Eine entscheidende Ursache der aktuell steigenden Inflationsrate in der Eurozone: “Peak Oil” – 4

James Murray und David King bemerken in diesem Aufsatz unter anderem: “Die gegenwärtig verfügbare Menge an Erdöl oder Erdgas fällt geringer aus, als viele Leute denken. Seit 2005 stieg die konventionelle Rohölförderung weniger an als die Nachfrage. Unserer Meinung nach ist der Ölmarkt bereits in einen neuen Zustand umgekippt, ähnlich einem Phasenübergang in der Physik: Die Produktion verläuft nun nicht mehr “elastisch”, sondern “starr”. Sie ist nicht mehr in der Lage, auf eine steigende Nachfrage zu reagieren – und das führt zu wilden Preisschwankungen. Andere fossile Rohstoffe sind offenbar nicht in der Lage, die Differenz von Angebot und Nachfrage aufzufangen. (…).

Von 1988 bis 2005 hat die Rohölförderung mit der Nachfrage Schritt gehalten. Doch dann hat sich etwas verändert. In den vergangenen sieben Jahren ist die Fördermenge in etwa konstant geblieben, obwohl der Preis für Rohöl der Standardsorte Brent pro Jahr um rund 15 Prozent anstieg: insgesamt von 15 US-Dollar pro Barrel im Jahr 1998 auf über 140 US-Dollar pro Barrel 2008. Der Preis spiegelt dabei immer noch die Nachfrage wider: 2009 sank er durch die Rezession 2008/2009 auf 35 US-Dollar pro Barrel, um sich mit dem Wiederanspringen der Weltwirtschaft auf teilweise mehr als 120 US-Dollar pro Barrel zu verteuern. Die Versorgungskette ist nicht in der Lage, diesem Anstieg von Nachfrage und Preis zu folgen.

Über “Peak Oil”, das Ölfördermaximums mit anschließender Verknappung, diskutieren Wirtschaftswissenschaftler wie Geologen seit Jahrzehnten – wobei sie darüber streiten, ob dieser Peak bereits hinter uns oder noch vor uns liegt. Die Industrie reagiert auf diese Vorstellung typischerweise mit dem Hinweis auf die Erschließung weiterer globaler Reserven: Die Menge an unterirdischen Lagerstätten, die sich kommerziell ausbeuten lassen, nehme zu. Doch dieses Argument führt in die Irre. Der wahre Umfang der nachgewiesenen globalen Ölreserven ist hinter einem Schleier der Geheimniskrämerei verborgen. Vorhersagen der Erdölunternehmen werden nicht unabhängig überprüft und scheinen übertrieben zu sein.

Wichtiger noch: Es dauert oftmals sechs bis zehn Jahre, bis ein neues Reservoir erschlossen ist – in dieser Zeit sind ältere Quellen längst erschöpft. Es ist deshalb viel sinnvoller, auf die aktuellen Fördermengen zu schauen, und diese sind sehr viel weniger ermutigend. Denn obwohl die verfügbaren Reserven scheinbar zunehmen, nimmt der da-von für die Ölgewinnung verfügbare Anteil ab. In den USA beispielsweise hat die Fördermenge im Verhältnis zu den verfügbaren Reserven von neun Prozent im Jahr 1980 auf heute sechs Prozent abgenommen. Bei den existierenden Ölfeldern rund um den Globus gehen die Fördermengen um 4,5 bis 6,7 Prozent im Jahr zurück; nur neu hinzu kommende Ölquellen halten die globale Produktion überhaupt konstant.

2005 erreichte die globale Förderung von herkömmlichem Rohöl einen Wert von 72 Millionen Barrel pro Tag. Danach ging es nur noch leicht aufwärts, denn anschließend scheint die Fördermenge bei 75 Millionen Barrel pro Tag an ihre Obergrenze gestoßen zu sein. Die Abhängigkeit des Preises von der Fördermenge von 1998 bis heute zeigt diesen dramatischen Übergang von einer Zeit, in der die Ölförderung elastisch auf steigende Preise reagieren konnte zu einer Situation, wo dies nicht mehr funktioniert. Dadurch schwanken die Preise wild hin und her, wenn die Nachfrage sich ändert. Auf diese Veränderung in der Ölwirtschaft um das Jahr 2005 herum haben auch schon andere hingewiesen, aber es wird Zeit, dass dieser wichtige Punkt auch in die Köpfe der Politiker eindringt.

Uns geht das Öl nicht aus, uns steht jedoch weniger Öl zur Verfügung, das leicht und billig gefördert werden kann. Die für offizielle Informationen zum Thema Energie zuständige US-Behörde EIA (US Energy Information Agency) sagt für den Zeitraum von heute bis 2030 optimistisch eine Zunahme der Ölfördermenge um 30 Prozent voraus. Der gesamte Zuwachs basiert auf nicht näher identifizierten Projekten – mit anderen Worten: auf noch unentdeckten Ölquellen. Selbst wenn das Absinken der Produktion bei den existierenden Ölfeldern wie durch ein Wunder plötzlich anhalten würde, würde der prognostizierte Anstieg im Jahr 2030 eine tägliche Förderung von 22 Millionen Barrel allein aus neuen Quellen erfordern. Nimmt man aber eine realistische Abnahme in den alten Feldern um fünf Prozent pro Jahr an, so sind bis dahin sogar 64 Millionen Barrel pro Tag zusätzlich nötig – das entspricht etwa der gesamten gegenwärtigen Fördermenge. Eine solche Entwicklung halten wir für sehr unwahrscheinlich.

Auch die Berücksichtigung von Öl aus unkonventionellen Quellen macht da keinen Unterschied. So ist zu erwarten, dass die Gewinnung von Öl aus kanadischen Teersanden – mitunter als “letzter Schuss eines Öl-Junkies” bespöttelt – bis 2035 maximal 4,7 Millionen Barrel pro Tag erreicht. Teersande aus Venezuela wiederum erbringen derzeit weniger als zwei Millionen Barrel pro Tag. Und es gibt keinerlei Aussichten auf eine dramatische Zunahme dieser Mengen. (…).

Was bedeutet das für die Weltwirtschaft, die doch so eng an die Rohstoffreserven gekoppelt ist? Von den elf Rezessionen in den USA seit dem Zweiten Weltkrieg ging bei zehn, einschließlich der jüngsten, ein Maximum des Erdölpreises voraus. Die Rezession von 2008 wurde nicht allein durch die Kreditblase ausgelöst, sondern auch durch eine – allerdings in dem Zusammenhang kaum erwähnte – “Ölpreis-Blase”. Hohe Energiepreise verknappen den finanziellen Spielraum von Familien und wirken einer wirtschaftlichen Erholung entgegen.

Die USA und Europa geben jeweils eine Milliarde Dollar pro Tag für Ölimporte aus. Der mittlere Preis für Benzin ist in den USA von 75 Cent pro Liter im Jahr 2010 auf 95 Cent pro Liter 2011 angestiegen. Pro Tag werden in den USA 1,4 Milliarden Liter Benzin verbraucht. Das bedeutet, dass 2011 pro Tag rund 280 Millionen Dollar mehr ausgegeben wurden als im Jahr zuvor – und dieses Geld stand damit nicht mehr für den restlichen Konsum zur Verfügung. (…).

Die Internationale Energieagentur hat sehr deutlich klar gemacht, dass die Weltwirtschaft in Gefahr ist, wenn der Ölpreis über 100 US-Dollar pro Barrel steigt. Das ist in den vergangenen Jahren wiederholt geschehen – und es wird immer wieder passieren, da die globale Fördermenge nicht mehr elastisch auf Veränderungen reagiert.

Historisch gesehen, gab es immer eine enge Verbindung zwischen der Ölförderung und dem Wachstum der Weltwirtschaft. Wenn die Ölförderung nicht zunehmen kann, dann kann auch die Wirtschaft nicht mehr wachsen. Das ist eine so beängstigende Aussicht, dass viele einfach vermeiden, sie auch nur in Betracht zu ziehen. Der Internationale Währungsfond IWF beispielsweise geht immer noch von einem Wachstum des weltweiten Bruttoinlandsprodukts um vier Prozent für die nächsten fünf Jahre aus – nahe am maximalen Wert der Zeit seit 1980. Um dieses Wachstum zu erreichen, muss entweder die Ölförderung um drei Prozent pro Jahr steigen, dessen Nutzung effizienter oder das Wachstum allgemein energieeffizienter werden beziehungsweise andere Energiequellen in großem Umfang Öl ersetzen. Wirtschaftsforscher und Politiker debattieren über Mittel, das Wirtschaftswachstum wieder anzukurbeln. Doch sie haben bislang nicht eingesehen, dass die hohen Energiepreise das zentrale Problem sind – und deshalb kommen sie nicht auf die Lösung: Die Gesellschaft muss unabhängig vom Öl werden”.

Im Blog “Green – A blog about Energy and the Environment” (Einer der vielen guten Blogs der “New York Times” – siehe hierzu den “Blog Directory” dieser führenden US-amerikanischen Zeitung) erschien am 14.11.2010 ein Artikel mit dem Titel “Is `Peak Oil´ behind us?“.

In diesem Artikel erfahren wir unter anderem: ”

Peak oil is not just here — it’s behind us already.

That’s the conclusion of the International Energy Agency, the Paris-based organization that provides energy analysis to 28 industrialized nations. According to a projection in the agency’s latest annual report, released last week, production of conventional crude oil — the black liquid stuff that rigs pump out of the ground — probably topped out for good in 2006, at about 70 million barrels a day. Production from currently producing oil fields will drop sharply in coming decades, the report suggests.

The agency does not see energy doom on the horizon, however. By its estimation, after a short dip in production, crude production will reach an “undulating plateau” of about 68 million barrels a day between 2020 and 2035.

Yet  strong demand growth from China, which the report estimates is now the world’s largest energy user, and elsewhere will require liquid energy supplies to not just hold steady, but to climb by more than 20 percent.

Meeting that additional demand will fall entirely on unconventional oil sources like Canada’s tar sands as well as increased production of natural gas liquids. A major boost in these energy sources should be able to meet demand, but that is far from certain, Nobuo Tanaka, the agency’s executive director, told reporters in London, according to the Associated Press.

“Recent events have cast a veil of uncertainty over our energy future,” Mr. Tanaka said” (Fettdruck von mir)

Einer der besten US-amerikanischen Kenner der weltweiten Erdöl-, Energie- und allgemein Rohstoffproblematik, gerade auch im Zusammenhang mit der Außenpolitik der USA, ist meiner Meinung nach Michael T. Klare.

Michael T. Klare hat seinerzeit auch einen Film mit dem Titel “Blood and Oil” mitproduziert, der sich mit der US-amerikanischen Aussenpolitik seit dem Zweiten Weltkrieg im Persischen Golf auseinandersetzt, die nicht zuletzt von den strategischen Interessen der USA hinsichtlich der grossen Ölreserven zahlreicher Staaten des Persischen Golfs motiviert ist. (Saudi Arabien, Irak, etc.).

Hier habt ihr einen Wikipedia-Eintrag mit dem Titel “Ölvorkommen” mit den vermuteten weltweiten Ölreserven aufgeschlüsselt nach Förderländern.

Michael T. Klare geht davon aus, dass wir uns zunehmend auf eine kommende weltweite technische und energiewirtschaftliche Phase der sogenannten “Extreme Energy” zubewegen: “Extreme energy is a range of techniques for the production of energy from unconventional resources which share characteristics of being environmentally damaging or risky. Examples include exploitation of oil sands and shale oil, deepwater drilling, hydraulic fracturing, mountaintop removal mining, petroleum exploration in the Arctic, and natural gas hydrates.

Nun, zum Thema des extrem umweltschädlichen und jetzt schon massiven Abbaus der sogenannten “tarsands” oder “oilsands” (Deutsch: Ölsande) in der kanadischen Provinz Alberta habe ich folgende Blogeinträge verfasst: “Dirty Oil” (2009)”, “To the Last Drop: Canada´s Dirty Oil Sands (2011)” und “H2Oil” (2009).

Und was nun das sogenannte “deepwater drilling” angeht, so erinnern sich meine Blogleser vielleicht genauso wie ich an den aberwitzigen Unfall der ÖlbohrplattformDeepwater Horizon” im April 2010 im Golf von Mexiko.

Über die “Deepwater Horizon” erfahren wir im entsprechenden Wikipedia-Eintrag zu dieser Ölbohrplattform: “Von der Deepwater Horizon wurde am 2. September 2009 im Tiber-Ölfeld in einer Meerestiefe von 1.250 Metern die bisher weltweit tiefste Bohrung ihrer Art bis in eine Teufe von 10.685 Meter getrieben”

Eine Folge dieses Unfalls war die “Ölpest im Golf von Mexiko 2010” mit massiven ökologischen Schäden.

Insofern ist die von Michael T. Klare so bezeichnete kommende weltweite technische und energiewirtschaftliche Phase der “Extreme Energyschon längst eine Realität.

Michael T. Klare hat zum Thema “Extreme Energy” natürlich zahlreiche Aufsätze verfasst.

Hier habt ihr einen klaren und ausführlichen Artikel von Michael T. Klare vom September 2009 mit dem Titel “The Era of Xtreme Energy: Life After the Age of Oil” in der amerikanischen Online-Zeitung “The Huffington Post” (die als erste kommerzielle amerikanische Onlinezeitung im Jahre 2012 einen Pulitzer-Preis erhielt).

In diesem Artikel mit dem Titel “The Era of Xtreme Energy: Life After the Age of Oil” stellt Michael T. Klare unter anderem fest: “The debate rages over whether we have already reached the point of peak world oil output or will not do so until at least the next decade. There can, however, be little doubt of one thing: we are moving from an era in which oil was the world’s principal energy source to one in which petroleum alternatives — especially renewable supplies derived from the sun, wind, and waves — will provide an ever larger share of our total supply. But buckle your seatbelts, it’s going to be a bumpy ride under Xtreme conditions.

It would, of course, be ideal if the shift from dwindling oil to its climate-friendly successors were to happen smoothly via a mammoth, well-coordinated, interlaced system of wind, solar, tidal, geothermal, and other renewable energy installations. Unfortunately, this is unlikely to occur. Instead, we will surely first pass through an era characterized by excessive reliance on oil’s final, least attractive reserves along with coal, heavily polluting “unconventional” hydrocarbons like Canadian oil sands, and other unappealing fuel choices. (…).

Don’t be fooled by the fact that this grim new era will surely witness the arrival of many more wind turbines, solar arrays, and hybrid vehicles. Most new buildings will perhaps come equipped with solar panels, and more light-rail systems will be built. Despite all this, however, our civilization is likely to remain remarkably dependent on oil-fueled cars, trucks, ships, and planes for most transportation purposes, as well as on coal for electricity generation. Much of the existing infrastructure for producing and distributing our energy supply will also remain intact, even as many existing sources of oil, coal, and natural gas become exhausted, forcing us to rely on previously untouched, far more undesirable (and often far less accessible) sources of these fuels.

Some indication of the likely fuel mix in this new era can be seen in the most recent projections of the Department of Energy (DoE) on future U.S. energy consumption. According to the department’s Annual Energy Outlook for 2009, the United States will consume an estimated 114 quadrillion British thermal units (BTUs) of energy in 2030, of which 37% will be supplied by oil and other petroleum liquids, 23% by coal, 22% by natural gas, 8% by nuclear power, 3% by hydropower, and only 7% by wind, solar, biomass, and other renewable sources.

Clearly, this does not yet suggest a dramatic shift away from oil and other fossil fuels. On the basis of current trends, the DoE also predicts that even two decades from now, in 2030, oil, natural gas, and coal will still make up 82% of America’s primary energy supply, only two percentage points less than in 2009. (It is of course conceivable that a dramatic shift in national and international priorities will lead to a greater increase in renewable energy in the next two decades, but at this point that remains a dim hope rather than a sure thing.)

While fossil fuels will remain dominant in 2030, the nature of these fuels, and the ways in which we acquire them, will undergo profound change. Today, most of our oil and natural gas come from “conventional” sources of supply: large underground reservoirs found mainly in relatively accessible sites on land or in shallow coastal areas. These are the reserves that can be easily exploited using familiar technology, (…).

Ever more of these fields will, however, be depleted as global consumption soars, forcing the energy industry to increasingly rely on deep offshore oil and gas, Canadian oil sands, oil and gas from a climate-altered but still hard to reach and exploit Arctic, and gas extracted from shale rock using costly, environmentally threatening techniques. In 2030, says the DoE, such unconventional liquids will provide 13% of world oil supply (up from a mere 4% in 2007). A similar pattern holds for natural gas, especially in the United States where the share of energy supplied by unconventional but nonrenewable sources is expected to rise from 47% to 56% in the same two decades.

Creative Commons Lizenzvertrag Die Ursache der aktuell steigenden Inflation in der Eurozone: “Peak Oil” – 4 Klaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz

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