Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 179

Einen interessanten Artikel vom 23.11.2012 mit dem Titel “Schuldenkrise in Europa: Teuflischer Pakt zwischen Staaten und Banken” hat Stefan Kaiser in “Spiegel Online” veröffentlicht.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Es ist eine Art faustischer Pakt, den die Staaten mit den Banken geschlossen haben. Sie brauchen die Hilfe der Kreditinstitute, um weiter Schulden zu machen – und legen ihre Zukunft dabei in die Hände der Finanzmärkte. Nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) türmen sich in den Bilanzen der Euro-Banken Staatspapiere im Volumen von rund 1,6 Billionen Euro.

Ein drastisches Beispiel, wie der Staat sich von den Banken abhängig macht, lässt sich derzeit in Griechenland bestaunen. Obwohl das Land faktisch insolvent ist und an den Finanzmärkten keinen Kredit mehr bekommt, gelingt es ihm immer wieder, sich über Anleihen mit kurzer Laufzeit frisches Geld zu besorgen. Die Käufer der Papiere sind vor allem griechische Banken. Sie finanzieren ihren maroden Staat, weil sie dafür hohe Zinsen erhalten und weil sie die Papiere als Pfand bei der griechischen Zentralbank hinterlegen können, um dafür frisches Geld zu erhalten.

Auch viele spanische und italienische Banken sind bis oben hin vollgepumpt mit Staatsanleihen ihrer Länder. Sie haben sich massenhaft billiges Geld bei der Europäischen Zentralbank geliehen und einen Großteil davon in Staatspapiere investiert. Die betriebswirtschaftliche Logik dahinter ist klar: Während die EZB-Kredite nur ein Prozent Zinsen kosteten, bringen die Staatspapiere bis zu sechs Prozent Rendite.

Mittelfristig wird das für die Banken zu einem gewaltigen Problem: Sie türmen in ihren Bilanzen immense Risiken auf. “Für die Institute ist es wichtig, ihre Anlagen zu diversifizieren”, sagt Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft an der Universität Hohenheim. Mit den großen Beständen an Staatsanleihen würden sie zu einem Risiko für den gesamten Finanzsektor. Burghofs Fazit: “Wenn man möchte, dass das Bankensystem stabil ist, darf man es nicht als Vehikel zur Staatsfinanzierung missbrauchen.”

Tja, was Stefan Kaiser in seinem Artikel vom 23.11.2012 mit dem Titel “Schuldenkrise in Europa: Teuflischer Pakt zwischen Staaten und Banken” feststellt, ist natürlich korrekt. Das ist eine Art “Teufelspakt” vor allem zwischen den angeschlagenen PIIGS-Staaten und ihren jeweiligen nationalen Banken.

Und natürlich ist die Sache riskant. Stürzt der Staat definitiv, reisst er die eigenen nationalen Banken mit in den Abgrund.

Umgekehrt dürfen auch die nationalen Banken nicht fallen, weil sie sonst ihren jeweiligen Staat mit den Abgrund reissen würden. Also muss der jeweilige PIIGS-Staat seine nationalen Banken auf Teufel komm raus retten.

Im Fall der grossen PIIGS-Staaten Italien und Spanien (jeweils viert- und drittgrösste Ökonomie der Eurozone) könnte bei einem Crash des jeweiligen Landes und seiner Banken auch noch der ganze europäische Bankensektor massiv ins Wanken geraten.

Das alles ist ohne Zweifel ein riskanter Aberwitz.

Seht zu dieser Sache auch den Artikel vom 26.11.2012 mit dem Titel “Vollgesaugt mit Staatsanleihen: Zombiebanken erpressen die Staaten mehr denn je” in “Focus“.

In diesem Artikel findet ihr auch eine Graphik, wie hoch der Anteil der Staatsanleihen des jeweiligen Landes ist, der von den eigenen nationalen Banken gehalten wird.

Im Falle der nationalen Banken der südeuropäischen PIIGS-Staaten liegt der Anteil der Staatsanleihen des eigenen Landes in allen vier Fällen (Griechenland, Portugal, Spanien, Italien) bei über 90%.

In diesem Artikel mit dem Titel “Vollgesaugt mit Staatsanleihen: Zombiebanken erpressen die Staaten mehr denn je” kommt Jens Weidmann als heroischer Mahner und als sogenannter Party-Crasher weg.

Wir erfahren in diesem Artikel zu Weidmanns kritischer Haltung in dieser Sache: “Zumindest Bundesbankpräsident Jens Weidmann scheint diese Entwicklung unheimlich zu sein.Banken müssen gezügelt werden, übermäßig staatliche Solvenzrisiken zu übernehmen“, sagte er vergangene Woche. Nach seiner Vorstellung müsste es ein Limit für Staatsfinanzierung durch Banken geben. Außerdem sollten die Banken für ihre Staatsanleihen ebenso Eigenkapital vorhalten müssen wie für alle anderen Kredite auch. Spätestens seit der Euro-Schuldenkrise dürfte auch dem letzten klar sein, dass es sich bei Staatspapieren mitnichten um risikolose Anlagen handelt.

Öffentliche Reaktionen auf diese Forderungen stehen noch aus: Bei den Finanzministern der Eurozone hat Party-Crasher Weidmann bislang kein Gehör gefunden”.

Seht hierzu auch den Artikel vom 24.11.2012 mit dem Titel “Renationalisierung:    Zocken mit der Dicken Bertha” in der “FAZ“.

Gut, im Klartext heisst das also, dass nur noch die nationalen Banken des jeweiligen südeuropäischen PIIGS-Staates bereit sind, die Staatsanleihen dieser wirtschaftlich in massiver Rezession befindlichen Länder zu kaufen.

Wer übrigens schon am 12.4.2012 ganz klar vor dieser Entwicklung gewarnt hat, war George Soros in einem Interview mit Journalisten der Tageszeitung “Die Welt“. Seht hierzu einen Artikel vom 4.12.2012 mit dem Titel “George Soros hält Zerfall des Euro für möglich” in “Die Welt“.

In diesem Artikel lässt George Soros unter anderem verlautbaren: “Kurzfristig habe die Flutung des Finanzsektors mit Zentralbankgeld eine  Erleichterung gebracht. Doch auf mittlere Sicht wird die Krise nach Ansicht von  Soros dadurch sogar noch verschärft. “Die Schulden der Staaten werden immer mehr  von den Banken ihres jeweiligen Landes gehalten. Das heißt, die Institute werden  renationalisiert.

George Soros hält die deutsche Sparpolitik schon seit über zwei Jahren für eine grosse Gefahr für Europa. Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 23.6.2010 mit dem Titel “Euro-Krise: Soros sieht deutsche Sparpolitik als Gefahr für Europa” in “Zeit Online“.

George Soros ist übrigens mittlerweile wohl der Meinung, dass es das beste wäre, wenn Deutschland die Eurozone verlassen würde. Nun, das wird Deutschland natürlich wegen der drohenden wirtschaftlichen und finanziellen Verluste nicht wollen. Technisch gesehen wäre dies aber eine mögliche Lösung, weil Deutschland mittlerweile eindeutig das Hauptproblem in der Eurozone darstellt und die aktuelle deutsche schwarz-gelbe Regierungskoalition (Kabinett Merkel II) jede mögliche Lösung in dieser Eurokrise auf europapolitischer Ebene blockiert.

Seht hierzu den Artikel vom 15.10.2012 mit dem Titel “George Soros: Germany Leaving Eurozone Would Solve Crisis” in “The Huffington Post“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “There is a real danger that the  “nightmare” euro crisis could destroy the European Union and  Germany should either step up to fix it or step out of the  currency union altogether, fund manager George Soros said on  Monday.

The crisis “is having tremendous impact in the state of  affairs, it is pushing the EU into a lasting depression, and it  is entirely self-created,” said Soros, Chairman of Soros Fund  Management.

“There is a real danger of the euro destroying the European  Union. The way to escape it is for Germany to accept … greater  commitment to helping not only its interests but the interests  of the debtor countries, and playing the role of the benevolent  hegemon,” he said at a luncheon hosted by the National  Association for Business Economics

Germany should act as the leader of the union such as the  United States was for the free world after the Second World War, Soros said.

The influential fund manager floated another solution to the  crisis that has gone on for more than two years: Germany could  leave the euro, “and the problem would disappear in thin air,”  as the value of the euro declines and yields on the bonds of  debtor countries adjust”.

Nun, um auf Jens Weidmann zurückzukommen: Jens Weidmann (aktueller Chef der Deutschen Bundesbank) spielt hier den heroischen Mahner wendet sich gegen diesen “Teufelspakt zwischen Staaten und Banken” wegen der hohen Risiken, die damit verbunden sind.

Seht hierzu nochmals den Artikel vom 23.11.2012 mit dem Titel “Schuldenkrise in Europa: Teuflischer Pakt zwischen Staaten und Banken” in “Spiegel Online“.

Seht zu dieser Sache nochmals den Artikel vom 26.11.2012 mit dem Titel “Vollgesaugt mit Staatsanleihen: Zombiebanken erpressen die Staaten mehr denn je” in “Focus“.

Würde man aber den nationalen Banken der südeuropäischen Krisenstaaten den Aufkauf der Staatsanleihen ihres jeweiligen Landes verbieten oder diesen Aufkauf einschränken, kämen für diese südeuropäischen PIIGS-Staaten refinanzierungstechnisch aber noch wesentlich grössere Probleme als bisher zu.

Wer sollte denn dann diese Staatsanleihen der südeuropäischen PIIGS-Staaten kaufen? Diese südeuropäischen PIIGS-Staaten müssten dann wohl noch wesentlich höhere Risikoaufschläge für ihre Staatsanleihen anbieten, um irgendwelche Käufer ihre Staatsanleihen zu finden.

Im Klartext: Jens Weidmanns Vorschlag zur Behebung des Problems würde auf Kosten der wirtschaftlich und finanziell ohnehin schon schwer angeschlagenen südeuropäischen PIIGS-Staaten gehen und deren Probleme keineswegs lösen und damit auch nicht die Eurokrise insgesamt.

Das Problem muss man auf einer anderen Ebene analysieren.

Was steckt denn eigentlich hinter diesem Phänomen? Ganz einfach, die Investoren und ausländischen Banken trauen den südeuropäischen PIIGS-Staaten und ihren Staatsanleihen nicht mehr.

Und warum ist das so? Weil die Wirtschaftspolitik, die in diesen südeuropäischen PIIGS-Staaten betrieben wird, diese Länder immer weiter in die Rezession und letztendlich in den jetzt schon drohenden Ruin hineinreisst.

Letztendlich ursächlich für dieses Phänomen ist die absurde Austeritätspolitik, die in diesen südeuropäischen PIIGS-Staaten seit Jahr und Tag durchgeknüppelt wird.

Die Investoren und Banker glauben nicht an diese Austeritätspolitik und wollen ihr Geld nicht in die Staatsanleihen dieser südeuropäischen PIIGS-Staaten stecken, von denen sie glauben, dass sie auf dem direkten Weg in den Ruin sind. Daher kaufen nur noch die nationalen Banken des jeweiligen südeuropäischen PIIGS-Staates selbst diese Staatsanleihen.

Und hier muss man ansetzen, wenn man dieses Problem lösen will. Würden diese südeuropäischen PIIGS-Staaten wieder aus der Rezession heraus kommen und auf Wachstumskurs gehen, käme das Vertrauen in diese Länder wohl zurück und ausländische Banken und Investoren wären dann wohl wieder bereit, die Staatsanleihen dieser südeuropäischen PIIGS-Staaten zu kaufen.

Und noch deutlich mehr Vertrauen hätten diese ausländischen Banken und Investoren, wenn wir in der Eurozone eine Bankenunion hätten.

Das alles ist aber im Moment nicht in Sicht, weil Angela Merkel und Konsorten auf dem aktuellen aberwitzigen Austeritätskurs beharren und mit fadenscheinigen Argumenten eine eigentlich notwendige Bankenunion blockieren.

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