Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 147

Am 29.10 erscheint ein Artikel mit dem Titel “Merkel lehnt Schuldenschnitt ab: In Griechenlands Euro-Krise ist kein Durchbruch in Sicht” in “Focus”.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem folgendes: “In Athen ziehen sich die Verhandlungen der griechischen Regierung mit den
internationalen Gläubigern weiter hin. In Brüssel sagte der Sprecher von EU-
Währungskommissar Olli Rehn: „Wir haben bisher noch kein Übereinkommen erzielt,
und ich habe keine genauen Anzeichen dafür, wie lange das noch dauern
wird.“

Regierungssprecher Steffen Seibert verwies am Montag ebenso wie
zuvor Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) darauf, dass Deutschland
Athen nach einem Schuldenerlass keine weiteren Kredite gewähren dürfte. Dies sei
nach Haushaltsrecht nur möglich, wenn der Schadenseintritt unwahrscheinlich sei.
Einem Schuldner, der gerade nicht seine Schulden zurückzahlt, könne man nicht
unmittelbar danach neue Kredite oder Garantien geben, erläuterte Seibert die
Position der Kanzlerin.

Nach unbestätigten Berichten will die Troika aus
Europäischer Union, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem
Währungsfonds (IWF) einen solchen Schuldenschnitt vorschlagen. Dieser treffe
diesmal vor allem öffentliche Gläubiger. Eine Bestätigung dafür gab es
allerdings auch am Montag nicht. Voraussichtlich am Mittwoch wollen die
Finanzminister der Eurozone in einer Telefonkonferenz das weitere Vorgehen
beraten. (…).

Unionsfraktionschef Volker Kauder wollte sich zu einem weiteren Schuldenschnitt
für Griechenland nicht äußern. Erst müsse der Troika-Bericht vorliegen.
Allerdings warnte er vor einer Überforderung der Griechen. „Klar ist und bleibt:
Griechenland muss die Auflagen erfüllen. Mehr sparen kann Griechenland jedoch
vermutlich nicht. Es muss daher jetzt darum gehen, dass die Strukturreformen und
die Privatisierung des Staatsbesitzes endlich angepackt werden.“

Kauder schloss weitere Hilfen für Griechenland nicht aus und hält eine eigene
schwarz-gelbe Mehrheit bei entsprechenden Abstimmungen für möglich. „Immer, wenn
es nötig war, hatten wir die eigene Mehrheit. Aber ich weiß auch, dass die
Situation in der Fraktion nicht einfach würde“, sagte der CDU-Politiker der
„Bild“-Zeitung (Montag). Notwendig seien „echte Fortschritte“ in Griechenland.

Schäuble lobte bei einem Besuch in Dublin die Erfolge Irlands im Kampf gegen die
Schuldenkrise. Er sei zuversichtlich, dass das Land wie geplant den
Euro-Rettungsschirm verlassen könne, sagte Schäuble am Montag”.

Nun, das Theater von “madame non” (= Angela Merkel) kennen wir ja schon zu Genüge. Lassen wir also das aktuelle politische Gezerre in der Eurozone um den vermutlich kommenden zweiten Schuldenschnitt in Griechenland mal beiseite und gehen wir mal auf Wolfgang Schäubles Lob für die vermeintlich positive derzeitige Entwicklung im PIIGS-Staat Irland ein.

Auch in Irland ist bisher keinerlei Wachstum in Sicht und die Iren sind im letzten Quartal ganz knapp an der Rezession vorbegeschrammt. Insofern habe ich meine Zweifel an der Berechtigung von Wolfgang Schäubles Optimismus was die Eurokrise in Irland angeht.

Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 20.9. mit dem Titel “Irland: BIP bleibt stabil, keine Rezession” in “DAF” (Deutsches Anleger Fernsehen).

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Die irische Wirtschaft ist im zweiten Quartal knapp an der Rezession vorbeigeschrammt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) blieb im Vergleich zum Vorquartal stabil, wie die Statistikbehörde des Landes berichtete. Im ersten Jahresviertel war das BIP nach revidierten Berechnungen um 0,7 Prozent geschrumpft. Vorläufig war ein Rückgang um 1,1 Prozent ausgewiesen worden. Zwei Quartale in Folge mit einer rückläufigen Wirtschaftsleistung verstehen Volkswirte als technische Rezession. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ging das BIP im zweiten Quartal um 1,1 Prozent zurück.

Die harten Reform- und Sparmaßnahmen der Regierung dämpfen weiterhin die Inlandsnachfrage und die sich eintrübenden globalen Wirtschaftsaussichten begrenzen die Möglichkeiten zur Steigerung der Exporte”.

Ohne Wachstum wird es aber für Irland genauso wie für alle anderen PIIGS-Staaten sehr schwer werden, seine hohen Schulden zurückzubezahlen.

Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 24.9. mit dem Titel “Ireland’s economic growth falls flat” von Philip Inman in der britischen Tageszeitung “The Guardian

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Irish politicians are masters of spin. From the aftermath of the credit crunch to the present day, every party except Sinn Féin has told the Irish people ‘don’t worry, things will turn out all right’.

The message from Dublin is relentless in its consistency and sophistication as it seeks to keep everyone from Cork to Sligo and Galway to Wicklow from losing hope in the Irish Tiger.

It doesn’t matter, the Treasury says, how much money has been borrowed from Brussels and the International Monetary Fund. Never mind that every bank is bust, just ignore house price falls of 50% or more. We will recover our swagger. We are not Greece, Portugal or even Spain.

From one angle the latest GDP figures for the second quarter could be used to bolster this argument. The outcome was the same as the first quarter. This flatlining contrasts with falls in other parts of the eurozone. Exports are strong and the economy has borrowed money on the open private markets for the first time in three years.

But the report from the Central Statistics Office makes for difficult reading if you are finance minister Michael Noonan.

GDP was expected to be in positive territory but failed to meet the target after a 0.4% fall in consumer spending on the previous quarter. Spending is now 10.3% below the pre-recession peak and at a new post-crisis low, as Michael Saunders, chief UK economist at Citi, points out.

In addition, investment fell 29.4% over the same period after a 26.5% rise in the first quarter.

Noonan was jubilant when the Q1 investment figure was released. It will be interesting to see how he explains the subsequent fall.

The trouble is the figures are always volatile because, as an offshore tax haven and manufacturing base for international companies, investments can be distorted by purchases beyond what an island with a population of 5 million would normally buy. In this case, the Q1 figure was inflated by purchases of large aircraft by leasing companies sheltered in Dublin.

Stripping out the volatile quarterly figures leaves investment 66% below the pre-recession peak and at the lowest since the current set of GDP data began in 1997.

Kasia Zatorska at Lombard Street Research says low growth will push up an already high 110% debt to GDP ratio (UK = 62%)

Saunders, chief UK economist at Citi, is concerned the Irish are battling into headwinds that will ultimately defeat them. The extent of the debts they must repay and the damage to the economy are too great for any country, even a hopeful and vigorous nation like Ireland. With a debt write-off from Brussels, they’ll never make it. Things will just get worse.

For Noonan, it’s time to admit that Ireland and Greece, while very different, are economically closer than he would like to admit. That is probably why the prime minister, Enda Kenny, spent Friday with Spain’s PM Mariano Rajoy and Mario Monti of Italy.

Saunders says that while this year’s government deficit will be close to Noonan’s 8.1% of GDP target, “over the longer term, Ireland’s ability to return to a sustainable fiscal path requires both fiscal austerity and economic growth. The underperformance of the economy in Q1 and Q2 reinforces our worries that, even with strict adherence to its fiscal plans, Ireland’s deficit and debt path will exceed official forecasts in coming years.”

Tja, auch für Michael Saunders, Chefvolkswirt für das Vereinigte Königreich von der Citigroup, sieht die Sache in Irland also nicht wirklich rosig aus. Auch er glaubt, dass ohne Wachstum die Sache in Irland weiterhin sehr prekär bleiben wird.

Und auch Kasia Zatorska von Lombard Street Research glaubt, dass das aktuelle schwache Wachstum in Irland dafür sorgen wird, dass die Schulden Irlands weiter steigen: “Kasia Zatorska at Lombard Street Research says low growth will push up an already high 110% debt to GDP ratio (UK = 62%)”.

Tatsächlich erfahren wir ja in diesem Artikel vom 24.9. mit dem Titel “Ireland’s economic growth falls flat” in “The Guardian“, dass die irische Wirtschaft immer noch eine klare “underperfomance” (deutlich unterdurchschnittliche Leistung) aufweist und weiterhin kein Wachstum vorhanden ist und der enstandene ökonomische Schaden vielleicht definitiv zu gross und der jetzige Schuldenstand vielleicht einfach zu hoch sind, selbst für eine hoffnungsvolle und kraftvolle Nation wie Irland.

Und in dem obigen Artikel erfahren wir ganz klar: “For Noonan, it’s time to admit that Ireland and Greece, while very different, are economically closer than he would like to admit”.

Nach Ansicht Philip Inman wird es also für den derzeitigen irischen Finanzminister Michael Noonan Zeit zuzugeben, dass Irland zumindest in wirtschaftlicher Hinsicht im Grunde wesentlich näher an Griechenland dran ist als er gern zugeben möchte.

Zur Diagnose der aktuellen wirtschaftlichen Situation in Irland seht auch den Artikel vom 20.9. mit dem Titel “Citigroup Warns Irish Investors to Plan for Losses” in “Bloomberg“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “All of the optimism that Ireland can raise money in the markets and avoid a debt restructuring is premature as the nation struggles to emerge from its worst recession in modern history, said Michael Saunders, Citigroup Inc.’s head of European economics in London.

“Ireland faces an almost impossible task to get back to fiscal balance,” Saunders said. Visits to the country showed “life is tough, very tough and not getting that much better anytime soon,” he said.

Saunders said a slower economic revival may eventually make Ireland’s debt, which more than tripled during the past five years, unsustainable. Gross domestic product was unchanged in the second quarter from the previous three months of the year, the Central Statistics Office in Dublin said today. Analysts had expected an increase of 0.7 percent. The economy contracted 1.1 percent from the second quarter last year”.

Tja, das klingt für mich alles nicht gerade wunderbar. Auch sonst gibt es eine frappierende Parallele zwischen Irland und den restlichen südeueropäischen PIIGS-Staaten: In allen PIIGS-Staaten sind seit Ausbruch der Krise die Selbstmordzahlen stark angestiegen.

Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 17.6.2012 mit dem Titel “Irish suicide numbers show sharp rise as recession takes its toll” in “IrishCentral“.

Seht hierzu auch den Artikel vom 15.4. mit dem Titel “Steigende Selbstmordraten: Wenn die Krise tötet” in “Spiegel Online

Seht hierzu den Artikel vom 4.4. mit dem Titel “Krise in Griechenland: Selbstmord aus Protest” in “taz.de“.

Seht hierzu den Artikel vom 4.5. mit dem Titel “Finanzkrise: Starker Anstieg von Selbstmorden in Südeuropa” in “Die Welt“.

Wenn die Leute sich in Irland genauso wie in den restlichen südeuropäischen PIIGS-Staaten reihenweise umbringen, kann die Lage in Irland schwerlich derart positiv sein, wie Wolfgang Schäuble jetzt behauptet. Das vermute ich zumindest.

Parallen zwischen Irland und den südeuropäischen PIIGS-Staaten gibt es auch im Hinblick auf die zunehmende extrem hohe Arbeitslosenquote und die zunehmende massive Verarmung breiter Schichten in allen diesen Ländern. Nur in Italien ist die Arbeitslosenquote mit ca. 10,7% aktuell noch halbwegs akzeptabel.

In Irland liegt die Arbeitslosenquote aktuell bei ca. 15%. Seht hierzu auch die Graphik mit dem Titel “Arbeitslosenquote in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union im August 2012 (saisonbereinigt)” in “Statista“.

Am 4.7.2012 erschien ein Artikel mit dem Titel “Arbeitslosenquote in Irland klettert auf 18-Jahres-Hoch” in “Die Welt“.

Wir erfahren in diesem kurzen Artikel: “Die Zahl der Arbeitslosen in Irland ist auf den höchsten Stand seit 18 Jahren geklettert. Wie das staatliche Statistikbüro am Mittwoch mitteilte, stieg die Erwerbslosenquote von 14,7 auf 14,9 Prozent. Die jüngsten Zahlen untermauern die Schwierigkeiten des Landes, seine Wirtschaft inmitten von Schuldenlast und Spardruck erfolgreich anzukurbeln.

Dass die Arbeitslosenquote nicht noch höher ausfiel, wird der Auswanderung Zehntausender Iren in andere englischsprachige Länder mit gesunderen Arbeitsmärkten zugeschrieben. Als beliebteste Zielorte gelten Großbritannien, Australien und Kanada. Im März 1994 hatte die Arbeitslosenquote in Irland 15 Prozent betragen”.

Seht zur Entwicklung der Arbeitslosenzahlen in der Eurozone unter anderem den Artikel vom 31.8. mit dem Titel “DFPIGS: Arbeitslosenquoten für Juli” im Blog “Querschüsse“.

Wir erfahren in diesem Artikel (der wie bei den meisten Artikeln dieses Blogs aufschlussreiche Charts enthält) unter anderem: “Heute veröffentlichte Eurostat die saisonbereinigten Arbeitslosenquoten für die EU17 und die EU27. In der Eurozone lag die saisonbereinigte Arbeitslosenquote im Juli 2012 bei 11,3%, nach aufwärtsrevidierten 11,3% im Vormonat (ursprünglich 11,2%). Die 11,3% entsprachen zugleich der höchsten Arbeitslosenquote seit Bestehen der Gemeinschaft und der höchsten Quote seit dem Beginn der Datenerhebung im Jahre 1995. In der Eurozone waren im Juli 18,002 Millionen Erwerbsfähige arbeitslos. In der EU27 lag die Arbeitslosenquote unverändert bei 10,4%, dies entsprach 25,254 Millionen Arbeitslosen.

Die dramatische Situation in der Eurozone äußert sich vor allem in hohen Arbeitslosenquoten der Südperipherie-Staaten. So lag die offizielle saisonbereinigte Arbeitslosenquote in Portugal im Juli unverändert bei 15,7%, in Italien unverändert bei 10,7% und in Griechenland, die mit ihrer monatlichen Datenerhebung immer um zwei Monate hinterherhinken, stieg die saisonbereinigte Quote für Mai auf 23,1% (+0,5 Prozentpunkte)! Die höchste Quote in der gesamten EU erzielte Spanien mit einem Anstieg auf 25,1% (+0,2 Prozentpunkte)”.

Wenn man sich nun die Charts in diesem Artikel vom 31.8. mit dem Titel “DFPIGS: Arbeitslosenquoten für Juli” anschaut, sieht man, wie auch auf der Ebene der Arbeitslosenzahlen die Eurozone seit Beginn der Eurokrise gnadenlos auseinanderdriftet: In Deutschland ist die Arbeitslosenquote seit dem Herbst 2009 gesunken, während sie in den südeuropäischen PIIGS-Staaten massiv hochgeschossen ist. Und auch in Frankreich beginnt die Arbeitslosenquote seit Januar 2012 langsam zu steigen (seitdem stagniert die französische Wirtschaft auch).

Seht zur aktuellen sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung in der Eurozone mit Focus auf die Entwicklung auf dem Eurozonen-Arbeitsmarkt auch den Artikel vom 1.10. mit dem Titel “Eurozone unemployment at fresh high” in “BBC News“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Last week, the European Commission warned of the existence of “a real social emergency crisis” due to the fall in household income and growing household poverty.

Youth unemployment remains a particular concern, with the rate among under-25s hitting 22.8% across the eurozone, and 52.9% in Spain.

The commission repeated its call to governments and businesses to act to try to avoid the “disaster” of “a lost generation”.

In Greece, the most recent figures recorded in June show that more than 50% of the young workforce has no job.

These two countries have by far the highest unemployment rate in the eurozone, as both governments look to cut spending and raise taxes to try and cut high debt levels.

The eurozone as a whole is also struggling to generate the economic growth needed to stimulate employment. Its economy shrank by 0.2% between April and June, with Italy and Spain stuck in recession and France registering no growth for the past three quarters.

The notable exception is the German economy, Europe’s biggest, which grew by 0.3% in the second quarter.

Across the wider 27-nation European Union, unemployment rose by 49,000 to 25.5 million people, Eurostat said, with the unemployment rate stable at 10.5%.

A commission spokesman said the total was “clearly unacceptable”.

Compared with a year earlier, the unemployment rate rose in 20 countries, fell in six and remained stable in the UK.

By way of comparison, the unemployment rate in the US was 8.1% in August and 4.1% in Japan.

The European Commission said last week that disparities between the best and worst performing economies had continued to widen in the second quarter of the year.

It also expressed concern about the social situation, which remained “very serious”.

The number of people experiencing financial stress remains historically high, it said in its latest quarterly review of the jobs situation across the European Union.

Household incomes had declined dramatically in Greece, where disposable incomes had dropped by 15.7% between 2009 and 2011, the commission said. Households in Ireland were living on 9% less.

Child poverty was also becoming an issue for an increasing number of households, particularly in countries where child benefits are inadequate.

Almost a fifth of families are at risk of poverty in Spain, Greece, Italy and Portugal, the review said”.

Wenn ihr diesen Bericht (review) der Europäischen Kommission im Detail studieren wollt, seht den Artikel vom 28.9. mit dem Titel “EU Employment and Social Situation Quarterly Review – September 2012” auf der Website der Europäischen Kommission. Dieser Artikel enthält auch ein umfangreiches PDF mit dem Titel “EU Employment and Social Situation Quarterly Review September 2012“.

Dieses PDF mit dem Titel “EU Employment and Social Situation Quarterly Review September 2012” zeigt auch in aller Klarheit, dass die Entwicklung in der Eurozone im Vergleich zur Entwicklung in den USA jetzt schon seit einiger Zeit deutlich abfällt.

Der Währungs- und Wirtschaftsraum der USA weist nun schon seit einiger Zeit eine deutlich bessere Entwicklung auf als die Eurozone, die offensichtlich insgesamt massiv am Absinken ist und mittlerweile auch insgesamt eine deutlich höhere Arbeitslosenquote als die USA aufweist.

In diesem Artikel vom 1.10. mit dem Titel “Eurozone unemployment at fresh high” in “BBC News” erfahren wir auch, warum Wolfgang Schäuble optimistisch ist: Nicht wegen Irland, denn den Iren geht es offensichtlich beschissen, genauso wie allen anderen Bewohnern der anderen PIIGS-Staaten auch, sondern wegen der aktuellen deutschen wirtschaftlichen Situation: “The notable exception is the German economy, Europe’s biggest, which grew by 0.3% in the second quarter”.

Im Klartext: Den Deutschen geht es trotz der massiven und schweren Krise in den PIIGS-Staaten immer noch gut. Und solange es den Deutschen gut geht, werden sie Wolfgang Schäuble und Angela Merkel in den nächsten Bundestagswahlen im Herbst 2013 gerne wieder wählen. Und deshalb ist Wolfgang Schäuble optimistisch. Und weiter als bis zur nächsten Wahl denkt in der Regel ein Politiker nie.

Und Wolfgang Schäuble weiß wohl auch genau, dass es für die Bewohner der PIIGS-Staaten kaum einen Grund für Optimismus gibt, sondern höchstens für Galgenhumor.

Den deutschen Wählern ist das sowieso alles scheißegal, denn sie merken von der Eurokrise noch fast nichts, wenn man davon absieht, dass die deutsche genauso wie die restliche europäische Automobilindustrie im zunehmend massiv verarmten Südeuropa kaum mehr Autos verkaufen kann, was natürlich die Exportzahlen der deutschen Automobilindustrie zunehmend schmälert. Darüber habe ich ja schon berichtet. Seht hierzu nochmals meinen Blogeintrag mit dem Titel “Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 143“.

Die Deutschen tanzen also auf der Eurozonen-Titanic als immer noch lustig auf dem Oberdeck, während im Unterdeck die Bewohner der PIIGS-Staaten langsam absaufen und die Franzosen auf dem Mitteldeck langsam nasse Füsse bekommen, denn die französische Wirtschaft stagniert mittlerweile seit Beginn dieses Jahres. Wir erfahren in diesem Artikel vom 1.10. mit dem Titel “Eurozone unemployment at fresh high” in “BBC News“: “France registering no growth for the past three quarters“.

Ausserdem braucht Wolfgang Schäuble schon aus taktischen Gründen unbedingt einen “Austeritätsmusterknaben” unter den PIIGS-Staaten, also ein Land, in dem die Austeritätspolitik vermeintlich positive Resultate zeigt. Dieses Land soll dann “beweisen, dass die Austeritätspolitik vernünftig und richtig ist.

Gab es also bei einem der PIIGS-Staaten auch nur einen lächerlich kleines, bisher immer trügerisches Anzeichen für eine gewisse Besserung, wurde diese vermeintlich positive Entwicklung von den neoliberalen deutschen Mainstream-Medien und den deutschen neoliberalen Politikern bisher noch immer als ein Triumph der Austeritätspolitik abgefeiert.

In der Vergangenheit wurde während der aktuellen Eurokrise schon Italien als dieser “Austeritätsmusterknabe” gehandelt, dann wieder Portugal oder eben Irland, wie gerade jetzt auch wieder mal.

Die rebellischen Griechen sind schon seit langem die Buhmänner der deutschen neolilberalen Politiker, weil sie gegen die Austeritätspolitik in ihrem Land aufbegehrt haben und Angela Merkels Besuche in Griechenland mittlerweile oft von rabiaten Protesten begleitet werden. Deshalb werden die Griechen von den deutschen Mainstream-Medien schon seit längerem in der Regel nur noch systematisch abgewatscht.

Und in Spanien haben wir mittlerweile ein derart brandgefährliches Gemisch aus massiver Rezession, steigenden Arbeitslosenzahlen und schwelender Bankenkrise, dass sowieso niemand ernsthaft mehr daran denkt, von einem “spanischen Austeritätsmusterknaben” zu reden.

Aber bei genauer Betrachtung gibt es diesen “Austeritätsmusterknaben” unter den PIIGS-Staaten schon seit langer Zeit nur noch in der Phantasie der deutschen neoliberalen Politiker der aktuellen deutschen schwarz-gelben Regierungskoalition (Kabinett Merkel II).

In der Realität hat die Austeritätspolitik in allen PIIGS-Staaten schon seit langer Zeit zu einem definitiv jämmerlichen und deprimierenden Ergebnis geführt.

Die vielen Selbstmorde in den PIIGS-Staaten sprechen eine Sprache, die viel klarer und deutlicher ist als die verlogenen Propagandasprüche aller deutschen neoliberalen Politiker.

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