Das deutsche “Exportwunder” und die prallen Kassen des deutschen Fiskus in den letzten anderthalb Jahren: Herzlichen Dank an die Krisenstaaten Südeuropas – 4

Wer übrigens auch weiss, dass Deutschland von der Krise in den PIIGS-Staaten und nicht zuletzt in Griechenland im Hinblick auf seine Exporterfolge klar profitiert hat, ist die BoulevardzeitungBild” des “Axel-Springer-Verlags“.

Seht hierzu den Artikel vom 9.4.2010 mit dem Titel “Schwacher Euro: Deutsche Firmen exportieren wie die Weltmeister – Wirtschaft profitiert von Griechenlandkrise” in “Bild“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Die deutsche Exportwirtschaft profitiert von der Griechenland-Krise! Der schwache Euro-Kurs macht deutsche Waren im Ausland wieder äußerst beliebt. Im Februar legten die Exporte im Vergleich zum Vorjahr um 9,6 Prozent zu!

Für die Luft- und Raumfahrtindustrie, aber auch für die Export-Paradedisziplinen Maschinenbau und Kraftfahrzeuge ist die Euro-Schwäche Rückenwind“, sagte Anton Börner, Präsident des Groß- und Außenhandels-Verbands, der „Rheinischen Post“.

Die Euroschwäche sei vor allem gut für die deutschen Exporte in den Dollarraum und in asiatische Länder, deren Währungen oft eng an den Dollar gekoppelt sind, so Börner.

Der Euro ist derzeit 1,33 Dollar wert, zu Jahresbeginn hatte er noch 1,4389 Dollar gekostet. Seit Anfang Dezember hat der Euro gegenüber der US-Währung elf Prozent verloren”.

Das Lustige (oder Zynische) an der Sache ist, dass die deutsche BoulevardzeitungBild” die von ihnen sogenannten “Pleite-Griechen” in ihrem Blatt damals zugleich übel verhöhnt hat.

Seht hierzu den Artikel vom 27.10.2010 mit dem Titel “Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen… und die Akropolis gleich mit!” in “Bild“.

In diesem Artikel verlangt “Bild“, dass die Griechen absolut alles verkaufen sollen, was sie haben, um ihre Schulden zu bedienen, auch ihre Inseln.

Und auch deutsche Politiker der aktuellen schwarz-gelben Koalition unterstützten diese Forderung in diesem Artikel mit dem Titel “Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen… und die Akropolis gleich mit!” in “Bild“.

Wir erfahren hierzu in diesem Artikel: ”

Ob die Kanzlerin morgen mit ihrem Amtskollegen Papandreou bei dessen Berlin-Besuch die Insel-Frage anschneidet …?

Der Koalitionspartner rät dazu. FDP-Finanzexperte Frank Schäffler zu BILD: „Die Kanzlerin darf keinen Rechtsbruch begehen, darf Griechenland keine Hilfen versprechen. Der griechische Staat muss sich radikal von Beteiligungen an Firmen trennen und auch Grundbesitz, z. B. unbewohnte Inseln, verkaufen.“

CDU-Mittelstandschef Josef Schlarmann: „Ein Bankrotteur muss alles, was er hat, zu Geld machen – um seine Gläubiger zu bedienen. Griechenland besitzt Gebäude, Firmen und unbewohnte Inseln, die für die Schuldentilgung eingesetzt werden können.“

Marco Wanderwitz, Chef der Jungen Gruppe in der Union, zu BILD: „Das Vertrauen in Griechenland ist schwer geschädigt. Wenn die EU und damit auch Deutschland den Griechen Geld geben soll, muss es dafür gerade im Sinne der jungen Generation auch Sicherheiten geben, die im Notfall verkauft werden können. Dabei kommen zum Beispiel auch einige griechische Inseln infrage.“

Übrigens: Die deutsche BoulevardzeitungBild” ist die einflussreichste und meistgelesene deutsche Tageszeitung.

Wir erfahren im entsprechenden Wikipedia-Artikel zu “Bild“: “Das seit dem 24. Juni 1952 im Axel-Springer-Verlag erscheinende Boulevardblatt war lange Zeit die auflagenstärkste Tageszeitung Europas. Die aktuelle Auflage beträgt 2.698.383 Exemplare. (…).

Bild erreicht etwa 17,9 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren, das sind etwa 11,63 Millionen Menschen.Davon sind etwa 4,30 Millionen Frauen und 7,33 Millionen Männer. Somit sind 63 Prozent der Leser Männer, 43 Prozent der Leser haben einen Hauptschulabschluss mit Lehre, 35 Prozent die mittlere Reife und 4 Prozent die Hochschulreife. 7 Prozent der Leser sind Selbstständige, 34 Prozent sind Angestellte oder Beamte und 37 Prozent sind Facharbeiter. Die Zielgruppe ist demnach – auch nach den Leitlinien des Gründers Axel Springer – nicht die Schicht der Führungskräfte oder der Gebildeten und Intellektuellen, sondern die Schicht der Arbeits- und Konsumbevölkerung”.

Tja, aus dieser Schicht der sogenannten “Arbeits- und Konsumbevölkerung” kommen auch die meisten deutschen Wähler. Und “Bild” vermittelt ihnen die wohl eher schlichte Weltsicht, die zumindest Axel Springer für diese Schicht der von ihm so bezeichneten “Arbeits- und Konsumbevölkerung” für angemessen hielt.

Nun, ich habe also im ersten Teil dieses Artikels behauptet, dass Deutschland in den letzten anderthalb Jahren nicht nur auf der Ebene der Refinanzierung des deutschen Staates (stark sinkende Risikoaufschläge beim Verkauf der deutschen Staatsanleihen) sondern auch auf der Ebene der für Deutschland extrem wichtigen Exportindustrie deutlich von der Eurokrise insbesondere auch in den südeuropäischen PIIGS-Staaten profitiert hat. Und ich habe bisher entsprechende Artikel aufgeführt und zitiert, die diese These plausibel machen und belegen.

Was hat es nun für die deutsche öffentliche Hand (=Fiskus) bedeutet, dass Deutschland in den letzten anderthalb Jahren einen “Exportboom” erlebt hat und sich der deutsche Staat zugleich praktisch zum Nulltarif refinanzieren oder beim Verkauf seiner Staatsanleihen sogar Gewinne einstreichen konnte?

Nun, es bedeutet, dass die deutsche Staatskasse im Moment prall gefüllt ist und die Steuereinnahmen des deutschen Staates in den letzten beiden Jahren reichlich gesprudelt sind.

Seht hierzu unter anderem den Artikel vom 21.7.2012 mit dem Titel “Aufschwung am Arbeitsmarkt sorgt beim Fiskus für volle Kassen” in “Die Welt“.

Seht hierzu auch den Artikel vom 22.9.2012 mit dem Titel “Deutschland: Steuereinnahmen steigen weiter” in den “Deutschen Mittelstandsnachrichten“.

Seht hierzu auch den Artikel vom 22.10.2012 mit dem Titel “Staatshaushalt: Robuste Konjunktur sorgt für prall gefüllte Steuerkasse” im “Manager-Magazin“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Dem deutschen Staat winken in diesem Jahr Rekordsteuereinnahmen. Im September verbuchten Bund und Länder ein Einnahmeplus von 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Das geht aus dem aktuellen Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums hervor”.

Der Zuwachs ist danach Folge der Lohnerhöhungen bei anhaltend guter Beschäftigungslage sowie der Wirtschaftslage und höherer Firmengewinne. So legten die Einnamen aus der Lohnsteuer binnen Jahresfrist um 7,6 Prozent auf knapp 11,2 Milliarden Euro zu. Die Umsatzsteuern brachten mit rund 16,7 Milliarden Euro 7 Prozent mehr ein. Zu Buche schlägt zudem ein stärkerer Privatkonsum.

Für das Gesamtjahr zeichnet sich ein höherer Einnahmerekord ab als bisher erwartet. Zwischen Januar und September lag der Anstieg ohne reine Gemeindesteuern bei 5,6 Prozent – auf nunmehr 403,4 Milliarden Euro. Das Neun-Monats-Plus ist damit höher als der für das gesamte Jahr von den Steuerschätzern zuletzt erwartete Zuwachs von 4 Prozent. Die nächste Prognose erfolgt Ende Oktober.

Experten gehen inzwischen davon aus, dass Bund, Länder und Gemeinden in diesem Jahr erstmals mehr als 600 Milliarden Euro kassieren werden. Der Arbeitskreis “Steuerschätzung” dürfte seine Vorhersage erneut nach oben korrigieren. Die Steuerexperten von Bund, Ländern, Gemeinden, Bundesbank, Forschungsinstituten sowie Statistik-Amt tagen vom 29. bis 31. Oktober in Frankfurt am Main”.

Seht hierzu auch den Artikel vom 22.10.2012 mit dem Titel “4,2 Prozent Plus im September: Konjunktur lässt Steuereinnahmen sprudeln” in “RP-Online“.

Seht hierzu auch den Artikel vom 31.10.2012 mit dem Titel “Schätzung für 2012: Deutschland erwartet sechs Milliarden mehr Steuereinnahmen” in “Die Zeit“.

Seht hierzu auch den Artikel vom 22.10.2012 mit dem Titel “Plus von 100 Milliarden Euro: Steuereinnahmen in Deutschland steigen kräftig an” im “Handelsblatt“.

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