Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 184

Ein interessanter Artikel ist am 30.10.2012 mit dem Titel “Star-Investor George Soros: „Wir können die Schulden nicht wegschrumpfen“ im “Handelsblatt” erschienen.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Investor, Milliardär, Philanthrop – es gibt viele Möglichkeiten, George Soros zu beschreiben. Seit sich Europa vor allem mit der Schuldenkrise beschäftigt, ist Soros jedoch vor allem eines: Ein Kritiker des Systems, wie die EU die Krise managt. (…).

Die Politik, sagt er, wirke kontraproduktiv. Alle sparen. “Wir können die Schulden nicht wegschrumpfen.” Um jedes Prozent, um dass das Defizit reduziert wird, geht auch die Wirtschaftsleistung um mehr als ein Prozent zurück.

Je weniger Defizit, um so mehr Arbeitslose werde es geben und die Schulden steigen weiter. “Wir müssen einen gewissen Grad an Inflation akzeptieren. Aber das ist ein Schreckgespenst für die Deutschen”, klagte Soros. Um die Krise wirklich zu bekämpfen brauchen wir zwei Prozent Wachstum und drei Prozent Inflation. “Das erfordert ein Umdenken in Deutschland. (…).

Auf Deutschland als Helfer sei in der Eurokrise kein Verlass. Soros wiederholte seine Forderung, dass die Deutschen den Euroraum besser verlassen sollten. Das Land tue stets nur das Notwendige und keinen Deut mehr. Damit habe es den Euro geschwächt und manche Industriestaaten in den Status von Dritte-Welt-Staaten verwandelt. Die Wahlen in Deutschland im nächsten Jahr verschärften das Problem”.

Tja, ich kann George Soros hier in allem nur recht geben. Und die Sache mit dem in Zukunft zur Lösung der Eurokrise notwendigerweise zu erzielenden Wachstum einschliesslich einer etwas höheren Inflation als bisher sieht Paul Krugman übrigens ganz ähnlich.

Seht hierzu zum Beispiel einen Interview vom 23.5.2012 mit dem Titel “Paul Krugman on Euro Rescue Efforts ‘Right Now, We Need Expansion’” in “Spiegel Online International“.

In diesem Interview stellt Paul Krugman unter anderem fest:

“SPIEGEL: What do you want the ECB and the German government to do?

Krugman: First of all, give the green light to the ECB and say: Price stability is the mandate, but it’s not defined. So the reality is we’re going to need to see 3-plus percent inflation over the next five years. No more tightening, no more raising interest rates at the first hint of inflation, even if it’s obviously a commodity blip. If anything, cut interest rates. Open-ended lending to governments and banks.

SPIEGEL: And Berlin …

Krugman: … should not be doing austerity in Germany. I’m tempted to add that I wish for all of that and a pony as long as we’re wishing for things we don’t expect to get.

SPIEGEL: And maybe that’s a good thing. Because 4 or 5 percent inflation may be fine for a short while, but how do you make sure that it doesn’t rise to 7 and 8 percent or more once the expectation is there?

Krugman: It’s not actually hard. Just raise interest rates once it’s creeping up to the level you don’t like. I mean, people have the notion that inflation just explodes out of nowhere. It just isn’t true. It just hasn’t happened. If you actually look at the histories of the inflations that we’ve had, hyperinflations come from a very different story. They come from governments that can’t raise revenue and just rely on the printing press.

SPIEGEL: But if inflation really isn’t that big of a problem, why is everybody so afraid of it?

Krugman: For one, it’s that central-banker culture. Central bankers almost define themselves that way. Their job is to take away the punchbowl just as the party really gets going. And, in the current circumstance, they seem to be eager to take away the punchbowl even though there isn’t any party to begin with. Plus, in Germany, you have this weirdly lopsided historical memory where everyone remembers 1923, everybody remembers Weimar. And nobody remembers Chancellor Brüning (Germany’s chancellor from 1930 to 1932, who pushed austerity measures)”.

Tja, über diese seltsame deutsche Amnesie in Sachen Deflationspolitik (die im Kern eine Austeritätspolitik war) von 1930 bis 1932 des damaligen Reichskanzlers Heinrich Brünings während der Weimarer Republik hat Joschka Fischer im Mai 2012 einen sehr intelligenten Artikel mit dem Titel “The Threat of German Amnesia” unter anderem in “Projekt Syndicate” veröffentlicht.

Wer Paul Krugmans Vorstellungen von einer möglichen zukünftigen erfolgreichen EZB-Politik auf eine volkswirtschaftlich und finanztechnisch noch genauer erläuterte Weise kennen lernen will, der sollte sich mal in Ruhe den Artikel vom 29.7 mit dem Titel “Internal Devaluation, Inflation, and the Euro (Wonkish)” in Paul Krugmans Blog “The Conscience of a Liberal” durchlesen.

Und wenn ihr diesen Artikel mit dem Titel “Internal Devaluation, Inflation, and the Euro (Wonkish)” von Paul Krugman in einer ins Deutsche übertragenen Version kennenlernen wollt, dann lest den Artikel vom 30.7. mit dem Titel “Internal Devaluation und Inflation im Euroraum” in “Acemaxx-Analytics” durch.

Mittlerweile ist George Soros der Meinung, dass Deutschland alternativ auch einfach die Eurozone verlassen könne, falls Deutschland nicht bereit sei, eine andere Politik als bisher zu betreiben.

Seht hierzu auch meinen Blogeintrag “Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 179“.

Seht hierzu auch den Artikel vom 9.9.2012 mit dem Titel “Appell des US-Großinvestors George Soros: Deutschland soll Euro-Raum führen oder verlassen” in “Focus“.

Seht hierzu auch den Artikel vom 16.10.2012 mit dem Titel “Radikaler Plan von Investor-Ikone George Soros: `Deutschlands Austritt aus dem Euro löst die Probleme´” in “Focus“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Der US-Großinvestor George Soros schlägt eine radikale Lösung der Euro-Schuldenkrise vor. Sollte Deutschland den Euro-Raum verlassen, „würde sich das Problem in Luft auflösen“, sagte Soros am Montag (Ortszeit) bei einem Treffen von Ökonomen in New York. In dem Falle würde der Euro an Wert verlieren und sich die Zinsen der dramatisch verschuldeten Staaten anpassen.
Bereits im September hatte der Philanthrop Deutschland dazu aufgefordert, seiner Führungsrolle in der EU gerecht zu werden oder auszutreten. „Deutschland muss entscheiden, ob es wohlwollender Hegemon werden will oder den Euro verlassen möchte“, hatte der 82-jährige Multimilliardär angemahnt.

Sollte den hochverschuldeten Ländern, wie Griechenland, nicht stärker geholfen werden, werde es zu einer längeren Depression in Europa kommen, warnte Soros. Es sei Deutschlands Aufgabe, den Krisenländern dabei zu helfen, aus dem Teufelskreis von zu hoher Verschuldung und wirtschaftlicher Talfahrt herauszukommen.
Den derzeitigen Kurs Deutschlands kritisierte der Großinvestor dabei scharf. Er führe zu politischen und sozialen Konflikten und schließlich zum Zusammenbruch nicht nur des Euro, sondern der gesamten Europäischen Union”.

Einen anderen Vorschlag habe ich hier ja auch schon präsentiert: Den von Heiner Flassbeck, der meint, die südeuropäischen Krisenstaaten sollten einfach aus der Eurozone austreten und einen Südblock mit einem Süd-Euro bilden oder einfach zu ihren jeweiligen früheren Währungen zurückkehren (Drachme, Escudo, Peseta, Lira).

Seht hierzu auch meinen Artikel “Heiner Flassbecks Lösungsvorschlag: Trennt Euch!“.

Ein ausführlicher Essay von George Soros mit dem Titel “Starinvestor George Soros `Deutschland muss führen oder aus dem Euro austreten´” wurde am 9.9.2012 in “Spiegel Online” veröffentlicht.

Ich habe diesen Essay von George Soros durchgelesen. Er ist in seiner Analyse ebenso wie von seinen Schlussfolgerungen her brilliant. Daher werde ich hier nicht ausführlich aus diesem Essay zitieren. Lest ihn selbst in Ruhe durch. Ich kann hier im wesentlichen nur alles unterstreichen, was George Soros hier schreibt.

Ich möchte hier nur zwei zentrale Aussagen von George Soros in diesem Essay mit dem Titel “Starinvestor George Soros `Deutschland muss führen oder aus dem Euro austreten´” präsentieren:

Erstens:Zu jedem Zeitpunkt in den vergangenen drei Jahren hätte die Krise verhältnismäßig einfach und billig gelöst werden können, schreibt Soros. Aber auch weil Deutschland nicht in der Lage gewesen sei, “über den Tellerrand zu blicken”, hätten sich die Probleme immer weiter verschärft. Europa habe immer nur “das notwendige Mindestmaß getan, um den Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern”. Das räche sich jetzt. Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) vom vergangenen Donnerstag, unbegrenzt Staatsanleihen aufzukaufen, werde die dauerhafte Spaltung der Euro-Zone in Schuldner- und Gläubigerstaaten nicht verhindern”.

Zweitens:Deutschland muss entscheiden, ob es ein wohlwollender Hegemon werden will oder den Euro verlassen möchte. Was würde das bedeuten? Einfach gesagt: Es bedürfte neuer Ziele, die von den aktuellen Strategien abweichen.

  • Die Herstellung mehr oder weniger gleicher Bedingungen zwischen Schuldner- und Gläubigerländern. Das würde bedeuten, dass diese Länder ihre Staatsschulden zu beinahe gleichen Bedingungen refinanzieren könnten.
  • Die Zielsetzung eines nominalen Wachstums von bis zu fünf Prozent, so dass Europa seine exzessive Schuldenlast durch Wachstum abbauen kann. Das wird eine höhere Inflation erfordern, als die Bundesbank wahrscheinlich zu tolerieren bereit ist. Darüber hinaus könnte es auch eine Vertragsänderung und eine Änderung der deutschen Verfassung nötig machen.

Diese beiden Ziele sind erreichbar, allerdings nur, wenn man beträchtliche Fortschritte in Richtung einer politischen Union erzielt”.

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