Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 181

Und die Austeritätspolitik sollte man endlich aufgeben. Von einer Austeritätspolitik in ökonomischen Krisenzeiten hält ein “New Keynesian” grundsätzlich nichts. Im Keynesianismus versucht man zu sparen und Schulden abzubauen, wenn die Wirtschaft gut läuft.

Das ist aber keinem der PIIGS-Staaten der Fall. Alle diese Länder sind wirtschaftlich in schlechtem Zustand oder leiden sogar unter anderem auch noch unter den Folgen massiver Spekulationsblasen wie im Fall von Irland und Spanien, wo jeweils als ein wichtiger Auslöser der Krise ihres Landes vorher eine Immobilienblase geplatzt ist. Beide Länder waren auch ein typisches Beispiel für die sogenannte neoliberale “Bubble Economy“.

Versucht man in wirtschaftlich schon deutlich angeschlagenen Ländern eine Austeritätspolitik durchzuführen, klappen solche Länder womöglich wirtschaftlich völlig zusammen. Und das ist es auch, was wir seit Einsetzen dieser Austeritätspolitik in den südeuropäischen PIIGS-Staaten im wesentlichen beobachten können. Alle diese südeuropäischen PIIGS-Staaten haben sich in eine massive Rezession hineinbewegt.

Und auch in Irland läuft es eigentlich nicht viel besser. Hätte Irland nicht den massiven Standortvorteil, der sich aus seinem seit Mitte der neunziger Jahre sehr niedrigen Unternehmenssteuersätzen (aktuell einheitlich bei 12.5%) ergibt, wäre jetzt wohl auch Irland mehr oder weniger am Ende.

Seht hierzu ein PDF der Wirtschaftskammer Österreich mit den Steuersätzen der verschiedenen Länder in der EU-27 (Europäische Union) und EU-17 (Eurozone).

Im Prinzip müsste man alle diese PIIGS-Staaten erst wieder wirtschaftlich ankurbeln. Und sollte dies dann Erfolg haben und sollten diese PIIGS-Staaten dann wieder ein deutliches Wachstum erzielen, wären sie wohl auch in der Lage, langsam ihre Schulden wieder abzubauen, bzw. zurückzuzahlen.

Die beiden bekanntesten “New Keynesians” zur Zeit sind Joseph Stiglitz und Paul Krugman (beide Wirtschaftsnobelpreisträger). Und beide halten den Austeritätskurs in dieser Eurokrise schon seit langer Zeit schlicht für selbstmörderisch.

Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 17.1.2012 mit dem Titel “Stiglitz says European austerity plans are a ‘suicide pact’” im britischen “The Telegraph“.

In diesem Artikel erfahren wir unter anderem: “Imposing austerity measures as countries slow towards recession is a fundamentally flawed response, said Mr Stiglitz, who won the Nobel prize in 2001 for his work on how markets work inefficiently.

“The answer, even though they see over and over again that austerity leads to collapse of the economy, the answer over and over [from politicians] is more austerity,” said Mr Stiglitz to the Asian Financial Forum, a gathering of over 2,000 finance professionals, businessmen and government officials in Hong Kong.

“It reminds me of medieval medicine,” he said. “It is like blood-letting, where you took blood out of a patient because the theory was that there were bad humours.

“And very often, when you took the blood out, the patient got sicker. The response then was more blood-letting until the patient very nearly died. What is happening in Europe is a mutual suicide pact,” he said”.

Keynesian economics, which require governments to help sustain demand, suggests that austerity measures should be imposed when an economy is booming, not waning”.

Tja, der “New KeynesianJoseph Stiglitz erklärt hier in einem schönen Bild (Irrtümer der mittelalterlichen Medizin – Der Aderlass), warum eine Austeritätspolitik in Ländern, die deutlich wirtschaftlich angeschlagen sind, nicht funktionieren kann. Und Joseph Stiglitz erläutert zugleich damit eine Kerneinsicht von John Maynard Keynes und ein wichtiges Prinzip der sogenannten Antizyklischen Finanzpolitik (die auf Keynes beruht).

Ihr werdet euch jetzt fragen: Wenn die Lösung so einfach ist, warum wird es nicht gemacht? Warum organisiert man dann unter anderem keine europäische Bankenunion und beendet endlich die unsinnige Austeritätspolitik in den PIIGS-Staaten?

Ganz einfach: Unter anderem deshalb, weil “madame nonAngela Merkel und die aktuelle deutsche schwarz-gelbe Regierungskoalition (Kabinett Merkel II) das nicht wollen.

Seht hierzu nochmals den Artikel vom 4.12.2012 mit dem Titel “Euro-Bankenaufsicht stockt – Juncker-Nachfolge unklar” im “Hamburger Abendblatt“.

Was wird langfristig die Folge von dieser deutschen Verweigerungshaltung sein? Nun, ganz einfach, die Risiken in dieser Eurokrise werden für alle beteiligten Länder in der Eurozone, auch für Deutschland, unaufhörlich weiter anwachsen. Die Kosten übrigens wahrscheinlich auch.

In Griechenland steht jetzt schon der zweite Schuldenschnitt bevor, der diesmal die staatlichen Gläubiger treffen wird, auch Deutschland. Deswegen versucht zur Zeit Wolfgang Schäuble diesen unvermeidlich kommenden griechischen Schuldenschnitt bis nach den nächsten deutschen Bundestagswahlen im Herbst 2013 zu verschieben.

Der IWF mit seiner aktuellen Chefin Christine Lagarde will diesen Schuldenschnitt unbedingt, weil Griechenland sonst kaum eine Chance haben wird, bei seinem derzeitig extrem hohen Schuldenstand wieder wirtschaftlich auf die Beine zu kommen.

Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 21.11.2012 “IWF bringt Bundesregierung zunehmend in Zugzwang” im “Wallstreetjournal”.

Seht zum griechischen Schuldenstand zum Beispiel die Graphik mit dem Titel “Griechenland: Staatsverschuldung von 2003 bis 2013 in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP)” in “Statista“.

Um auf Jens Wedmann zuückzukommen: Jens Weidmann kann über diesen “Teufelspakt” zwischen den südeuropäischen PIIGS-Staaten und ihren Banken soviel jammern, wie er will.

Seht hierzu nochmals den Artikel vom 23.11.2012 mit dem Titel “Schuldenkrise in Europa: Teuflischer Pakt zwischen Staaten und Banken” in “Spiegel Online“.

Seht zu dieser Sache nochmals den Artikel vom 26.11.2012 mit dem Titel “Vollgesaugt mit Staatsanleihen: Zombiebanken erpressen die Staaten mehr denn je” in “Focus“.

Auch Jens Weidmann ist in erster Linie ein “monsieur non“. Das haben wir schon im Fall des am 6.9.2012 vom EZB-Rat mit seiner Gegenstimme beschlossenen EZB-Programms “Outright Monetary Transactions” erlebt. Konstruktive Vorschläge hat Jens Weidmann offensichtlich keine, aus welchen Gründen auch immer.

Am Ende wird dann irgendwann mal vielleicht der Euro definitiv zerbrechen und die Eurozone auseinanderfliegen. Und die Verluste werden dann für alle Eurozonen-Länder riesig sein, gerade auch für Deutschland.

Zu den für Deutschland zu erwartenden Verlusten im Falle eines Austritts der südeuropäischen Krisenländer aus der Eurozone seht zum Beispiel den Artikel vom 17.10.2012 mit dem Titel “Prognos-Studie: Euro-Austritt der Krisenländer könnte 17 Billionen kosten” in der “Süddeutschen Zeitung“.

Und ein Austritt der südeuropäischen Krisenländer (Griechenland, Portugal, Spanien und Italien) aus der Eurozone wäre immerhin eine geregelte und kontrollierte Variante. Ein unkontrolliertes Auseinanderbrechen der Eurozone hätte wahrscheinlich noch dramatischere Folgen.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Mit der Idee eines Ausstiegs Griechenlands aus der Euro-Zone hatten immer wieder deutsche Politiker geliebäugelt: Markus Söder (CSU) etwa, Bayerns Finanzminister, hielt im Juli den Austritt für “zwangsläufig”. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) befand sogar, ein Ausstieg habe längst “seinen Schrecken verloren”.

Nun zeichnet eine Studie der Bertelsmann-Stiftung mal ein völlig anderes Szenario: Bei einem Austritt Griechenlands aus dem Euro hätten die wichtigsten Volkswirtschaften bis 2020 einen Verlust von 674 Milliarden zu tragen. Ein Ausstieg der Euro-Länder Spanien, Italien, Griechenland und Portugal könnte sogar bis zu 17,2 Billionen Euro an Wachstumsverlusten führen, schreibt die Stiftung.

Das höchste Minus beliefe sich in Frankreich auf 2,9 Billionen Euro, in den USA auf 2,8 Billionen Euro, der Verlust in China auf 1,9 und in Deutschland auf 1,7 Billionen Euro. Die wirtschaftlichen Einbußen in Deutschland wären dann mit 21.000 Euro pro Kopf teilweise noch höher als etwa in Griechenland mit mehr als 15.000 Euro. (…).

Die Studie basiert auf Berechnungen des Basler Forschungsinstituts Prognos. Es analysiert unter der Annahme eines griechischen Euro-Austritts sowohl finanzielle Folgen als auch Wachstumsverluste für Deutschland und andere wichtige Industrie- und Schwellenstaaten bis 2020. Um die Ausstiegskosten berechnen zu können, wurde für alle betroffenen Länder ein Schuldenschnitt von 60 Prozent bei privaten wie öffentlichen Gläubigern angenommen. Zusätzlich wurde eine Abwertung von 50 Prozent der jeweils neu eingeführten Währungen in den Austrittsländern gegenüber dem Euro unterstellt”.

Die in Basel ansässige Prognos AG ist eines der ältesten Wirtschaftsforschungs- und Beratungsunternehmen Europas und scheint seriös zu sein. Ein PDF der Bertelsmann-Stiftung mit dem Titel “Bertelsmann Prognos-Studie Austritt Südeuropa Eurozone” erläutert die Ergebnisse dieser Studie etwas genauer.

Seht zu dieser Studie auch den Artikel vom 17.10 mit dem Titel “Horrorszenario: Grexit könnte 17,2 Billionen Euro vernichten” im “Handelsblatt“.

Weiterhin erläuternd auch der Artikel vom 18.10 mit dem Titel “Studie Bertelsmann Stiftung: Euro-Austritt Griechenlands könnte weltweite Wirtschaftskrise auslösen” auf der Website der Initiative “Ich will Europa“. Diese Initiative wird von 11 deutschen Stiftungen getragen.

Seht zu dieser Prognos-Studie auch meinen Blogeintrag “Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 142“.

Deutschland geht es bisher in der Eurozone gut und Deutschland hat mehr zu verlieren als zum Beispiel die PIIGS-Staaten oder konkret ein Land wie Griechenland, das schon am Boden liegt.

Vor allem die südeuropäischen PIIGS-Staaten sind mittlerweile allgemein in einem Zustand, in dem der Euro eigentlich nur noch eine Belastung für sie ist. Wenn es so weiter geht, wird wohl kaum ein Südeuropäer dem Euro nachweinen, wenn er endlich zerbrochen sein sollte.

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