Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 160

Der EP-Abgeordnete Sven Giegold (Die Grünen/EFA) war übrigens auch einer von denjenigen europäischen Politikern und Ökonomen, die darauf hingewiesen haben, dass die aktuelle Finanzkrise ab 2007 und Eurokrise nicht zuletzt etwas mit den in den letzten zehn Jahren massiv gestiegenen Rohöl-Preisen zu tun hat.

Seht hierzu den Artikel vom 19.7.2012 mit dem Titel “Rohstoffe: Die Euro-Krise ist auch eine Ölkrise” von Hans-Josef Fell (Bündnis 90/Die Grünen)  in “FTD“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Vor wenigen Jahren warnten viele Ökonomen, dass die Weltwirtschaft einen dauerhaft hohen Ölpreis von 100 Dollar pro Barrel nicht verkraften könne. Nun liegt dieser seit eineinhalb Jahren über oder um die 100 Dollar. Die Krise im Euro-Raum wird dabei fast ausschließlich als Finanz-, Banken- und Staatsschuldenkrise diskutiert. Die meisten Ökonomen, Finanzinstitute und politischen Akteure kümmern sich nicht um die Frage, ob denn die Krise auch etwas mit den steigenden Rohstoffpreisen zu tun hat.

Mit fatalen Folgen, denn der Einfluss der steigenden Rohstoffpreise auf die Euro-Krise ist massiv, höchstwahrscheinlich sogar dominant. Natürlich sind die Analysen im finanzpolitischen Raum existenziell wichtig. Sie sind notwendig, aber nicht hinreichend, um die Euro-Krise wirklich nachhaltig zu lösen.

Allein zwischen Oktober 2010 und September 2011 hat die Importabhängigkeit von Rohstoffen, insbesondere Erdöl, die 27 EU-Länder Netto 408 Mrd. Euro gekostet. Zum Vergleich: Das Leistungsbilanzdefizit der EU27 betrug im selben Zeitraum 119 Mrd. Euro, wie eine Studie von Sven Giegold aufzeigte. Dies bedeutet, dass die EU insgesamt eine sehr positive Handelsbilanz aufweisen könnte, wenn sie die Rohstoffimportrechnungen wenigstens halbieren könnte. Und mit einem steigenden Ölpreis steigt auch das Außenhandelsdefizit.

Die Politiker in Europa haben aber nun kaum Einfluss auf die globalen Rohstoffpreise. Denn diese folgen allein der weltweiten Relation von Angebot und Nachfrage. Die Nachfrage steigt weiterhin, aber das Angebot stagniert, seit der Peak der Förderung von Crude Oil im Jahre 2006 überschritten wurde. Von August 2008 bis Anfang 2009 sank der Ölpreis ja nur, weil der historisch hohe Ölpreis im Juli 2008 von fast 150 Dollar pro Barrel die Weltwirtschaft in eine tiefe Rezession schickte, ausgelöst durch die Lehman-Pleite, die mehr mit dem hohen Ölpreis zu tun hatte als allseits diskutiert.

Ab Mitte 2009 zogen dann die Weltwirtschaft und mit ihr der Ölpreis wieder an, bis auf 120 Dollar pro Barrel im März 2012. Seitdem beginnt der hohe Ölpreis, die Weltwirtschaft wieder auf den Rezessionspfad zu schicken – und erneut sinken die Ölpreise”.

Sven Giegolds Studie mit dem Titel “Aus der Eurokrise geht es nur mit dem Green New Deal” ist als PDF im Netz aufzufinden.

Wir erfahren in diesem PDF unter anderem: “Für die derzeitigen Schuldenländer Portugal, Italien, Griechenland, Irland und Spanien sind die teuren Importe von fossilen Energieträgern und anderen endlichen Rohstoffen besonders schmerzhaft. Da insbesondere die Einfuhren von Öl und Gas in den letzten Jahren – abgesehen vom konjunkturbedingten Rückgang 2008/09 – ungebremst weiter wuchsen, erreichten die Leistungsbilanzdefizite teilweise besorgniserregende Höhen. (…).

Beispielhaft sei Spanien herausgegriffen, wo die Lage besonders verheerend aussieht. 50% der Jugendlichen sind arbeitslos, während der Staat gegen die Krise anspart. Analog zur Entwicklung in der Eurozone gingen mit der Rezession die Importe fossiler Energieträger kurzfristig zurück.

Seither gelang es Spanien immerhin, seine Gasimporte einigermaßen konstant zu halten. Die Leistungsbilanz ist jedoch noch immer deutlich negativ.

Schuld daran sind die Kosten für die Öleinfuhren, die sich in den vergangenen drei Jahren wieder massiv ausweiteten, von 3,4 Mrd. € (Q1 2009) auf zuletzt 7,2 Mrd. € (Q3 2011). Die Abhängigkeit vom schwarzen Gold ist in Spanien fast so groß wie nie, obwohl die Wirtschaft auch 2011 lahmt. Ohne den Anstieg der Kosten für Importe von fossilen Energieträgern und anderen endlichen Rohstoffen wäre die Leistungsbilanz praktisch ausgeglichen und Spanien müsste sich nicht mehr weiter verschulden. Dass die Anpassung der Leistungsbilanz noch nicht gelang, ist also alleine schon durch die gestiegenen Ölimportkosten zu erklären!” (S 8 ff.).

Ich selbst habe einige Blogartikel zu diesem weltwirtschaftlich und ökologisch enorm bedeutenden Thema “Peak Oil” verfasst, das uns in Zukunft noch alle stark betreffen wird.

Seht hierzu unter anderem meinen Blogeintrag mit dem Titel “Eine entscheidende Ursache der aktuell steigenden Inflationsrate in der Eurozone: `Peak Oil´“.

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