Eine entscheidende Ursache der aktuell steigenden Inflationsrate in der Eurozone: “Peak Oil” – 2

Von Januar 2009 bis Mai 2011 stieg der Rohölpreis stets an und verbleibt seit Mitte 2011 auf einem Niveau von etwa 110 Dollar je Barrel. Seit September 2010 bis Mitte 2011 verlief der Anstieg steiler. Der Benzin- und Dieselpreis folgt der Entwicklung des Ölpreises, wobei Diesel- und Benzinpreis in etwa denselben Preisabstand – natürlich mit Schwankungen – einhalten.

Betrachten wir die Preisentwicklung dieser Länder, die in der Wirtschaftsstruktur und im Mobilitätsverhalten ähnlich sind, weiter:

Im Vergleich zum Januar 2011 lag der Benzinpreis im Januar 2012 in Italien um 17 Prozent höher, in den USA um 9,2 Prozent, in Kanada und Deutschland um 7,7 Prozent, in Spanien um 7,1 Prozent (und das trotz im Vergleich zu den anderen Ländern noch schlechterer konjunktureller Entwicklung), in Frankreich um 5,9 Prozent, in Japan um 5,1 Prozent und in Großbritannien um 4,1 Prozent.

Natürlich schwanken die Endpreise etwas stärker. Das billigste Benzin konnte man im Januar 2012 zu einem Preis von 0,68 Euro je Liter in den USA kaufen. Italien war mit einem Preis von 1,704 Euro je Liter absoluter Spitzenreiter. In Deutschland betrug der Durchschnittspreis für den Januar 2012 1,584 Euro je Liter Benzin.

Den billigsten Diesel konnte man mit 0,7691 Euro je Liter ebenfalls in den USA kaufen, den teuersten Diesel mit 1,385 Euro je Liter wiederum in Italien. In Deutschland betrug der durchschnittliche Dieselpreis im Januar 2012 1,228 Euro / Liter.

Es ist also ein Irrglaube, dass die Mineralölkonzerne in Deutschland frei die Preise festlegen. Kraftstoffe sind weltweit teurer geworden, es ist in Deutschland nur recht einfach, Preissteigerungen im vollen Umfang an den Endkunden weiter zu geben. Der steigende Preis für Rohöl hat jedoch andere Gründe. Diese Gründe lassen mich auch glauben, dass die Zeit des billigen Öls endgültig vorbei ist und wir uns eher auf weiter steigende denn fallende Kraftstoffpreise einstellen müssen.

Durch den wirtschaftlichen Aufschwung verbraucht insbesondere China immer mehr Rohöl. Die chinesischen Rohölimporte stiegen im Januar 2012 mit 23,41 Millionen Tonnen auf ein neues Allzeithoch, dies entspricht etwa 5,51 Millionen Barrel pro Tag. Im Januar 2004 waren die Rohölimporte noch halb so hoch.

China kann seinen Binnenkonsum schon länger nicht mehr decken. Die Ölfelder von Daqing, die größten Ölfelder in der Volksrepublik China, haben bereits im Jahr 1988 ihr Fördermaximum überschritten. In den Jahren 2004 bis 2010 sollten die Fördermengen jährlich um 7% sinken um die Lebensdauer des Ölfelds zu verlängern. Die sinkende Binnenproduktion muss zusätzlich zum höheren Bedarf durch Wirtschafts- und Einkommenszuwächse ausgeglichen werden.

Aber auch andere asiatische Länder wie Indonesien, Malaysia und Indien steigern ihre Rohölimporte. Indien verbrauchte im Zeitraum März 2009 – März 2010 11.607.000 Tonnen Kraftstoff. Im Folgezeitraum März 2010 – März 2011 waren es bereits 15.873.000 Tonnen . Indonesien wurde 2008 vom Nettoexporteur zum Nettoimporteur.

Im Pro-Kopf-Verbrauch hinken die asiatischen Länder (China: 287 Liter pro Kopf und Jahr, Indien: 126 Liter pro Kopf und Jahr, Indonesien: 289 Liter pro Kopf und Jahr) weiter hinter den europäischen (Deutschland: 1.866 Liter pro Kopf und Jahr, Frankreich: 1794 Liter pro Kopf und Jahr) und amerikanischen (USA ~ 4.000 Liter pro Kopf und Jahr) Pro-Kopf-Verbrauch hinterher. Sie werden diesen aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit des Rohstoffs Erdöl auch nie erreichen können. Hinzu kommt die wachsende Weltbevölkerung.

Auf der anderen Seite steht das Angebot, das die derzeitige Nachfrage und kommende Nachfragesteigerungen befriedigen können soll.

Bereits seit einigen Jahren werden nur noch kleinere Ölfelder entdeckt bzw. können nur mit steigenden Grenzkosten ausgebeutet werden. Beispiel dafür sind die Ultratiefseebohrungen vor der brasilianischen Küste mit Förderkosten in Höhe von etwa 50 Dollar je Barrel. Zum Vergleich: Die Kosten für ein Barrel saudischen Erdöls liegen bei unter 10 Dollar. Die gestiegenen Förderkosten fixieren einen Minimalpreis, der nicht unterschritten werden kann. Sollte der Marktpreis doch unter die Förderkosten fallen, so wird dieses Angebot temporär wegbrechen und der Preis automatisch wieder über die Förderkosten steigen.

Neben den Fördermengen nimmt aber auch die Qualität des geförderten Rohöls ab. “Süßes” Rohöl mit niedrigerem Schwefelgehalt ist aufgrund der leichteren Verarbeitung stärker gefragt als “saure” Ölsorten. Süße Sorten sind beispielsweise das Nordseeöl Brent und das US-Öl West Texas Intermediate (WTI). “Sauer” ist Erdöl aus den Golfstaaten und vielen anderen Schwellenländern. Ein hoher Schwefelgehalt bringt eine schwächere Energieleistung und eine geringere chemische Dichte der Kohlenwasserstoffe. Aus “süßem” Rohöl lässt sich pro Fass mehr Benzin oder andere Mineralöle gewinnen.

Die Förderung von “süßem” Erdöl dürfte bereits in einigen Jahren vollständig zum Erliegen kommen. Die Lagerstätten in der Nordsee sind bereits fast vollständig ausgebeutet. (…).

Die global geförderte Menge geht seit 2007 erstmals zurück. Allerdings sinkt die für den Export bestimmte Rohölmenge noch stärker, da viele Rohölexportierenden Länder einen wachsenden Eigenverbrauch haben. Dies geht einher mit der steigenden Bevölkerungszahl. Durch die hohen für Investitionen bereitstehenden Finanzmittel und die Diversifizierung der lokalen Wirtschaft wächst der Sekundär- und Tertiärsektor und somit der heimische Ölverbrauch. In Kombination mit fallenden Fördermengen wird die angebotene Menge weiter abnehmen.

In den nächsten 30 bis 40 Jahren dürfte sich die verfügbare Ölmenge mindestens halbieren, wenn nicht sogar noch stärker sinken”.

Tja, so wie Martin Randelhoff sehe ich das auch. Insofern werden wir alle mittel- und  erst recht langfristig um diese zu erwartende Entwicklung im Bereich Erdöl-Versorgung mit allen daraus zu erwartenden Folgen nicht herum kommen.

Wenn ihr nun wissen wollt, wie seit 1950 in Deutschland die Entwicklung der Kraftstoffpreise war, so bietet die Website des “ADACeine ausführliche Webpage mit den entsprechenden Zahlen zu diesem Thema.

Nur einmal ganz kurz ein paar Eckdaten aus den Tabellen in dieser ausführlichen Webpage des ADAC:

Im Jahr 1950 lag der Preis für einen Liter Superbenzin in Deutschland bei 63,3 Pfennige.

Im Jahr 1985 lag der Preis für einen Liter Superbenzin in Deutschland bei 1,42.5 D-Mark.

Im Dezember des Jahres 2000 lag der Preis für einen Liter Superbenzin in Deutschland bei 1,98 D-Mark.

Mit der Einführung des Euros als Bargeld im Jahre 2002 lag der Preis für einen Liter Superbenzin in Deutschland im Dezember des Jahres 2002 bei 1,03.8 Euro.

Im August 2012 ist nun der Preis für einen Liter Super E 10 in Deutschland bei 165,6 Euro angelangt.

Es gab in diesem ganzen Zeitraum zwischen 2002 und 2012 nur in einer Phase einen ganz deutlichen Rückgang der Preise für Superbenzin in Deutschland: Das war ab dem Herbst 2008.

Von September 2008 an sank der Preis für Superbenzin in Deutschland von 145,6 Euro im September 2008 auf 115,2 Euro im Januar 2009.

Der Grund hierfür ist einfach zu ermitteln: Der Herbst 2008 war der Höhepunkt der globalen Finanzkrise ab 2007 mit dem Zusammenbruch der Lehman-BrothersInvestmentbank am 15.September 2008.

Die Folge hiervon war eine schwere weltweite Rezession (Deutschland erlitt damals einen Wirtschaftseinbruch von ca. 5%. Und in vielen Ländern der Welt sah es nicht besser aus).

Hier habt ihr eine Chart mti dem Titel “Bruttoinlandsprodukt (BIP) – reale Wachstumsrate (%)” in der Website “index mundi” mit der Entwicklung des BIPs in Deutschland zwischen 1999 und 2011. Der Einbruch des deutschen BIPs im Jahre 2009 lag bei ca. 4,7%.

Da in dieser Phase der weltweiten Rezession fast überall die Industrieproduktion massiv zurückging, sank auch der weltweite Ölverbrauch deutlich. Die Folge waren kurzfristig stark sinkende Erdölpreise. Ab Februar 2009 gingen diese Erdölpreise dann wieder hoch.

Im Börsenportalwallstreet: online” findet ihr eine Webpage mit Charts zur Entwicklung des Erdölpreises in den letzten zehn Jahren. Wie ihr dieser Chart entnehmen könnt, steigt der Preis für Erdöl seit Ende Juni 2012 kontinuierlich an.

Hier habt ihr eine Chart mit der Entwicklung des Rohölpreises zwischen 2007 und 2012.

Wie ihr in dieser Chart leicht nachprüfen könnt, ist der Rohölpreis im Herbst 2008 vollkommen abgestürzt. Daher auch die niedrigeren Benzinpreise in Deutschland ab Herbst 2008.

Und wie ihr ebenfalls dieser Chart entnehmen könnt, sind ab dem Beginn des Jahres 2009 dann die Rohölpreise wieder konstant gestiegen.

Und ab dem Februar 2009 stieg dann natürlich auch wieder der Preis für Superbenzin in Deutschland von 118, 6 Euro auf 131,6 Euro im Dezember 2009, um dann Monat für Monat immer weiter zu steigen, bis zum aktuellen Höchstand im August 2012 von 165,6 Euro für einen Liter Super E 10.

Kurz zusammenfassend: Historisch gesehen sind die Benzinpreise in Deutschland seit 1950 kontinuierlich angestiegen.

Die tiefere Ursache ist letztlich zumindest in den letzten Jahren ganz klar die zunehmende Verknappung und Verteuerung dieses RohstoffesErdöl“.

Seht hierzu einfach mal die Chart für die Entwicklung des Rohölpreises in den letzten zehn Jahren im Börsenportalwallstreet: online” an.

Zwischen der massiv steigenden weltweiten Nachfrage (hier spielen unter anderem die grossen Schwellenländer China und Indien eine bedeutende Rolle) und der in Zukunft zu erwartenden Verknappung des weltweiten Angebots tut sich zunehmend eine Schere auf.

Die Folge hiervon werden aller Voraussicht nach zunehmende, vielleicht sogar mittel- und langfristig rasant ansteigende Preise für Mineralöl-Produkte sein.

Das Problem bei dieser Sache ist nicht zuletzt, dass steigenden Erdölpreise ab einem kritischen Punkt das Wachstum der Weltwirtschaft beschädigen oder sogar verhindern.

Insofern werden wir wohl von dieser Erdölseite her vielleicht tasächlich bald die “Die Grenzen des Wachstums” erreichen. So lautete der Titel eines Berichts, der im Jahre 1972 am 3. St. Gallen Symposium zum Thema der Zukunft der Weltwirtschaft vorgestellt wurde.

Diese Studie mit dem Titel “Die Grenzen des Wachstums” wurde im Auftrag des Club of Rome erstellt. Donella und Dennis L. Meadows und deren Mitarbeiter am Jay W. Forresters Institut für Systemdynamik führten dazu eine Systemanalyse und Computersimulationen verschiedener Szenarien durch.

Die zentrale Schlussfolgerung dieses Berichtes mit dem Titel “Die Grenzen des Wachstums” von 1972 war folgende: “Wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert anhält, werden die absoluten Wachstumsgrenzen auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht”.

Nun, es war im Jahre 1972 natürlich schwer zu präzisieren, wann genau im Laufe der nächsten hundert Jahre diese konkreten Wachstumsgrenzen erreicht werden. Hier sind einfach zu viele Variablen im Spiel und keine noch so gut gemachte Computersimulation kann so etwas punktgenau ausrechnen.

Kritiker dieser Studie mit dem Titel “Die Grenzen des Wachstums” von 1972 behaupten daher bis heute, dieser Bericht habe ein Versiegen bestimmer Rohstoffe für das Ende des 20. Jahrhunderts prognostiziert. Und da dies nicht eingetreten sei, müsse diese Studie im Kern falsch sein.

Abgesehen davon, dass die Kritiker dieser Studie mit dem Titel “Die Grenzen des Wachstums” die Angaben in diesem Text offensichtlich teilweise wohl auch einfach missinterpretiert haben, ist an der Grundaussage des Berichts, dass von 1970 an gerechnet in den nächsten 100 Jahren die Grenzen des Wachstums erreicht sein werden, falls die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert anhält, dennoch kaum zu zweifeln.

Die Erde ist nunmal ein begrenzter Planet mit begrenzten Rohstoffreserven und allgemein begrenzten Ressourcen.

Creative Commons Lizenzvertrag Die Ursache der aktuell steigenden Inflation in der Eurozone: “Peak Oil” – 2 Klaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s