“Crude Impact” (2006)

Zum Thema “Peak Oil” (auf Deutsch: “Globales Ölfördermaximum“) habe ich ja schon mehrere Blogeinträge auch im Zusammenhang mit Dokumentarfilmen über dieses Thema verfasst.

Seht hierzu zum meinen Blogartikel mit dem Titel “`A Crude Awakening: The Oil Crash´ (2006) und `The End of Suburbia´ (2004)“.

Angehängt an diesen Blogartikel findet ihr zwei gute Vorträge von Christoph Senz und Norbert Rost (beide unter anderem Mitglieder des “Postfossil Instituts” in Hamburg) zum Thema “Peak Oil“.

Mein Blogeintrag “Blind Spot” (2008) ist ebenfalls auf den gleichnamigen Dokumentarfilm von Adolfo Doring fokussiert.

Nun, ein weiterer recht guter und mit mehreren Preisen ausgezeichneter Dokumentarfilm zum Thema “Peak Oil” ist “Crude Impact” vom Jahre 2006. Der Film wurde von James Jandak Wood gedreht.

Dieser Film erhielt folgende Auszeichnungen:

  • Best Environmental Feature Film at the 3rd Annual Artivist Film Festival in Los Angeles.
  • Grand Jury Prize at the 2nd Annual Cinestrat Film Festival in Finestrat, Spain.
  • Social Justice Award at the 22nd Annual Santa Barbara International Film Festival.
  • One of The Best of Fest films at DOCNZ New Zealand Documentary Film Festival.
  • The Hands Around the World Award and the Best Cultural Issues Film award at the 4th Annual Montana CINE International Film Festival.
  • The Host City Award and the Student Judges Awards at EKOFILM 2007 in the Czech Republic.
  • Nominated for three awards at the Sacramento International Film Festival – Best Documentary, Best Editing, and Best Environmental Film.
  • Nominated for Best World Popular Scientific Film at the 42nd International Popular Scientific and Documentary Film Festival in Olomouc, Czech Republic

Was nun die Fakten angeht, die in diesem Film auf recht anschauliche und klare Weise präsentiert werden, so kann ich hier teilweise wiederholen, was ich auch schon zu meinen vorherigen Blogeinträgen zu anderen Dokumentarfilmen zum Thema “Peak Oil” erwähnt habe.

Seht hierzu nochmals meine Blogartikel mit dem Titel “`A Crude Awakening: The Oil Crash´ (2006) und `The End of Suburbia´ (2004)” und “Blind Spot” (2008).

Ab dem Überschreiten von “Peak Oil” wird Erdöl radikal teurer und zugleich knapp werden.

Ob der Abstieg von diese “Bergspitze” (Englisch: “peak“) ein schleichender und langsamer oder eher ein steiler Absturz wird, darüber sind sich die Experten uneinig.

Auf jeden Fall wird ab diesem Zeitpunkt eine radikale Wende in der Energiepolitik notwendig sein.

Denn billige Energie in Form von fossilen Brennstoffen (Öl, Kohle, Gas etc.) werden bald der Vergangenheit angehören und ein Umbau des Systems in Richtung auf nachhaltige und erneuerbare Energien wird unvermeidlich sein.

Dieser Umbau wird viel Geld kosten und es noch nicht einmal technisch geklärt, wie dieser Umbau erfolgreich bewältigt werden soll.

Es müssen noch viele neue Erfindungen gemacht und Verbesserungen bestehender Technologien geleistet werden, um diesen Umbau auf erfolgreiche Weise zu ermöglichen.

Ebenso wie die Macher von “`A Crude Awakening: The Oil Crash´ (2006) und `The End of Suburbia´ (2004)” und “Blind Spot” (2008) glauben auch die Macher von “Crude Impact” (2006), dass “Peak Oil” zu einem eher bitteren und harten Erwachen für die Menschheit wird.

Unsere ganze industrielle Produktionsweise und unser ganzes Transportsystem hat als Basis fast ausschließlich das Erdöl. Der Großteil der Transporte wird heute von Fahrzeugen, Schiffen und Flugzeugen mit Verbrennungsmotoren geleistet, die Benzin, Diesel oder Kerosin tanken, alles erdölbasierte Treibstoffe.

Zugleich beruht unsere ganze Nahrungsmittelindustrie ebenfalls auf Erdöl: Zum einen werden die Maschinen im Agrarbereich, vom Traktor bis zur Erntemaschine, in der Regel von Motoren angetrieben, die ebenfalls Benzin oder Diesel tanken.

Und zum anderen stellt die petrochemische Industrie, ein gigantischer Industriezweig, unter anderem die Kunstdünger her, die überhaupt erst die “Grüne Revolution” gestattet haben, die zu einer Vervielfachung der weltweiten Nahrungsmittelproduktion geführt hat.

Diese Vervielfachung der Nahrungsmittelproduktion war unter anderem deshalb absolut notwendig, um die steigenden Menschenmassen auf unserem Planeten (aktuelle Weltbevölkerung:  ca. 6,9 Milliarden Menschen) zu ernähren.

Entfällt der Kunstdünger und der massive Maschineneinsatz, ist eine solche moderne Agrarindustrie mit ihrer Massenproduktion nicht mehr denkbar. Die Agrarproduktion wird ohne Erdöl letztlich kollabieren, so die Autoren dieses Films.

Die petrochemische Industrie stellt aber noch unzählige Produkte her. Es gibt fast kein industrielles Produkt, das nicht ganz oder teilweise aus Elementen besteht, die in der petrochemischen Industrie hergestellt werden. Letztendlich ist ein Grossteil unsere aktuellen industriellen Produktpalette gefährdet, wenn das Erdöl weltweit zur Neige geht.

Das nun faszinierende an dieser Geschichte ist, das zeigt dieser Film ganz klar, dass die herrschenden Politiker in der westlichen Welt in keinster Weise ihr Wahlvolk über das kommende Dilemma aufklären und auch die kommerziellen Medien in dieser Hinsicht im Verbund mit den schweigenden Politikern kaum Aufklärungsarbeit leisten.

Auch in deutschen Zeitungen und Magazinen wird kaum jemals über “Peak Oil” berichtet.

Stattdessen hat schon der Kampf um die letzten Ölreserven begonnen, und er wird in aller Härte geführt. Auch darüber habe ich schon in meinen Blogeinträgen berichtet.

Insbesondere habe ich über den Film von Michael T. Klare “Blood and Oil” einen Blogeintrag verfasst (siehe hierzu meinen Blogeintrag: “Michael T. Klares `Blood and Oil´ (2008) und die Vereinigten Staaten heute“) der die Hintergründe der amerikanischen Nahostpolitik ausleuchtet und ganz klar zeigt, dass zum Beispiel der Zweite Golfkrieg, von George H.W. Bush Senior geführt, und der Irakkrieg des Jahres 2003, von George W. Bush Junior geführt, unter anderem der strategischen und militärischen Sicherung der Erdölreserven im Mittleren Osten für die USA dienten.

Ein Film, der übrigens genau in die gleiche Richtung argumentiert, ist von Gerard UngermanThe Oil Factor: Behind the War on Terror” (2005), ebenfalls ein hervorragender Film, der in der IMDb ein Rating von 7.5 erhalten hat.

Aber auch die anderen Großmächte wie die Volksrepublik China und Rußland betreiben eine weltweite aggressive Politik der Sicherung der Erdöl- und Gasreserven für ihr Land.

Vor allem China als neue aufsteigende Supermacht hat nicht nur ein ungeheueres wirtschaftliches Wachstum, sondern damit verbunden auch einen ungeheueren Hunger nach Erdöl, der von Jahr zu Jahr wächst.

Der Kampf um das Erdöl wird also schon jetzt mit harten Bandagen geführt und der Kampf um die letzten Ölreserven wird von Jahr zu Jahr härter und gnadenloser werden.

Ohne dieses Erdöl ist unser ganzer Lebensstil in Gefahr, manche Sektoren wie der Flugverkehr lassen sich gar nicht ohne Kerosin betreiben, Flugzeuge mit Elektroantrieb, mit Brennstoffzellen oder Wasserstoffantrieb sind schwer denkbar.

So ist es abzusehen, dass unsere Enkel und Urenkel vielleicht kaum mehr eine Flugreise machen werden, was heute noch oft wesentlich billiger ist als ins Auto zu steigen oder die Bahn oder den Bus zu nutzen.

Unsere Politiker allerdings, nicht nur die amerikanischen, auch die deutschen, schweigen sich meist über dieses Dilemma aus, und die gewöhnlichen kommerziellen Medien berichten nicht darüber.

Über dieses Schweigen der Politiker und Medien über das kommende “Peak Oil” hat Rainer Sommer am 8.1.2010 einen interessanten Artikel mit dem Titel “Warum Peak-Oil offiziell ignoriert wird” in “Telepolis” veröffentlicht, der versucht auszuloten, warum “Peak Oil” offiziell und auch in den meisten Medien ignoriert oder totgeschwiegen wird.

In diesem Artikel mit dem Titel “Warum Peak-Oil offiziell ignoriert wird” stellt Rainer Sommer unter anderem fest: “Das hat Shane Mulligan von der University of Waterloo zu einer Analyse veranlasst, warum dieses Thema so weitgehend ignoriert wird. Angesichts der seit mehr als zehn Jahren intensiv geführten Fachdiskussion, könne die offizielle Ignoranz kaum mit purer Ahnungslosigkeit begründet werden. Das jedenfalls nicht in den höheren politischen Rängen, denn dafür sei die Peak-Oil-Debatte schon zu weit in den Mainstream vorgedrungen, meint Mulligan, der gerade an einem Buch über die Sicherheitsaspekte von Peak-Oil schreibt. Er vermutet daher, dass viele Regierungsexperten an übermäßigem Training in neoklassischer Ökonomie leiden und schlicht davon ausgehen, dass die Marktmechanismen schon für den Ausgleich sorgen, d.h. höhere Preise zu mehr Exploration und Förderung, sowie zur Entwicklung von Substituten führen werden.

Vielleicht grassiere aber auch einfach eine Art von “kognitiver Dissonanz”, welche die Administrationen weltweit davon abhalte, diesen potentiell so problematischen Bereich anzugehen, so wie viele Menschen auch nicht gerne über den eigenen Tod nachdenken. Viel lieber werde dann dem Glauben an technische Lösungen gehuldigt, die bei Bedarf schon gefunden würden. Zudem hätten Regierungen generell die Tendenz, schlechte Nachrichten zu unterdrücken.

Wem das ein wenig zu unrealistisch erscheint, dem bietet Mulligan die These, dass etwa die US-Regierung ohnehin Bescheid wisse, das aber einfach nicht bekanntgeben wolle. Und er zitiert David Fridley, einen früheren Kollegen von US-Energieminister Steven Chu, damit, dass “der Minister alles über Peak-Oil weiß. Er kann nur nicht darüber sprechen, weil sonst die Wall Street crashen würde.”

Sadad al-Husseini, ein früherer Vizepräsident des saudischen Ölgiganten Aramco, bestätigte jüngst, dass “diejenigen, die offiziell nicht darüber sprechen, die Öffentlichkeit eben nicht mit der Wahrheit konfrontieren und beunruhigen wollen. Nur, dass die Öffentlichkeit dann auch nicht bereit sein wird, die notwendigen Maßnahmen zu unterstützen.”

Sollte das der Fall sein, würden laut Mulligan tatsächlich die US-Energieagentur EIA und die internationale IEA mit ihrem vor allem von neoklassischen Ökonomen verfassten World Energy Outlook (WEO) den Hauptanteil an der angeblichen Vertuschung zu verantworten haben.

Denn seit jeher verbreitet der WEO, an dem sich die meisten Regierungen, Kolumnisten und Wall Street-Analysten orientieren, die durchaus rosige Prognose, dass sich die Energiezukunft kaum von der Vergangenheit unterscheiden werde.

Dass aber Georg W. Bush und Dick Cheney sich nicht ausgiebig mit dem Peak-Oil-Problem auseinander gesetzt hätten, wird ohnehin niemand ernsthaft vermuten. Und diese hätten auch jeden Grund, ihre geostrategischen Pläne zu verheimlichen. Denn angesichts dessen, dass in Afghanistan jetzt unter US-Führung die Pipeline gebaut wird, für die einst Präsident Karsei im unterlegenen US-Verhandlungsteam saß, und amerikanische Ölkonzerne nun das irakische Öl ausbeuten, ist evident, dass es bei ihren Kriegen um Öl gegangen ist und nicht um die von ihnen nachweislich selbst erfundenen Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins oder einen Krieg gegen den Terror. 

Warum die Daten zu den Reserven generell derart unsicher erscheinen, dafür nennt Colin J. Campbell, Gründer und Ehrenpräsident der Association for the Study of Peak Oil & Gas (Aspo), vor allem zwei Gründe. So werden die Förderquoten der OPEC-Mitgliedsstaaten anhand der jeweils nachgewiesenen Reserven zugeteilt, was die Förderländer in Zeiten des Überflusses stark dazu motiviert, ihre Reserven zu übertreiben. Auf der anderen Seite werden die börsenotierten Ölgesellschaften von der US-Börsenaufsicht dazu verpflichtet, ja nicht zu hohe Reserven auszuweisen, so dass sie sich erst nach und nach zu realistischen Angaben durchringen würden. Zudem werden die “Reserven” von den Ökonomen grundsätzlich danach bemessen, wie viel zum aktuellen Preisniveau wirtschaftlich sinnvoll gefördert werden kann. Mit jedem Preisanstieg steigen also auch die Reserven, was dann immer wieder zur Beruhigung beiträgt. Allerdings ist bei allen Unsicherheiten bezüglich künftiger Funde oder alternativer Quellen wie Ölsande schon heute klar, dass die physisch förderbaren Mengen absehbaren Limits unterliegen, die weder von den Ökonomen noch von der Wall Street hinausgeschoben werden können.

Campbell, der bereits 1998 gemeinsam mit Jean Laherrère in Scientific American den maßgeblichen Artikel “The End of Cheap Oil” veröffentlicht hat, glaubt jedenfalls nicht an eine “Great Conspiracy”, beobachtet aber, dass sich Unternehmen und Politik hinter den Kulissen bereits auf das Unvermeidliche vorbereiten: “Die Ölkonzerne verkaufen ihre zweitklassigen Raffinerien, weil sie annehmen, dass künftig nicht mehr genug Bedarf an Raffineriekapazitäten vorhanden sein wird. Und auch die Luftfahrtindustrie, die von billigem Öl abhängig ist, ändert sich gerade radikal. Nur will niemand offen darüber reden.” Campbell sieht heute seine 1998 gemachte Prognose bestätigt, dass die konventionelle Produktion bereits 2005 ihr Maximum erreicht habe und seither unkonventionelle und wesentlich teurere Quellen den Abgang ausgleichen müssen. Er erwartet allerdings dennoch, dass der absolute Peak-Oil in diesem Jahr erreicht werde und tippt auf rund 87 mb/d”.

Nun, dem Film “Crude Impact” vom Jahre 2006 kann man allerdings nicht vorwerfen, dass er das Thema totschweigt oder ignoriert.

Dieser Film zeigt drastisch und in aller Klarheit, was auf die Menschheit zukommt, wenn dieses heiße Eisen nicht bald angepackt wird. Und der Film besticht – genau wie der Film “A Crude Awakening: The Oil Crash” (2006) –  mit einer Vielzahl von Interviews von hochrangigen Experten, die vor der Kamera kein Blatt vor den Mund nehmen und die genau zu wissen scheinen, in welchem Dilemma sich unsere Zivilisation durch “Peak Oil” befindet und wie wenig Zeit noch bleibt, um entscheidende Weichen zu stellen.

Unter anderem kommt auch der von mir sehr geschätzte Experte für Rohstoff- und US-Aussenpolitik Michael T. Klare (unter anderem der Kommentator des Filmes “Blood and Oil“, der auf dem gleichnamigen Buch von Michael T. Klare beruht) in diesem Film ausgiebig zu Wort.

Zu diesem Film “Crude Impact” vom Jahre 2006 gibt es auch eine gut gemachte Website (crudeimpact.com), die viele Informationen zum Thema “Peak Oil” und nicht zuletzt auch zum Film selbst enthält.

Ich kann euch diesen Dokumentarfilm also empfehlen und zur Zeit befinden sich auch einige hochgeladene Versionen des Filmes in “YouTube“.

Der von mir kurz erwähnte, ebenfalls hervorragende Film “The Oil Factor: Behind the War on Terrorist ebenfalls in YouTube hochgeladen worden und damit ebenfalls zur Zeit frei zugänglich.

Creative Commons Lizenzvertrag “Crude Impact” (2006) Klaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz

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