Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 136

Über Wolfgang Schäubles Herkunft und Ausbildung erfahren wir im entsprechenden Wikipedia-Artikel: “Wolfgang Schäuble kam 1942 als mittlerer von drei Söhnen zur Welt. Sein Vater war der CDU-Politiker Karl Schäuble (1907–2000), der von 1947 bis 1952 Abgeordneter im badischen Landtag war, und seine Mutter Gertrud Schäuble geb. Göhring.

Nach dem Abitur 1961 am Gymnasium in Hausach, dem heutigen Robert-Gerwig-Gymnasium, absolvierte Schäuble ein Studium der Rechts– und Wirtschaftswissenschaften in Freiburg und Hamburg, das er 1966 mit dem ersten juristischen Staatsexamen beendete. Im Jahr 1970 folgte das zweite juristische Staatsexamen.

1971 wurde er nach Vorlage einer Arbeit über Die berufsrechtliche Stellung der Wirtschaftsprüfer in Wirtschaftsprüfungsgesellschaften zum Dr. iur. promoviert. Er trat dann in die Steuerverwaltung des Landes Baden-Württemberg ein und war hier zuletzt als Regierungsrat beim Finanzamt Freiburg tätig. Anschließend war er von 1978 bis 1984 als Rechtsanwalt beim Landgericht Offenburg zugelassen.

Tja, und jetzt ist Wolfgang Schäuble Bundesfinanzminister und soll die Eurokrise lösen und den Euro und die Eurozone retten. Und damit ist dieser eher mittelmässig ausgebildete, provinzielle “Badenser” natürlich heillos überfordert und kriegt die Sache nicht auf die Reihe.

Man nennt das, was hier Wolfgang Schäuble passiert ist, übrigens das “Peter-Prinzip“.

Wir erfahren im Wikipedia-Eintrag zum “Peter-Prinzip“: “Das Peter-Prinzip wurde mit Notizen von Laurence J. Peter durch Raymond Hull in seinem Buch “The Peter Principle” formuliert:

„In a hierarchy every employee tends to rise to his level of incompetence.“

auf Deutsch

„In einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen.“

Einzige Einschränkung: Die Hierarchie muss hoch genug sein, also genügend Hierarchie-Stufen enthalten”.

Tja, so ist es. Warum ist Wolfgang Schäuble nicht einfach Regierungsrat beim Finanzamt Freiburg oder Rechtsanwalt in Offenburg geblieben? Warum ist er nicht einfach ein badischer Regionalpolitiker geblieben wie schon sein Vater? Er hätte hier in Südbaden ein gutes Leben ohne allzuviel Stress und Herausforderungen gehabt in einer eher ruhigen Umgebung.

Manche Leute wollen anscheinend unbedingt hoch hinaus. Sowas passiert dauernd, Wolfgang Schäuble ist nur ein Beispiel von vielen.

Angela Merkel ist übrigens ein ähnlicher Fall. Angela Merkel war bis zum Fall der Mauer im Jahre 1989 eine unauffällige, angepasste Mitläuferin im DDR-System und zugleich Physikprofessorin an der Akademie der Wissenschaften der DDR. Und sie hat bis heute nicht die geringste Ahnung von Volkswirtschaftslehre.

Warum will so jemand wie Angela Merkel jetzt plötzlich die Eurozone wirtschaftlich “führen” und sogar in gewisser Weise “Weltpolitik” betreiben? Die Eurozone ist von seinem BIP her schliesslich zusammen mit den USA einer der beiden der grössten Wirtschafts- unw Währungsräume der Welt. Hier habt ihr einen Wikipedia-Artikel mit dem Titel “Liste der Länder nach Bruttoinlandsprodukt“.

Zu Angela Merkels Biographie seht nicht zuletzt meinen Blogeintrag “Angela Merkel: Die Biographie einer Opportunistin“.

Dass sich die Austeritätspolitik in den PIIGS-Staaten nicht rechnet, weiss der IWF übrigens schon länger. Ich habe in diesem Blogartikel schon darüber berichtet, und zwar im Eintrag “Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 111“.

Ich wiederhole hier nochmals aus diesem Blogeintrag:

Einen Artikel mit dem Titel “Excessive austerity doesn’t pay, IMF economists show” hat am 23.8. der “International Economics“-Korrespondent des “Handelsblattes” Olaf Storbeck in seinem Blog “Economics Intelligence” veröffentlicht.

In diesem Artikel bemerkt Olaf Storbeck unter anderem: “A new research paper published by the research department of the International Monetary Fund (IMF) backs his claim. Countries trying to consolidate their public finances in the midst of a recession need patience and a steady hand, the paper entitled “Successful Austerity in the United States, Europe and Japan” concludes.

Given the fact that the IMF is part of the troika that insists on severe austerity programs in return for bailout funds, this  is quite a perplexing message.

A research team lead by IMF’s economist Nicoletta Batini analysed the history of austerity programs in industrial countries using state-of-the-art macro methods. They came to the conclusion that overly ambitious austerity programs implemented in economic downturns are self-defeating:

“The analysis in this paper shows that withdrawing fiscal stimuli too quickly in economies where output is already contracting can prolong their recessions without generating the expected fiscal saving.”

Without specifically discussing the Greek  case, the paper indirectly suggests  the excessive fiscal consolidation the troika forced upon the stricken country probably made things worse. According to figures published by the German Council of Economic Advisors, Greece has cut back its fiscal deficits rather vigorously.

From 2009 to 2012 the fiscal deficit shrunk by 9 percent of GDP and the structurally adjusted fiscal deficit was reduced by more than 14 percent. Simultaneously, however, economic output collapsed by more than 20 percent, and public debt exploded.

Excessive austerity measures in a recession can trigger a vicious circle, the IMF researchers warn in their paper. Declining output, diminishing tax revenue and expenditure cuts can reinforce each other – “a snowball effect”, as the economists call it. They advise governments to allocate consolidation measures evenly over several years. (…).

The results confirm an old hypothesis that dates back to the heydays of John Maynard Keynes. However, a lot of contemporary macro economists have been severely questioning the Keynesian view on fiscal policy and growth for decades. They suggest that fiscal retrenchment can boost economic prosperity even in the short run because it might foster confidence in the private sector.

In real life, however, this theory apparently does not hold the water. (…).

The results of the new paper are also stunning with regard to the optimal composition of austerity programs. Currently, most economists recommend cutting government expenditures rather than hiking taxes as the most growth friendly strategy. However, as Batini et al. point out, depending on the economic environment, this can turn out to be a dangerous piece of advice.

In a recession, cutting government outlays proves to be rather detrimental to growth. According to the results, the fiscal multiplier for so-called expenditure shocks varies between 1.6 and 2.6. This means that every Euro of cuts costs 1.60 to 2.60 Euro of GDP. Tax hikes are significantly less harmful: The fiscal multiplier only ranges between 0.16 and 0.35.

Unfortunately, however, most crisis countries in the Euro area heeded the prevalent economic advice and gave a higher priority to cuts rather than to tax hikes, as Laura Weymes, an economist with the Central Bank of Ireland, recently stressed in a paper:

Currently, the composition of consolidation programs across the broader EU appear balanced slightly in favour of expenditure.”

This might have exacerbated Europe’s problems“.

Im Klartext: Übermässige Austeritätsmassnahmen führen in eine verderbliche prozyklische Wirtschaftspolitik und in einen gefährlichen negativen “Teufelskreis“. Und wer das schon wusste war John Maynard Keynes (1883-1946).

Und Steuerhöhungen beschädigen das Wachstum (beziehungsweise das BIP) deutlich weniger als das Zusammenstreichen der Staatsausgaben.

Dennoch bevorzugen es die aktuellen Eurokrisen-Staaten (PIIGS-Staaten), ihre Staatsausgaben gnadenlos zusammenzustreichen und sind mit Steuererhöhungen eher zögerlich.

So die Ergebnisse einer neuen Studie mit dem Titel “IMF Working Paper – Successful Austerity in the United States, Europe and Japan“, verfasst von Nicoletta Batini, Giovanni Callegari and Giovanni Melina, die von der Forschungsabteilung des IWF erstellt wurde.

Der IWF weiss also im Prinzip schon seit Ende August 2012 Bescheid. Excessive austerity measures in a recession can trigger a vicious circle, the IMF researchers warn in their paper. Declining output, diminishing tax revenue and expenditure cuts can reinforce each other – “a snowball effect”, as the economists call it”: Ich wiederhole hier nochmals das zentrale Ergebnis dieser Studie mit dem Titel “IMF Working Paper – Successful Austerity in the United States, Europe and Japan“.

Eine gute Analyse der Situation, in der sich aktuell die Eurozone befindet, hat Ashoka Mody in einem Artikel am 10.10. mit dem Titel “Das Zeitfenster für die Eurozone schrumpft” in “Project Syndicate” veröffentlicht.

In diesem Artikel stellt Ashoka Mody unter anderem fest: “Portugal hat seinen Kreditgebern vor kurzem ein Angebot gemacht: Statt im September 2013 fällige Anleihen einzulösen, würde die Regierung ihre Tilgungsverpflichtung bis Oktober 2015 strecken. Die Transaktion wurde am 3. Oktober abgeschlossen und wird als erfolgreicher Markttest für Portugal interpretiert. Irland hat in letzter Zeit ähnliche Geschäfte abgewickelt und Kurzläufer gegen Papiere mit längeren Laufzeiten getauscht.

Diese Transaktionen lassen die breiter angelegte Strategie erkennen, sich Zeit zu erkaufen. Beide Länder haben begonnen, sich aus der Abhängigkeit von von der Troika (der Europäischen Kommission, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds) zur Verfügung gestellten „Rettungsgeldern“ zu lösen, und sind bestrebt, ein längerfristiges, leichter zu bewältigendes Tilgungsprofil ihrer privat gehaltenen Schulden herbeizuführen. Private Investoren erkennen die Realität an, dass sich die Tilgung über längere Zeit hinziehen dürfte, denn ein Beharren auf Einhaltung der bestehenden Zahlungsbedingungen könnte eine unhaltbare Ballung von Schuldendienstzahlungen mit möglicherweise unangenehmen Folgen verursachen.

Der Erfolg dieser Strategie setzt ein ausreichend starkes zwischenzeitliches Wirtschaftswachstum voraus, das die Fähigkeit dieser Länder zur späteren Schuldentilgung stärkt. Es wird erwartet, dass die Schuldenquoten Irlands und Portugals 2013 mit etwa 120% vom BIP ihren Höchstwert erreichen; anschließend, so die Prognosen, sollen sie wieder fallen. Dieser Höchstwert und der anschließende Schuldenrückgang sind in entscheidender Weise vom angenommen Wachstumstempo abhängig.

Doch die Wachstumsaussichten bleiben düster. Die portugiesische Volkswirtschaft wird den jetzigen Erwartungen nach 2013 um ein Prozent schrumpfen. Ende Juni prognostizierte der IWF noch ein bescheidenes Wachstum, und bei Abschluss der Rettungsvereinbarung im Mai 2011 ging man für 2013 von einem BIP-Wachstum von 1,25% aus.

Derartige sukzessive Prognose-Korrekturen nach unten sind inzwischen alltäglich geworden. Neuste Schätzungen für Italien und Spanien gehen von einem stärkeren Abschwung aus, der sich bis ins nächste Jahr hinzieht. Irland schlägt sich besser, obwohl auch seine Wachstumsprognose nach unten korrigiert wurde – auf knapp unter 0,5% für 2012 und 1,4% für das kommende Jahr. Zudem schrumpft das irische Bruttosozialprodukt (die Einkünfte der irischen Staatsbürger, im Unterschied zu denen in Irland tätiger ausländischer Firmen) weiter. Jede weitere Korrektur nach unten bedeutet, dass sich das Datum, an dem die Schuldenquote ihren Höchstwert erreicht, weiter nach hinten verschiebt.

Nach 2013 hängt das Wachstum zwangsläufig davon ab, dass entweder Strukturreformen greifen oder die Weltwirtschaft deutlich stärker wird. Doch eine Erholung des Wirtschaftswachstums ist kurzfristig unwahrscheinlich. Kritisch für Europa ist, dass der Welthandel in den letzten Monaten praktisch stagniert hat. Der Welthandel und die Wirtschaftsentwicklung in der Eurozone scheinen sich gegenseitig nach unten zu ziehen.

Dies hat potenziell ernste Folgen. Zwar geht das Primärszenario des IWF von einem baldigen Ende des Anstiegs der irischen und portugiesischen Schuldenstände aus, doch enthält es eine beängstigende Litanei von Risiken. Die Wahrscheinlichkeit, dass Haushalts- und Schuldenziele verfehlt werden, steigt.

Die Eurozone hat daher drei Möglichkeiten: noch mehr Sparen für die hochverschuldeten Länder, die Vergemeinschaftung der Schulden innerhalb Europas oder eine kreative Umgestaltung der Schuldenprofile, bei der die Anleger früher oder später Verluste werden hinnehmen müssen.

Sparen allein reicht nicht. Einige Länder sehen sich der wachsenden Gefahr nahezu unbefristeter Sparprogramme ausgesetzt, die das Wachstum weiter dämpfen und so die Schuldenquoten hoch halten würden. Schließlich muss ein Land, wenn es seine Schuldenquote ohne Sparmaßnahmen verringern will, einen Zinssatz auf seine Schulden zahlen, der kleiner ist als die Wachstumsrate seines BIP. Ist der Zinssatz höher, ist Sparen angesagt; je größer die Differenz, desto mehr muss gespart werden.

In Anbetracht der Begrenzungen der Sparpolitik streben mehrere Initiativen eine europäische Lösung an. Einige europäische Sondereinrichtungen vergeben gemeinsam mit dem IWF Kredite zu einem Zinssatz, der unter dem Marktzins liegt, was das Ausmaß der erforderlichen Sparmaßnahmen verringert. Doch ihre finanziellen Mittel schrumpfen, und sie würden mit Sicherheit nicht reichen, falls Spanien und Italien um Unterstützung bäten. Die Ankündigung der EZB eines neuen Programms zum Ankauf von Staatsanleihen hat am Markt zu einem Zinsrückgang geführt. Doch selbst mit diesem Rückgang werden die langfristigen Zinsen vieler Länder in den kommenden Jahren höchstwahrscheinlich höher ausfallen als ihre Wachstumsraten”.

Tja, das ist also die Situation.

Im Klartext: Ohne ein vernünftiges Wachstum werden die PIIGS-Staaten kaum ihre Schulden zurückzahlen können. Und mit einer Austeritätspolitik kann man niemals Wachstum erzielen, das ist praktisch unmöglich.

Ashoka Mody redet unter anderem in diesem Artikel von den oft erwähnten Eurobonds als Möglichkeit einer Vergemeinschaftung der Schulden der Eurozonen-Länder. Er bemerkt aber zugleich völlig zurecht, dass der politische Widerstand gegen diese Lösung enorm ist (und er meint damit wohl nicht zuletzt Angela Merkel und ihre Mitstreiter im Kabinett Merkel II).

Da die deutsche Übersetzung dieses Artikels mit dem Titel “Das Zeitfenster für die Eurozone schrumpft” von Ashoka Mody etwas nachlässig ist, gebe ich euch hier nochmals den englischen Originalartikel mit dem Titel “The Eurozone’s Narrowing Window“, ebenfalls am 10.10 in “Project Syndicate” veröffentlicht.

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