Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 166

Aber auch die deutschen Autobauer sind ein Stück weit von der Krise betroffen.

Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 8.11.2012 “Folgen der Euro-Krise: Deutsche Exporte brechen dramatisch ein” in der “Süddeutschen Zeitung“.

Über die sich für die deutschen Autohersteller und die deutschen Automobilzulieferer zunehmend anbahnende Krise habe ich schon in zahlreichen Blogeinträgen berichtet. Seht hierzu auch den Blogeintrag “Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 148” und nachfolgende.

Und nun zur Behauptung, die französischen Autohersteller (PSA Peugeot Citroën und Renault) hätten die Globalisierung verschlafen und seien von der Qualität her nicht mehr ansprechend: Das ist alles Unsinn.

Ich bin 47 Jahre alt. Die Renaults, Peugeots und Citroëns waren schon in meiner Jugend gut gemachte und oft formschöne Autos und sie sind es heute immer noch.

Meine Familie fuhr in den siebziger Jahren einen Renault 16 L (eine damals beliebte französische Familienkutsche). Es war ein gut gefedertes, recht grosses und bequemes Auto mit familienfreundlichem Schrägheck.

Damals war der Rostschutz bei französischen und italienischen Autos nicht immer optimal. Deshalb hatten wir nach vielen Jahren irgendwann einmal Rostprobleme mit diesem Auto.

Man muss allerdings wissen, dass diese Autos ja auch eher für den mittel- und südeuropäischen Markt gedacht waren. In Südeuropa und in Frankreich (in einer Mittelstellung zwischen Süd- und Mitteleuropa), haben wir wesentlich mildere Winter als bei uns. Und im Winter wurde damals in Deutschland massiv Salz in den Städten gestreut. Dieses Salz hat die französischen und italienischen Autos damals unter anderem oft beschädigt. Die deutschen und nordischen Hersteller verwendeten daher dickere Bleche (vor allem natürlich nordische Autohersteller wie Volvo und SAAB).

Heute werden hochwertige Bleche bei allen europäischen Automarken verwendet. Sie haben heute alle keine Rostprobleme mehr.

Der Motor des R 16 L war leise und robust und hielt in unserem Fall mehr als 200.000 Kilometer (was für einen Benzinmotor in den siebziger Jahren ein sehr guter Wert war). Er war auch vergleichsweise sparsam.

Mein Bruder Stefan Gauger (Entwickler bei SAP) hat sich vor einiger Zeit einen Oberklasse-Peugeot zugelegt. Ich habe mit ihm darüber geredet und er meinte mir gegenüber, vom Preis-Leistungs-Verhältnis her sei es ein exzellentes Auto (da von guter Qualität und dennoch deutlich preisgünstiger als die deutschen Konkurrenzmodelle).

Ich selbst bin auch schon in diesem Auto mitgefahren. Ich hatte nicht das Gefühl, dass dieses Auto schlechter aussieht oder schlechter fährt oder billiger wirkt als meinetwegen ein Oberklasse-Audi.

Der grundlegende Unterschied zwischen den deutschen Automarken und den französischen und italienischen ist folgender:

Viele deutsche Autobauer arbeiten im sogenannten “Premium segment“: Mercedes-Benz, BMW, Audi, Porsche.

Solche Autos werden vor allem von wohlhabenden Leuten gekauft, überall auf der Welt: In den USA, oder zur Zeit auch in den aufstrebenen BRICS-Staaten, etc. Und das rettet diese Premium-Marken.

Was diese deutschen Hersteller im “Premium segment” wie Mercedes-Benz, BMW, Audi, Porsche auf dem jezt völlig zusammenbrechenden südeuropäischen Automarkt verlieren, können sie auf diesen weltweiten Märkten zum guten Teil kompensieren.

Vor allem: Da durch den Niedergang der südeuropäischen PIIGS-Staaten der Euro stark an Wert verloren hat, werden diese deutschen Luxusautos auf den internationalen Märkten ausserhalb der Eurozone sogar noch billiger und daher konnten diese Nobelmarken auf diesen internationalen Märkten sogar noch in den letzten anderthalb Jahren ihren Absatz steigern.

Das gilt übrigens für alle deutschen Exportwaren. Und von diesem Effekt hat der deutsche Export und damit auch die deutsche Autoindustrie in den letzten anderthalb Jahren massiv profitiert und er profitiert immer noch davon.

Seht hierzu nochmals meinen Blogartikel mit dem Titel “Das deutsche `Exportwunder´ und die prallen Kassen des deutschen Fiskus in den letzten anderthalb Jahren: Herzlichen Dank an die Krisenstaaten Südeuropas“.

Was nun die deutschen Luxusautos in diesem Premium-Segment angeht: Der berühmte Song von Janis Joplin im Jahre 1970 lautete: “Mercedes Benz“. Hier habt ihr die Lyrics von diesem Song. Und hier habt ihr eine Version dieses Songs in Vimeo.

Janis Joplin singt hier unter anderem: “Oh lord won’t you buy me a Mercedes Benz“.

Wenn man einen Mercedes-Benz hat, ist man in der Oberliga und im Himmel des Kapitalismus angekommen. Wenn man einen Citroen oder Peugeot hat, hat man auch ein gutes Auto. Aber es ist eben kein Mercedes-Benz, BMW, Audi, oder Porsche. Diese Autos sind eine Art Mythos (der natürlich ganz bewusst im Rahmen der Marketing-Kampagnen dieser Hersteller gepflegt wird).

Ein Mercedes-Benz, BMW, Audi oder ein Porsche sind wie eine Rolex-Uhr auch Statussymbole.

Wer solch ein deutsches Luxus-Auto besitzt, hat es geschafft. Wer mit so einem Auto in den örtlichen Luxus-Discos oder in einer der örtlichen Luxus-Bars vorfährt und vielleicht noch ein paar goldene Kreditkarten im Portemonnaie hat, kann in diesen Discos und Luxus-Bars die hübschesten Mädchen in der Regel erfolgreich ansprechen und mit ein bisschen Glück die Nacht mit ihnen verbringen.

Das ist Teil der “Faszination Auto“, von der in Deutschland gerne gesprochen wird.

In diesem Zusammenhang eine persönliche Anekdote: Ein spanischer Freund von mir, der Ende der neunziger Jahre als Unternehmer in Madrid gut verdiente, besass damals ein japanisches Sportauto, einen Mitsubishi 3000 GT.

Dieses Auto wurde bis zum Jahre 2000 produziert und war für damalige Verhältnisse ein extrem aufwendig konstruierter Sportwagen (Twin-Turbo, 3 Liter V 6-Motor, Allradantrieb und Allradlenkung).

Ich fuhr also einmal mit diesem Freund durch die Sierra von Madrid und vor allem die Kurvenfähigkeit dieses Sportwagens (Allradantrieb und Allradlenkung!) war faszinierend: Mein Freund konnte mit diesem Sportwagen bei extrem hoher Geschwindigkeit in den Landstrassen der Sierra in eine Kurve reinrasen und die Sache ging tatsächlich gut aus und dieser Sportwagen brach trotzdem nicht aus der Spur aus.

Nach dieser Spritztour fragte ich meinen Freund: “Du stehst also offensichtlich auf gute Sportautos, hm?

Die ironische Antwort meines Freundes. “Nein, eigentlich nicht unbedingt. Ich stehe vor allem auf hübsche Frauen“.

Und er erklärte mir dann, dass er es wesentlich leichter als vorher habe, erfolgreiche Dates in Madrid zu landen, seitdem er dieses Auto besitze.

Nun, das ist in Madrid, Paris, Rom oder Berlin nicht anders als in Shangai, Moskau, Rio de Janeiro, Kapstadt, Bombay oder New York.

Und deshalb haben solche Autohersteller von Premium-Autos wesentlich bessere Karten, eine allerdings schon recht schwere und grosse lokale Krise wie die in Südeuropa halbwegs unbeschädigt zu überstehen.

Diese deutschen Luxus-Autos sind übrigens auch deutlich teurer als die französischen Autos. Deshalb sind sie übrigens auch mit ein Ausweis für persönlichen Wohlstand. Wer so ein Auto hat, ist in der Regel wohlhabend. Das wissen auch die jungen Mädchen überall auf der Welt, genauso wie es Janis Joplin wusste.

Manche Blogleser werden jetzt aber denken: “Ja, aber viele deutsche Autohersteller produzieren auch Mittelklasse-Autos. Zum Beispiel Volkswagen baut viele solcher Mittelklasse-Autos. Und Volkswagen hat doch im Moment auch deutlich mehr Erfolg als die Autos von PSA Peugeot Citroën, Renault und Fiat?

Ja, das stimmt. Der Grund aber, warum Volkswagen so gut dasteht, liegt weniger an der Genialität der VW-Manager oder daran, dass ein Golf oder ein Polo so viel besser ist als die entsprechenden Fiats, Citroëns, Renaults und Peugeots im Mittelklasse-Segment.

Inwiefern der deutsche Staat und die deutsche Export- und Autoindustrie allgemein bisher vom Niedergang Südeuropas profitiert haben, habe ich in meinem Blogartikel mit dem Titel “Das deutsche `Exportwunder´ und die prallen Kassen des deutschen Fiskus in den letzten anderthalb Jahren: Herzlichen Dank an die Krisenstaaten Südeuropas” ausführlich erläutert.

Nun, Volkswagen nutzt einen weiteren wichtigen und für Deutschland und seine Wirtschaft günstigen Effekt dieser Eurokrise, um auf dem europäischen Markt abzuräumen und unter anderem die französische und italienische Konkurrenz zu übertrumpfen.

Seht hierzu den Artikel vom 15.11.2012 mit dem Titel “Autobauer: Euro-Krise macht VW zum Herrscher über Europa” in “Die Welt“.

Dieser Artikel stammt ursprünglich aus der deutschen Online-Ausgabe des “Wallstreet Journals“. Ihr findet dort einen Artikel vom 14.11. mit dem Titel “Eurokrise ebnet VW den Weg zur Herrschaft“.

Lest diesen langen und gut recherchierten Artikel in Ruhe durch, damit ihr kapiert, was zur Zeit auf dem europäischen Automarkt passiert.

VW betreibt anscheinend zur Zeit ganz bewusst einen aggressiven Preiskrieg, um die europäische Konkurrenz (vor allem aus Frankreich und Italien) auszubooten.

Der aktuelle Hauptvorteil von VW liegt darin, dass die deutschen Finanzierungsmodelle für den Kauf von deutschen Autos aufgrund der guten wirtschaftlichen und finanziellen Lage Deutschlands und seiner Banken viel attraktiver sein können als die der französischen und italienischen Hersteller, deren Länder und Banken deutlich schlechter dastehen.

VW nutzt diesen Vorteil auf aggressive Weise, mit dem Ergebnis, dass die deutschen Autos im Fall eines kreditfinanzierten Kaufs im Preis-Leistungsverhältnis deutlich günstiger dastehen als die französische und Italienische Konkurrenz.

Und in vielen Ländern der Eurozone, gerade auch in den weniger wohlhabenden Ländern Südeuropas, ist es absolut üblich, sein Auto auf Kredit zu kaufen und abzuzahlen. Und jetzt in der aktuellen Eurokrise in den PIIGS-Staaten wird dies noch viel mehr der Fall sein als vorher.

Wir erfahren in diesem Artikel mit dem Titel “Autobauer: Euro-Krise macht VW zum Herrscher über Europa“: “Auch Volkswagen, dessen Marken von Audi über Skoda bis Porsche reichen, ist nicht immun gegen den Abschwung in Europa. Zwar hielten sich die Verkäufe von VW-Modellen in Deutschland bis Ende Oktober auf Vorjahresniveau, im restlichen Europa sank der Absatz allerdings um sechs Prozent, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Dennoch: Mit Hilfe billiger Autokredite lockt VW Legionen von Käufern von den Konkurrenten weg, die in diesem Jahr in Europa fast durch die Bank Absatzverluste im zweistelligen Prozentbereich hinnehmen mussten”.

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