Online-Petition gegen das geplante “Leistungsschutzrecht” – 5

Einen guten Artikel mit dem Titel “Kriminell: Wie Döpfner und Keese argumentieren” zur Debatte zum geplanten “Leistungsschutzrecht für Presseverleger” hat Thomas Lückerath am 6.12.2012 im Branchenmagazin der deutschen Medienwirtschaft “DWDL.de” veröffentlicht. Thomas Lückerath ist selbst der Geschäftsführer und Chefredakteur von “DWDL.de“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Es ist nicht einmal eine Woche her, da trug ein DWDL.de-Kommentar zur Debatte um das Leistungsschutzrecht die Überschrift “Die Sorge vor einem Kartell der Propaganda”. Und wer hätte da gedacht, dass es die Populisten in manchen Verlagen schaffen würden, die Absurdität dieser Auseinandersetzung noch weiter zu steigern? Okay, vermutlich viele. Während Google abgesehen vom Start einer klar als Werbung in eigener Sache deklarierten Kampagne keine weiteren Aussagen tätigte oder Schritte unternahm, läuft vor allem der Axel Springer-Verlag in dieser Woche verbal Amok. (…).

Mathias Döpfner, der Vorstandsvorsitzende von Axel Springer, wählte gegenüber der “Zeit” einen interessanten Vergleich beim Thema Leistungsschutzrecht und Googles Haltung dazu.

“Das ist so, als würde eine Hehlerbande bei Amnesty International eine Menschenrechtspetition zur Verteidigung der freien Bürgerrechte beim Ladendiebstahl einreichen”, erklärt Döpfner. Da fragt sich zunächst einmal, wer sich über unangemessenen Ton in der Debatte beschweren sollte. (…).

In die Reihe der, freundlich formuliert, unglücklichen Rhetorik reiht sich auch jener Lautsprecher Keese ein. Gegenüber dem Medien-Fachblatt “Horizont” sagte er: “Warum soll ein Verlag nicht sagen dürfen, für wen und in welchen Auszügen ein Text für welchen Preis gewerblich kopierbar oder nicht kopierbar sein soll? Google ist eine Art Taliban und wehrt sich gegen jede Art von Fortschritt.” Solche Aussagen machen zunächst sprachlos und lösen danach eine große Besorgnis um Christoph Keese aus. (….). Während Google mit Argumenten wirbt, die man teilen kann oder eben auch nicht, besinnt sich Ex-Journalist Keese auf verbalen Angriff unterster Schublade. Nur weil der eigene Vorstandsvorsitzende im gleichen Rausch ist, sitzt Keese dafür noch nicht vor der Tür.

Anders kann man sich nicht erklären, wie ein Unternehmen ernsthaft toleriert, dass sein Cheflobbyist einen Geschäftspartner mit extremen Islamisten, verantwortlich für den Tod von tausenden Menschen, vergleicht. Doch abgesehen von diesen beiden verbalen Amok-Läufern von Axel Springer bleibt erfreulicherweise festzuhalten, dass mit andauernder Debatte über das Leistungsschutzrecht die Berichterstattung in der deutschen Printlandschaft vereinzelt doch wieder ausgewogene Züge annimmt.

Dass das jedoch eine Erwähnung wert ist, verdeutlicht wiederum das Trauerspiel in einer Debatte, die keine ist”.

Und das intelligente Fazit Thomas Lückeraths in diesem Artikel mit dem Titel “Kriminell: Wie Döpfner und Keese argumentieren” : “Das Wort Leistungsschutzrecht suggeriert, dass es etwas zu schützen gäbe. Und weitergedacht: Dass es jemanden gäbe, vor dem man Leistungen schützen müsste. Nur niemand bedroht die Leistungen von Journalistinnen und Journalisten. Google und Google News gibt es seit vielen Jahren. Lange Zeit hat sich niemand aufgeregt. Im Gegenteil: Die Verlage überboten sich mit Suchmaschinen-Optimierung. Das einzige Ziel war: Möglichst oft, möglichst hoch bei Google auftauchen. Man hat Google seine Inhalte förmlich aufgedrängt.

Das Horrorszenario vom bösen Google kam erst auf, als Verlage alternative Einnahmequellen suchten. Deswegen darf nicht der Fehler gemacht werden, die hausgemachten Fehler und das Scheitern von einzelnen Medien in Deutschland, die derzeit Schlagzeilen machen und für eine besorgte Stimmung sorgen, Google in die Schuhe zu schieben. Das ist bequem aber nicht korrekt. Es sind zwei verschiedene Diskussionen. Gegen das Leistungsschutzrecht zu sein, bedeutet nicht, dass einem die Zukunft des Journalismus egal ist. Diese populistische Unterstellung kommt gerne von Seiten der Verlage. Sie lenken damit aber nur einmal mehr ab”.

Zu den Anwürfen von Mathias Döpfner gegen Google seht auch den Artikel vom 5.12.2012 mit dem Titel “Leistungsschutzrecht: Springer-Chef Döpfner attackiert Google” in “Financial Times Deutschland“.

Genau so wie Thomas Lückerath sehe ich das auch. Die übrigens weltweite Zeitungskrise (die Sache beschränkt sich auf keinen Fall auf Deutschland) und das Scheitern einzelner, zum Teil bedauerlicheweise sehr hochwertiger deutschsprachiger Zeitungen, die ich selbst immer gern gelesen habe wie die “Financial Times Deutschland” (die eingestellt wird) und die “Frankfurter Rundschau” (die anscheinend mittlerweile insolvent ist) darf man nicht Google anlasten.

Seht zu dieser Sache unter anderem den Artikel vom 23.11.2012 mit dem Titel “Scheitern von FTD und Frankfurter Rundschau: Gemeinsam sind wir schwach” in der “Süddeutschen Zeitung

Und wenn man das geplante “Leistungsschutzrecht für Presseverleger für unsinnig hält, heisst das noch lange nicht, dass einem die Zukunft des Journalismus egal ist.

Auch mir ist die Zukunft des Journalismus nicht egal. Ich habe bis ca. 2006 selbst gegen Honorar als freier Mitarbeiter für Zeitungen und Radiostationen in Deutschland gearbeitet. Seht hierzu auch meinen Blogeintrag “Who I am: My CV“.

Als Blogger arbeite ich ohne kommerzielle Interessen. Seht hierzu die entsprechende “Creative Commons“-Lizenz, die untenstehend an alle meine Artikel angehängt ist. In meinem Fall ist es eine “Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported“-Lizenz.

Das heisst meine Artikel dürfen frei verwendet werden, solange man sie nicht einfach ohne meine Erlaubnis beliebig umbaut und keine kommerziellen Absichten mit der Verwendung meiner Artikel verfolgt. Und mein Name sollte im Fall einer Verwendung erwähnt werden, bzw. ich sollte als Autor erkennbar sein.

Aber ich könnte niemals als Blogger erfolgreich sein, wenn ich nicht im WWW Zugang zu unzähligen hochwertigen Artikeln hätte, die von gegen Honorar arbeitenden Journalisten erstellt wurden.

Und natürlich habe ich ab Anfang dieses Jahrtausends selbst unter der beginnenden und immer schärfer werdenden Zeitungskrise gelitten, weil mir die Aufträge für Zeitungsartikel nicht zuletzt deswegen zunehmend wegbrachen.

Was nun die aktuelle Zeitungskrise in Deutschland angeht: Vor allem die “Financial Times Deutschland” werde ich in Zukunft ohne Zweifel sehr vermissen.

Und mein Blog wird durch das Verschwinden der “Financial Times Deutschland” notwendigerweise auch etwas ärmer und weniger vielfältig und interessant sein. Das lässt sich nicht vermeiden, wenn eine hochwertige Quelle für meinen Blog entfällt.

Creative Commons Lizenzvertrag Online-Petition der “Piratenpartei” gegen das geplante “Leistungsschutzrecht” – 5 Klaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz

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