spending cuts in defense and elsewhere kick in thanks to the deal struck after the 2011 confrontation over the debt ceiling. And the looming combination of tax increases and spending cuts looks easily large enough to push America back into recession.       

Nobody wants to see that happen. Yet it may happen all the same, and Mr. Obama has to be willing to let it happen if necessary.       

Why? Because Republicans are trying, for the third time since he took office, to use economic blackmail to achieve a goal they lack the votes to achieve through the normal legislative process. In particular, they want to extend the Bush tax cuts for the wealthy, even though the nation can’t afford to make those tax cuts permanent and the public believes that taxes on the rich should go up — and they’re threatening to block any deal on anything else unless they get their way. So they are, in effect, threatening to tank the economy unless their demands are met.       

Mr. Obama essentially surrendered in the face of similar tactics at the end of 2010, extending low taxes on the rich for two more years. He made significant concessions again in 2011, when Republicans threatened to create financial chaos by refusing to raise the debt ceiling. And the current potential crisis is the legacy of those past concessions.       

Well, this has to stop — unless we want hostage-taking, the threat of making the nation ungovernable, to become a standard part of our political process.

So what should he do? Just say no, and go over the cliff if necessary”.

Tja, gut möglich, dass Paul Krugman recht hat. Es hat keinen Sinn, dass Barack Obama sich von den Republikanern erpressen lässt und die “Bush tax cuts” für die reiche amerikanische Oberschicht verewigt.

Es hat nicht zuletzt deshalb keinen Sinn, weil diese “Bush tax cuts” am Ende für die USA einfach unbezahlbar werden. Also ist es vielleicht tatsächlich für Barack Obama und die Demokraten das beste, man nimmt den Sturz der USA über die Fiskalklippe in Kauf und versucht danach, eine vernünftige und nachhaltige Lösung zu finden.

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