Eine entscheidende Ursache der aktuell steigenden Inflationsrate in der Eurozone: “Peak Oil” – 3

Auch die deutschsprachigen Finanz- und Börsenportale kennen das Problem mit den zur Neige gehenden weltweiten Ölreserven.

Seht hierzu zum Beispiel einen Artikel vom 4.4.2012 mit dem Titel “Das Ölpreis-Problem: Wie stark die Wirtschaft bedroht ist” in “Finanzen.net“.

In diesem Artikel erfahren wir unter anderem: “Derzeit füllen viele Staaten aber noch ihre Vorratslager, um mögliche Versorgungsengpässe infolge eines Iran-Konflikts ausgleichen zu können. Allein China soll bis zu 500.000 Barrel Öl am Tag beiseiteschaffen. Der zweitgrößte Ölkonsument der Welt will bis 2020 knapp 170 Millionen Barrel in der Hinterhand haben, um für Notfälle gewappnet zu sein.

Das Ölbunkern ist nur einer unter vielen Indikatoren dafür, dass die Abhängigkeit vom schwarzen Gold in den vergangenen Jahren trotz des Booms der erneuerbaren Energien und des Ausbaus der Kernenergie keineswegs geringer geworden ist. Im Gegenteil: Immer noch ist Öl mit einem Anteil von einem Drittel am globalen Verbrauch die Energiequelle Nummer 1, vor allem im Transportsektor. Ersatz durch Kohle oder Gas ist so schnell nicht möglich.

Der Verbrauch steigt speziell in Schwellenländern stark an und frisst die erreichten Einsparungen in den Industrieländern auf. Schätzungen zufolge dürfte der Ölverbrauch der aufstrebenden Volkswirtschaften von heute 35,9 bis 2035 auf 61,9 Millionen Fass pro Tag steigen.

Ob das tatsächlich eintritt, hängt wiederum von der Ölpreis- und Produktionsentwicklung ab. Dagegen spricht, dass inzwischen Vorkommen ausgebeutet werden, die früher unbeachtet blieben. Ob Ölsand, ausgelaugte Felder oder Tiefseebohrungen — bei Preisen von über 100 US-Dollar je Barrel wird heute vieles gefördert, was noch vor wenigen Jahren als unrentabel galt.

Unterm Strich allerdings hat sich die Produktionsmenge seit 2006 weltweit kaum nach oben bewegt. Denn neue Funde sind rar, alte Vorkommen gehen langsam, aber sicher zur Neige. „Man müsste selbst bei konstantem Verbrauch viermal die Ölvorkommen Saudi-Arabiens neu erschließen, um die Abnahme der Felder bis 2030 auszugleichen“, schätzt Birol. (Anmerkung von mir: Fatih Birol ist ein türkischer Wirtschaftswissenschaftler und derzeit Chefökonom der Internationalen Energieagentur (IEA) der OECD in Paris).

Neue Großvorkommen gibt es nur noch in technologisch schwierig zu erschließenden und politisch unsicheren Regionen. (…).

Iran: Wichtiger Öllieferant Iran fördert als fünftgrößter Ölproduzent rund fünf Millionen Barrel täglich. Davon gehen etwa 2,2 Millionen Barrel ins Ausland. Von einem Ölembargo wäre auch Deutschland betroffen: Jeweils ungefähr ein Fünftel dieser Exporte nehmen die Europäische Union und China ab, weitere große Käufer des iranischen Öls sind Japan mit 14 Prozent, Indien mit 13 Prozent und Südkorea mit zehn Prozent. Iranische Ölexporte (pdf)

Öl-Exporteure: Gruppe wird neu gemischt Noch ist der Iran nach Saudi-Arabien und Russland der drittgrößte Ölexporteur der Welt. Allerdings wird der Irak den Prognosen zufolge 2012 vorbeiziehen. Viele Länder haben den Zenit der Ölförderung bereits überschritten. Dadurch befindet sich die Gruppe der Ölexporteure im Umschwung. Ägypten steht kurz davor, Nettoimporteur zu werden. Auf der anderen Seite haben die USA 2011 erstmals seit 62 Jahren mehr Öl aus- als eingeführt.

Nachfrage: Durstige Schwellenländer Auch die Gruppe der größten Ölkonsumenten verändert sich. Seit dem Jahr 2000 ist die Ölnachfrage der Schwellenländer regelrecht explodiert. Während der Verbrauch der OECD-Länder in den vergangenen zwölf Jahren um 3,5 Prozent ab­nahm, kletterte er in den Emerging Markets um 44 Prozent. Damit nehmen die Schwellenländer heute rund die Hälfte des gesamten Ölkonsums für sich in Anspruch, während sie gleichzeitig aber erst ein Viertel zur globalen Wirtschaftsleistung beitragen”. Ölnachfrage (pdf).

Und dass es das Erdöl ist, das die Weltwirtschaft am Laufen hält, daran besteht kein Zweifel.

Seht hierzu zum Beispiel einen Artikel vom 5.9.2008 mit dem Titel “Öl hält die Weltwirtschaft am Laufen” in “bpb-online“.

In diesem Artikel heisst es unter anderem: “Öl ist und bleibt auf absehbare Zeit die wichtigste Energiequelle weltweit. 2007 verbrauchte die Weltgemeinschaft rund 85 Millionen Barrel Öl pro Tag, ein Barrel entspricht 159 Litern. Der Rohstoff deckte damit 36 Prozent des gesamten globalen Primärenergiebedarfs ab. Wird die Ölförderung im heutigen Ausmaß beibehalten, reichen die zurzeit bekannten Reserven noch schätzungsweise 40 Jahre – bei unverändertem Konsum.

Doch der Bedarf wird zunehmen: So prognostiziert die Internationale Energieagentur (IEA) für 2030 einen Verbrauch von täglich 116 Mio. Barrel Öl. Vor allem in den Schwellenländern soll der Ölkonsum wachsen. Das gilt für China und Indien, aber auch Brasilien und Mexiko. Wie groß der Öldurst tatsächlich sein wird, lässt sich nur schwer voraussagen.

So ist auch unklar, wann der letzte Tropfen Öl fließen wird. Die so genannte Reichweite des Erdöls verschiebt sich immer wieder. In den 1970er Jahren hatte der Club of Rome das Ende des Ölzeitalters für Anfang des 21. Jahrhunderts vorausgesagt. Es kam anders: Einerseits wurden und werden neue Vorkommen erschlossen, andererseits helfen modernere Techniken dabei, Lagerstätten intensiver zu nutzen, also mehr Erdöl herauszupressen. Noch dazu macht der steigende Ölpreis bislang unrentable Ölfelder durchaus lukrativ. Auch so genanntes unkonventionelles Öl gewinnt an Wirtschaftlichkeit – Ressourcen wie Ölsande und Ölschiefer, die bislang nicht konkurrenzfähig waren. Doch modernere Fördertechniken setzen zunächst massive Investitionen voraus.

Genaue Schätzungen über die tatsächliche Reichweite des Öls sind auch schwierig, da private Ölkonzerne Zahlen über die Vorkommen sehr vertraulich behandeln. Ebenso sind die Prognosen der Golfstaaten mit Skepsis zu genießen. Laut Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) wurden bis Ende 2006 weltweit seit Beginn der industriellen Erdölförderung 147 Gigatonnen Erdöl gewonnen, die Hälfte davon innerhalb der letzten 22 Jahre. Das Maximum des Öl-Fördervolumens, der Peak-Oil, scheint realistischer zu werden. Die BGR, die als Fachbehörde die Bundesregierung in Rohstoff-Fragen berät, erwartet den Peak-Oil für 2015 bis 2020. Danach muss mit dem Rückgang der Förderung gerechnet werden”.

bpb-online” bietet übrigens auch einen Artikel vom 8.10.2010 mit dem Titel “Peak Oil – Fördermaximum von konventionellem Erdöl” an, in dem nochmals gezielt auf das Thema “Peak Oil” eingegangen wird.

Tja, die Sache mit “Peak Oil” ist die, dass eigentlich niemand sagen kann, wann “Peak Oil” genau erreicht wird. Manche Experten meinen, dass wir “Peak Oil” schon vor einigen Jahren überschritten haben. Andere glauben, dass wir “Peak Oil” erst im Jahre 2020 erreichen werden.

Aber letztlich ist auch dieser Punkt nicht entscheidend.

Völlig zurecht stellt daher Norbert Rost auf der Website “Peak-Oil.com” in seiner Einführung zum Thema “Peak Oil” fest: “Es ist beim Peak-Oil-Problem gar nicht so wichtig, wann der Höhepunkt der Erdöl-Förderung genau stattfindet: Ob er also bereits 2006 passiert ist oder erst 2020 passieren wird – in jedem Fall werden steigende Preise bei sinkendem Öl-Angebot massive Auswirkungen auf unser Leben haben”.

Insofern muss ich Martin Randelhoff zustimmen, wenn er in seinem von mir schon weiter oben zitierten Artikel mit den Titel “Ein paar Gedanken zu den derzeitigen Kraftstoffpreisen” feststellt: “Allerdings stellt sich mir die Frage, ob wir das Zeitalter des billigen Öls nicht schon längst verlassen haben. Wir haben es nur nicht gemerkt. Erdöl ist ein endlicher Rohstoff, von dessen Existenz wir unseren Wohlstand sehr stark, wenn nicht sogar zu stark, abhängig gemacht haben”.

Und ich stimme Martin Randelhoff ebenfalls zu, wenn er in demselben Artikel mit dem Titel “Ein paar Gedanken zu den derzeitigen Kraftstoffpreisen” feststellt (…), dass die Zeit des billigen Öls endgültig vorbei ist und wir uns eher auf weiter steigende denn fallende Kraftstoffpreise einstellen müssen”.

Tja, so ist es wohl.

Im übrigen scheinen nicht wenige Experten der Meinung zu sein, dass wir jetzt  “Peak Oil” tatsächlich überschritten haben.

Seht hierzu zum Beispiel den Kommentar vom 6.2.2012 von Manfred Kriener mit dem Titel “Die Weltgemeinschaft steht vor gewaltigen Problemen: Peak Oil ist jetzt” in der “taz“.

Manfred Kriener stellt in seinem Kommentar unter anderem fest: “Sieht man sich die von der deutschen Energy-Watch-Group vorgelegten Produktionszahlen an, erkennt man, dass die Förderung seit 2005 auf einem Plateau von rund 73Millionen Fass (Barrel) Tagesproduktion stagniert. Obwohl der Ölpreis von 2005 bis heute jährlich um 15 Prozent gestiegen ist, gingen die zuvor fast naturgesetzlich wachsenden Produktionszahlen nicht mehr nach oben. Die eherne Marktregel, dass steigende Preise das Angebot erhöhen, ist ausgehebelt. Was ist passiert? Die Produktion lässt sich offenbar nicht weiter erhöhen, weil alle schon am Anschlag pumpen.

In seiner aktuellen Ausgabe hat nun das renommierte Wissenschaftsmagazin Nature den Befund bestätigt. In einer langen Analyse legen sich die Autoren James Murray und David King, beides geologische Experten hoher Gnaden, eindeutig fest: “Oils tipping point has passed” – das Fördermaximum liegt hinter uns”.

Dieser von Manfred Kriener in seinem Kommentar mit dem Titel “Die Weltgemeinschaft steht vor gewaltigen Problemen: Peak Oil ist jetzt” erwähnte Aufsatz von James Murray und David King erschien am 26.1.2012 in “Nature” unter dem Titel “Climate policy: Oil’s tipping point has passed“.

Das deutschsprachige populärwissenschaftliche Magazin “Spektrum der Wissenschaft” bietet eine am 22.3.2012 auf seiner Website veröffentlichte deutsche Übersetzung dieses ursprünglich in “Nature” erschienenen englischen Aufsatzes von James Murray und David King unter dem Titel “Erdöl: Der Peak liegt hinter uns” an.

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