Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 165

Wie einige von euch wissen und ich in meinem Blog auch schon geschrieben habe, sind die französischen Autohersteller (PSA-Konzern und Renault) zur Zeit massiv in die Krise gerutscht, weil der über die Krise in den PIIGS-Staaten (vor allem die grossen südeuropäischen PIIGS-Staaten Spanien und Italien) auch der europäische Automobilmarkt schwer beschädigt wurde. Das Gleiche Problem haben natürlich auch zum Beispiel italienische Autohersteller wie FIAT.

Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 29.9.2012 mit dem Titel “Autosalon Paris: Überlebenskampf von Peugeot Citroën und Renault” in “Die Welt

Seht hierzu auch den Artikel vom 30.10.2012 mit dem Titel “Verluste: Fiat kommt nicht aus der Krisenzone” im “Handelsblatt“.

Die neoliberal diktierten deutschen Magazine wie “Der Spiegel” (Bertelsmann hat über Gruner + Jahr seine Finger im Spiegel-Verlag) hetzen schon seit Monaten gegen François Hollandes Wirtschaftspolitik und faseln schon seit Monaten vom “Niedergang Frankreichs” und dem “Scheitern” der Industriepolitik Frankreichs. Der Niedergang der französischen Autobranche wird hier als offensichtliches Symptom gewertet.

Bertelsmann will übrigens jetzt sogar komplett Gruner + Jahr übernehmen und somit die Gruner + Jahr-Publikationen wohl definitiv zu ihren Hauspostillen machen.

Sollte dies geschehen, kann es euch dann ziemlich egal sein, ob ihr die Website der Bertelsmann-Stiftung oder eben die Publikationen von Gruner + Jahr lest: Die neoliberalemessage” dürfte dann in jedem Fall immer identisch sein.

Seht hierzu unter anderem den Artikel mit dem Titel vom 23.8.2012 mit dem Titel “Übernahmecoup: Bertelsmann: will Gruner + Jahr komplett” in “Spiegel-Online“.

Traurig ist in diesem Zusammenhang auch, dass Gruner+Jahr jetzt auch noch die “Financial Times Deutschland” einstellen will.

Von allen deutschen Wirtschaftszeitungen hat mir die “FTD” am besten gefallen. Sie war auch immer ein Stück weit kritisch gegenüber der Wirtschaftspolitik der aktuellen schwarz-gelben Regierungskoalition (Kabinett Merkel II).

Auch eine andere deutsche Tageszeitung, die mir oft gut gefiel, hat es ebenfalls erwischt: Die “Frankfurter Rundschau“.

Seht zum weltweiten Zeitungssterben, das nun auch auf Deutschland zunehmend übergreift, unter anderem den Artikel vom 20.11. mit dem Titel “Deutsche Zeitungskrise: Hoffnung für insolvente Frankfurter Rundschau” in “format.at“.

Seht hierzu auch den Artikel vom 23.11. mit dem Titel “Wirtschaftszeitung von Gruner + Jahr: `Financial Times Deutschland´ wird eingestellt” in der “Süddeutschen Zeitung“.

Und seht hierzu auch den Artikel vom 23.11. mit dem Titel “Scheitern von FTD und Frankfurter Rundschau: Gemeinsam sind wir schwach“, ebenfalls in der “Süddeutschen Zeitung“.

Wir Blogger arbeiten frei und meist ohne Gewinnsabsicht. In meinem Fall sind alle meine Artikel mit einer entsprechenden Creative-Commons-Lizenz ausgewiesen, die eine kommerzielle Nutzung meinerseits oder von anderer Seite kategorisch ausschliesst.

Aber ohne die Informationen, die uns von professionellen Journalisten zur Verfügung gestellt werden, könnten wir kaum so erfolgreich arbeiten.

Und ein professioneller Journalist muss von seiner Arbeit leben können, bzw. bezahlt werden. Daher kann uns Bloggern das weltweite “Zeitungssterben” nicht egal sein.

Ich selbst war übrigens auch lange Zeit professioneller Journalist und freier Mitarbeiter für viele regionale und überregionale Zeitungen und Radiosender in Deutschland. Seht hierzu auch meinen Blogartikel “Who I am: My CV“.

Ich beendete diese Tätigkeit schon vor längerer Zeit unter anderem wegen der Zeitungskrise in Deutschland: Es wurde zunehmend sehr schwierig für mich, an vernünftige Aufträge ranzukommen.

Oft teilten mir die Redakteure der betreffenden Zeitungen mit, dass ihr Budget massiv reduziert wurde und sie die Anweisung erhalten hatten, so viele Artikel wie möglich selbst zu schreiben und die Aufträge für freie Mitarbeiter so weit wie möglich zu reduzieren.

Das ist die traurige Realität an vielen deutschen Tageszeitungen. Und diese traurige Realität schlägt natürlich immer auch auf den Umfang und die Qualität einer Tageszeitung durch: Ist weniger Geld da, wird die Zeitung dünner und die Qualität der Artikel kann nicht mehr in jedem Fall garantiert werden.

Für die Lesekultur und die intellektuelle Kultur eines Landes allgemein ist solche eine Entwicklung ausserordentlich schädlich.

Zurück zum Fall “Frankreich“: Der Grund für die deutsche neoliberale Hetze gegen Frankreich und François Hollande ist schnell genannt: Nicolas Sarkozy war der “Freund” (?!) Angela Merkels (Stichwort: Merkozy). Nicolas Sarkozy ist dann so geendet wie viele Freunde von Angela Merkel: Er ist in der Versenkung verschwunden.

Ob Christian Wulff oder Karl-Theoder zu Guttenberg und viele andere ehemalige Freunde Angela Merkels mehr: Mit Angela Merkel befreundet zu sein ist offensichtlich eine ziemlich riskante Sache und bedeutet anscheinend nicht selten das Ende der politischen Karriere.

Nun, bei mir besteht wohl keine grosse Gefahr, dass ich jemals mit Angela Merkel befreundet sein werde. Und wie man sieht, ist das vielleicht gar kein Schaden, wenn man nicht mit Angela Merkel befreundet ist.

Auch Mariano Rajoy (aktueller konservativer Ministerpräsident Spaniens) rühmte noch vor über einem halben Jahr in den spanischen Medien seine Freundschaft zu Angela Merkel. Er suchte wohl den “konservativen Schulterschluss” mit der deutschen Bundeskanzlerin und wohl aktuell mächtigsten Politikerin der Welt.

Ob Mariano Rajoy jetzt noch mit dieser Freundschaft beim spanischen Wahlvolk punkten könnte, wage ich zu bezweifeln.

Mariano Rajoy scheint das auch zu ahnen und redet in der spanischen Öffentlichkeit nicht mehr oft über seine Freundschaft zu “Angela” (so nannte er unsere aktuelle Bundeskanzlerin noch vor über einem halben Jahr breit grienend in den spanischen Medien).

Aber zurück zum Fall “Frankreich”: Solange Sarkozy noch an der Macht war, hat kein deutscher Neolilberaler vom vermeintlichen massiven “Niedergang” (?!) Frankreichs reden wollen.

François Hollande hat aber deutlich andere Vorstellungen als Angela Merkel und die deutschen Neoliberalen allgemein, wie die aktuelle Eurokrise behoben werden sollte.

Die deutschen Neoliberalen bestehen auf Sparen und auf “Strukturreformen” nach dem Vorbild der “Agenda 2010” und bestehen daher darauf, dass ein maximaler “Reformdruck” auf diese Länder ausgeübt wird.

Und ein verbitterter und psychisch verhärteter konservativer Rollstullfahrer namens Wolfgang Schäuble aus meiner deutschen Heimatstadt Freiburg kümmert sich darum, den PIIGS-Staaten diese deutsche Finanz- und Wirtschaftspolitik ohne wenn und aber aufzuzwingen. Wenn man selbst schon kein gutes Leben hat, warum sollten dann irgendwelche faulen Südländer gut leben, hm?

Eine kleine Denksportaufgabe für meine Blogleser: Seitdem ich in diesem Blog über die Eurokrise schreibe und unter anderem Wolfgang Schäuble kritisiere, habe ich in Freiburg viele Freunde verloren und von höre meiner Freundin nichts mehr (mit der ich fast dreizehn Jahre lange zusammen war).

Meine Denksportfrage an euch: Woran liegt das wohl, hm?

Wer von euch diese extrem schwierige Denksportfrage löst, könnte ohne weiteres ein deutscher Spitzenpolitiker, Spitzenmanager oder ein deutscher Professor werden.

Ihr habt dann wahrscheinlich einen IQ (Intelligenzquotient) von über 80 und könntet in der aktuellen deutschen neoliberalen und technokratischen Gesellschaft jede nur denkbare Karriere absolvieren. Von Goethe zu Dieter Bohlen: Das ist der technokratische Neoliberalismus in Deutschland.

Zurück zum Fall “Frankreich“: François Hollande will im Gegensatz zu Deutschland in die PIIGS-Staaten investieren und diesen Ländern deutlich mehr als bisher finanziell helfen, unter anderem auch mit den schon lange angedachten Eurobonds, die von Angela Merkel kategorisch abgelehnt werden.

Seht zu Hollandes Vorstellungen unter anderem den Artikel vom 17.10. mit dem Titel “Frankreichs Präsident im Interview: Hollande will Europa verschiedener Geschwindigkeiten” in der “Süddeutschen Zeitung“.

Deshalb werden François Hollande und seine Kabinettsmitglieder von den deutschen neoliberalen Medien schon seit Monaten gnadenlos unter Beschuss genommen.

Seht zur Hetze gegen François Hollande und die “französische Industriekultur” (?!) zum Beispiel den Artikel vom 13.8. 2012 mit dem Titel “Fluch der Herdprämie” in “Spiegel-Online“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Besonders gefährlich sind jene, die es gut meinen: der französische Präsident François Hollande beispielsweise und sein Industrieminister Arnaud Montebourg. Sie wollen dem Autohersteller PSA zur Hilfe eilen, der mit seinen Marken Peugeot und Citroën in die Krise gefahren ist. Helfen wollen auch Vertreter der Gewerkschaft CGT wie Jean-Pierre Mercier, der sagt: “Wir werden hier kämpfen um unsere Jobs und das Leben unserer Familien.”

Die französische Regierung und die Gewerkschaften wollen verhindern, dass Peugeot sein Werk in Aulnay-sous-Bois in der Nähe von Paris schließt und insgesamt 8000 Arbeitsplätze streicht. Doch Politik und Arbeitnehmervertreter werden, wenn sie Erfolg haben, alles nur noch schlimmer machen. Vielleicht können sie kurzfristig ein paar tausend Jobs in Frankreich retten. Die Zukunft des Konzerns wird dadurch aber erst recht gefährdet.

Das Unternehmen, das seit 1890 Automobile herstellt, kämpft ums Überleben. Der Absatz ist eingebrochen, die Fabriken sind nicht annähernd ausgelastet. Jeden Monat läuft ein Verlust von fast 140 Millionen Euro auf. (..).

Noch ist Frankreich eine der stärksten Industrienationen der Welt. Die Autofirmen Peugeot und Renault, der Pharmakonzern Sanofi, der Bahn- und Kraftwerkshersteller Alstom sowie die Rüstungsfirma Thales bilden einen industriellen Kern, der aber seit vielen Jahren und an vielen Stellen schmilzt. Frankreich hat an internationaler Wettbewerbsfähigkeit verloren.

Schon Hollandes Vorgänger Nicolas Sarkozy klagte, Frankreich sei keine “große Nation mehr, wenn wir nicht in der Lage sind, Züge, Flugzeuge, Autos und Schiffe zu bauen”.

Aufhalten aber konnte Sarkozy den Abbau der Fabriken in Frankreich nicht. In der Automobilindustrie hat sich die Zahl der Arbeitsplätze von 1980 bis 2010 mehr als halbiert. Dass dies keine zwangsläufige Entwicklung ist, zeigt Nachbar Deutschland. VW, Daimler, BMW und Co. beschäftigen nicht weniger, sondern mehr Menschen als vor drei Jahrzehnten.

Bei der Suche nach den Ursachen landet man schnell beim Management. Vom einstigen Charme der Marken Peugeot und Citroën ist kaum noch etwas übrig. Der Citroën DS, der sich mit seiner hydropneumatischen Federung beim Parken absenkte, und der 2 CV, der als Ente in Deutschland fast so populär war wie Volkswagens Käfer, sind nur noch Erinnerungen.

Die aktuelle Führung von Peugeot hat Trends nicht erkannt. Vom Boom der Geländewagen kann Peugeot mangels Angebot kaum profitieren. Viel Geld investierte der Konzern stattdessen in Hybridmodelle mit einem Diesel und einem Elektromotor, die sich wegen des hohen Preises kaum verkaufen lassen.

Es sind Fehler, wie sie auch anderen Autobossen unterlaufen. Sie allein würden einen Hersteller aber nicht in eine tiefe Krise stürzen. Für den Niedergang von Peugeot gibt es eine andere Ursache: Der Hersteller hat die Globalisierung weitgehend verschlafen. Peugeot und Citroën verkaufen mehr als die Hälfte ihrer Autos in Europa. Dieser Markt schrumpft und mit ihm das Unternehmen.

Der VW-Konzern dagegen hat rechtzeitig Standbeine in China und Nordamerika aufgebaut. Die Wolfsburger profitieren jetzt vom Wachstum dort. In Europa muss VW rund ein Drittel seiner Autos loswerden”.

Aha, also die starken und intelligenten neoliberalen Deutschen auf der einen Seite, die erkannt haben, was die Zeit erfordert (Stichwort: “Globalisierung“)

Und auf der anderen Seite verschlafene und leistungsschwache “sozialistische” (?!) Franzosen, die diese Zeichen der Zeit nicht erkennen und akzeptieren wollen.

Und die französischen Autos sind angeblich jetzt nicht mehr attraktiv und die deutschen Autos sind wahnsinnig begehrt auf dem Automobilmarkt. So das Märchen-Buch von “Spiegel-Online” für “Dr. Lieschen Müller“.

Nun, die Realität sieht etwas anders aus.

Zum einen ist auch der französische Autohersteller PSA Peugeot Citroën global aktiv: Schaut euch mal den Wikipedia-Eintrag zu diesem Konzern an: Er hat weltweit Kooperationen, Joint-Ventures und Lizenproduktionen.

Renault kooperiert mit dem japanischen Hersteller Nissan in der Allianz Renault-Nissan. Der Chef von Nissan ist übrigens Carlos Ghosn, der unter anderem auch die französische Staatsbürgerschaft innehat.

Und der italienische Hersteller Fiat kooperiert traditionell mit dem französischen PSA-Konzern.

Dennoch ist für diese französischen und italienischen Autohersteller der südeuropäische Markt wichtiger als für die meisten deutschen Hersteller.

Warum das so ist, werde ich noch ausführlich erläutern.

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