Einige Thesen zur Eurokrise 2

Die Eurokrise in den PIIGS-Staaten: Auch eine Vertrauenskrise

a.) Die Finanzmärkte trauen diesen PIIGS-Staaten nicht mehr: Sie verlangen hohe Risikoaufschläge (Zinsen) für die Staatsanleihen dieser Länder. Ab 7% müssen diese Länder dann in der Regel unter den Euro-Rettungsschirm (Im Fall von Griechenland, Portugal und Irland ist das schon geschehen).

Spanien und Italien stehen jetzt kurz davor.

Was ist hier das Problem? Spanien und Italien sind jeweils die viert- und drittgrößte Volkswirtschaft in der Eurozone.

Der bisherige Euro-Rettungsschirm (EFSF/ESM) ist viel zu klein für solche Länder (nicht genug Geld).

Für Italien kann man überhaupt keinen Euro-Rettungsschirm einrichten (man bräuchte dafür viel zu viel Geld).

Muss Italien unter den Euro-Rettungsschirm (ab 7% für die italienischen Staatsanleihen), zerbrechen der Euro und die Eurozone.

Spanien ist schon bei ca 7%, Italien aktuell bei ca. 5,5 %. Der Zusammenbruch des Euro und der Eurozone ist daher schon ziemlich nahe.

b.) Die reichen Oberschichten in den PIIGS-Staaten trauen ihren Ländern nicht mehr. Die Folge: Eine enorme Kapitalflucht.

Die PIIGS-Staaten (also ihre Banken) bluten schon seit vielen Monaten, teilweise Jahren (Griechenland) massiv finanziell aus.

c.) Die ausländischen (anderen europäischen) Banken und die Investoren an den Finanzmärkten trauen diesen PIIGS-Staaten nicht. Daher kaufen vor allem die Banken der jeweiligen PIIGS-Staaten selbst seit geraumer Zeit die Staatsanleihen dieser Länder. In Spanien zum Beispiel sind es vor allem die spanischen Banken, die bereit sind, spanische Staatsanleihen zu kaufen. In Italien ist es ebenso.

Die Banken Italiens und Spaniens und ihre jeweiligen Länder sind jetzt daher auf Gedeih und Verderb aneinander geschmiedet. Krachen die Banken Spaniens und Italiens zusammen, kracht der spanische und italienische Staat ebenfalls zusammen. Und kracht Spanien oder Italien zusammen, sind die Banken Spaniens oder Italiens ebenfalls Pleite.

Mögliche Maßnahmen, mit denen man das Vertrauen in diese PIIGS-Staaten wieder herstellen könnte:

Mehrere Möglichkeiten:

1.)  Die EZB bekommt mehr noch als bisher das Recht, die Staatsanleihen der PIIGS-Staaten wenn nötig aufzukaufen und die EZB übernimmt damit indirekt die Haftung für diese PIIGS-Staaten.

2.)  Eurobonds (EU-Anleihen, die von der EU emittiert werden zu niedrigen Zinsen)

3.)  Direkte Hilfen aus dem EFSF/ESM an die spanischen und eventuell auch italienischen Banken (das heißt, diese Hilfen laufen nicht über die Staatshaushalte Spaniens und Italiens und vergrößern nicht deren Staatsschulden. Auch die italienischen Banken sind in letzter Zeit zunehmend geschwächt).

4.)  Eventuell andere Formen der Haftung für und Finanzierung dieser Länder.

5.)  Gegen Kapitalflucht: Gesamteuropäische Bankeinlagensicherung (in Deutschland haben wir schon einen Einlagensicherungsfonds)

6.)  Reformen in diesen Ländern, um diese Länder wettbewerbsfähiger zu machen.

7.)  Investitionen in diese Länder, um diese Länder wettbewerbsfähiger zu machen (Bereich „Forschung und Entwicklung“, Bildung, Infrastruktur etc.)

8.)  Vor allem: Austeritätspolitik beenden.

Die Finanzmärkte haben nie an diese Austeritätspolitik geglaubt. Führt man in diesen PIIGS-Staaten eine Austeritätspolitik durch, verlieren diese PIIGS-Staaten erst recht das Vertrauen der Finanzmärkte. So läuft das seit dem Jahr 2009 (Beginn Eurokrise: Griechische Finanzkrise ab 2009).

Die Voraussetzung für direkte Hilfen an die spanischen und italienischen Banken: Gemeinsame europäische Bankenaufsicht, langfristig vielleicht eine europäische Bankenunion.

Der Europäische Fiskalpakt ist in seiner jetzigen Form eher schädlich. Die eingebaute „Schuldenbremse“ könnte dafür sorgen, dass eventuell wichtige und notwendige Investitionen in den Eurozonen-Ländern, gerade auch in den PIIGS-Staaten, nicht getätigt werden können.

Schulden machen kann Sinn ergeben, wenn das Geld für nützliche Dinge ausgegeben wird (Infrastruktur, Bildung, Bereich „Forschung und Entwicklung“, etc.).

Die Eurokrise: In erster Linie eine Banken- und Finanzkrise

Die aktuellen Probleme in der Eurozone haben mit der Finanzkrise ab 2007 begonnen. Entscheidend war der Zusammenbruch der Lehman-Brothers-Bank (Herbst2008).

Ab diesem Zeitpunkt ist der europäische Interbankenmarkt „eingefroren“ und die Banken trauen sich seit damals in Europa nicht mehr über den Weg.

Die Folge: Seitdem finanzieren sich die Banken vor allem der PIIGS-Staaten über ihre jeweiligen nationalen Zentralbanken über das Target-2-System des ESZB (Europäischen Systems der Zentralbanken).

Und seitdem driften die Zinssätze für die Staatsanleihen der Staaten in der Eurozone gnadenlos auseinander.

Bis zum Zusammenbruch der Lehman-Brothers-Bank haben die südeuropäischen Banken und auch die irischen Banken über den Interbankenmarkt Geld bekommen.

Und bis zum Herbst 2008 (Zusammenbruch Lehman-Brothers-Bank) waren die Zinssätze für die Staatsanleihen aller Eurozonen-Länder (auch der PIIGS-Staaten) alle relativ niedrig und ungefähr gleich.

Das heißt: Die eigentlich Ursache der Eurokrise ist eine internationale Krise des Bankensektors und der Finanzmärkte. Die Staatsschulden der PIIGS-Staaten sind eigentlich nicht so entscheidend.

Die USA und Japan haben zum Beispiel recht hohe Staatsschulden (Japan ca. 235% des eigenen BIP, USA über 100% des eigenen BIP).

Hier habt ihr einen Eintrag in “statista.com” mit dem Titel “Japan: Staatsverschuldung von 2002 bis 2012 in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) “. Und hier habt ihr einen Eintrag in “statista.com” mit dem Titel “USA: Staatsverschuldung von 2002 bis 2012 in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP)“.

Trotzdem bekommen diese beiden Länder völlig problemlos billiges Geld (für ihre Staatsanleihen müssen sie kaum mehr Zinsen zahlen als zum Beispiel aktuell Deutschland).

Die Staatsschulden sind nicht das Hauptproblem. Das Problem beruht auf einer schweren Krise des Finanz- und Bankensektors gerade auch in Europa.

Und da niemand bereit ist, für diese PIIGS-Staaten zu haften und zu garantieren (auch Deutschland nicht) und die Austeritätspolitik diese PIIGS-Staaten zunehmend massiv in die Rezession treibt, trauen die Finanzmärkte und die Banken der anderen europäischen Länder diesen PIIGS-Ländern eben nicht mehr, mit allen gravierenden Folgen für diese PIIGS-Staaten.

Dieser Vertrauensverlust der Finanzmärkte in die PIIGS-Staaten ist teilweise auch einfach irrational.

Also liegen bei dieser Eurokrise im wesentlichen fünf Dinge vor:

1.) Marktversagen: Die europäischen Finanzmärkte und Banken reagieren zum Teil kopflos und kurzsichtig. Bis Herbst 2008 (Zusammenbruch der Lehman-Brothers-Bank) haben sie den PIIGS-Staaten und ihren Banken voll vertraut – das war falsch – und jetzt misstrauen sie vollkommen diesen PIIGS-Staaten und ihren Banken  – auch das ist falsch.

2.) Europaweite Bankenkrise: Ab dem Zusammenbruch der Lehman-Brothers-Bank im Herbst 2008 ist der Interbankenmarkt in der Eurozone eingefroren.

3.) Bankenkrise in den PIIGS-Staaten selbst: Die einheimische Banken der PIIGS-Staaten (zum Beispiel in Spanien) sind aktuell oft nicht mehr in der Lage, ihre eigenen Wirtschaftsunternehmen im Land vernünftig mit Krediten zu versorgen.

4. ) Kapitalflucht in den PIIGS-Staaten (vor allem Südeuropa) in Richtung Mittel- und Nordeuropa: Deutschland, Schweiz (Schweizer Franken), England (Britischer Pfund). Besonders beliebte Städte: London und Zürich, wohl auch Berlin.

5.) Folgen der der Austeritätspolitik: Diese verschlimmert die wirtschaftliche Situation in den PIIGS-Staaten massiv (schwere Rezession).

Der Trick des “Keltischen Tigers”: Extrem niedrige Unternehmenssteuern

Irland bietet seit Mitte der neunziger Jahre einen extrem niedrigen Unternehmenssteuersatz an (ursprünglich 12,5% und 10% für Produktionsstätten. Mittlerweile verlangt der irische Staat einheitlich 12,5% von den Unternehmen).

Seht euch hierzu den Wikipedia-Eintrag “Unternehmensbesteuerung” an, da könnt ihr die aktuellen Unternehmenssteuersätze hauptsächlich in Europa und auch in einigen ausgewählten nicht-europäischen Staaten einsehen. Und das Thema des “Steuerwettbewerbs” wird in diesem Wikipedia-Artikel zur Unternehmensbesteuerung natürlich angesprochen. Die Iren unterbieten massiv alle anderen Eurozonen-Länder.

Deshalb kommen viele Unternehmen seit vielen Jahren nach Irland und das könnte die Iren vielleicht retten.

Die südeuropäischen PIIGS-Staaten haben aber normale Unternehmenssteuersätze. Und in diese Länder wollen aktuell kaum ausländische Firmen investieren. Viele Unternehmen aus diesen südeuropäischen PIIGS-Staaten (sogar einheimische Unternehmen) ziehen zur Zeit um in besser funktionierende und sicherere Länder in der Eurozone oder der EU (wie zum Beispiel Deutschland) um.

Deutschland profitiert von der Eurokrise

Das ganze Kapital dieser PIIGS-Staaten wandert in besser funktionierende und sicherere Länder wie Deutschland flüchtet. Viele reiche Griechen, Spanier, Italiener, Portugiesen bringen zur Zeit ihr Geld nach Berlin, London (Pfund) oder Zürich (Schweizer Franken).

Die Zinssätze für deutsche Staatsanleihen sind seit längerer Zeit praktisch gleich 0% = Deutschland bekommt aktuell das Geld umsonst und refinanziert sich zum Nulltarif. Diese Entwicklung haben wir in der Eurozone seit Herbst 2008: Die Risikoaufschläge für die Staatsanleihen der PIIGS-Staaten steigen massiv. Und die Risikoaufschläge für Staatsanleihen für die mittel- und nordeuropäischen Eurozonen-Länder wie Deutschland, Österreich, Finnland, Niederlande gehen gegen 0%.

Und der schwache Euro beflügelt den deutschen Export, auch jetzt in den letzten Monaten. Die deutschen Exportzahlen sind weiterhin sehr gut, obwohl die südliche Eurozone am Abstürzen ist. Deutschland verkauft daher zunehmend vor allem in die BRICS-Staaten: Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika. Dies sind Länder mit sehr hohen Wachstumsraten. Der Markt in den USA ist ebenfalls wichtig für Deutschland.

Im Klartext: Die südeuropäischen PIIGS-Staaten gehen aktuell in den Keller und Deutschland geht es dabei immer besser.

Amerikanisch: „It´s a dog eat dog world“.

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