“Gasland” (2010) – 2

Hydraulic Fracturing (englisch: to fracture = ‚aufbrechen‘ oder ‚aufreißen‘. Auch „Fracking“, „Hydrofracking“, „Fraccing“,„Frac’ing“ oder „Frac Jobs“ genannt) ist eine Bergbaumethode, die geologische Tiefbohrungen ergänzt durch Einpressen einer Flüssigkeit („Fracfluid“, dt. Plural „Fracfluide“) in eine durch eine Bohrung erreichte Erdkrustenschicht und dort Risse erzeugt oder aufweitet und stabilisiert.

Ziel ist es, die Gas- und Flüssigkeitsdurchlässigkeit in der Gesteinschicht so zu erhöhen, dass ein wirtschaftlicher Abbau von Bodenschätzen (z. B. Erdgas und Erdöl) ermöglicht wird.

Dieses “hydraulic fracturing” ist ebenfalls schon längst eine technische und energiewirtschaftliche Realität. Es gibt auch einen deutschen Wikipedia-Artikel zum “hydraulic fracturing“.

Im Abschnitt “Umweltprobleme” des deutschen Wikipedia-Artikels zum “hydraulic fracturing” erfahren wir folgendes: “Beim Hydraulic Fracturing werden in die Bohrung große Mengen Wasser und Sand (Größenordnung 10 Mio. Liter pro Bohrung) sowie 3 bis 12 verschiedene Chemikalien (u. a. Biozide, in Summe 0,5 bis 2 % Volumenanteil) eingepresst.Deshalb gibt es Umweltschutzbedenken.Teilweise enthalten die dabei eingesetzten Chemikalien (sogenannte „Frac-Hilfsstoffe“) krebserregende Verbindungen wie Benzol.

Die Bohrlochabdichtung gegenüber den grundwasserführenden Schichten kann nicht gewährleistet werden.Die Bohrungen werden im Bereich der Grundwasserleiter mit eingepresstem Zement „fixiert“, derzeit ist noch ungeklärt, ob sich diese Abdichtung als dauerhaft erweist. Bei späterer Undichtigkeit des Zementmantels könnte extrem salzhaltiges Wasser oder gesundheitsschädliche Frac-Hilfsstoffe in das Grundwasser übertreten.

Eine Untersuchung des US-Kongresses vom April 2011 summiert die zwischen 2005 und 2009 eingesetzten Mengen an Frac-Hilfsstoffen auf über 43 Millionen Liter. Die von diesen Verbindungen unzureichend gereinigten Abwässer werden in den Vereinigten Staaten in Oberflächengewässer eingeleitet.

Die Bohrungen im Rahmen des Hydraulic Fracturing haben direkte Auswirkungen auf die Umwelt. Probleme können durch die eingesetzten Zuschlagstoffe und Flüssigkeiten entstehen, sobald diese aus den Rissen im Gestein ins Grundwasser übergehen.

Noch vor wenigen Jahren wurde ein solcher Übergang zum Beispiel im Falle von Kohleflözgasen von der amerikanischen Umweltbehörde (EPA) als unwahrscheinlich angesehen, wobei diese Beurteilung u. a. auf die große Entfernungen zwischen den Reservoiren und den grundwasserführenden Aquiferen und eben die geringe Permeabilität der gefrackten Schichten argumentativ zurückgeführt wurde.Auch stuften die meisten Unternehmen, die diese Methode einsetzen, die Gefahr als nicht sehr hoch ein. Eine Garantie, dass sich jene Risse nicht auch in wasserführenden Schichten fortsetzen, könne nicht gegeben werden, was allerdings in den meisten geologischen Fragestellungen der Fall ist, da eine vollständige Erkundung der Verhältnisse unter Tage nicht möglich sei. Ebenso kann das Eindringen des Gases in Grundwasserschichten oder gar ein Austreten an der Erdoberfläche nicht ausgeschlossen werden.

Als weiteres Problem wird angesehen, dass sich Teile der Fracfluide in den Rissen ablagern. Dies ist im Fall einiger Zusätze (Sande) sogar gewollt, da sie die Risse offenhalten. Ein Großteil des restlichen Fracfluides wird allerdings bei der Druckabsenkung am Ende des Vorgangs wieder zur Bohrung zurückgeführt. Des Weiteren besteht bei der späteren Produktion ein Stoffstrom zur Bohrung hin und nicht weg von ihr. Insgesamt wird etwa die Hälfte der eingesetzten Flüssigkeit wieder an die Oberfläche gepumpt. Die beteiligten Unternehmen sprechen hierbei von “produced water”. Dieses kontaminierte Wasser wird außerdem vor dem Abtransport in Gruben zwischengelagert, wobei durch Versickerung und Verdunstung Frac-Hilfsstoffe in die Umwelt gelangen. Von der Environmental Protection Agency (EPA) der USA wurde die Gefahr eines Übergangs ins Trinkwasser zunächst als eher untergeordnet eingestuft. Im November 2010 beauftragte der US-Kongress die EPA mit einer Neubewertung der potentiellen Kontamination von Grund- und Trinkwasser durch den Frac-Prozess. Die Ergebnisse dieser Studie werden nicht vor 2012 erwartet.

Wie bei der Erdölgewinnung können im Bohrschlamm toxische und radioaktive Mineralien enthalten sein, die die Umwelt belasten (siehe dazu auch Erdölgewinnung, radioaktiver Abfall).

In den letzten Jahren ist speziell in den USA das Thema der möglichen Verunreinigung von Grundwasser durch Methan in Folge von Hydraulic Fracturing kontrovers diskutiert worden.

Der im Jahre 2010 von Josh Fox gedrehte und vielfach ausgezeichnete Dokumentarfilm Gasland widmet sich ausführlich der Thematik”.

Nun, genau diesen DokumentarfilmGasland” habe ich mir gestern einmal in Ruhe angeschaut.

Der deutsche Wikipedia-Eintrag zu “Gasland” ist relativ unvollständig und bruchhaft, deshalb zitiere ich hier aus dem englischen Wikipedia-Eintrag zu diesem Film: “In May 2008, Josh Fox received a letter from a natural gas company offering to lease his family’s land in Milanville, Pennsylvania for $100,000 to drill for gas.Fox then set out to see how communities are being affected in the west where a natural gas drilling boom has been underway for the last decade. He spent time with citizens in their homes and on their land as they relayed their stories of natural gas drilling in Colorado, Wyoming, Utah and Texas, among others. He spoke with residents who have experienced a variety of chronic health problems directly traceable to contamination of their air, of their water wells or of surface water. In some instances, the residents are reporting that they obtained a court injunction or settlement monies from gas companies to replace the affected water supplies with potable water or water purification kits.

Throughout the documentary, Fox reached out to scientists, politicians and gas industry executives and ultimately found himself in the halls of Congress as a subcommittee was discussing the Fracturing Responsibility and Awareness of Chemicals Act, “a bill to amend the Safe Drinking Water Act to repeal a certain exemption for hydraulic fracturing”. Hydraulic fracturing was exempted from the Safe Drinking Water Act in the Energy Policy Act of 2005“.

Dieser amerikanische Dokumentarfilm kam beim Publikum und bei den meisten amerikanischen Kritikern sehr gut an und erhielt viele Preise:

  • 2010 Environmental Media Award for Best Documentary Feature
  • 2010 Sundance Film Festival Special Jury Prize
  • 2010 Big Sky Documentary Film Festival Artistic Vision award
  • 2010 Thin Line Film Festival Audience Award
  • 2010 Yale Environmental Film Festival Grand Jury Prize
  • 2010 Sarasota Film Festival Special Jury Prize
  • 2011 Primetime Emmy Award for Outstanding Directing for Nonfiction Programming (Josh Fox)

Und natürlich haben auch die Lobbys der amerikanischen Erdgasindustrie zurückgeschlagen und den Film “Gasland” als lächerlich und unfundiert zurückgewiesen.

Wir erfahren hierzu im englischen Wikipedia-Artikel zu “Gasland“: “Energy in Depth (EiD), a Washington, D.C. based oil and gas industry group,has created a web page with a list of claimed factual inaccuracies in the documentary, and produced an associated film titled TruthLand. In response to the EID’s list of claimed factual inaccuracies, the Gasland website offers a rebuttal”.

Nun, wie gesagt, ich habe mir diesen Film gestern angeschaut.

Der Dokumentarfilm “Gasland” ist wirklich beeindruckend, vor allem deshalb, weil er anhand der vielen Autofahrten von Josh Fox durch die Weiten der Vereinigten Staaten zeigt, wie weit verbreitet und fest etabliert das “hydraulic fracturing” in den USA mittlerweile ist.

Die Menschen in der Umgebung dieser Erdgas-Bohrtürme und Erdgas-Anlagen und -Pipelines leiden oft erheblich, ihre Gesundheit ist oft schwer angeschlagen und ihr Trinkwasser meist verseucht, das belegt Josh Fox anhand von vielen Interviews mit Betroffenen.

Hier ist eine Riesenindustrie in den USA entstanden, vergleichbar mit der amerikanischen Erdölindustrie, die allerdings ihr “Peak Oil” schon im Jahre 1970 überschritten hat und daher schon seit Jahrzehnten im Niedergang begriffen ist.

Beim “hydraulic fracturing” allerdings haben wir in den USA zunehmend einen massiven “Boom“, mit allen Folgen was die Gefahren für die Umwelt und auch die Menschen angeht, die in der Nähe dieser mittlerweile unzähligen Erdgas-Bohrtürme und Erdgas-Anlagen und –Pipelines in den USA leben und arbeiten.

Im Wikipedia-Artikel “Hydraulic fracturing in the United States” erfahren wir unter anderem: “Hydraulic fracturing, a process of utilizing pressurized water, chemical additives, and physical proppants to fracture rock layers and release petroleum, natural gas, or other substances so that they can be extracted, has been used in the United State for over 60 years, and over a million wells have been drilled over that time. (…). Between 2005 and 2010 the shale-gas industry in the United States grew by 45% a year. As a proportion of the country’s overall gas production, shale gas increased from 4% in 2005 to 24% in 2012″.

Das sind gigantische Wachstumsraten der “Hydraulic fracturing“-Industrie in den USA seit dem Jahre 2005.

In Deutschland hat das Umweltbundesamt in einem Gutachten vom September 2012 die Risiken des “Hydraulic fracturing” auf Grund des Chemikalieneinsatzes bestätigt und rät derzeit von einem großtechnischen Einsatz ab und empfiehlt ein Verbot dieser Technologie in Trinkwasserschutzgebieten.

Ich kann euch also diesen Film “Gasland” nur empfehlen. Der Film ist zur Zeit in “YouTube” in mehreren Versionen hochgeladen und unter anderem auch bei amazon.de erhältlich.

Creative Commons Lizenzvertrag “Gasland” (2010) – 2 Klaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz

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