Die Ursachen und Folgen der neoliberalen Revolution ab den 80er-Jahren 2

Aber um auf die Mont Pèlerin Society zurückzukommen: Die Mont Pèlerin Society hat also erfolgreich agiert und Ronald Reagan und Margaret Thatcher für sich gewonnen.

Und diese beiden Politiker (Ronald Reagan in den USA, Margaret Thatcher in England) begannen dann in der westlichen Welt mit der Durchführung einer neoliberalen Revolution.

Dass Friedrich August von Hayek und John Maynard Keynes Respekt voreinander hatten und trotz ihrer klar unterschiedlichen Konzepte freundschaftlich miteinander umgegangen sind, ändert nichts daran, dass es nunmal zwei ganz verschiedene Schulen und zwei ganz verschiedene Konzepte mit ganz unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Zielen sind.

Und natürlich kann man beide Konzepte auch kombinieren (In den USA ist übrigens dieser “kombinierte” Ansatz – eine Mischung aus Hayek und Keynes – der dominierende. Er wird daher in den USA einfach als “mainstream economics” bezeichnet).

Im Wikipedia-Artikel zu den “mainstream economics” erfahren wir: Mainstream economics is a term used to refer to widely-accepted economics as taught across prominent universities, and in contrast to heterodox economics. It has been associated with neoclassical economics and with the neoclassical synthesis, which combines neoclassical methods and Keynesian approach macroeconomics”.

Das ist übrigens vielleicht auch nicht so dumm, die Ansätze von Friedrich August von Hayek und John Maynard Keynes zu kombinieren: Es gibt weltweite wirtschaftliche Phasen, in denen die Konzepte von John Maynard Keynes sicherlich passender sind.

Ich persönlich glaube, dass spätestens seit der von den USA ausgehenden Finanzkrise ab 2007 eine “Rückkehr des Meisters” (So der Titel eines sehr guten Buches des führenden Keynes-Spezialisten Robert Skidelsky) klar angesagt ist. (Seht hierzu meinen Blogartikel zu diesem sehr guten Buch: “Robert Skidelsky: Keynes – The Return of the Master“).

Aber es gibt vielleicht auch weltweite wirtschaftliche Phasen, da passen eher die neoliberalen Konzepte von Friedrich Hayek. (Man könnte zumindest darüber diskutieren).

Da Friedrich August von Hayek unter anderem auch einige Zeit Professor an der Uni Freiburg war, hat die Freiburger “Badische Zeitung” im April 2009 einen längeren Artikel zu John Maynard Keynes und Friedrich August von Hayek herausgebracht mit dem Titel “Hayek oder Keynes? Das Duell der alten Meister“. Auf den Inhalt dieses Artikels gehe ich jetzt nicht ein, ich bin mit dem meisten, was hier gesagt wird, eher nicht einverstanden.

Nun, ich favorisiere eindeutig John Maynard Keynes, weil meiner Meinung nach die weltweite Keynesianische Theorie und Praxis (Keynesianische Revolution) zwischen ca. 1945 bis in die siebziger Jahre erfolgreicher war als die ab den frühen achtziger Jahren welweit folgende neoliberale Theorie und Praxis.

Un der Keynesianismus zielt vor allem darauf ab, die Bildung einer breiten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mittelschicht in den Wirtschaftsräumen zu begünstigen, in denen die Keynesianischen Konzepte angewendet werden.

Das heisst, die Konzepte von John Maynard Keynes zielten immer darauf ab, breite, finanziell gut gestellte Mittelschichten “zu erzeugen“, die über eine hohe Kaufkraft verfügen (was für eine hohe Nachfrage sorgt. Das heisst der Keynesianismus ist eher nachfrage- als angebotsorientiert)..

Im neoliberalen System – zumindest in dieser trashigen, vulgärneoliberalen Form wie wir sie jetzt spätestens seit der rot-grünen Regierung unter Gerhard Schröder (1998-2005) in Deutschland haben – brechen die Mittelschichten einfach weg.

Denn das aktuelle neoliberale in Deutschland System favorisiert eine kleine, sehr reiche Oberschicht von Besitzern von Vermögensanlagen, Unternehmern und Spitzenverdienern. Die Mittelschichten brechen daher weg und die Unterschichten nehmen ebenfalls massiv zu.

Hier habt ihr einen Artikel aus “Welt-Online” vom Jahr 2008 mit dem Titel “Die deutsche Mittelschicht droht wegzubrechen“.

In diesem Artikel heisst es: “Düstere Prognose für Deutschland im Jahr 2020: Eine breite Mittelschicht wird es nicht mehr geben. Weniger als 50 Prozent der Bevölkerung werden in der Lage sein, ein Einkommen auf Durchschnittsniveau zu erzielen. Schuld ist das geringe Wirtschaftswachstum der vergangenen 15 Jahre.”

Auf die in diesem Artikel angebotenen Lösungsvorschläge gehe ich jetzt hier nicht ein.

Hier habt ihr einen anderen Artikel aus “Spiegel-Online” vom Jahre 2010 mit dem Titel “Bröckelnde Mittelschicht: Soziologen fürchten Erosion der Gesellschaft“.

In diesem Artikel heisst es: “Am Dienstag hat eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) die Debatte neu belebt. In einer Langzeiterhebung stellten die Autoren fest, dass die deutsche Gesellschaft im ersten Jahrzehnt des dritten Jahrtausends rapide auseinandergedriftet ist. Im Jahr 2000 gehörten noch 18 Prozent der Bevölkerung zur Unterschicht, also zu jenen, die weniger als 70 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung haben. 2009 waren es schon fast 22 Prozent. Die Gruppe der Wohlhabenden, die mehr als 150 Prozent des mittleren Einkommens ausgeben können, sei dagegen von 16 Prozent auf 19 Prozent gewachsen (siehe Grafik in der linken Spalte).

Doch damit nicht genug: Denn es wandern nicht nur Tausende Personen von der Mittel- in die Unter- und Oberschicht, auch das Lohngefälle nimmt zu. Die Ärmeren haben immer weniger Geld, die Reicheren immer mehr.

Was das DIW nicht erwähnt: In fast allen industrialisierten Staaten driftet die Gesellschaft auseinander, nicht nur in Deutschland. (…). Dennoch: Die meisten Experten sind beunruhigt über die Entwicklung in Deutschland. “Zwar ist die gesellschaftliche Polarisierung in Ländern wie Lettland oder Portugal viel größer”, sagt Rudolf Hickel, Ökonom an der Uni Bremen. “Aber die Geschwindigkeit, mit der die deutsche Mittelschicht wegbröckelt, hat bedenklich zugenommen.”

Und die Erosion der deutschen Gesellschaft könnte weiter fortschreiten. Laut einer Erhebung der Unternehmensberatung McKinsey könnten bis 2020 zehn Millionen Deutsche aus der Mittelschicht abgestiegen sein. Weniger als 50 Prozent der Bevölkerung würden dann ein Einkommen auf Durchschnittsniveau erzielen. “Das zerstörerische Potential gesellschaftlicher Polarisierung ist enorm”, sagt Hickel”.

Zur wachsenden Einkommensschere in Deutschland habt ihr zum Beispiel einen Artikel aus dem Jahr 2011 in “Welt-Online” mit dem TitelEinkommensschere geht in Deutschland auseinander.”

Hier habt ihr einen Artikel aus dem “Manager-Magazin” aus dem Jahre 2010 mit dem Titel “Einkommensschere: Mittelschicht schrumpft.”

Grund für diese Entwicklung einer Erosion der Mittelschicht und einer zunehmenden Einkommensschere ist übrigens nicht nur das geringe Wirtschaftswachstum.

Hier habt ihr eine Grafik zur Entwicklung des realen Wirtschaftswachstums in Deutschland im Zusammenhang mit dem Bruttoinlandsprodukt. Das sieht ab 1992 wirklich sehr bescheiden aus und ist gar nicht vergleichbar mit den Zahlen, die wir in der “Keynesianischen Phase” bis Mitte der siebziger Jahre hatten. Selbst in den achtziger Jahren sah es noch wesentlich besser aus. Seht hierzu auch den Wikipedia-Artikel mit dem Titel “Bruttoinlandsprodukt“.

Hinzu kam bei dieser Entwicklung vor allem, dass auch die Prinzipien einer vernünftigen Verteilungsgerechtigkeit in Deutschland spätestens seit der rot-grünen Regierung unter Gerhard Schröder (1998-2005) völlig aufgegeben wurden.

Das ganze Steuersystem in Deutschland wurde ab der rot-grünen Regierungskoalition von Gerhard Schröder (1998-2005) zugunsten der Unternehmen, der Inhaber von Vermögensanlagen und der sehr gut verdienenden Oberschichten komplett umgebaut.

Damit wurde aber auch die Einnahmenseite des deutschen Staates massiv beschädigt und reduziert und die Unter- und Mittelschichten werden dadurch massiv benachteiligt. Siehe hierzu unter anderem nochmals meinen Blogartikel “Der `deutsche Sparwahn´: Dumm und verlogen“, in dem ich über dieses Zusammenschrumpften der staatlichen Einnahmenseite seit der rot-grünen Regierungskoalition von Gerhard Schröder (1998-2005) ausführlich berichte.

In den USA unter Ronald Reagan (Reagonomics oder “voodoo-economics“), George H.W. Bush und vor allem dann unter George W. Bush (“Bush tax cuts“) war die Entwicklung übrigens ganz ähnlich.

George W. Bush hat unter anderem massive Steuergeschenke (“Bush tax cuts“) an die superreiche amerikanische Oberschicht gemacht und die amerikanische Mittelklasse ist einfach zunehmend weggebrochen, bei einer gleichzeitig stark wachsenden amerikanischen Unterschicht.

Hier habt ihr einen Artikel auf der Website “My budget 360.com” mit dem Titel “The Devaluation and Fight for Survival of the American Middle-Class“.

Dieser Artikel stellt für die USA die gleiche Diagnose, die ich schon für Deutschland gestellt habe: Die amerikanische Mittelklasse bricht weg, die Unterklasse in den USA wächst, und 1% der Gesellschaft in den USA besitzt 42% des gesamten amerikanischen Vermögens. In diesem Artikel findet ihr zahlreiche Tabellen, die diese Entwicklung gut verdeutlichen.

Hier habt ihr den englischen Wikipedia-Artikel zur “American middle class“. In diesem Artikel gibt es einen ganzen Abschnitt mit dem Titel “Middle class squeeze“. Dort wird berichtet, wie die amerikanischen Mittelklasse seit 1980 (seit Ronald Reagan!) zunehmend massiv zusammengeschrumpft ist.

Hier habt ihr den englischen Wikipedia-Eintrag zum Thema “Income inequality in the United States“.

In diesem Artikel heisst es: “Data from a number of sources indicate that income inequality over all has grown significantly since the late 1970s,  after several decades of stability. While inequality has risen among most developed countries, and especially English-speaking ones, it is highest in the United States”.

Zurück zu George W. Bush: Bei George W. Bush kommt noch der verrückte “War On Terrorism” mit dem Krieg in Afghanistan (Krieg in Afghanisten seit 2001) und im Irak (Irakkrieg) dazu. Auch das hat wahnsinnig viel Geld gekostet und gar nichts gebracht.

Joseph Stiglitz schätzt die realen Kosten des Irakkriegs auf über 3 Billionen (!) Dollar ein (Seht hierzu einen Artikel aus der “Washington Post” vom September 2010 mit dem Titel “The true cost of the Iraq war: $3 trillion and beyond“).

Die Entwicklung in den USA war also durchaus in gewisser Weise parallel zur deutschen Entwicklung, in gewisser Weise noch verschärft durch die Tatsache, dass das amerikanische Sozialsystem wenig leistungsfähig ist (Seht hierzu einen Artikel in der Frankfurter Rundschau vom Juli 2011 mit dem Titel “Amerikanisches Sozialsystem: Armutszeugnis“)

Hinzu kommt, dass es in Amerika bisher nicht mal ein öffentliches Gesundheitssystem gab, das für alle zugänglich ist. Barack Obama hat versucht, dies mit seinem Patient Protection and Affordable Care Act zu ändern.

Und hinzu kommt in den USA noch eine im Jahre 2007 geplatzte Immobilienblase. Die Folge dieser geplatzten amerikanischen Immobilienblase war die Finanzkrise ab 2007.

Insofern hat Barack Obama wirklich Pech gehabt, er hat einen Riesenpacken Aufgaben zu bewältigen. George W. Bush hat in den USA ein wahnwitziges Desaster hinterlassen.

Von allen neoliberalen US-Präsidenten seit Ronald Reagan war George W. Bush wohl der schlimmste (Hier habt ihr eine Liste der Präsidenten der Vereinigten Staaten).

Die Konzepte von Friedrich von Hayek  und vor allem der konkret seit Ronald Reagan und Margaret Thatcher weltweit implementierte “TrashVulgärNeoliberalismus” begünstigen meiner Meinung nach eindeutig eine schmale, superreiche Oberschicht in den jeweiligen Gesellschaften, in der dieser “Trash-Vulgär-Neoliberalismus” implementiert wird.

Und zumindest in der Form, wie die Rezepte von Friedrich August von Hayek und der neoliberalen Theoretiker insgesamt in Deutschland ab der rot-grünen Regierungskoalition unter Gerhard Schröder konkret umgesetzt wurden (das war natürlich ein extrem trashiger VulgärNeoliberalismus), waren diese Rezepte in Deutschland und nicht wirklich erfolgreich (siehe hierzu nicht zuletzt meinen Blogartikel “Der deutsche `Sparwahn´: Dumm und verlogen“).

Und die Folgen dieser deutschen neoliberalen Wirtschaftspolitik spätestens seit der rot-grünen Regierung unter Gerhard Schröder (1998-2005) für die Euro-Zone sehen wir genau jetzt.

Um zum Keynesianismus zurück zu kommen: In Deutschland haben wir praktisch keinen Keynesianer, der einen Lehrstuhl für Volkswirtschaft an irgendeiner deutschen Universität inne hätte.

Der einzig wirklich bekannte deutsche Volkswirtschaftler, der in Deutschland einen Lehrstuhl für Volkswirtschaft (Universität Würzburg) inne hat und der vom Keynesianismus beeinflusst ist, ist der “WirtschaftsweisePeter Bofinger.

Und Peter Bofinger war auch der einzige deutsche “Wirtschaftsweise“, der eindeutig schon seit langer Zeit davor gewarnt hat, Griechenland “kaputtzusparen“.

Zum Beispiel im Januar dieses Jahres hat Peter Bofinger in einem Artikel in “Welt Online” mit dem Titel “Wirtschaftsweiser sieht Griechenland im freien Fall” verlautbaren lassen: “Trotz der erfolgreichen Anleihe-Auktionen von Italien und Spanien sieht der Wirtschaftsweise Peter Bofinger keinen Grund für Entwarnung. Besonders Griechenland gebe Anlass zur Sorge. „Griechenland ist im freien Fall“, sagte das Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung der „Passauer Neuen Presse“. „Das Land spart in die Rezession hinein und verschärft sie dadurch immer weiter.“

Und genau so ist es gekommen.

Peter Bofinger hat was auf dem Kasten, das hat er auch im Fall der “Griechischen Finanzkrise” wieder mal bewiesen.

Und der zweite wichtige deutsche Volkswirtschaftler, der stark vom Keynesianismus beeinflusst ist, heisst Heiner Flassbeck. Und auch Heiner Flassbeck hat schon lange vor der kommenden Entwicklung im Fall der Griechischen Finanzkrise und der Euro-Krise gewarnt.

Und Heiner Flassbeck hatte trotz seiner hervorragenden wirtschaftswissenschaftlichen Kenntnisse nie einen Lehrstuhl für Volkswirtschaft in Deutschland, sondern war nur ein Jahr lang Staatssekretär im Bundesministerium für Finanzen.

Seit Januar 2003 ist er Chef-Volkswirt (Chief of Macroeconomics and Development) bei der UNO-Organisation für Welthandel und Entwicklung (UNCTAD) in Genf.

Warum war Heiner Flassbeck nur ein Jahr lang Staatssekretär im Bundesministerium für Finanzen?

Ganz einfach: Weil er der wichtigste Berater für wirtschaftswissenschaftliche Fragen und Wirtschaftpolitik von Oskar Lafontaine war.

Und als Oskar Lafontaine wegen seiner Auseinandersetzungen mit Gerhard Schröder aus dem Kabinett Schröder I austrat und seinen Job als Bundesminister für Finanzen hinschmiss, musste natürlich auch Heiner Flassbeck gehen.

Was hatte denn Oskar Lafontaine damals als Bundesminister der Finanzen vor? Das wird im Wikipedia-Artikel zu Oskar Lafontaine erklärt.

In diesem Artikel heisst es: “Nach dem Wahlsieg wurde Lafontaine am 27. Oktober 1998 zum Bundesminister der Finanzen im Kabinett Schröder I ernannt. Er erreichte nach anfänglicher Ablehnung Schröders eine Kompetenzerweiterung für sein Ressort, in das u.a. das Referat für den Jahreswirtschaftsbericht aufgenommen wurde. Damit wurde das Finanzministerium dem Vorbild des britischen Treasury (Schatzamt) angeglichen, um eine keynesianische (konsumorientierte) Fiskalpolitik zu ermöglichen”.

Der Begriff “konsumorientiert” ist etwas irreführend. Die treffende Bezeichnung wäre eigentlich “nachfrage- und wachstumsorientiert“.

Und wie hat Gerhard Schröder (“Der Genosse der Bosse”) auf diese Pläne von Oskar Lafontaine reagiert?

Auch das erfahren wir aus dem Wikipedia-Artikel zu Oskar Lafontaine: “Am 10. März 1999 erklärte Schröder bei einer Kabinettssitzung, eine wirtschaftsfeindliche Politik sei „mit ihm nicht zu machen“. Am Folgetag stand in der Bildzeitung, er habe mit Rücktritt gedroht und besonders Lafontaine angegriffen – nach dessen Angaben galt die Kritik jedoch Umweltminister Jürgen Trittin und Familienministerin Christine Bergmann. Ein Dementi der Rücktrittsdrohung durch den Kanzler erfolgte nicht. Für den 11. März war ein G33-Seminar zur internationalen Finanzarchitektur auf dem Petersberg bei Bonn angesetzt, von dem sich die deutsche Seite erhebliche Fortschritte für die Reform des Währungssystems versprach. Am gleichen Tag, dem 11. März 1999 erklärte Lafontaine seinen Rücktritt vom Amt des Bundesfinanzministers. Zugleich legte er den Vorsitz der SPD und sein Bundestagsmandat nieder. In einer kurzen Presseerklärung drei Tage darauf begründete er diesen Rückzug aus allen Ämtern mit dem „schlechten Mannschaftsspiel“ in der Regierung. Näheres wolle er nicht mitteilen, um der Regierung nicht zu schaden”.

So, für den “Genossen der BosseGerhard Schröder war Oskar Lafontaines Keynesianismus einfach “wirtschaftsfeindlich(?!).

Hier habt ihr einen Artikel mit dem Titel “Heiner Flassbeck zur aktuellen Eurokrise und zur Marktwirtschaft des 21. Jahrhunderts” vom Dezember vergangenen Jahres in den “Nachdenkseiten” zu Heiner Flassbecks Lösungsvorschlägen hinsichtlich der Euro-Krise, gerade auch in Südeuropa (Griechenland, Portugal, Spanien, Italien).

Und in diesem Artikel heisst es: “Für Heiner Flassbeck gibt es nur eine zielführende Lösung der Eurokrise: „Kurzfristig sind die Zinsdifferenzen durch eine gemeinsame, von allen EWU-Ländern getragene Euroanleihe zu beseitigen, und es muss verhindert werden, dass die angeschlagenen Defizitländer durch ein kontraproduktives Kaputtsparen der öffentlichen Haushalte in eine weitere Rezession abgleiten. Gleichzeitig muss den Finanzspekulanten das Handwerk gelegt werden.“

Und: „Will man den Euro – und mit ihm das ganze europäische Projekt – retten, gibt es mittel- und langfristig nur einen einzigen Ausweg: Die Wettbewerbsfähigkeit der Länder mit Auslandsschulden muss wiederhergestellt werden und die außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte müssen beseitigt werden. Das kann innerhalb der EWU nur durch eine Umkehr der Lohnstückkostenpfade erreicht werden: Deutschland braucht stärker steigende Lohnstückkosten als die EWU-Partner, die Südeuropäer dagegen unterdurchschnittliche.“ (S. 214f.) So lautet das Resümee in Flassbecks neuem Buch „Die Marktwirtschaft des 21. Jahrhunderts“.

Tja, das wäre wohl ein wirklich intelligentes Konzept gewesen, wenn ich das jetzt so lese.

Dieses Rezept zur Lösung der Probleme der südeuropäischen Krisenländer von Heiner Flassbeck klingt für mich vernünftig und hätte wohl auch funktionieren können.

Das Buch von Heiner Flassbeck “Die Marktwirtschaft des 21. Jahrhunderts” habe ich übrigens gelesen. Es ist ein ziemlich polemisches, aber auch intelligentes und gutes Buch (Seht hierzu eine Rezension dieses Buches mit dem Titel “Die EU schafft sich ab” vom November 2010 auf “literaturkritik.de” von Laslo Scholtze).

Als ein weiterer Keynesianer ist auch noch Gustav A. Horn vom gewerkschaftsnahen IMK in Deutschland bekannt.

Aber: Für Angela Merkel, Wolfgang Schäuble, Guido Westerwelle sind Heiner Flassbeck und Oskar Lafontaine und Keynesianer allgemein insgesamt sicherlich genauso wie für seinerzeit Gerhard Schröder einfachWirtschaftsfeinde“.

So einfach machen es sich die aktuelle schwarz-gelbe Regierungskoalition unter Angela Merkel und die deutschen “Trash-Vulgär-Neoliberalen” insgesamt seit den Zeiten Gerhard Schröders.

Dass Gerhard Schröder übrigens Bundeskanzler wurde, verdankt er im übrigen vor allem einem Mann: Dem HannoveranerFinanzhai” und ehemaligen Chef des Finanz-Strukturvertriebs AWD Carsten Maschmeyer, dem “Chef” und “Häuptling” der sogenannten “Hannover-Connection” (Seht hierzu einen Artikel aus Focus “Wulffs Hannover-Connection: Maschmeyer kennt sie alle“).

Seht hierzu auch einen Artikel aus der “Süddeutschen Zeitung” mit dem Titel “Carsten Maschmeyer und die Hannover-Connection: Wulffs Revier“.

Und warum Carsten Maschmeyer die Strippen gezogen und Gerhard Schröder politisch “hochgepusht” hat, wird in diesem Artikel klar gesagt: “So wollte Maschmeyer den ihm viel zu links orientierten Oskar Lafontaine als SPD-Kanzlerkandidaten verhindern, was ja auch klappte: Schröder wurde Regierungschef der Republik”.

Das heisst, die pickelharte, dogmatische und doktrinäre neoliberale Wirtschaftspolitik in Deutschland (und seit der Euro-Krise in allen Euro-Krisenländern, vor allem auch in den südeuropäischen Krisenländern) verdanken wir im wesentlichen auch einem undurchsichtigen und windigen Finanzhai aus Hannover namens Carsten Maschmeyer.

Ohne Carsten Maschmeyer hätte sich der damalige Sympathieträger Oskar Lafontaine wohl durchsetzen und Bundeskanzler werden können.

In diesem Artikel aus der Süddeutschen mit dem Titel “Carsten Maschmeyer und die Hannover-Connection: Wulffs Revier” heisst es: “Dem Sozialdemokraten Gerhard Schröder, einem langjährigen Wulff-Antipoden, hat er 1998 im damaligen Landeswahlkampf auch eine Anzeigenserie spendiert, für 650.000 Mark, und zwar mit der griffigen Aussage: “Der nächste Kanzler muss ein Niedersachse sein.” So wollte Maschmeyer den ihm viel zu links orientierten Oskar Lafontaine als SPD-Kanzlerkandidaten verhindern, was ja auch klappte: Schröder wurde Regierungschef der Republik. Seinen Gönner, der eigentlich unbekannt bleiben wollte, hat der Kanzler dann vor zehn Jahren bei einer Weihnachtsfeier kennengelernt und 2004 auf einer AWDVeranstaltung die Ehre gegeben, was die anwesenden Vertriebsleute verzückte. Nach Schröders Abwahl 2005 half Maschmeyer dem Politiker noch mal bei dessen Memoiren “Entscheidungen – mein Leben in der Politik”. Der Unternehmer kaufte kurzentschlossen dem Altkanzler die Verwertungsrechte für eine Million Euro ab und machte damit, in trauten Zusammenspiel mit dem Hamburger Verlag Hoffmann und Campe, ein ganz wunderbares Geschäft”.

Wenn euch das Thema “Carsten Maschmeyer” und die “Hannover-Connection” interessiert, dann lest mal meinen Blogartikel “Carsten Maschmeyer: Der `Drückerkönig´des AWD” durch.

Um nun auf die USA zurückzukommen: In den USA haben sich die Keynesianer übrigens parallel zu den Neoliberalen immer halten können.

Die berühmtesten keynesianischen Lehrstuhlinhaber in den USA sind wohl die beiden “New KeynesiansPaul Krugman und Joseph Stiglitz. (Beide Wirtschaftsnobelpreisträger). Aber das sind lange nicht die einzigen amerikanischen Ökonomen, die vom Keynesianismus beeinflusst sind.

Ich erkläre das alles nur, damit ihr versteht, warum die meisten deutschen Politiker in der Regel grundsätzlich gar nicht die keynesianischen Rezepte zur Lösung von wirtschaftlichen Krisen (nicht zuletzt vor allem in Rezessionsphasen) beachten.

Wenn es in Deutschland kaum mehr führende Wirtschaftswissenschaftler (vor allem Lehrstuhlinhaber) gibt, die vom Keynesianismus beeinflusst sind, dann braucht sich auch niemand wundern, wenn kaum ein deutscher Politiker “keynesianisch” denkt.

In den USA ist das anders: Viele amerikanischen Politiker, vor allem die Politiker der “Demokratischen Partei“, aber sogar auch einige Politiker von der konservativen “Republikanischen Partei“, denken durchaus auch immer ein Stück weit keynesianisch im Sinne der “mainstream economics“.

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