Das deutsche “Exportwunder” und die prallen Kassen des deutschen Fiskus in den letzten anderthalb Jahren: Herzlichen Dank an die Krisenstaaten Südeuropas – 3

Schauen wir uns also noch einmal etwas genauer folgende Behauptung von Thomas Fricke in seinem Artikel mit dem Titel “Konjunktur: Deutschlands schräger Aufschwung” an: Wenn die Deutschen überhaupt global wettbewerbsfähiger geworden sind, dann wegen der krisenbedingten Euro-Schwäche, die Waren im Ausland verbilligt – zweifelhafter Verdienst” (Fettdruck von mir).

Seht zu der durch die seit ungefähr anderthalb Jahren vorliegende Euro-Schwäche gestiegenen internationalen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zum Beispiel den Artikel vom 28.5.2010 mit dem Titel “Euro-Krise: Deutschland profitiert vierfach” im “Manager-Magazin” an.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Kein Euro-Land ist so stark vom Export abhängig wie Deutschland. Der Export sorgt für 45 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung. Zwar werden rund 60 Prozent der deutschen Exporte innerhalb der Euro-Zone verkauft, doch Unternehmen, die ihre Waren etwa in Asien oder USA anbieten, können dies nun zu günstigeren Preisen tun.

“Wettbewerbsfähig sind die meisten deutschen Unternehmen ohnehin, so dass die jüngste Abwertung des Euro für echte Preisvorteile im außereuropäischen Ausland sorgt”, sagt Schilbe. Durch jahrelange Lohnzurückhaltung habe Deutschland die Wettbewerbsfähigkeit zurück gewonnen, die es seinerzeit durch eine zu harte Währung eingebüßt hatte: Die Euro-Schwäche hilft nun einer Volkswirtschaft, die bereits vergleichsweise gut aufgestellt ist und einen starken Export-Hebel hat. “Die Auftragsbücher füllen sich wieder”, notierten auch die Wirtschaftsweisen in ihrem jüngsten Konjunkturbericht.

Maschinen- und Anlagenbauer, die ihre Güter weltweit exportieren, profitieren vom schwächeren Euro ebenso wie die deutsche Autoindustrie. Beim Flugzeugbauer EADS steigt mit jedem Cent, um den der Euro gegenüber dem US-Dollar abwertet, der Gewinn um 100 Millionen Euro. Doch nicht nur Unternehmen wie Siemens, MAN, Volkswagen, EADS oder Krones stärken durch die Euro-Krise ihre Position: Die gesamte Republik profitiert von ihrem Ruf als “sicherer Hafen”.

Das Gejammer über die Euro-Schwäche kann Thomas Grüner, Geschäftsführer von Grüner Fisher Investments, nicht nachvollziehen. Er sieht neben dem Schub für den deutschen Export auch handfeste Zinsvorteile: Während Investoren aus dem Euroraum insgesamt Geld abziehen, fließt Deutschland mehr Geld zu – obwohl die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe in dieser Woche ein Rekordtief von 2,56 Prozent erreicht hat.

Da die Bundesrepublik als “sicherer Anlagehafen” für Investoren gilt, kann der Bund sich derzeit zu extrem günstigen Konditionen mit frischem Geld versorgen und seine Schulden refinanzieren. “Exportwirtschaft und Anleihemärkte werden parallel beflügelt – Deutschland kann sich trotz einer schwächeren Währung zu niedrigen Zinsen frisches Kapital besorgen”, argumentiert Grüner in einem Gastbeitrag für manager magazin. Diese Ausnahmesituation entstehe dadurch, dass es in Euroland zwar eine gemeinsame Währung, aber separate Anleihemärkte gebe. Und dort löst Deutschland jetzt seine “Safe-Haven”-Prämie ein.

Die Zinsvorteile für den Bund sind beachtlich. Seit Herbst 2009 hat die Deutsche Finanzagentur Anleihen in Höhe von mehr als 120 Milliarden Euro am Kapitalmarkt platziert. In diesem Jahr schuldet Deutschland mehr Geld um, als Griechenland insgesamt verschuldet ist. Bei einem Zinsvorteil von 1 Prozent und 120 Milliarden Euro Kreditaufnahme spart Deutschland pro Jahr 1,2 Milliarden Euro Zinsen – gerechnet auf eine zehnjährige Laufzeit sind das 12 Milliarden Euro. Bezogen auf die gesamte deutsche Staatsverschuldung von rund 2 Billionen Euro brächte eine langfristige Zinsersparnis von 1 Prozentpunkt 20 Milliarden Euro – pro Jahr.

“Das sind Gründe, gelassener auf die Euro-Krise zu blicken”, meint Investmentprofi Grüner. Ein Abschied vom Euro käme die deutsche Wirtschaft deutlich teurer als der jüngste Euro-Rettungsschirm. “Ohne den Euro würde die D-Mark massiv aufwerten, die Exporte würden einbrechen – das wünscht sich keiner”, meint Grüner.

Dieser Artikel mit dem Titel “Euro-Krise: Deutschland profitiert vierfach” stellt also klar fest: Sowohl die deutschen Exportunternehmen als auch der deutsche Staat (durch die billige oder sogar rentable Schuldenaufnahme über die zunehmend stark nachgefragten deutschen Staatsanleihen) haben bisher deutlich von der Eurokrise profitiert.

Seht zu diesem Thema des deutschen “Exportbooms” in den letzten anderthalb Jahren aufgrund der anhaltenden Euro-Schwäche auch den Artikel vom 22.5.2010 mit dem Titel “Hoffnung auf Exportschub: Industrie jubelt über schwachen Euro” in “Spiegel Online“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Es klingt paradox: Der Bundestag verabschiedet ein milliardenschweres Rettungspaket für den Euro – doch die deutsche Industrie findet den Absturz der Gemeinschaftswährung nicht so schlimm. Im Gegenteil: Nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) wird der sinkende Wechselkurs die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland stärken.

Unter dem Strich werde der schwache Euro der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr ein Wachstumsplus von rund fünf Milliarden Euro bringen, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben der “Rheinpfalz am Sonntag”. Damit würden etwa 80.000 Arbeitsplätze in der Industrie gesichert.

Zur Begründung sagte Wansleben, dass der Billig-Euro die Exportchancen der deutschen Unternehmen steigere. Ihre Produkte würden auf den internationalen Märkten günstiger und ließen sich so leichter verkaufen. Das gelte vor allem für Autos, aber auch für Produkte der Elektrotechnik und der Chemie, fügte Wansleben hinzu. Dagegen verteuerten sich Waren aus dem Dollarraum.

Allerdings weist der DIHK-Geschäftsführer auch auf Nachteile hin. So müssten die Deutschen mehr für Importe zahlen. Das gelte vor allem für Öl und andere Rohstoffe, so bleibe den Verbrauchern durch die Euro-Schwäche weniger Geld für den Kauf heimischer Produkte. Da Deutschlands Wirtschaft aber vor allem auf dem Export basiert, sieht der DIHK unter dem Strich ein Plus für die Gesamtökonomie”.

Seht zum Thema des schwachen Euros, der in den letzten anderthalb Jahren den deutschen Export beflügelt hat, ebenfalls den Artikel vom 14.5.2010 mit dem Titel “Jürgen Hambrecht im Interview: `Der schwache Euro hilft uns´” in der “Wirtschaftswoche“.

Seht zum Thema des deutschen Exportbooms in den letzten anderhalb Jahren im Zeichen des schwachen Euros auch den Artikel vom 28.11.2011 mit dem Titel “Schwacher Euro, starke deutsche Wirtschaft” im Blog “Herdentrieb” in “Die Zeit“.

Dieser Wettbewerbsvorteil der deutschen Exportindustrie auf den internationalen Märkten ausserhalb der Eurozone, der im Zeichen der Eurokrise in den PIIGS-Staaten und des dadurch zunehmend schwächelnden Euros stand, hielt zumindest bis August 2012 an.

Seht hierzu zum Beispiel den Artikel 13.8.2012 “Eurokrise – Schwacher Euro: Großkonzerne machen deutlich mehr Umsatz” in den “Deutschen Mittelstandsnachrichten“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Internationale Konzerne profitieren vom schwachen Kurs des Euro: Produkte aus der Eurozone sind aktuelle für Käufer außerhalb der Gemeinschaftswährung günstig. Weil europäische Konzerne die meisten Ausgaben in Europa selbst tätigen, sich ihre Absatzmärkte aber außerhalb der Eurozone befinden, wirkt sich der schwache Euro positiv auf den Umsatz aus.

Der Euro hat selbst im Vergleich zu einem schwachen US-Dollar in den vergangenen drei Monaten um fünf Prozent an Wert verloren. Vor einem Jahr war der Euro im Vergleich zum Dollar sogar noch 13 Prozent mehr wert als heute. (…).

Der deutsche Autohersteller BMW rechnet damit, dass sich der schwache Euro in diesem Jahr in einem dreistelligen Millionenbetrag auf den Umsatz auswirken wird. Volkswagen geht davon aus, dass es aufgrund des Wechselkurses im ersten Halbjahr 2012 um 500 Millionen Euro mehr Umsatz gemacht hat”.

Sehr aufschlussreich ist auch der Artikel vom 24.7.2012 mit dem Titel “Mehr Aufträge und höhere Margen durch Wechselkurs: Exporteure profitieren doppelt von Euro-Schwäche” in “Finance“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Bayer-CFO Werner Baumann hat trotz Schuldenkrise gut lachen: 90 Millionen Euro seines Gewinns im ersten Quartal verdanke der Chemie- und Pharmakonzern allein der Schwäche des Euros, sagte der Finanzchef jüngst in einem Zeitungsinterview. Nicht nur Bayer profitiert: Analysten der Deutschen Bank korrigierten ihre Gewinnerwartungen für Henkel und Beiersdorf wegen der schwachen Bewertung des Euro vergangene Woche nach oben. Und der niederländische Philips-Konzern überraschte am Montag mit einem Gewinn von 167 Millionen Euro im zweiten Quartal – getrieben von der starken Nachfrage aus Schwellenländern und Nordamerika.

Der Rückenwind wird im Laufe des Jahres sogar noch stärker, denn die Talfahrt des Euros setzt sich mit jeder schlechten Nachricht aus Griechenland und Spanien fort: Anfang der Woche fiel er erstmals seit zwei Jahren unter 1,21 US-Dollar, 20 Cent büßte er während eines Jahres gegenüber der Leitwährung ein. Im Vergleich zum japanischen Yen liegt der Euro auf dem niedrigsten Wert seit elf Jahren.

Wer dagegen aus dem Euroraum exportiert, gewinnt – auf zweierlei Weise. Zum einen können deutsche Unternehmen ihre Produkte im Ausland billiger anbieten und so Preise von Konkurrenten aus den USA oder Asien unterbieten, um mehr Aufträge an Land zu ziehen. „Die deutsche Industrie ist im Moment so wettbewerbsfähig wie vielleicht noch nie“, meint Eric Heymann von DB-Research. Davon profitieren gerade die mittelständischen Maschinen- und Anlagenbauer: In den ersten fünf Monaten des Jahres erhöhten sie ihre Exporte nach Angaben des Branchenverbands VDMA um 7,6 Prozent.

Zum anderen können sich CFOs über höhere Margen freuen, weil Produktionskosten im schwachen Euro anfallen, Umsätze aber im starken Dollar verbucht werden. Das gilt insbesondere für die Automobil- und die Pharmabranche, wo die Preisbildung in den lokalen Märkten erfolgt. „Der Wechselkurs verschafft ihnen also keinen direkten Wettbewerbsvorteil, sondern steigert den Gewinn pro Auto“, sagt Heymann. Bei BMW und Daimler, die viel vor Ort produzieren, ist der Wechselkurseffekt in den Büchern schwächer. Porsche, das fast ausschließlich exportiert, gewinnt mehr: „Je größer die Differenz zwischen Dollarumsatz und Dollarkosten desto höher der Gewinn durch den Wechselkurs“, sagt Heinz-Gerd Sonnenschein, Aktienexperte bei der Postbank Sonnenschein. „Auch Exporteure nach Asien oder Lateinamerika profitieren, denn der Anteil der Dollarfakturierung ist auch in Geschäften außerhalb der USA sehr hoch.“ 

Als Profiteur der Euro-Schwäche will sich trotzdem kaum ein Unternehmen oder ein Branchenverband verstanden wissen – denn das Thema hat politische Brisanz. Niemand will sich dem Verdacht aussetzen, Gewinne aus der Schuldenkrise zu ziehen, für deren Eindämmung der deutsche Staat und die Steuerzahler Hunderte Milliarden Euro garantieren. Der BDI lehnt die Formulierung des Profiteurs deshalb ab und auch Olaf Wortmann, Konjunkturexperte beim VDMA, verweist lieber auf die negativen Auswirkungen der Schuldenkrise: „Weil die Konjunktur in Europa lahmt und Investoren vorsichtiger werden, bleiben Aufträge aus.“ Außerdem sei der Euro nach jahrelanger Überbewertung gegenüber dem Dollar nun endlich fair bewertet: „Der Gegenwind hat aufgehört. Das ist alles.“

Ich wiederhole nochmals aus diesem Artikel “Mehr Aufträge und höhere Margen durch Wechselkurs: Exporteure profitieren doppelt von Euro-Schwäche“: “Als Profiteur der Euro-Schwäche will sich trotzdem kaum ein Unternehmen oder ein Branchenverband verstanden wissen – denn das Thema hat politische Brisanz. Niemand will sich dem Verdacht aussetzen, Gewinne aus der Schuldenkrise zu ziehen, für deren Eindämmung der deutsche Staat und die Steuerzahler Hunderte Milliarden Euro garantieren”.

Tja, deswegen wird also vielleicht über diese Sache in den deutschen Medien nicht viel berichtet. Und vielleicht wird auch deshalb dieses Thema auf europapolitischer Ebene zumindest von den deutschen Politikern nicht erwähnt.

Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, dass sich Angela Merkel oder Wolfgang Schäuble bei ihren jeweiligen Besuchen in den südeuropäischen PIIGS-Staaten bei den Bewohnern dieser Länder für die allerdings wohl ungewollte Unterstützung der deutschen Exporterfolge und das Auffüllen der nun prallen Kassen des deutschen Fiskus bedankt hätten.

Da ich aber ein fairer Deutscher bin, hole das jetzt hiermit nach: Vielen Dank, liebe Südeuropäer, dass ihr mit eurem Elend und dem Niedergang eurer Länder unseren Exportboom und unsere prallen Kassen beim deutschen Fiskus mitfinanziert habt!

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