Ein massives Problem der südeuropäischen PIIGS-Staaten: Sie können nicht abwerten – 1

Ich habe in meinen diversen Blogartikeln zur Eurokrise oft genug erklärt, dass die südeuropäischen PIIGS-Staaten eine deutlich andere Kultur und Wirtschaft als die mittel- und nordeuropäischen Länder haben. Sie hatten auch historisch eine ganz andere Entwicklung als die mittel- und nordeuropäischen Länder. Das gilt auch für ihre jeweilige Wirtschaftsgeschichte.

Und ich habe oft genug erklärt, dass diese südeuropäischen PIIGS-Staaten wirtschaftlich schon rein aus Gründen ihrer historischen Entwicklung niemals das Niveau der mittel- und nordeuropäischen Länder erreicht haben.

Ich gehe unter anderem in meinem Blogartikel “Angela Merkels Irrglaube an die Wirksamkeit ihrer kruden Sparrezepte in Südeuropa 9” und nachfolgend auf diese recht unterschiedliche historische Entwicklung in Deutschand und den südeuropäischen Ländern ein.

Auch technologisch sind diese Länder oft rückständig. Die Hochtechnologie, die diese Länder haben und auch dort erworben werden kann, wird in der Regel aus den mittel- und nordeuropäischen Ländern und nicht zuletzt aus den USA und Japan importiert. Auch Deutschland exportiert traditionell viele hochtechnologische Produkte in diese südeuropäischen Länder, vor allem natürlich auch Autos, das wichtigste deutsche Exportprodukt.

Mit all dem will ich übrigens nicht sagen, dass die Südeuropäer fauler und dümmer als die Mittel- und Nordeuropäer sind. Es gibt auch in diesen Ländern Eliten, die ausgesprochen kultiviert, leistungsfähig und begabt sind.

Meine eigene Mutter Carmen Gauger (geb. Rodríguez García) repräsentiert unter anderem auch diese südeuropäische Elite. Meine Mutter war lange Zeit auch Studienrätin an verschiedenen Gymnasien in der Gegend Freiburgs.

Meine Mutter spricht hervorragend Deutsch und gut Französisch (sie war auch mal Französisch-Lehrerin, natürlich auch Spanisch-Lehrerin). Und sie hat unter anderem auch Altphilologie, Kunstgeschichte und Katholische Theologie studiert. Sie kann unter anderem auch sehr gut Lateinisch und gut Griechisch. Sie war auch lange Latein-Lehrerin. Und heute ist sie eine der besten literarischen Übersetzerinnen Spaniens. Sie hat zahlreiche Werke von sehr renommierten deutschen Autoren ins Spanische übersetzt.

In meiner spanischen Familie Rodríguez García haben wir auch mehrere spanische Uniprofessoren, unter anderem mein Onkel Ramón Rodríguez García, der Philosophieprofessor an der Madrider Universität Complutense und einer der besten und bekanntesten spanischen Heidegger-Spezialisten ist.

Aber im Durchschnitt ist Spanien wie alle anderen südeuropäischen Länder auf einem deutlich anderen Niveau als die mittel- und nordeuropäischen Länder.

Das betrifft nicht nur die Wirtschaft und Technologie in diesen Ländern, sondern auch den durchschnittlichen Ausbildungsstand der Menschen in diesen Ländern.

Nun, dieses Phänomen der wirtschaftlichen, technologischen und ausbildungsmässigen Rückständigkeit Südeuropas ist absolut nichts Neues. Ich als Halb-Spanier kenne übrigens diese Sache schlicht auch aus eigener Anschauung, aufgrund der unzähligen Aufenthalte gerade auch in Spanien. Zu meiner Person seht auch den Blogartikel “Who I am: My CV“.

Die Menschen in diesen südeuropäischen Ländern selbst haben dies vor der Einführung des Euro (im Jahre 1999 als Buchgeld. 2002 als Bargeld) übrigens auch gewusst. Kein halbwegs vernünftiger und gut informierter Spanier zum Beispiel hat mir gegenüber bisher jemals ernsthaft behauptet, Spanien sei vom technologischen und wirtschaftlichem Niveau her vergleichbar mit zum Beispiel Deutschland, den USA oder Japan.

Die halbwegs gebildeten Südeuropäer wussten schon immer, dass sie gegenüber mittel- und nordeuropäischen Ländern wie Deutschland nicht wirklich konkurrenzfähig und rückständig waren. Und deshalb haben in all den Jahren vor Einführung des Euro unter anderem ihre jeweiligen Währungen logischerweise konstant an Wert gegenüber der D-Mark verloren.

Und oft haben diese Länder in den Jahren vor der Einführung des Euro selbst aktiv ihre Währungen immer wieder abgewertet, um gegenüber mittel- und nordeuropäischen Ländern wie Deutschland wieder konkurrenzfähiger zu werden.

Ihr könnt selbst im WWW leicht überprüfen, dass dies bis zur Einführung des Euro genau so war.

Gehen wir diese Länder mal nach der Reihenfolge ihrer wirtschaftlichen Bedeutung in der Eurozone durch: Italien (drittstärkste Volkswirtschaft in der Eurozone). Spanien (viertstärkste Volkswirtschaft in der Eurozone).

Im Fall von Portugal und Griechenland kenne ich den Rangplatz in der Eurozone nicht genau. Aber sie gehören zu den wirtschaftlich wenig bedeutenden Ländern in der Eurozone. Griechenland liegt vom BIP her noch vor Portugal.

Seht hierzu einen Wikipedia-Artikel “Liste der Länder nach Bruttoinlandsprodukt” jeweils in Millionen US-Dollar.

Völlig unbestritten auf dem ersten Platz sind natürlich die USA (BIP: 17.577.691). Zweiter Platz China (7.298.147). Deutschland vierter Platz (noch deutlich hinter Japan). Japan hat ein BIP von 5.869.471. Deutschland hat ein BIP von 3.577.031.

Und nun zu den PIIGS-Staaten: Achter Platz Italien (2.198.730). Zwölfter Platz Spanien (1.493.513). Platz 35 Griechenland (303.065). Platz 43 Portugal (238.880). Und hier noch Irland, da es auch ein PIIGS-Staat ist: Irland Platz 45 (217.669).

Nun zur historischen Entwickung der südeuropäischen Währungen vor Einführung des Euro: Für den Fall der italienischen Lira genügt der Blick auf den entsprechenden Wikipedia-Artikel. Rechts in diesem Wikipedia-Artikel findet ihr eine Tabelle, die den Verlauf des historischen Wechselkurses der italienischen Lira zur D-Mark von 1955-1999 zeigt.

Ab 1970 begann die italienische Lira gegenüber der D-Mark kontinuierlich schwächer zu werden. Die italienische Lira lag 1970 deutlich unter 200 Lira für eine D-Mark. Die Lira erreichte ihr Maximum im Jahre 1995/1996 und lag damals bei über 1200 italienische Lira für eine D-Mark. Der Endstand im Jahre 1999 lag bei ungefähr 1000 italienische Lira für eine D-Mark.

Warum haben wir bis 1970 einen völlig konstanten Wechselkurs der italienischen Lira gegenüber der D-Mark? Weil wir ungefähr vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis ungefähr 1970 weltweit ein System von fixierten Wechselkursen hatten. Seht hierzu den Wikipedia-Artikel “Fester Wechselkurs“. Man nannte dieses System das “Bretton-Woods-System“, das auf einem goldhinterlegten US-Dollar als Leitwährung und fixierten Wechselkursen beruhte. Die völlige Freigabe der Wechselkurse erfolgte dann im Jahre 1973.

Im Fall der spanischen Peseta habe ich nur den historischen Kurs gegenüber dem US-Dollar auffinden können. Im Prinzip macht das aber keinen grossen Unterschied, denn der US-Dollar ist wie die ehemalige Deutsche Mark eine mehr oder weniger stabile Währung.

Ihr findet eine entsprechende Graphik mit dem Titel “USD/Spanische Peseta: Historische Wechselkurse 1971-2001” in “unciatrends.com“.

Im Januar 1973 lag die Peseta bei ungefähr 60 Peseten für einen US-Dollar. Bis 1985 lag die Peseta auf über 180 Pesetas für einen US-Dollar. Dann sank der Kurs der Peseta bis Mitte der neunziger Jahre auf ungefähr 100 Pesetas für einen US-Dollar. Im Jahre 2001 hatten wir einen Kurs von ungefähr 190 Pesetas für einen US-Dollar. Also auch die Peseta wurde gegenüber dem US-Dollar immer schwächer.

Der EU-Beitritt Spaniens war übrigens 1986. Das war sicher mit ein Grund, warum sich die Peseta ab 1986 etwas günstiger entwickelt hat und gegenüber der D-Mark in den darauffolgenden Jahren etwas stärker geworden ist. Ab Mitte der neunziger Jahre wurde die Peseta dann wieder klar schwächer bis zu einem Endkurs von ungefähr 190 Pesetas für einen US-Dollar.

Gehen wir nun zum Fall des portugiesischen Escudo. Auch hier genügt ein Blick auf den entsprechenden Wikipedia-Artikel.

Ihr findet auch in diesem Wikipedia-Artikel zum portugiesischen Escudo rechts eine Tabelle mit der Entwicklung des historischen Kurses des Escudo zur D-Mark seit 1958. Der portugiesische Escudo lag 1970 bei unter 10 Escudo für eine D-Mark. Der portugiesische Escudo wurde dann seit 1970 mehr oder weniger kontinuierlich schwächer gegenüber der D-Mark hoch und lag im Jahre 1999 bei ungefähr 105 Escudos für eine D-Mark.

Gehen wir nun zum Fall der griechischen Drachme. Ihr findet eine entsprechende Graphik mit dem Titel “USD/Greek Drachma Exchange Rate 1971-2001” in “unciatrends.com“.

Seit 1981 ist die griechische Drachme gegenüber der D-Mark konstant schwächer geworden. 1981 lag die griechische Drachme bei ungefähr 50 Drachmen für eine D-Mark. Im Jahre 2001 lag der Kurs für die griechische Drachme bei ungefähr 400 griechischen Drachmen für eine D-Mark.

Im Klartext: Alle diese vier südeuropäischen Länder waren von ihrer Wettbewerbsfähigkeit her wohl nie auf einem Niveau mit Deutschland.

Ein Zeichen für diese mangelnde Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Deutschland in der Zeit vor der Einführung des Euro war unter anderem, dass die jeweiligen Währungen dieser südeuropäischen Länder konstant gegenüber der D-Mark an Wert verloren haben.

Oft haben diese Länder selbst ihre Währungen ganz bewusst immer wieder abgewertet, um gegenüber den mittel- und nordeuropäischen Ländern wie Deutschland wieder konkurrenzfähiger zu werden.

Diese Entwicklung der südeuropäischen Währungen vor der Einführung des Euro war im Prinzip nichts Schlimmes, sondern war eigentlich ganz vernünftig. Denn die jeweilige Währung sollte immer auch die Leistungskraft eines Landes widerspiegeln.

Creative Commons Lizenzvertrag Ein massives Problem der südeuropäischen PIIGS-Staaten: Sie können nicht abwerten- 1 Klaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz

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