Das deutsche “Exportwunder” und die prallen Kassen des deutschen Fiskus in den letzten anderthalb Jahren: Herzlichen Dank an die Krisenstaaten Südeuropas – 1

Ich habe in meinem Blog schon öfters darüber geschrieben, dass Deutschland auf der Ebene der deutschen Staatsanleihen deutlich vom Niedergang vor allem der südeuropäischen PIIGS-Staaten profitiert hat.

Verantwortlich für diesen Niedergang der südeuropäischen PIIGS-Staaten ist vor allem auch die von der “Troika” und der aktuellen deutschen schwarz-gelben Koalition (Kabinett Merkel II) in diesen Ländern durchgeboxte Austeritätspolitik.

Seht hierzu meinen Blogartikel “Angela Merkels Irrglaube an die Wirksamkeit ihrer kruden Sparrezepte in Südeuropa“. Ebenso meinen Blogartikel “Der deutsche `Sparwahn´: Dumm und verlogen“. Und nicht zuletzt meinen durchlaufenden Blogartikel “Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt”.

Unter anderem die deutschen Staatsanleihen gelten seit Beginn der Eurokrise in den PIIGS-Staaten als “sicherer Hafen“, mit dem Ergebnis, dass der deutsche Staat immer weniger Risikoaufschläge für seine Staatsanleihen bezahlen musste und somit praktisch keine Refinanzierungskosten mehr hatte.

Dies ging sogar soweit, dass die deutschen Staatsanleihen ab dem Januar 2012 manchmal sogar “negativ” rentierten. Im Klartext: Der deutsche Staat verdiente in so einem Fall mit Schulden machen Geld.

Seht hierzu unter anderem meinen Blogeintrag “Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 86“.

Seht hierzu zum Beispiel auch den Artikel vom 9.1.2012 mit dem Titel “Negativer Zinssatz: Deutschland verdient mit Schuldenmachen Geld” in “Focus“.

Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 9.7. mit dem Titel “Anleger zahlen Prämie fürs Geldleihen: Deutschland verdient Geld mit neuen Schulden” in “tagesschau.de“.

Wir erfahren in diesem Artikel: “Die Anleger zahlen damit dem Bund faktisch eine Prämie dafür, dass sie Deutschland Geld leihen. Denn bei der Rückzahlung des Geldes am Ende der Laufzeit bekommen sie weniger zurück, als sie nun bei der Auktion für die Papiere bezahlt haben. Bei dieser Art von Bundeswertpapieren, den sogenannten unverzinslichen Schatzanweisungen, ergibt sich die Verzinsung allein durch die Differenz aus dem Kaufpreis und dem Nennwert, den der Bund am Ende zurückzahlt. Liegt der Kaufpreis höher als der Nennwert, dann machen die Anleger einen Verlust und der Bund einen Gewinn. (…).

Die Zinsen für Bundeswertpapiere sind seit Monaten auf Talfahrt. Deutschland gilt im Gegensatz zu vielen anderen Staaten der Eurozone als Schuldner allererster Güte. Um Geld sicher anzulegen, sind vor allem große Investoren wie Versicherungen bereit, deutliche Abschläge bei der Rendite hinzunehmen. Im Januar war es dem Bund zum ersten Mal gelungen, bei den Anlegern Geld einzusammeln und dafür de facto noch zu kassieren. Der Bund muss sich in diesem Jahr insgesamt rund 252 Milliarden Euro bei Investoren leihen, um Altschulden zu tilgen und neue Schulden zu finanzieren.

Im Gegensatz zu Deutschland kämpfen Spanien und Italien unverändert mit hohen Zinsen, wenn sie sich Geld leihen möchten. Investoren verlangen hohe Risikoaufschläge, weil sie fürchten, dass beide Länder langfristig ihre Schulden nicht vollständig zurückzahlen können. Die Verzinsung spanischer Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren kletterte am Vormittag über die Marke von sieben Prozent. Sie gilt als kritischer Grenzwert. Höher liegende Zinsen sind nach Meinung von Experten langfristig nicht tragbar, weil damit die Kosten des angehäuften Schuldenbergs den Haushalt eines Landes kollabieren lassen könnten. Vor dieser Entwicklung fürchtet sich auch Italien. Die Verzinsung von Anleihen des Landes mit einer zehnjährigen Laufzeit stieg im Lauf des Tages auf deutlich über sechs Prozent”.

Wenn ihr wissen wollt, wie die Risikoaufschläge für die Eurozonen-Staatsanleihen seit Beginn der Eurokrise auseinandergedriftet sind (die sogenannten “soliden” Länder wie Deutschland und andere mittel- und nordeuropäische Länder auf der einen Seite, die PIIGS-Staaten auf der anderen Seite), dann schaut euch unter anderem die Charts im Eintrag “Rendite europäischer Staatsanleihen (10-jährig)” in “Marktdaten.de” an.

Seht hierzu auch einen Artikel vom 13.8.2012 mit dem Titel “Bundesanleihen: Deutschland verdient an seinen Schulden” im “Handelsblatt“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Deutschland hat beim Schuldenmachen erneut eine Prämie von seinen Geldgebern kassiert. Die Auktion von Bundesschatzanweisungen mit sechsmonatiger Laufzeit spülte 3,77 Milliarden Euro in die Staatskassen, teilte die mit dem Schuldenmanagement des Bundes betraute Finanzagentur am Montag mit. Die Investoren nahmen dafür eine Rendite von durchschnittlich minus 0,0499 Prozent in Kauf, um in den Besitz der als ausfallsicher geltenden Papiere zu kommen. Im Juli lag sie bei minus 0,0344 Prozent. Die Auktion war 1,3-fach überzeichnet, vor einem Monat übertraf die Nachfrage das angebotene Volumen um das 1,7-Fache”.

Seht euch zur Entwicklung bei den deutschen Staatsanleihen seit Beginn der Eurokrise auch den Artikel vom 19.7.2012 mit dem Titel “Bund verdient Geld mit Schulden” in “Die Welt” an.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) verdient beim Schuldenmachen Geld. Erstmals in der Geschichte verkaufte der Bund zweijährige Bundesanleihen mit negativer Rendite. Schäuble kassierte von den “Gläubigern” eine Prämie dafür, dass sie dem sicheren Deutschland Geld leihen dürfen. Die Auktion spülte am Mittwochvormittag 4,173 Milliarden Euro in die Kasse des Bundes. Die Investoren nahmen dabei eine negative Rendite von durchschnittlich 0,06 Prozent in Kauf, um in den Besitz der als ausfallsicher geltenden Papiere zu kommen. Bei der vorigen Emission hatte die Verzinsung noch bei plus 0,1 Prozent gelegen.

Damit kassiert der Bund mit seiner Milliardenanleihe von den Anlegern eine Prämie von rund fünf Millionen Euro. Es ist nicht das erste Mal, dass Schäuble mit Schuldenmachen Geld verdient, allerdings nur mit kurzfristigen Papieren. Zuletzt hatte der Bund ein Sechsmonatspapier mit Minuszins platziert.Es ist jedoch ein absolutes Novum in der Schuldenhistorie, wenn Berlin nun bei der mittelfristigen Schuldenaufnahme Geld verdient. Nichts anderes bedeutet nämlich eine Negativrendite bei Bundesanleihen mit zwei Jahren Laufzeit. Auch dreijährige Titel wurden am Mittwoch am Markt mit einem Minuszins gehandelt. Berlin könnte demnach auch mit der Ausgabe dreijähriger Schuldscheine derzeit Geld verdienen.

Die am Mittwoch verkaufte Zweijahresanleihe ist mit einem Kupon von null Prozent ausgestattet. Allerdings wurde das Papier zu 100,106 Prozent, also über dem Nominalwert, platziert. Da Anleger zum Schluss der Laufzeit lediglich zu 100 Prozent ausgezahlt werden, legen sie drauf. So errechnet sich die negative Rendite von minus 0,06 Prozent. War es vor der Schuldenkrise noch pure Normalität, dass Anleger Zinsen verlangen, wenn sie dem Staat Geld leihen, knöpft der Bund nun den Investoren dafür Geld ab, dass er ihr Vermögen aufbewahrt. (…).

Aber auch Spekulanten haben Bundespapiere entdeckt. Sie wetten auf weitere Kursgewinne bei deutschen Anleihen. Denn selbst bei einer negativen Rendite können die Kurse weiter steigen – mit der Folge, dass die Zinsen dann noch weiter in negatives Terrain laufen. “Staatsanleihen mit Negativrenditen sind eigentlich nur noch etwas für Trader”, sagt Robert Sinche, Analyst bei RBS. Das wurde auch zur Wochenmitte deutlich. In der Spitze kletterte der Kurs der zu 100,106 Prozent platzierten Anleihe auf 100,145 Prozent. Zeichner hätten also einen kleinen Gewinn einstreichen können. Angesichts der riesigen Volumina können Spekulanten bereits mit kleineren Kursveränderungen große Gewinne einstreichen.

Schäuble hat die paradiesischen Bedingungen mit den Negativzinsen auch der Schweizer Nationalbank (SNB) zu verdanken. Die kauft in großem Stile Euro, um den Schweizer Franken künstlich niedrig zu halten. Allein im Mai hat die SNB 50 Mrd. Franken “gedruckt” und dafür Fremdwährungen gekauft, das Gros Euro. Und da die Schweizer das Geld in sicheren Anleihen halten, dürfte der größte Teil in kurzlaufende deutsche Anleihen geflossen sein. Damit zahlt die Schweiz indirekt für deutsche Schulden.

Das spiegelt sich bereits im Bundeshaushalt. Trotz Rekordverschuldung sind die Zinskosten im vergangenen Jahr mit 32,8 Mrd. Euro auf den niedrigsten Stand seit 1998 gefallen. Rechnet man die Lasten der Sondervermögen hinzu, genießt Berlin momentan die niedrigsten Zinskosten seit 1993. Damals lag die Verschuldung freilich nur bei einem Drittel des heutigen Werts”.

Welche Absicht übrigens die Schweiz mit dieser Euro-Aufkaufpolitik verfolgt, wird in einem Artikel mit dem Titel “SNB und QE” vom 15.10.2012 in “Acemaxx-Analytics” erläutert.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Was die SNB seit dem Ausbruch der Euro-Krise praktiziert, ist nicht Währungsmanipulation, sondern Devisenmarktinvervention. Es handelt sich dabei um eine unkonventionelle Geldpolitik. Das heisst QE, quantitative easing. Auf Deutsch: mengemässige Lockerung der Geldpolitik.

In einer heute vorgelegten Forschungsarbeit spricht Morgan Stanley zu Recht, wie in diesem Blog mehrmals hervorgehoben, von „QE durch FX“. FX steht für Foreign Exchange, d.h. Devisen (Fremdwährungen).

Die Geldpolitik der SNB steht deswegen im Zeichen der Durchsetzung des Mindestkurses des Franken gegenüber dem Euro. Da die Zinssätze in der Schweiz weitgehend auf der Nullgrenze (zero lower bound) liegen, sorgt die SNB durch die Devisenkäufe am offenen Markt für weiterhin lockere monetäre Bedingungen”.

Das Ziel dieser Aufkaufpolitik der SNB ist es also, den Mindestkurs des Schweizer Franken (anscheinend bei ca. 1,20 Franken zu 1 Euro) zu halten. Das heisst, die SNB versucht den Schweizer Franken in einer Art “Korridor” zu halten, der bei ungefähr 1,20 Franken zu 1 Euro liegt.

Die Schweiz hat das Problem, dass der Schweizer Franken wegen des vielen Geldes, das zur Zeit aus der Eurozone und wohl nicht zuletzt aus den PIIGS-Staaten in die Schweiz fliesst, zur sehr hochgeschossen ist, was die heimische Wirtschaft beschädigt. Die Schweizer Produkte und Dienstleistungen (Tourismus) werden so einfach zu teuer für Nicht-Schweizer.

Zu der seit der Eurokrise erfolgenden zunehmenden massiven Aufwertung des Schweizer Franken siehe zum Beispiel den Artikel vom 6.7.2012 mit dem Titel “Notenbank kämpft gegen massive Franken-Aufwertung: Die Schweiz trifft Vorbereitungen für den Euro-Crash” in “Focus“.

Wir erfahren in diesem Artikel: “Kapitalverkehrskontrollen, negative Zinsen für Ausländer – die Schweizer Notenbank hält drastische Instrumente bereit, falls noch mehr Euro-Bürger ihre Guthaben zu den Eidgenossen transferieren.

Die Schweizer Notenbank hat im Juni erneut Milliarden in die Hand genommen, um eine Aufwertung der eigenen Währung zu verhindern. Wegen der Euro-Schuldenkrise flüchten internationaler Anleger seit Monaten in Franken-Anlagen. Die große Nachfrage treibt den Umtauschkurs der eidgenössischen Währung. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) muss Euro kaufen, wenn sie den Euro nicht unter den im September festgelegten Mindestkurs von 1,20 Franken absacken lassen will.

Allein im Juni stiegen die Devisenbestände der Schweiz aufgrund der SNB-Interventionen um rund 59 Milliarden auf 365 Milliarden Franken an. Bereits im Mai waren sie um rund 68 Milliarden Franken angestiegen. Der größte Teil der Zunahmen sei auf Devisenkäufe zurückzuführen, erläuterte ein Sprecher der SNB.

Eine weitere Aufwertung des nach SNB-Einschätzung bereits deutlich
überbewerteten Frankens würde die Schweizer Ausfuhren in die Euro-Zone weiter
verteuern. Im schlimmsten Fall müsste das Land mit einer Rezession und mit
sinkenden Preisen im Inland rechnen. Damit wäre das ökonomische Schreckensszenario einer Deflation – stagnierende Wachstum bei fallenden Preisen – perfekt. Im Juni sanken die Verbraucherpreise in der Schweiz um 1,1 Prozent,
nach einem Rückgang von einem Prozent im Mai. Für den schlimmsten Fall – wenn
die Euro-Zone auseinanderbrechen und eine Fluchtwelle in den Franken einsetzen
würde – schließt die SNB nun sogar Kapitalverkehrskontrollen oder Negativzinsen
auf Guthaben von Ausländern nicht mehr aus”.

Tja, das ist also das Problem, das sich aus den nicht zuletzt aus der Eurozone und wohl insbesondere aus den südeuropäischen PIIGS-Staaten transferierten Guthaben in die Schweizer Banken ergibt. Das Resultat ist ein massiver Aufwertungsdrucks auf den Schweizer Franken, der für die Schweizer Wirtschaft sehr gefährlich werden kann. Und die SNB steuert schon seit einiger Zeit mit Euro-Aufkäufen gegen, vor allem wohl mit Aufkäufen von kurzläufigen deutschen Staatsanleihen.

Hinsichtlich der Entwicklung des Kurses des Schweizer Franken seht zum Beispiel den Eintrag mit dem Titel “Euro – Schweizer Franken (EUR-CHF) – Historische Kurse” in “Finanzen.net“.

Soweit also zur Entwicklung bei den deutschen Staatsanleihen während dieser Eurokrise.

Erst seitdem sich der aktuelle EZB-Präsident Mario Draghi und der restliche EZB-Rat am 6.9. für das Programm “Outright Monetary Transactions” entschieden haben, ist zumindest diese Entwicklung im Bereich der Staatsanleihen der Eurozonen-Länder etwas abgebremst und ein kleines Stück weit auch wieder umgekehrt worden.

Nun, manchen meiner Blogleser ist sich aber vielleicht nicht bewusst, inwiefern auch die für Deutschland extrem bedeutende deutsche Exportindustrie von der Krise in den PIIGS-Staaten deutlich profitiert hat.

In den letzten Wochen sind ja zunehmend Artikel in den deutschen Zeitungen und Magazinen erschienen, die darauf hinweisen, dass nun die Eurokrise auch Deutschland und vor allem die deutsche Exportindustrie erreicht hat. Dies betrifft insbesondere die deutsche Automobilindustrie und die Automobilzulieferer.

Seht euch hierzu unter anderem meinen Blogeintrag “Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 150” und nachfolgende Blogeinträge an.

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