7.12.2012: Heute erschien die letzte Ausgabe der “Financial Times Deutschland”

In verschiedenen Online-Portalen der deutschen Tageszeitungen, Wochenzeitungen, Radiosender und TV-Sender wird heute über das definitive “Aus” für die “Financial Times Deutschland” berichtet.

Das ist auch für mich ein trauriger Tag. Mir hat die “Financial Times Deutschland” gut gefallen und sie war gerade auch in dieser Eurokrise kritisch gegenüber dem Eurokrisen-Managment der aktuellen deutschen schwarz-gelben Regierungskoalition (Kabinett Merkel II).

Seht zu diesem “Aus” für die “Financial Times Deutschland” den Artikel vom 7.12.2012 mit dem Titel “Letzte Ausgabe der FTD: Finale „Financial Times“
vielerorts ausverkauft” in “Focus“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Die „Financial Times Deutschland“ ist Geschichte: Mit großflächig geschwärzter Titelseite kam die Wirtschaftszeitung am Freitag zum letzten Mal heraus. Ironisch: Die finale Ausgabe des defizitären Blatts ist vielerorts ausverkauft.

Unter dem verstümmelten Logo „Final Times“ standen die Worte „Endlich schwarz“ – eine Anspielung auf die schwarzen Zahlen, die die „FTD“ nie geschrieben hat. „Wir haben, als dann feststand, dass wir eingestellt werden, natürlich ein paar Tage sehr stark getrauert. Aber dann begann so eine kleine Welle der Kreativität. Und dann war dieser Titel schnell geboren“, sagte Vize- Chefredakteur Sven Oliver Clausen im „Deutschlandradio Kultur“. Die „FTD“ wolle sich „mit Anstand“ verabschieden. Das Aus hatte der Konzern Gruner + Jahr (G + J) vor zwei Wochen bekanntgegeben. (…).

Die letzte Ausgabe war an vielen Kiosken schnell ausverkauft. „Die ganze Zeit
wollte die nie jemand haben“, sagte ein Kioskverkäufer in Berlin. Auf einmal
gebe es jetzt solch einen Ansturm. Laut Verlag sollten am Freitagnachmittag die
letzten redaktionellen Inhalte auf die Internetseite „ftd.de“ gestellt werden.
Der Webauftritt werde voraussichtlich noch bis zur Jahreswende erhalten bleiben”.

Tja, wenn der Webauftritt der “Financial Times Deutschland” dann Anfang nächsten Jahres tatsächlich verschwinden sollte, dürft ihr euch natürlich nicht wundern, wenn ihr in meinem Blog die entsprechenden Links zu den Artikeln von “FTD” anklickt und dann dieser Artikel leider nicht erscheint.

Das heisst, das Verschwinden des Webauftritts von “FTD” wird dann unter anderem auch leider traurige Löcher in meine diversen Eurokrisen-Artikel reissen.

Seht zu diesem “Aus” für die “Financial Times Deutschland” auch das Interview von André Hatting mit dem Titel “`Financial Times Deutschland´: Ein Abschied mit Anstand” mit dem stellvertretenden Chefredakteur der “FTD” Sven Oliver Clausen im “Deutschlandradio“.

Wir erfahren in diesem Interview unter anderem. “André Hatting: Mit dem heutigen Tag ist die Zeitungslandschaft in Deutschland ärmer. Nach fast 13 Jahren erscheint die “Financial Times Deutschland” zum letzten Mal. Das Aus hatte der Vorstand des Zeitschriftenkonzerns Gruner & Jahr am 23. November offiziell bekannt gegeben. Kein Trauerrand, sondern komplett schwarz – so sieht heute die Titelseite der “Financial Times Deutschland” aus, auf der ein paar Buchstaben heruntergeplumst sind. “Final Times Deutschland” heißt es heute. Am Telefon ist der stellvertretende Chefredakteur der FTD, Sven Oliver Clausen. Guten Morgen!

Sven Oliver Clausen: Guten Morgen, Herr Hatting.

Hatting: “Endlich schwarz” heißt der Titel heute. Ein Zynismus, von Wegen schwarze Zahlen?

Clausen: Ja genau. Wir haben, als dann fest stand, dass wir eingestellt werden, natürlich ein paar Tage sehr stark getrauert. Aber dann begann so eine kleine Welle der Kreativität und da war dieser Titel schnell geboren, und wenn wir noch einmal die Chance hatten, ihn jetzt hier zu drucken, dann haben wir gesagt, dann machen wir es halt so”.

Seht zu diesem “Aus” für die “Financial Times Deutschland” auch den Artikel vom 7.12.2012 mit dem Titel “Letzte “FTD”-Ausgabe `endlich schwarz´” in der Website des NDR.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem. “Die letzte Ausgabe war an vielen Kiosken schon am Morgen ausverkauft. Am Nachmittag kündigte der Verlag an, dass 30.000 weitere Abschiedszeitungen nachgedruckt werden sollen. Die neuen Ausgaben werden jedoch vermutlich erst am Samstag am Kiosk liegen. Die letzten redaktionellen Inhalte sollten am Freitagnachmittag auf die Internetseite ftd.de gestellt werden. Der Webauftritt werde voraussichtlich noch bis zum Jahreswechsel bestehen.

Ganz in die Trauerfarbe Schwarz gekleidet waren auch viele der etwa 150 Mitarbeiter, die am Freitagnachmittag vor dem Verlagsgebäude von Gruner + Jahr am Hamburger Baumwall protestierten. “Wir haben zwölf Jahre geliefert. Jetzt ist G+J dran”, forderten sie auf einem meterlangen Plakat eine gerechte Entschädigung für die insolvenzbedingte Entlassung. Jetzt sei Zahltag, sagte “FTD”-Betriebsrätin Maike Rademaker. Die meisten Demonstranten trugen Solidaritätsschleifen, die lachsrosa wie das “FTD”-Papier waren.“Die Stimmung ist seltsam”, sagte Rademaker. “Neben Trauer und Feiern ist da auch die Wut, wie mit uns umgegangen wird.” Für viele ihrer Kollegen herrsche Unsicherheit, wie es mit ihnen weitergeht. Betroffen von dem Aus sind nach Angaben von Gruner + Jahr 364 Mitarbeiter. Für einige sollen andere Aufgaben im Verlag gesucht werden. Doch was mit der Mehrheit der Mitarbeiter passiert, steht noch nicht fest. “‘Unklar’ ist dafür noch ein zarter Ausdruck”, kritisierte Rademaker: “Wenn man eine Zeitung zumacht, dann sollte man wissen, wie man sie zumacht.”

Tja, sieht so aus, als wenn die Mitarbeiter der “FTD” am Ende sogar noch ganz persönlich und individuell Opfer der neoliberalen Doktrin in Deutschland werden.

Dass es die “FTD” von ihren wirtschaftspolitischen Ausrichtung her schon immer schwer hatte in einem Land, das sozial, politisch, wirtschaftlich und ideologisch schon lange in der Hand der deutschen Neoliberalen ist, war sowieso immer klar.

Seht zu diesem “Aus” für die “Financial Times Deutschland” auch den Artikel vom 7.12.2012 mit dem Titel “`Final Times Deutschland´: FTD-Redakteure nehmen Abschied” in “n-tv“.

Ein guter Artikel zu diesem “Aus” für die “Financial Times Deutschland” mit dem Titel “Zeitungsbranche: Warum wir die Financial Times Deutschland vermissen werden” erschien am 7.12.2012 auch in “Zeit Online“.

In diesem Artikel kommen unter anderem Jürgin Trittin und Gustav Horn zu Wort.

Besonders gut finde ich hier den Kommentar von Jürgin Trittin, der in diesem Artikel auch an erster Stelle erscheint.

Ich gebe daher diese Bemerkungen von Jürgin Trittin hier wieder: “Jürgen Trittin, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag: Zwölf Jahre lang hat die Financial Times Deutschland die wirtschaftspolitische Berichterstattung bereichert. So mancher Linke fremdelte mit einem Blatt, dem der Ruf der New Economy und des Börsenkapitalismus anhaftete.

Doch wer die FTD aufschlug, dem war solch undifferenzierte Kritik fremd: Sie hat nicht nur qualitativ hochwertig berichtet, sie hat auch immer wieder neue Blickwinkel abseits des wirtschaftspolitischen Mainstreams eingenommen.

Märkte waren für sie nie Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck. Der Staat nie Marionettenspieler, der Wirtschaft und Gesellschaft steuert, sondern Rahmensetzer. Auf den angeblichen Gegensatz zwischen Markt und Staat hat sich die FTD nie eingelassen. 

In der Euro-Krise gehörte die Zeitung stets zu den klügsten  Kritikern des Merkelschen Krisenmanagements. Und sie brachte mit  einem neuen klugen Neo-Keynesianismus nach Art von Paul Krugman oder  George A. Akerlof Schwung in die deutsche Debatte zwischen  Ordnungspolitikern und Alt-Keynesianern.

Sie hat noch etwas  anderes Einzigartiges gemacht. Sie hat Wahlempfehlungen ausgesprochen. Eine echte Neuerung.

Das werde ich nicht nur vermissen, weil wir Grüne dabei wiederholt mit einer FTD-Empfehlung geehrt wurden, sondern weil  die Zeitung damit Mut bewiesen hat, klar Stellung zu beziehen.

Die  FTD trat an, das Monopol der Finanzzeitungen in Deutschland  aufzubrechen. Es ist ihr fast 13 Jahre lang gelungen. Von heute an wird  die Meinungsvielfalt in Wirtschafts- und Finanzthemen deutlich kleiner  sein. Nach über zwölf Jahren ausgezeichneter Berichterstattung geht ein  wichtiger Bestandteil der deutschen Qualitätspresse zu Ende”.

Tja, da kann ich Jürgen Trittin nur zustimmen.

Die “FTD” war tatsächlich immer deutlich kritisch gegenüber dem Eurokrisen-Managment der aktuellen deutschen schwarz-gelben Regierungskoalition (Kabinett Merkel II) und stand den “New Keynesians” wie Paul Krugman oder Joseph Stiglitz zumindest sehr viel näher als ein Wochenmagazin wie zum Beispiel “Der Spiegel“, das oft wie die Hauspostille der Bertelsmann-Stiftung daherkommt.

Vor allem war die “FTD” in den Punkten gegenüber der aktuellen deutschen Wirtschaftspolitik kritisch, wo man es vernünftigerweise auch sein musste, wie zum Beispiel hinsichtlich des schon seit Jahren konstant massiven Handelsbilanzüberschusses Deutschlands (Stichwort: Exportweltmeister), der die Handelsbilanzen der verschiedenen Länder in der Eurozone in ein gefährliches Ungleichgewicht befördert hat. Den es einen Handelbilanzüberschüsse (=Gewinne und Forderungen) sind des anderen Handelsbilanzdefizite (=Verluste und Schulden). Und die “FTD” repräsentierte tatsächlich ohne Zweifel mit das Beste, was die deutsche Presse zu bieten hatte.

Dieses “Aus” für die “Financial Times Deutschland” ist wirklich traurig und schmerzlich. Aber wir bewegen uns schon seit Beginn dieses Jahrtausends in eine mediale Phase einer immer näher anrollenden weltweiten Zeitungskrise hinein. Und am schwersten hat es aktuell ohne Zweifel weltweit der Qualitätsjournalismus.

Über einige Ursachen dieser weltweiten Zeitungskrise habe ich im Zusammenhang mit dem geplanten “Leistungsschutzrecht für Presseverleger” in meinem Artikel mit dem Titel  “Online-Petition gegen das geplante `Leistungsschutzrecht´” berichtet.

Hinter der Entscheidung, die “FTD” einzustellen, stand übrigens anscheinend nicht zuletzt der Bertelsmann-Konzern. Bertelsmann ist mit fast 75% an Gruner + Jahr beteiligt.

Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 23.11.2012 mit dem Titel “Kein funktionierendes Geschäftsmodell”: Bertelsmann sieht keine Alternative zur Einstellung der FTD” im regionalen Wirtschaftsportal “weser-ems-business-on.de“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Der Mehrheitseigentümer Bertelsmann hat sich demonstrativ hinter die Entscheidung des Gruner + Jahr-Vorstandes zur Schließung der “Financial Times Deutschland” gestellt. Europas größter Medienkonzern trage die Entscheidungen bezüglich der Wirtschaftsmedien “uneingeschränkt mit”, erklärte das Unternehmen am Freitag auf dapd-Anfrage.

Aus Sicht von Bertelsmann habe es keine wirtschaftlich tragfähige Alternative zu diesem Schritt gegeben, erklärte ein Sprecher. Der Konzern fühle sich grundsätzlich weiter dem Qualitätsjournalismus verpflichtet. Voraussetzung sei aber ein funktionierendes Geschäftsmodell. Dies habe es für die “FTD” nicht gegeben.

Bertelsmann hält knapp 75 Prozent der Anteile am “FTD”-Mutterhaus Gruner + Jahr, den Rest besitzt die Hamburger Verlegerfamilie Jahr. Im vergangenen Jahr hatte Gruner + Jahr trotz der “FTD”-Verluste einen Betriebsgewinn (Operating Ebit) von 233 Millionen Euro ausgewiesen. Allerdings fiel der Gewinn damit um gut 10 Prozent niedriger aus als im Jahr zuvor”.

Also, dazu will ich nur folgendes sagen: Dass der Bertelsmann-Konzern sich dem “Qualitätsjournalismus(?!) verpflichtet fühlt, glaube ich eher weniger.

Meiner Meinung nach fühlen sich der Bertelsmann-Konzern und speziell Liz Mohn vor allem dem Neoliberalismus germanischer Prägung im Sinne Reinhard Mohns verpflichtet.

Und was konkret das “Aus” für die “FTD” angeht, so will ich es mal so sagen: In diesem Fall dürfte dieser Beschluss dem Bertelsmann-Konzern wohl wenig schwer gefallen sein. Die Blattlinie der “FTD” dürfte kaum den Vorstellungen der “Bertelsmann-Stiftung” entsprochen haben.

Der Betriebsgewinn (Operating Ebit) von Gruner + Jahr lag ja trotz der Verluste durch die “FTD” anscheinend immer noch im letzten Jahr bei 233 Millionen Euro.

Seht zu den Hintergründen der Einstellung der “FTD” auch den Artikel vom 20.11.2012 mit dem Titel “Medien: Gruner + Jahr stellt `Financial Times Deutschland´ ein” in der “FAZ“.

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