Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 162

Hinsichtlich der steigenden Selbstmordraten in Südeuropa seht unter anderem den Artikel vom 15.4.2012 mit dem Titel “Steigende Selbstmordraten: Wenn die Krise tötet” in “Spiegel Online“.

Zum “Braindrain” in Südeuropa seht unter anderem den Artikel vom 7.7.2012 mit dem Titel “Südeuropa: Viele junge Techniker wollen auswandern” im “Handelsblatt“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “In Griechenland erwägt mehr als jeder zweite Absolvent eines technischen Studiengangs, sein Land zu verlassen. Das geht aus der Absolventenbefragung des Berliner Trendence-Instituts hervor, über die die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Samstag) berichtet. In Spanien und Portugal hegen demnach jeweils mehr als 40 Prozent und in Italien 37 Prozent der Technik-Absolventen Auswanderungspläne”.

Wichtig ist dabei zu wissen, dass nur eine kleine (aber für diese Länder sehr wichtige und besonders leistungsfähige) Elite der Jugend in den südeuropäischen PIIGS-Staaten diesen “Sprung” in die besser funktionierenden deutschsprachigen EU-Länder wie Deutschland, Österreich oder die Schweiz schafft.

Der Grund hierfür ist ganz einfach: Die deutsche Sprache ist ein schwer zu erlernende Sprache. Niemand weiss das besser als ich. Ich habe selbst jahrelang an der Uni Freiburg jungen Studenten aus aller Welt Deutsch beigebracht. Seht hierzu auch meinen Blogartikel “Who I am: My CV“.

Seht hierzu den Artikel vom 4.8.2012 mit dem Titel “Migration in der EU: Wo bleiben sie denn?” in der “FAZ“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Das Haupthindernis aber ist die Sprache: Südeuropäer tun sich besonders schwer, deutsch zu lernen, leichter fällt ihnen schon das Englische. Die Anerkennung von Berufsabschlüssen stößt auf Grenzen. Die sozialen Kosten der Migration sind immer erheblich. Die Südeuropäer sind oft stärker in ihre Familien eingebunden als Nordeuropäer. Umso schwerer fällt der Abschied. Und schließlich könnte noch ein Kalkül das Bleiben erleichtern. Wenn die Europäische Union die Krisenländer raushaut, lohnt sich für manchen potentiellen Migranten das Warten.

Tatsächlich kamen jüngst mehr Südeuropäer als früher nach Deutschland, doch deutlich weniger als zum Beispiel Polen, Rumänen oder Bulgaren. Die Auswanderer aus Spanien wiederum optieren in ihrer Minderheit für den Euroraum, und in Europa liegt England für sie näher als Deutschland. Einige Spanier orientieren sich zu den ehemaligen Kolonien. Das wird auch von Portugiesen berichtet, die ihr Heil in Brasilien, Moçambique und Angola suchen.

Das alles sagt eine Menge über die Homogenität Europas. Die Sprache trennt das soziale Gefüge und die geografische Ausrichtung. Euroländer sind für Migranten aus Euroländern nicht mehr die Wunschziele. Man könnte auch formulieren: Das Geld wandert deutlich leichter über die Grenzen als die Leute”.

Seht hierzu auch den Artikel vom 18.11.2012 mit dem Titel “Schlappe für Deutschland: Nur 139 Fachkräfte nutzen die Blue Card” in “Focus“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Die zum August eingeführte Blue Card sollte hochqualifizierte Arbeitskräfte nach Deutschland locken. Doch einem Zeitungsbericht zufolge wird sie kaum genutzt. Nur 139 Blue Cards seien bisher vergeben worden – die Gründe liegen in Deutschland selbst.

Von den bisher vergebenen Karten gingen außerdem 112 an Ausländer, die bereits vor dem Jahr 2012 nach Deutschland eingereist waren und sich so mit einem anderen Aufenthaltstitel in der Bundesrepublik aufhielten. Das berichtet die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf Daten des zuständigen Bundesamts für Migration und Flüchtlinge.

„Der Massenansturm von Fachkräften bleibt aus“, sagte Gunilla Fincke, Geschäftsführerin des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration, der Zeitung. Deutschland eile nach wie vor der Ruf voraus, Zuwanderer seien nicht willkommen, obwohl das Zuwanderungsrecht liberaler geworden sei. „Deutschland wird als nicht so attraktiv wahrgenommen und ist auch wegen der Sprache schwierig“, sagte Fincke”.

Tja, zu den Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache gesellt sich anscheinend noch der Ruf Deutschland voraus, Zuwanderer seien hier nicht besonders willkommen und anscheinend teilweise auch hinderliche bürokratische Hürden.

Was für die deutschsprachigen Länder gilt (Deutschland, Osterreich, Schweiz), gilt natürlich auch für anderen gut funktionierende mittel- und nordeuropäischen EU-Länder wie die Niederlande, Dänemark oder Finnland.

Das Niederländische und das Dänische sind beide ebenfalls germanische Sprachen. Diese Sprachen sind für Südeuropäer nicht leichter zu erlernen als die deutsche Sprache. Die einzig relativ leicht zu erlernende germanische Sprache ist das Englische. Und die finnische Sprache gehört zu den finno-ugrischen Sprachen und gehört damit nicht mal zu den indogermanischen Sprachen. Die finnische Sprache ist also von den romanischen Sprachen seht weit entfernt.

Auch die Sprachen dieser Länder sind also für Südeuropäer alles andere als leicht zu erlernen.

Und die Französische Sprache ist für die Südeuropäer auch nicht so einfach zu erlernen, auch wenn es sich hier wenigstens um eine romanische Sprache handelt, die mit den südeuropäischen Sprachen verwandt ist (somit ist das Französische in der Regel für die Südeuropäer zumindest leichter erlernbar als das Deutsche).

Die einzige für die Südeuropäer (und auch für die meisten Menschen in den restlichen Weltgegenden) relativ leicht zu erlernende europäische Sprache ist also die Englische Sprache.

Hinzu kommt: Das Englische ist ohnehin mittlerweile die dominante weltweite Verkehrssprache. Deshalb beherrschen gutausgebildete junge Menschen weltweit in der Regel sowieso meistens das Englische.

Nun, nach Irland auszuwandern ergibt zur Zeit wenig Sinn. Bleibt also nur Grossbritannien. Und auch in Grossbritannien ist die wirtschaftliche Lage zur Zeit nicht wirklich grossartig.

Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 25.4.2012 mit dem Titel “UK economy in double-dip recession” in “BBC News“.

Seht hierzu auch den Artikel vom 25.4 mit dem Titlel “The Queen is not amused: Briten sparen sich in Rezession” in “n-tv“.

Seht hierzu auch den Artikel vom 24.8.2012 mit dem Titel “UK GDP revised upwards – but economy remains in double-dip” in der britischen Tageszeitung “The Guardian“.

Seht hierzu ebenfalls den Artikel vom 2.10.2012 mit dem Titel “UK economy ‘grew in third quarter’ in “BBC News“.

Und seht hierzu ebenfalls den Artikel vom 25.10.2012 mit dem Titel “Buoyed by Olympics, Britain Emerges From Double-Dip Recession” in “The New York Times“.

Obwohl Grossbritannien also im letzten Quartal offensichtlich aus der Rezession herausgekommen ist, sind die aktuellen Wachstumsziffern in Grossbritannien auch nicht gerade grossartig und die Olympischen Sommerspiele 2012 in London waren wohl ein Faktor, der im letzten Quartal unterstützend gewirkt hat. Ob diese im letzten Quartal etwas günstigere Entwicklung in Grossbritannien dauerhaft bleibt, wird man sehen.

Und in die USA auswandern: Das ist alles andere als einfach. Europäer bekommen in den USA in der Regel nur eine Arbeitserlaubnis, wenn sie spezielle Kenntnisse und Fähigkeiten haben, die sie für die amerikanische Wirtschaft oder Wissenschaft (Universitäten) interessant macht. Lest zu diesem Thema der Arbeitserlaubnis in den USA den Wikipedia-Artikel mit dem Titel “Greencard (Vereinigte Staaten)” durch.

Und auch nach Kanada kann man nicht ohne weiteres auswandern.
Auch in Kanada muss man erheblich Hürden überwinden.

Seht hierzu die Artikel “Kanada; Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis – befristet” und “Kanada: Unbefristete Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis” in “career-contact.net“.

Das gleiche gilt für Australien. Zur Arbeitserlaubnis in Australien seht den Artikel mit dem Titel “Arbeitserlaubnis für Australien” in “career-contact.net“.

Und Australien ist extrem weit weg von Europa, auf der anderen Seite des Globus. Wer von Südeuropa nach Australien auswandert, sieht seine Familie höchstens noch einmal im Jahr.

Insofern: Einfach so mal ins deutschsprachige Ausland auswandern ist keine leicht zugängliche Lösung für die Jugend Südeuropas. Das kommt in der Regel nur für südeuropäische Jugendliche in Frage, die eine in Deutschland gefragte Ausbildung haben (zum Beispiel Ingenieure oder Informatiker, etc.) und die zugleich deutlich sprachbegabt und kulturell anpassungsfähig sind. Und auch im Fall von Frankreich müssen diese südeuropäischen Jugendichen über eine dort gefragte Ausbildung verfügen und eine überdurchschnittliche Sprachbegabung aufweisen, um das Französische zu erlernen.

Und im Fall des englischsprachigen Auslands beschränken sich die Möglichkeiten für Südeuropäer im Moment in der Regel auf Grossbritannien.

Bleibt für die Portugiesen noch ihre Ex-Kolonie Brasilien, in der ebenfalls Portugiesisch gesprochen wird, wo wir ein zwar ein starkes Wachstum haben, aber auch eine enorme soziale Ungleichheit mit einer explosiven sozialen Problematik, die dazu führt, dass gerade in den grossen Städten wie Rio de Janeiro und São Paulo  die Kriminalitätsrate enorm hoch ist. In solchen Städten zu leben kann gefährlich sein.

Und für die Spanier bleiben noch die vielen anderen Länder ihres ehemaligen Kolonialreiches in Lateinamerika, in denen ebenfalls Spanisch gesprochen wird. In den meisten dieser Länder ist aber sowohl die politische als auch die soziale und wirtschaftliche Situation nicht gerade rosig. Auch das ist wohl keine wirklich sehr verlockende Option für die meisten spanischen arbeitslosen Jugendlichen (in Spanien haben wir mittlerweile eine Jugendarbeitslosigkeit von ca. 50%).

Hinzu kommt, dass die Fremdsprachkenntnisse in Südeuropa traditionell eher gering verbreitet sind und im die südeuropäischen Länder im europäischen Vergleich einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Bürgern haben, die über gar keine Fremdsprachenkenntnisse verfügen. In Südeuropa sind die Fremdsprachenkenntnisse der jeweligen Bevölkerung traditionell eher schwach ausgeprägt.

Seht hierzu zum Beispiel den Überblicksartikel vom 21.12.2011 mit dem Titel “Fremdsprachen” in “bpb-online“.

Dieser Artikel gibt einen Überblick über die in den EU-Ländern vorhandenen, statistisch ermittelbaren Fremdsprachkenntnisse in der Bevölkerung der jeweiligen EU-Länder.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “In acht der hier betrachteten 29 Staaten gab Ende 2005 mehr als die Hälfte der Bevölkerung an, dass sie gar keine Fremdsprache spricht: Türkei (67 Prozent), Irland (66 Prozent), Großbritannien (62 Prozent), Italien (59 Prozent), Portugal und Ungarn (jeweils 58 Prozent), Spanien (56 Prozent) sowie Rumänien (53 Prozent). Aber auch in Frankreich (49 Prozent) lag der entsprechende Anteil klar über dem EU-25-Durchschnitt (44 Prozent). In Deutschland sprachen 33 Prozent der Bürger neben ihrer Muttersprache keine weitere Sprache.

In 19 der 29 Staaten war Englisch Ende 2005 die am häufigsten gesprochene Fremdsprache, in 26 Staaten war Englisch eine der beiden meistgesprochenen Fremdsprachen. 38 Prozent der Bürger der EU-25 gaben an, dass sie ausreichende Englischkenntnisse besitzen, um eine Unterhaltung führen zu können. Französisch und Deutsch nannten jeweils 14 Prozent”.

Zum Fall Spanien folgendes Beispiel: Alle drei Premierminister Spaniens seit 1996 sprachen nicht mal Englisch: José María Aznar (PP), José Luis Rodríguez Zapatero (PSOE) und auch der aktuelle Premierminister Mariano Rajoy (PP) sprechen kein Englisch (auch wenn sie vielleicht den einen oder anderen einfachen Satz sagen können und vielleicht etwas Englisch verstehen). Von José María Aznar (PP) wird behauptet, dass er sich in den letzten Jahren bemüht hat, Englisch zu lernen.  

Dieser Weg der Auswanderung bleibt nur also einer Elite von südeuropäischen Jugendlichen vorbehalten. Die Masse der durchschnittlich ausgebildeten Südeuropäer ist mehr oder weniger gezwungen, in ihren jetzt wirtschaftlich darbenden und darniederliegenden Ländern zu bleiben.

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