Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 153

Weiter zu der für Deutschland und letztlich ganz Europa so zentralen Automobilbranche.

Seht zu diesem Thema auch den Artikel der Sendung “Plusminus” vom 26.9. mit dem Titel “Automarkt: Wie sich die Absatzflaute auf Deutschland auswirkt” in “DasErste.de“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Die Eurokrise schlägt sich auch auf den Automobilhandel nieder. Wie ernst die Situation der Autohändler tatsächlich ist, haben die Experten der Unternehmensberatung Roland Berger genauer untersucht. Demnach ist jeder fünfte Autohändler in Europa in finanziellen Schwierigkeiten. “Die Ausprägung ist natürlich in Südeuropa, in Ländern wie Spanien, Italien und Griechenland, wesentlich stärker. Auch Deutschland ist in gewisser Form betroffen, natürlich nicht so intensiv. Aber auch hier ist damit zu rechnen, dass einige Händler in die Insolvenz gehen werden, wenn nicht gegengesteuert wird”, sagt Marcus Hoffmann, Automobilexperte der Unternehmensberatung Roland Berger. Infolge der Eurokrise ist der Automobilmarkt also nicht nur in Südeuropa, sondern mittlerweile auch in Deutschland eingebrochen.

Glaubt man den Prognosen, steht Europa erst am Anfang einer Rezession. Nach Meinung der Autoexperten, wird es im nächsten Jahr die wenigsten Autoverkäufe seit 1993 geben. Weitere Insolvenzen von Händlern wären die Folge. Prof. Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte an der Universität Duisburg, sieht den europäischen Automarkt vor einem langen Prozess stehen: “Wenn wir uns die Eurokrise anschauen und Spanien mit 25 Prozent Arbeitslosigkeit sehen, dann müssen wir damit rechnen, dass es eine lange Krise sein wird. Die Südländer werden sehr lange brauchen, um sich zu erholen – damit auch die Automärkte. Also vor 2015 kann man überhaupt keine Entwarnung geben.”

Bei den Automobilherstellern gibt es extreme Unterschiede: Auf der Sonnenseite die Gewinner Daimler, BMW und allen voran VW. Hier werden Sonderschichten geschoben, um den Aufträgen nachzukommen. Auf der Schattenseite befinden sich die Verlierer Opel, Fiat, Ford und der französische Konzern PSA. Bei ihnen ist sogar Kurzarbeit angesagt. “Der wichtigste Grund für die Zweiteilung der Welt ist die globalisierte Ausrichtung der jeweiligen Hersteller. Hersteller wie beispielsweise PSA, Fiat und Opel sind sehr stark auf den europäischen Markt fokussiert. Wenn dieser Markt Probleme hat, sind die Hersteller davon erheblich betroffen”, erläutert Prof. Stefan Bratzel, Dozent und Leiter des Center of Automotive an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Hinzu kommt, dass diese Hersteller vor allem kleine und mittlere Autos in großen Stückzahlen für die breite Masse produzieren. Und genau diese Kunden halten sich beim Autokauf momentan zurück.

Beim Automobilhersteller Opel wird in den Werken in Rüsselsheim, Kaiserslautern und nun auch in Eisenach kurzgearbeitet. Auch Ford hat in Köln für einige Tage Kurzarbeit angemeldet. Weder Ford noch Opel wollen mit uns über dieses Problem vor der Kamera reden. Auch von den Betriebsräten bekommen wir Absagen. In der SMS eines Betriebsrates heißt es lediglich: “Hallo, bitte haben Sie Verständnis, dass ich aus Betriebsratssicht diese Fragen nicht kommentieren werde.”

Dagegen haben die Gewinner, wie VW, ihre Präsenz in anderen Weltregionen ausgebaut. Zum Beispiel in Nordamerika, hier wächst der Automarkt. Auch in China ist die Nachfrage nach deutschen Autos nach wie vor hoch. Davon profitiert das Unternehmen jetzt”.

Seht zu dieser Studie der Unternehmensberatung Roland Berger auch den Artikel vom 3.9.2012 mit dem Titel “Roland Berger sieht ein Fünftel der Händler in Schwierigkeiten” in der “Automobilwoche“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Die Schuldenkrise und die einbrechenden Automärkte in Europa könnten für zahlreiche Autohäuser das Aus bedeuten. Zwar werde sich der Markt nach einem für das laufende Jahr erwarteten sechsprozentigen Einbruch mittelfristig erholen, doch rund 20 Prozent der Händler seien finanziell unter Druck, heißt es in einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger. Hier müssten die Autohersteller schnell reagieren und wichtige Händler unterstützen, um die Funktionalität ihres Verkaufsnetzwerks zu erhalten, erklären die Studienautoren. Ansonsten könnten mit den Händlern auch die Verkäufe verloren gehen.

Problematisch sei in diesem Zusammenhang, dass die Hersteller sich nicht genügend über die finanzielle Lage der Händler im Klaren seien. “Viele Händler überschätzen ihre zukünftige finanzielle Stärke”, erklärte Automobilexperte Marcus Hoffmann. “Das macht es schwierig für die Hersteller, ein genaues Bild der Gefahr für diese Händler und ihr gesamtes Netzwerk in einem Markt zu bekommen.” Er empfiehlt der Herstellern deswegen, eine auf verschiedenen Szenarien aufbauende Cashflow-Vorhersage bei jenen Händlern zu treffen, die wichtig und in Gefahr seien. So habe man noch genug Zeit, um ihnen zu helfen”.

Zur aktuellen Lage der europäischen Automobilhersteller seht auch den Artikel vom 24.10.2012 mit dem Titel “Autobauer im Sog der Eurokrise – Staatshilfe und Schließungen” in “Focus“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Die Absatzkrise in Europa hat die Autohersteller voll erwischt.

Der US-Konzern Ford will sein Werk im belgischen Genk mit 4.300 Mitarbeitern schließen. Der französische Autobauer PSA (Peugeot, Citroën) nimmt Milliarden-Staatshilfe für seine Finanztochter. Daimler kassiert die Prognose für 2012. Und Branchenprimus Volkswagen berichtet über einen schrumpfenden operativen Gewinn.

Bei Daimler hieß es am Mittwochabend in Stuttgart: „Angesichts der deutlichen
Verschlechterung des Marktumfelds in wichtigen Märkten in den vergangenen
Monaten sowie einer Intensivierung des Wettbewerbs hat Daimler die
Ergebniserwartungen angepasst.“ (…).

Daimler-Chef Dieter Zetsche rechnet noch mit einem operativen Ergebnis von
ungefähr 8 Milliarden Euro, was knapp 9 Prozent unter Vorjahresniveau wäre. Die
Schwaben wollen mit einem Sparprogramm gegensteuern. Unter dem Strich verdiente
Daimler im dritten Quartal 11 Prozent weniger und kam auf 1,2 Milliarden Euro.
Operativ blieben 1,9 Milliarden, was ein leichtes Minus von zwei Prozent ist.
Die Umsätze stiegen merklich um 8 Prozent auf 28,6 Milliarden Euro.

VW steuert global betrachtet zwar weiter auf Rekordkurs bei Auslieferungen und
Umsatz, doch der schwache Europa-Markt sowie Investitionen in neue Modelle
drückten das operative Ergebnis im dritten Quartal um rund ein Fünftel auf 2,3
Milliarden Euro. Unterm Strich verdiente Volkswagen 11,3 Milliarden Euro (plus
59 Prozent) – allerdings ist ein Großteil davon auf die Komplettübernahme der
Sportwagenschmiede zurückzuführen. Deren Zahlen waren nach der Integration Anfang August erstmals in der VW-Bilanz enthalten.

Frankreich sagte PSA Peugeot Citroën staatliche Garantien von bis zu sieben Milliarden Euro zu, um die Zukunft der auf Fahrzeugkredite spezialisierten Finanzsparte sicherzustellen. Außerdem wurde die geplante Zusammenarbeit mit der schwächelnden General-Motors-Tochter Opel konkretisiert. Wie der deutsche Autobauer leidet PSA unter der Abhängigkeit vom europäischen Markt. In der Autosparte sank der Umsatz im dritten Quartal um 8,5 Prozent, teilte der nach VW zweitgrößte europäische Hersteller am Mittwoch mit.

Das Unternehmen hatte angekündigt, rund 8000 Jobs zu streichen und ein Werk bei
Paris zu schließen. Dies stößt auf Widerstand der Gewerkschaften.

Peugeot, Citroën und Opel wollen künftig auf vier gemeinsamen Plattformen Vans,
Mittelklasse-Autos sowie Kleinwagen bauen. Mit der Opel-Mutter GM war PSA Anfang
des Jahres eine eingegangen. Durch die Kooperation sollen nach spätestens fünf Jahren jährlich zwei Milliarden Dollar (1,5 Mrd Euro) eingespart werden. (…).Ford will wegen der Absatzkrise seine Produktion am belgischen Standort Genk bis
Ende 2014 stilllegen. Es soll mit den Arbeitnehmervertretern gesprochen werden,

kündigte Ford Europe in Köln an. Betroffen wären rund 4.300 Beschäftigte plus
etwa 5.000 Arbeitsplätze, die von dem Ford-Werk abhängen. Die Gewerkschaft CSC
Metea sprach von einer „bitteren Pille für die gesamte Region”.

Interessant bleibt natürlich weiterhin auch die Frage nach den Auswirkungen der Eurokrise in andere Weltregionen. Wichtig ist sind hier vor allem die USA und der asiatische Raum.

Die USA sind zur Zeit stark mit ihrer nächsten Präsidentschaftswahl beschäftigt, die am 6.11.2012 stattfindet.

Was nun die Auswirkungen der Eurokrise auf Asien angeht, so seht hier den Artikel vom 5.11 mit dem Titel “Asien: Euro-Krise dominiert Asia Europe Meeting” in der “Deutschen Welle“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Wenn sich die 27 EU-Länder mit ihren asiatischen Partnern am 5. und 6. November in Laos zum Asia Europe Meeting (ASEM) treffen, ist die To-do-Liste lang. Wirtschaftliche Zusammenarbeit, Kampf gegen Terror und Massenvernichtungswaffen, das Sicherstellen von Energie- und Nahrungsmittelsicherheit. All das steht auf der Tagesordnung. Das Motto lautet: “Freunde für Frieden, Partner für Wohlstand”. Trotz des breiten Themenspektrums wird das Treffen aber von der Euro-Krise dominiert.

Die Partnerschaft zwischen den asiatischen und europäischen Ländern ist für die EU vor allem wirtschaftlich bedeutsam. In der ersten Jahreshälfte 2012 exportierten die 27 EU-Staaten fast ein Drittel ihrer Waren in ASEM-Partnerländer. Die Einfuhren lagen sogar noch höher: 43 Prozent der Importe stammen laut EU-Statistik aus ASEM-Partnerländern.

Allerdings belastet die Euro-Krise das Verhältnis, wie Shada Islam, Asienexpertin und Mitglied des Forschungsinstiuts “Friends of Europe“, weiß: “Die Probleme in der Eurozone machen Asien schwer zu schaffen und die Asiaten haben Angst vor einer Ansteckung.” Zwar sei das Wachstum im Moment gut, aber die Sorgen bestünden weiter. Fraser Cameron vom EU-Asia Centre in Brüssel bringt es auf den Punkt: “Die asiatischen Führungskräfte werden Europa letztendlich fragen: Wann bringt ihr Ordnung in euer Haus?”

Generell müsse Europa darum kämpfen, weiterhin eine wichtige Rolle zu spielen, sagt Shada Islam: “Wir müssen realistisch sein: Europa ist nicht mehr die Top-Priorität für Asien. Asien orientiert sich sehr stark in Richtung USA und zunehmend auf sich selbst. Angesichts des starken asiatischen Wachstums ist Asien inzwischen fast autark. Deswegen muss sich Europa wirklich anstrengen.”

Tja, sieht so aus, als seien die asiatischen Führungskräfte vom bisherigen europäischen Krisenmanagment und wohl nicht zuletzt von der bisherigen Arbeit Wolfgang Schäubles und Angela Merkels in Sachen Eurokrise nicht sehr beeindruckt. Mir geht´s da genauso. Die Asiaten scheinen nicht dumm zu sein.

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