Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 142

Ein interessanter Artikel mit dem Titel “Prognos-Studie: Euro-Austritt der Krisenländer könnte 17 Billionen kosten” ist am 17.10 in der “Süddeutschen Zeitung” erschienen.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Mit der Idee eines Ausstiegs Griechenlands aus der Euro-Zone hatten immer wieder deutsche Politiker geliebäugelt: Markus Söder (CSU) etwa, Bayerns Finanzminister, hielt im Juli den Austritt für “zwangsläufig”. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) befand sogar, ein Ausstieg habe längst “seinen Schrecken verloren”.

Nun zeichnet eine Studie der Bertelsmann-Stiftung mal ein völlig anderes Szenario: Bei einem Austritt Griechenlands aus dem Euro hätten die wichtigsten Volkswirtschaften bis 2020 einen Verlust von 674 Milliarden zu tragen. Ein Ausstieg der Euro-Länder Spanien, Italien, Griechenland und Portugal könnte sogar bis zu 17,2 Billionen Euro an Wachstumsverlusten führen, schreibt die Stiftung.

Das höchste Minus beliefe sich in Frankreich auf 2,9 Billionen Euro, in den USA auf 2,8 Billionen Euro, der Verlust in China auf 1,9 und in Deutschland auf 1,7 Billionen Euro. Die wirtschaftlichen Einbußen in Deutschland wären dann mit 21.000 Euro pro Kopf teilweise noch höher als etwa in Griechenland mit mehr als 15.000 Euro. (…).

Die Studie basiert auf Berechnungen des Basler Forschungsinstituts Prognos. Es analysiert unter der Annahme eines griechischen Euro-Austritts sowohl finanzielle Folgen als auch Wachstumsverluste für Deutschland und andere wichtige Industrie- und Schwellenstaaten bis 2020. Um die Ausstiegskosten berechnen zu können, wurde für alle betroffenen Länder ein Schuldenschnitt von 60 Prozent bei privaten wie öffentlichen Gläubigern angenommen. Zusätzlich wurde eine Abwertung von 50 Prozent der jeweils neu eingeführten Währungen in den Austrittsländern gegenüber dem Euro unterstellt”.

Tja, von der Bertelsmann-Stiftung halte ich eigentlich nicht viel. Aber die in Basel ansässige Prognos AG ist eines der ältesten Wirtschaftsforschungs- und Beratungsunternehmen Europas und scheint seriös zu sein. Ein PDF der Bertelsmann-Stiftung mit dem Titel “Bertelsmann Prognos-Studie Austritt Südeuropa Eurozone” erläutert die Ergebnisse dieser Studie etwas genauer.

Seht zu dieser Studie auch den Artikel vom 17.10 mit dem Titel “Horrorszenario: Grexit könnte 17,2 Billionen Euro vernichten” im “Handelsblatt“.

Weiterhin erläuternd auch der Artikel vom 18.10 mit dem Titel “Studie Bertelsmann Stiftung: Euro-Austritt Griechenlands könnte weltweite Wirtschaftskrise auslösen” auf der Website der Initiative “Ich will Europa“. Diese Initiative wird von 11 deutschen Stiftungen getragen.

Was nun die Entwicklung in den PIIGS-Staaten angeht, so sind hier in fast allen diesen Ländern im Jahre 2011 die Defizite und Schulden noch höher ausgefallen als erwartet. Nur in Italien hat sich das bisher erwartete Defizit bestätigt.

Die Kluft zwischen den PIIGS-Staaten und den anderen Eurozonen-Ländern wächst also weiter. Das sollte bei der bislang in diesen Ländern implementierten hirnrissigen Austeritätspolitik auch niemanden verwundern.

Seht hierzu einen Artikel vom 22.10 mit dem Titel “Defizitstatistik: Schulden der Euro-Krisenstaaten übersteigen Befürchtungen” im “Manager-Magazin“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “In den Euro-Krisenstaaten waren die Haushaltsdefizite im Jahr 2011 größer als bisher erwartet. Jedoch lag Deutschlands Defizit nach Angaben des Statistischen Amtes der EU (Eurostat) mit 0,8 Prozent im vergangenen Jahr niedriger als die bisher berechneten 1,0 Prozent.

Insgesamt sanken die Defizite in allen 17 Euro-Staaten auf 4,1 (2010: 6,2) Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Verschuldung stieg aber von 85,4 (2010) auf 87,3 Prozent im Jahr 2011.

Eurostat korrigiert damit – wie üblich – die im Frühjahr veröffentlichten vorläufigen Zahlen des Jahres 2011. Das tatsächliche Defizit Griechenlands lag 2011 mit einem Minus von 9,4 Prozent des BIP über der Frühjahrsschätzung von 9,1 Prozent. Griechenlands Verschuldung betrug 170,6 Prozent – und nicht, wie bisher angenommen, 165,3 Prozent.

In Spanien war das Defizit mit 9,4 Prozent fast einen ganzen Prozentpunkt höher als die bisher angenommenen 8,5 Prozent. Dies sei vor allem auf eine statistische Neuzuordnung von Bankenhilfen zurückzuführen, teilte Eurostat mit. Spaniens Verschuldung lag bei 69,3 statt bisher geschätzten 68,5 Prozent. In Portugal gab es 4,4 statt 4,2 und in Irland 13,4 statt 13,1 Prozent Defizit. Für Frankreich wurde der schon bisher angenommene Defizitsatz von 5,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes bestätigt. Auch für Italien bleibt es bei 3,9 Prozent”.

Was nun den Fall Griechenland angeht, so soll das schwer gebeutelte Land jetzt zwei Jahre mehr Zeit für die geforderten Reformen erhalten.

Seht hierzu zum Beispiel einen Artikel vom 23.10. mit dem Titel “Sanierung des Staatshaushalts: Euro-Staaten gewähren Griechenland zwei Jahre mehr Zeit” in der “Süddeutschen Zeitung“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Die griechische Regierung erhält zwei Jahre mehr Zeit für die Sanierung des maroden Staatshaushalts. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung muss Athen die Neuverschuldung statt 2014 erst 2016 wieder unter die EU-Obergrenze von drei Prozent der Wirtschaftsleistung drücken. Auch die Fristen für die Umsetzung von Reformen auf dem Arbeitsmarkt und in der Energiewirtschaft sowie für den Verkauf staatlicher Betriebe und Grundstücke werden verlängert. Zugleich kann Ministerpräsident Antonis Samaras damit rechnen, dass die Euro-Partner in Kürze den dringend benötigten nächsten Hilfskredit in Höhe von fast 32 Milliarden Euro freigeben werden.

Bei den Privatisierungserlösen peilt Athen nun bis Ende 2015 eine Summe von 8,8 Milliarden statt der bisher veranschlagten 19 Milliarden Euro an. Das ergibt sich aus dem Entwurf für ein sogenanntes Memorandum of Understanding, also für eine Absichtserklärung, die die Griechen und ihre internationalen Geldgeber miteinander ausgehandelt haben. Unklar blieb am Dienstag noch, wie die Lücke in der Finanzplanung für die Jahre 2013 und 2014 geschlossen werden soll, die durch die Zugeständnisse an Athen entsteht. Benötigt werden zusätzlich 15 bis 18 Milliarden Euro. Auch die Frage, wie sich Athen nach 2014 finanzieren soll, ist völlig offen.

Dass sich die Euro-Partner dennoch zu einem Entgegenkommen entschlossen haben, liegt daran, dass Griechenland die zugesagten Reformen erstmals beherzt umsetzt. Zudem sind die neuen finanziellen Probleme weniger auf politische Fehler als auf die tiefe Rezession im Land zurückzuführen, die auch die Geberstaaten so nicht erwartet hatten. Hinzu kommt, dass ein faktischer Rauswurf Griechenlands aus der Euro-Zone aus Sicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und anderen führenden Regierungschefs der EU politisch wie wirtschaftlich zu riskant wäre”.

Schon komisch, dass bei der in Griechenland seit dem Jahre 2009 (Beginn Griechische Finanzkrise) implementierten Austeritätspolitik niemand mit einer so tiefen Rezession gerechnet hat. Das ist schliesslich meist die normale Folge, wenn man in einem wirtschaftlich schon angeschlagenen Land eine Austeritätspolitik durchführt und das Land somit gnadenlos “kaputtspart“.

Immerhin scheinen Angela Merkel und vor allem auch die “Troika” (IWF, EU-Kommission und EZB) jetzt langsam zu kapieren, dass die griechischen Politiker keine wirklich so schweren Fehler bei der Umsetzung der Reformen gemacht haben und nicht die Hauptschuldigen beim bisherigen Scheitern der geplanten wirtschaftlichen Sanierung Griechenlands sind.

Niels Kadritzke hat zu diesem Thema der vermeintlich gravierenden Versäumnisse der griechischen Politiker bei der Umsetzung der von der “Troika” (IWF, EU-Kommission und EZB) geforderten Reformen schon am 30.8. einen interessanten Artikel mit dem Titel “Die griechischen `Versäumnisse´ werden von Berlin maßlos übertrieben” in den “Nachdenkseiten” veröffentlicht.

Niels Kadritzke stellt in diesem Artikel unter anderem fest: “Alles in allem gilt für die Vorwürfe der Troika an die Athener Adresse: Die Bedeutung der griechischen Versäumnisse für das bisherige Scheitern der Sparprogramme wird stark übertrieben. Das Motiv dafür liegt auf der Hand: Mit den – auf vielen Feldern berechtigten – Vorwürfen will man kritischen Fragen nach den offensichtlichen Strukturdefekten des ganzen Programms ausweichen. Darauf hat der Kolumnist Nick Malkoutzis in der Kathimerini vom 22. August hingewiesen: „Wenn man die Tatsache, dass Griechenland den fiskalischen Zielvorgaben der Troika ständig hinterher hechelt, mit der griechischen Laxheit erklären will, ist das nichts als ein Trick.“ Die eigentlichen Ursachen sieht Markoutzis zurecht in der „unaufhörliche Verschlechterung der Wirtschaftsdaten und in den politischen Schwierigkeiten bei der Durchsetzung einer Austeritätspolitik, die für ein Euroland beispiellos ist.“

Tja, so sehe ich das allerdings auch. Bisher wollte man die strukturellen Schwächen der bisher in Griechenland implementierten Austeritätspolitik bei der “Troika” (IWF, EU-Kommission und EZB) und auch bei der aktuellen schwarz-gelben deutschen Regierungskoalition (Kabinett Merkel II) nicht erkennen und eingestehen.

Jetzt allerdings scheint sich das etwas geändert zu haben und langsam scheinen auch die Verantwortlichen in der “Troika” (IWF, EU-Kommission und EZB) und vielleicht auch Angela Merkel und Wolfgang Schäuble zu begreifen, dass hier schwere Fehler gemacht worden sind.

Die vielleicht gravierendste Folge des bisherigen Missmanagments der Eurokrise (hier muss wieder in erster Linie die fatale Austeritätspolitik erwähnt werden) ist wohl das massive Ansteigen der Jugendarbeitslosigkeit in der Eurozone seit dem Jahre 2009 (Beginn Griechische Finanzkrise). Dies betrifft bisher natürlich in erster Linie die Jugendlichen in den PIIGS-Staaten.

Und diese massiv ansteigende Jugendarbeitslosigkeit in der Eurozone hat natürlich auch massive ökonomische Folgen: Denn diese arbeitslosen Jugendlichen sind in ihrer jetzigen Situation unproduktiv und “produzieren” in ihren jeweiligen Ländern letztlich nur Sozialkosten (von ihrem emotionalen Elend mal ganz abgesehen, das gar nicht finanziell verrechnet werden kann).

Seht hierzu nochmals einen kurzen aber klaren Artikel vom 23.10. mit dem Titel “Euro-Krise: Jugendarbeitslosigkeit kostet jährlich 153 Milliarden Euro” in “Spiegel-Online“.

Mit den Ergebnissen dieser Studie von Eurofound (Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen) und dem PDF dieser Studie mit dem Titel “NEETs – Young people not in employment, education or training: Characteristics, costs and policy responses in Europe” verlinkt ist der Artikel vom 23.10 mit dem Titel “Eurofound-Studie: Arbeitslose Jugendliche kosten Europa 153 Milliarden im Jahr” in “Zeit Online“.

Heute, am 24.10, hat nun auch EZB-Chef Mario Draghi seine Politik unter anderem vor den Mitgliedern des Haushalts-, des Finanz- und des EU-Ausschusses des Bundestags sowie den parlamentarischen Geschäftsführern der Fraktionen und über 100 Bundestagsabgeordneten aller Fraktionen erläutert.

Bis auf einige notorische Dauerkritiker vom Schlage des selbsternannten “EurorebellenFrank Schäfflers konnte Draghi anscheinend die meisten Parlamentarier überzeugen und ihnen die Angst vor dem Inflationsgespenst nehmen. Ihr findet zu diesem Auftritt Draghis natürlich zahlreiche Artikel in den Online-Portalen deutscher Magazine und Zeitungen.

Recht vernünftig finde ich den Artikel vom 24.10 mit dem Titel “Draghi besänftigt im Bundestag Kritiker” in “Die Welt“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “EZB-Präsident Mario Draghi hat den umstrittenen Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) in der Euro-Krise im Bundestag vehement verteidigt. In einer Sitzung des Haushalts-, Finanz- und Europa-Ausschusses wies er am Befürchtungen vor eine stärkeren Inflation zurück.

Übermäßige Risiken für die Steuerzahler sieht der EZB-Chef nicht. Auch die Unabhängigkeit der Notenbank ist Draghi zufolge nicht gefährdet.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) zeigte sich nach dem gut zweistündigen Auftritt Draghis vor etwa 150 Parlamentariern zufrieden. Er sprach wie der EZB-Chef von einem vertrauensbildenden Schritt. «Mein Eindruck ist, dass das Gespräch … sehr dazu beigetragen hat, wechselseitig etwas besser sowohl Besorgnisse als auch Absichten zu verstehen», sagte Lammert. Draghi betonte, seine Botschaft sei: Das geplante Anleihenkaufprogramm sei voll gedeckt von dem EZB-Mandat, im Euro-Raum für Geldwertstabilität zu sorgen.

Vertreter von Union und FDP äußerten sich überwiegend positiv über Draghis Erläuterungen. «Seine Antworten waren sehr überzeugend», sagte CDU-Haushaltsexperte Norbert Barthle. Die geäußerten Inflationsängste seien unbegründet. FDP-Generalsekretär Patrick Döring begrüßte, dass sich Draghi dem Bundestag in diesem Format gestellt habe. Der EZB-Chef habe klar gemacht, dass er im Moment keine Inflationsgefahren sehe und er ihnen gegebenenfalls entschieden entgegentreten werde. FDP-Politiker und Euro-Kritiker Frank Schäffler warf dem EZB-Chef dagegen erneut vor: «Er schleift die Stabilitätsregeln.»

Aus Sicht von Carsten Schneider, haushaltspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, hat Draghi die Kritik an der fehlenden Legitimation der EZB-Strategie nicht ausräumen können. Priska Hinz von den Grünen betonte: «Die Aussagen von Mario Draghi haben gezeigt, dass das Eingreifen der EZB in der Krise nötig ist, weil das Vertrauen in den Euro gestört ist.» Die Ausführungen Draghis zur Unabhängigkeit der EZB, zur Geldpolitik und zur Möglichkeit, Anleiheankäufe nicht nur zu kontrollieren, sondern auch einzustellen, müssten nun auch die Dauer-Kritiker der Koalition überzeugt haben”.

Ausserdem ist dieser Artikel mit dem Titel “Draghi besänftigt im Bundestag Kritiker” mit dem Transkript der Rede Mario Draghis auf der Website der EZB verlinkt. Ihr könnt so selbst nachlesen, was Draghi hier vor den Bundestagsabgeordneten erläutert hat.

Das wichtigste in dieser Rede Mario Draghis ist natürlich die Begründung, die der aktuelle EZB-Chef für das am 6.9 beschlossene Programm “Outright Monetary Transactions” geliefert hat.

Ich gebe diesen entscheidenden Abschnitt hier wieder: “Beginnen möchte ich mit den Herausforderungen, vor denen der Euroraum aktuell steht. Für die nahe Zukunft rechnen wir damit, dass das Wirtschaftswachstum im Eurogebiet schwach bleibt. Hierin schlagen sich unter anderem die Anpassungen nieder, die in vielen Ländern vorgenommen werden, um die Grundlagen für zukünftigen nachhaltigen Wohlstand zu schaffen. Im nächsten Jahr dürfte die Konjunktur sehr allmählich wieder anziehen. Die Arbeitslosenzahlen im Euroraum sind nach wie vor alarmierend hoch.

In diesem Umfeld hat die EZB mit Leitzinssenkungen reagiert. Normalerweise würden diese relativ gleichmäßig an Unternehmen und private Haushalte im gesamten Eurogebiet weitergegeben werden. Wie wir beobachten konnten, war dies jedoch nicht der Fall.

In einigen Ländern wurden die Zinssenkungen vollständig weitergegeben, in anderen gingen die Zinsen für Bankkredite an die Realwirtschaft hingegen nur geringfügig – wenn überhaupt – zurück. Und in manchen Volkswirtschaften legten die Kreditzinsen teilweise sogar zu.

Doch wie kam es zu diesen Divergenzen? Diese Frage würde ich gerne ausführlich behandeln, da sie für das Verständnis unserer Vorgehensweise zentral ist. Ein grundlegendes Konzept für Zentralbanken ist die sogenannte „geldpolitische Transmission“. Diese beschreibt, wie Leitzinsänderungen der Notenbank über das Finanzsystem an die Realwirtschaft weitergegeben werden.

In einem gut funktionierenden Finanzsystem besteht ein stabiler Zusammenhang zwischen den Leitzinsen der Zentralbank und den Zinsen, die Banken von Unternehmen und privaten Haushalten für Kredite verlangen. Dieser Zusammenhang ermöglicht es den Notenbanken, die gesamtwirtschaftlichen Bedingungen zu beeinflussen und Preisstabilität sicherzustellen.

Aber im Finanzsystem des Eurogebiets traten zunehmend Störungen auf, und im einheitlichen Finanzmarkt kam es zu einer schwerwiegenden Fragmentierung. Die Refinanzierungskosten der Banken entwickelten sich in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich. Der Interbankenmarkt des Euroraums war für zahlreiche Banken – und in einigen Ländern sogar für das gesamte Bankensystem – de facto geschlossen. Die Zinssätze für Staatsanleihen schnellten in einigen Ländern in die Höhe, was einen Anstieg der Finanzierungskosten inländischer Banken nach sich zog und deren Zugang zu Refinanzierungsmärkten weiter erschwerte.

Dies war einer der Hauptgründe für die beträchtlichen Unterschiede bei der Weitergabe der Zinsen durch die Banken an Unternehmen und private Haushalte im Eurogebiet. Die Zinsen müssen nicht im gesamten Euroraum gleich sein. Inakzeptabel sind allerdings große Zinsunterschiede, die auf gestörte Kapitalmärkte oder die Befürchtung, dass der Euroraum auseinanderbrechen könnte, zurückzuführen sind. Die Fragmentierung des einheitlichen Finanzmarkts hat zu einer Fragmentierung der einheitlichen Geldpolitik geführt. In einer Volkswirtschaft wie dem Euroraum, in der sich die Unternehmen zu etwa 75 % über Banken finanzieren, hat eine solche Entwicklung sehr gravierende Folgen für die Realwirtschaft, die Investitionstätigkeit und die Beschäftigung.

Ländern mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten kamen unsere niedrigen Leitzinsen nicht zugute, und sie konnten keine Erholung verzeichnen. Stattdessen fanden sie sich in einem Teufelskreis wieder.

Das Wirtschaftswachstum ging zurück. Die Staatsfinanzen verschlechterten sich. Banken und Regierungen waren gezwungen, noch höhere Zinsen zu zahlen. Das Kredit- und Wirtschaftswachstum schrumpfte weiter, wodurch die Arbeitslosigkeit stieg, der Konsum abnahm und die Investitionstätigkeit nachließ. In mehreren Volkswirtschaften hätten Deflationsrisiken eintreten können.

Angesichts dieser Situation wurden die Aussichten für die Wirtschaft des Euroraums insgesamt immer unsicherer mit potenziell negativen Folgen für den europäischen Binnenmarkt, da für den Zugang zu Finanzmitteln in zunehmendem Maße der Standort – und weniger die Kreditwürdigkeit oder die Qualität eines Projekts – ausschlaggebend war.

Die Störung der geldpolitischen Transmission ist ein tiefgreifendes Problem. Sie gefährdet die einheitliche Geldpolitik und die Fähigkeit der EZB, Preisstabilität zu gewährleisten. Daher war die EZB der Auffassung, dass gehandelt werden musste”.

Tja, diese Erklärung Mario Draghis ist einsichtig und logisch und meiner Meinung nach auch zutreffend.

Weiterhin erläuternd ist der Artikel vom 24.10. mit dem Titel “Bundestag: Draghi steht Rede und Antwort” in der Website der “Deutschen Welle“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Mit dem Europäischen Parlament pflegt der Präsident der Europäischen Zentralbank einen regelmäßigen Austausch. Dass Mario Draghi (im Bild mit Bundestagspräsident Norbert Lammert) nationale Parlamente in der Eurozone besucht, ist hingegen alles andere als üblich. Aber besondere Zeiten erfordern wohl besondere Maßnahmen. Nicht nur, dass es in Deutschland große Vorbehalte gegen die Ankündigung der EZB gibt, unbegrenzt Staatsanleihen von europäischen Schuldenstaaten aufzukaufen. Auch der deutsche Vertreter im EZB-Rat, Bundesbankpräsident Jens Weidmann, ist gegen das Aufkaufprogramm – und stimmte bekanntlich als einziges Ratsmitglied dagegen.

Vertrauen schaffen, Bedenken ausräumen, Besorgnisse und Absichten verstehen – so lautete dann auch die Devise, mit der EZB-Präsident Mario Draghi nach Berlin kam. In zwei Runden sprach er zunächst mit den Vorsitzenden der Ausschüsse Haushalt, Finanzen und europäische Angelegenheiten sowie den parlamentarischen Geschäftsführern der Fraktionen. Anschließend stand er weitere zwei Stunden lang mehr als einhundert Abgeordneten aller Fraktionen Rede und Antwort.

Man habe, so formulierte es Bundestagspräsident Norbert Lammert anschließend, “über eine Aufgabenstellung gesprochen, die wir in unterschiedlichen Rollen als gemeinsame Verantwortung empfinden”. Das Treffen habe das gegenseitige Verständnis durchaus gefördert. “Es hat auch, wenn mein Eindruck mich nicht sehr trügt, zur Vertrauensbildung beigetragen, die wir beim Zusammenwirken von Regierungen und Parlamenten und der Europäischen Zentralbank mit dem Ziel der Stabilität unserer gemeinsamen Währung und der Erreichung unserer wirtschafts- und fiskalpolitischen Ziele dringend brauchen.”

Mario Draghi wirkte nach dem Gespräch mit den Abgeordneten durchaus zufrieden. Der Austausch sei sehr produktiv und weitreichend gewesen. “Diese Sitzung hat dazu beigetragen, eine neue Vertrauensbasis zu bilden in Bezug darauf, was die EZB tut und wie das in der deutschen Öffentlichkeit wahrgenommen wird”, so Draghi.

Die meisten Fragen der Abgeordneten bezogen sich auf das Ankaufprogramm für Staatsanleihen, offiziell Outright Monetary Transactions (OMT) genannt. “Diese Maßnahmen stehen in voller Übereinstimmung mit unserem Mandat, für die mittelfristige Preisstabilität in der ganzen Eurozone zu sorgen, sie stimmen mit unserer geldpolitischen Unabhängigkeit überein und sie wurden keineswegs darauf ausgerichtet, die Fiskaldisziplin in den Ländern des Euroraums zu reduzieren”, so Draghi. Den Bedenken der Bundesbank, auf Deutschland kämen mit dem Ankaufprogramm erhöhte Risiken zu, widersprach der EZB-Präsident erneut. Die Käufe heizten auch die Inflation nicht an. Für jeden Euro, den die EZB dem Markt zuführe, werde sie einen Euro entziehen, versprach Draghi den Abgeordneten”.

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