Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 148

Über die jetzige Fahrzeug-Absatzkrise in den südeuropäischen PIIGS-Staaten, die zunehmend die europäische und auch deutsche Automobilindustrie beschädigt, habe ich schon geschrieben. Das betrifft natürlich vor allem Spanien und Italien, die grossen und wirtschaftlich für die Eurozone sehr bedeutenden PIIGS-Staaten (jeweils viert- und drittgrösste Volkswirtschaft in der Eurozone).

Seht zu dieser auf die europäische und deutsche Automobilindustrie zurollende Krise nochmals den Blogeintrag mit dem Titel “Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 143“.

Natürlich werden durch diese Absatzkrise in den südeuropäischen PIIGS-Staaten auch die vielen deutschen mittelständischen Automobilzulieferer bedroht. Die Automobilzulieferer sind ein extrem wichtiger Wirtschaftszweig der deutschen Wirtschaft.

Wir erfahren im Wikipedia-Artikel zu den Automobilzulieferern: “Die überwiegende Zahl grundlegender Innovationen kommt aus der Zulieferindustrie. Zudem übernehmen Zulieferer immer mehr Leistungen bei Produktion und Entwicklung. Etwa 78 Prozent der Wertschöpfung wird von den Zulieferern geleistet – mit steigender Tendenz – und nur 22 Prozent von den Herstellern. Die offizielle Statistik zeigt bei der Beschäftigung etwa einen Gleichstand. Danach arbeiteten 329.000 Menschen 2006 bei den Herstellern und 321.000 bei den Zulieferern. Das Fraunhofer Institut ISI hat in einer Untersuchung festgestellt, dass der tatsächliche direkte Beschäftigungsanteil der Zulieferindustrie mit rund einer Million dreimal so hoch ist wie bisher angenommen”.

Diese Untersuchung stammt wohl aus dem Jahre 2007. Das damalige Projekt des “Fraunhofer Instituts für System und Innovationsforschung” trug die Bezeichnung “Internationale Produktions- und Standortstrategien deutscher Automobilzulieferer
– Erfolgsmuster und neue Ansätze für fundierte und zukunftsorientierte
Standortentscheidungen“.

Wir erfahren auf der Website des “Fraunhofer Instituts für System und Innovationsforschung” unter anderem folgendes über die Ergebnisse dieser Studie: ”

  • Quer zu den statistisch erfassten Branchen sind bei deutschen Automobilzulieferern etwa 990.00 Beschäftigte tätig. Dieser Wert liegt um den Faktor drei höher als die statistisch verfügbaren Zahlen.
  • 28 Prozent der Automobilzulieferer haben zwischen 2001 und 2003 Teile ihrer Produktion ins Ausland verlagert. Die neuen EU-Mitgliedsländer sind die attraktivste Zielregion (54 Prozent), bei den Gründen dominiert mit über 80 Prozent das Kostenargument.
  • Auf jeden dritten bis fünften Produktionsverlagerer kommt zwei Jahre später ein Rückverlagerer . Bei den Gründen für Rückverlagerungen dominieren Qualitätsprobleme, Kostenanpassungen, Lieferfähigkeit und Kommunikationskosten.
  • In Deutschland wachsende Automobilzulieferer investieren überdurchschnittlich in Forschung und Entwicklung und sind bei Prozessinnovationen führend.
  • Forschungs- und Entwicklungsaufgaben sowie Produktionsanläufe für neue Produkte werden großteils (noch) an deutschen Standorten durchgeführt”.

Diese Studie von Steffen Kinkel und Christoph Zanker wurde im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung durchgeführt und ein PDF mit einem Beitrag über diese Studie vom Januar 2007 mit dem Titel “Internationale Produktionsstrategien bei Automobilzulieferern – Erfahrungen und Muster” ist im WWW aufzufinden.

Seht nun zur aktuellen Situation der Automobilzulieferer in Deutschland einen Artikel vom 16.10. mit dem Titel “Euro-Krise: Conti sieht Zulieferer in Gefahr” in der “Financial Times Deutschland“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: Continental -Chef Elmar Degenhart sieht für kleinere und mittelständische Zulieferer schwarz. “Dauert die Absatzkrise in Europa länger als zwei Jahre, geraten einige dieser Zulieferer in schwere Zeiten”, sagte er im FTD-Gespräch. “Der Mittelstand ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, inklusive der Automobilindustrie. Es kann nicht in unserem Interesse sein als Systemlieferant, aber auch nicht im Interesse der Hersteller, dass es dort zu größeren Problemen kommt”, sagte der 53-Jährige.

Mit seiner Warnung steht Degenhart nicht alleine da. Auch andere große Zulieferer wie ZF hatten sich in den letzten Wochen äußerst besorgt über den Zustand der Branche geäußert. Kann der Mittelstand die Produktion von Teilen nicht mehr sicherstellen, könnte es im Extremfall auch bei den Branchengrößen Bosch, Conti oder ZF zu Lieferengpässen kommen. Zumindest erfordert es einen höheren Managementaufwand, die Lieferketten aufrecht zu erhalten. (…).

Die Pkw-Neuzulassungen sind den zwölften Monat in Folge geschrumpft, wie der Branchenverband Acea am Dienstag mitteilte. Mit Daimler und Volkswagen bekommen nun auch deutsche Autobauer die Krise in Europa stärker zu spüren. Insgesamt ging die Zahl der Neuzulassungen von Januar bis September um 7,6 Prozent auf 9.368.327 Autos zurück.

Kleinere Zulieferbetriebe leiden noch immer unter der großen Finanzkrise der Jahre 2008/2009. Nach den desaströsen Monaten mit Kurzarbeit und Konsolidierung folgte eine Phase des rasanten Aufstiegs. Forciert durch die starke Nachfrage in China, fuhren die Autobauer ihre Produktion schlagartig wieder hoch. Dies hatte zur Folge, dass kleinere Betriebe mit Investitionen kaum hinterher kamen. “Die Kapitaldecke ist nicht gerade dicker geworden”, so Degenhart. Nach den Rekordjahren droht nun wieder eine schwierigere Phase für die Autoindustrie – gerade in Europa”.

Am 31.10 erschien ein Artikel mit dem Titel “Nachfrageschwäche bei Autos: Conti schließt Kurzarbeit nicht mehr aus” ebenfalls in der “Financial Times Deutschland“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Die Absatzmisere in Südeuropa zwingt nun auch den Autozulieferer Continental zu Produktionskürzungen. “Ich kann Kurzarbeit nicht ausschließen”, sagte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Der Bosch-Konkurrent registriert in einigen Bereichen, wie dem Bau von Dieselmotoren für Kleinwagen, eine schwächere Nachfrage als noch vor wenigen Monaten erwartet. Als Konsequenz solle die Produktion an einigen Standorten zurückgefahren werden, sagte Schäfer.

Dies sei jedoch nicht in größerem Umfang geplant. Zunächst soll eine geringe Beschäftigung durch flexible Arbeitszeitmodelle abgefedert werden. Kurzarbeit sei das letzte Mittel. Dazu müsste ein Standort schon von einem deutlichen Produktionsrückgang betroffen sein. Die Aktie des DAX-Konzerns verlor in einem stabilen Umfeld leicht an Wert.

Mit Conti bekommt ein weiterer großer Zulieferer die Nachfrageschwäche in Europa zu spüren, der bislang nicht unter der Krise der Autobauer litt. Vor allem Hersteller wie FiatPeugeotFord und Opel, die am einzelnen Wagen wenig verdienen und auf hohe Stückzahlen setzen, geraten ins Schlingern und müssen die Produktion massiv zurückfahren, weil vor allem in Südeuropa kaum Neuwagen verkauft werden. Als erster Autokonzern hat Ford die Schließung von drei Werken in Belgien und Großbritannien angekündigt. Opel und Peugeot verhandeln über eine gemeinschaftliche Sanierung ihres verlustreichen Europa-Geschäfts. Fiat hat wegen der Misere seine Ziele für die nächsten Jahre zusammengestrichen.

Während Konkurrent Bosch und der Autobauer Opel bereits Mitarbeiter in die Zwangspause geschickt haben, will Conti den Auftragsrückgang zunächst durch Zeitkonten auffangen”. 

Auch der Geschäftsführer und Unternehmensvorsitzende für den Kfz-Bereich bei der Robert Bosch GmbH Bernd Bohr glaubt, dass auf die europäische Autoindustrie harte Zeiten zukommen, auch wenn sein eigener Betrieb zumindest im Moment offensichtlich noch recht gut am Markt positioniert ist. Der aktuelle Vorsitzende der Geschäftsführung bei der Robert Bosch GmbH ist zur Zeit Volkmar Denner.

Seht hierzu den Artikel vom 27.9. mit dem Titel “Überkapazitäten: Bosch malt düsteres Bild der Autobranche” ebenfalls in der “Financial Times Deutschland“.

Von den drei im obigen Artikel mitt dem Titel “Euro-Krise:Conti sieht Zulieferer in Gefahr” genannten grossen Automobilzulieferern (Bosch, Conti und ZF) sind zwei aus Baden-Württemberg: Bosch (Firmensitz: Gerlingen) und ZF (Firmensitz: Friedrichshafen).

Beide Firmen sitzen also in Schwaben. So kommt dann die aktuelle europaweite Politik der “schwäbischen Hausfrau” (siehe hierzu einen Artikel mit dem Titel “Sparen, ohne auf das Notwendige zu verzichten” auf der Website der INSM) am Ende auch in Schwaben selbst an.

Seht hierzu auch ein Video vom 8.8.2012 mit dem Titel “Die schwäbische Hausfrau als Vorbild in der Krise” in “Die Welt“.

Gelobt wird in diesem Video der Reichtum und die Sparsamkeit der Bewohner Gerlingens. Dieser Reichtum hat natürlich auch etwas mit der Robert Bosch GmbH zu tun.

Man wird schliesslich in erster Linie nicht durch´s Sparen reich, sondern dadurch, dass man mit Erfolg hochwertige Waren produziert und verkauft. Das ist in Schwaben nicht anders als zum Beispiel in Norditalien (wo die Hausfrauen wohl in der Regel etwas mehr Geld ausgeben und meistens auch eleganter angezogen sind).

Tja, vielleicht sollte man in Deutschland die europäische Wirtschaftspolitik lieber nicht den schwäbischen Hausfrauen überlassen. Die schwäbische Hausfrau mag eine Zierde ihrer Familie sein, aber die europäische Wirtschaftspolitik sollte vielleicht lieber von Spezialisten mit VWL-Kenntnissen und mit Kenntnissen der europäischen Wirtschaft geleitet werden. So sehe ich das zumindest und zum Beispiel Jens Berger anscheinend auch. Seht hierzu unter anderem auch den Artikel vom 13.2. von Jens Berger mit dem Titel “Die schwäbische Hausfrau als Kardinalfehler deutschen Denkens” in “Telepolis“.

Auch hier in meiner deutschen Heimat, in Freiburg und in vielen kleineren Orten im Schwarzwald allgemein, haben wir viele mittelständische kleinere Automobilzulieferer.

So kommt dann die Krise in meiner zweiten Heimat Madrid und Spanien am Ende in meiner ersten Heimat Freiburg und Deutschland an. Und das ist übrigens auch ganz logisch so.

Dieses Phänomen, das auch wirtschaftliche Aspekte umfasst, nennt man soziologisch “Glokalisierung“: Man produziert und lebt lokal und wird trotzdem massiv von der weltwirtschaftlichen Situation beeinflusst und steht zugleich auch in einem weltweiten Wettbewerb.

Daher haben Phänomene wie zum Beispiel die Finanzkrise ab 2007 oder eben die Eurokrise auch auf die jeweilige lokale Wirtschaft meistens einen grossen Einfluss, speziell natürlich dann, wenn man wie die meisten Orte in Deutschland vor allem von der Exportindustrie lebt.

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