Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 133

So läuft das nun mal. Und es führt natürlich in manchen Städten in Deutschland, wie zum Beispiel in Berlin, zu einer massiven Steigerung der Immobilienpreise.

Das Nachsehen bei dieser Entwicklung hat unter anderem der “Kleine Mann” in Deutschland, der sich angesichts der steigenden Preise zunehmend keine eigene Wohnung mehr leisten kann und auch keine bezahlbare billige Mietwohnung mehr findet.

Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 18.6.2012 mit dem Titel “Wohnungsmarkt: Deutschland wohnt immer teurer” in “Zeit Online”.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Kaum etwas ist dieser Tage in Deutschland so begehrt wie Wohnungen. Da gibt es Immobiliengesellschaften, die Milliarden zahlen, um den Kommunen ihre Plattenbauten abzunehmen. Da gibt es private Anleger, die ihr Geld vor Währungsturbulenzen und Hyperinflation schützen wollen – und darüber zum Vermieter werden. Da gibt es Familien, die die niedrigen Kreditzinsen ins Grübeln bringen: sollten sie nicht doch endlich ein Haus kaufen?

Und dann gibt es noch die, für die sich all diese Fragen gar nicht stellen. Die, für die Meldungen über steigende Mieten und günstige Darlehenskonditionen nicht bedeuten, dass sie ihr Portfolio überdenken müssen – sondern die einfach nur nach billigem Wohnraum suchen. Damit sie irgendwo leben können. Rendite hin oder her.

Doch der Wohnraum für die finanziell Schwachen in Deutschland wird immer knapper. In Großstädten wie München, Hamburg oder Stuttgart sowie in Ballungszentren wie dem Rhein-Main-Gebiet seien günstige Wohnungen beinahe “Luxusgut” – so formulierte es der Präsident des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), Axel Gedaschko, am Montag in Berlin. Der Verband vertritt etwa 3000 Wohnungsunternehmen, die bundesweit sechs Millionen Wohnungen vermieten. Das ist ein Drittel des deutschen Mietwohnungsmarktes. Oder anders ausgedrückt: Gedaschko muss es wissen.

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland Baugenehmigungen für knapp 230.000 Wohneinheiten erteilt. Das ist ein Aufwärtstrend – gemessen am Bedarf aber immer noch zu wenig. Laut LBS Research würden bis 2020 jährlich 300.000 neue Wohnungen benötigt. Das Angebot wird also, vor allem in den Ballungszentren, auf absehbare Zeit knapp bleiben. Für die Immobiliengesellschaften und für die privaten Wohnungsbesitzer sind das ziemlich gute Nachrichten. Für die Mieter eher nicht. Für sozial schwache Mieter schon gar nicht“.

In Österreich ist es übrigens nicht anders. Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 6.7.2012 mit dem Titel “Immobilien: Flucht in `Betongold´ lässt Preise steigen” in der österreichischen “DiePresse.com“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Auch Österreichs Immobilienmarkt leidet nach Einschätzung der Bank Austria unter der Schuldenkrise im Euroraum, von einer ungesunden Blasenbildung in dem Sektor könne man aber nicht sprechen. Doch sollte die Krisenstimmung bald zu einem Ende kommen, sonst drohe die eine oder andere Übertreibung am Markt, warnten Immo-Experten der Bank am Freitag. In Wien stiegen die Immo-Preise 2010 und 2011 um je acht Prozent, im übrigen Österreich um fünf Prozent. Am Büromarkt in Wien ist die Neuvermietung im Vorjahr von 275.000 auf 260.000 Quadratmeter gesunken, die Flächen-Neuproduktion wuchs nur schwach von 165.000 auf 180.000 Quadratmeter und dürfte 2012 auf bis zu 240.000 zulegen”.

Weiterhin behauptet Thomas Mayer in diesem Artikel vom 7.10. mit dem Titel “Schuldenkrise: Deutsche-Bank-Berater warnt vor sinkender Kaufkraft“, dass sich zur Zeit eine Spekulationsblase bei den deutschen und amerikanischen Staatsanleihen entwickle.

Die Folge seien niedrige Zinsen, die an den Ersparnissen der Bürger zehren. Wer streng regulierte Produkte wie Lebensversicherungen kaufe, werde in Anleihen gezwungen, wo die Niedrigzinsen voll zuschlagen. “Wenn die Leute täglich in der ‘Tagesschau’ sehen könnten, wie durch die Niedrigzinsen ihr Erspartes an Wert verliert, wären sie entsetzt.” (…).

Nun, auch das ist richtig, was Thomas Mayer hier berichtet. Wir haben zur Zeit eine Art “Spekulationsblase” unter anderem bei deutschen Staatsanleihen.

Aber auch hier ist wieder die Eurokrise für dieses Phänomen verantwortlich. Im Prinzip handelt es sich hier um das gleiche Phänomen wie beim deutschen “Betongold” (also den deutschen Immobilien): Die deutschen und vor allem auch internationalen Anleger flüchten massiv in die deutschen Staatsanleihen, mit dem Ergebnis, dass die deutschen Staatsanleihen ab Anfang dieses Jahres auf den entsprechenden Aktionen sogar negativ rentierten (Die Anleger müssen also Geld dafür draufzahlen, um diese Staatsanleihen zu kaufen).

Hintergrund dieses “runs” auf deutsche Staatsanleihen war die Angst der Anleger vor einem Zerbrechen des Euros und der Eurozone. In solch einem Fall würden die deutschen Staatsanleihen in der zu erwartenden starken wiedereingeführten D-Mark ausgewiesen und dann auch ausbezahlt werden.

Und der deutsche Staat würde wohl im Falle eines Zerbrechens des Euros und der Eurozone wohl dennoch viel besser dastehen als die dann vielleicht definitiv ruinierten südeuropäischen PIIGS-Staaten. Zumindest glauben das die Anleger.

Laurence Copeland hat zu diesem Phänomen des aktuellen “runs” auf deutsche Staatsanleihen am 1.7.2012 einen erhellenden Artikel mit dem Titel “A German debt purchase is a bet on euro zone break-up” in seinem Blog in “Reuters” veröffentlicht.

Und die Zinsen für die Staatsanleihen der südeuropäischen PIIGS-Staaten sind natürlich aufgrund genau derselben Angst vor dem Zerbrechen der Eurozone und des Euros in letzter Zeit massiv hochgeschossen: Im Fall eines Zerbrechens des Euros und der Eurozone wären sie wohl nicht mehr viel wert gewesen.

So haben die südeuropäischen PIIGS-Staaten in letzter Zeit kaum mehr die Kosten für die Refinanzierung ihrer Länder bestreiten können, während Deutschland im Gegenzug praktisch keine Kosten mehr für seine Refinanzierung hatte. Diese Entwicklung haben wir im Prinzip seit Beginn der Eurokrise in der Eurozone.

Seht hierzu zum Beispiel den Eintrag mit dem Titel “Rendite europäischer Staatsanleihen (10-jährig)” in “Markdaten.de“.

Und um unter anderem genau diese Entwicklung zu stoppen haben Mario Draghi und der EZB-Rat (zu dem auch Jörg Asmussen gehört) sich für das Programm “outright monetary transactions” entschieden.

Im Klartext: Deutschland hat mit Schulden machen in diesem Jahr viel Geld verdient. Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 9.1.2012 mit dem Titel “Negativer Zinssatz: Deutschland verdient mit Schuldenmachen Geld” in “Focus Online“.

Dass diese Entwicklung für die deutschen Käufer von Lebensversicherungen und anderen Vorsorgeprodukten der deutschen Versicherungsunternehmen nicht gut sein konnte, ist ja wohl klar.

Denn diese teilweise streng regulierten Versicherungsprodukte sind unter anderem oft dazu verpflichtet, einen bedeutenden Teil des angelegten Geldes in deutsche Staatsanleihen zu stecken.

Im Klartext: Das Bundesfinanzministerium und Wolfgang Schäuble können sich über diese Entwicklung freuen.

Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 23.8. mit dem Titel “Milliardenplus in der Staatskasse Schäubles trügerisches Haushaltswunder” in “Spiegel-Online”.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Für Experten ist klar: Der Finanzminister kann das Plus nicht als eigene Leistung in Anspruch nehmen. “Der Überschuss ist nicht von eisernem Sparen getragen. Er ist der Super-Konjunktur geschuldet”, sagt Hanno Beck, Volkswirtschaftsprofessor an der Hochschule Pforzheim. Weil die Wirtschaft derzeit noch brummt, haben viele Menschen Arbeit. Durch die hohe Beschäftigung wiederum landen hohe Beiträge in den Sozialkassen. Die Einnahmen aus Sozialversicherungsbeiträgen stiegen im ersten Halbjahr um 2,8 Prozent auf 218 Milliarden Euro. Weil Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit gleichzeitig zurückgingen, musste die Bundesagentur für Arbeit auch weniger Geld auszahlen.

Nicht nur die Sozialversicherungsbeiträge sprudeln, sondern auch die Steuereinnahmen. Der Fiskus nahm in den ersten sechs Monaten des Jahres 308,7 Milliarden Euro ein, 3,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Bei der Lohn- und Einkommensteuer gab es mit 109,1 Milliarden Euro sogar ein Plus von 6,3 Prozent.

Außerdem profitierte die Bundesrepublik von den gesunkenen Zinsen auf deutsche Anleihen. Die Zinsausgaben gingen im ersten Halbjahr um 3,5 Prozent zurück. Für die Regierung kommt es nun darauf an, möglichst viele Anleihen umzuschulden, um von den niedrigen Zinsen profitieren zu können. Das sei aber nur in einem gewissen Maß möglich, sagt Ökonom Beck. Denn viele Anleihen haben eine sehr lange Laufzeit”.

Wer aber bei dieser aktuellen Entwicklung im Bereich der deutschen Staatsanleihen leer ausgeht oder sogar noch draufzahlt sind die deutschen Sparer, die ihr Geld in Vorsorgeprodukte der deutschen Versicherungen wie zum Beispiel Lebensversicherungen gesteckt haben.

Einen klaren Artikel hierzu vom 20.3.2012 mit dem Titel “Vorsorge: Politik lockt Lebensversicherer in Staatsanleihen” findet ihr in der “Wirtschaftswoche“.

In diesem Artikel erfahren wir unter anderem: “Für Lebensversicherte geht die Rendite seit Jahren nur noch nach unten. Bekamen Kunden vor über zehn Jahren noch im Schnitt mehr als sechs Prozent auf ihren Beitrag gutgeschrieben, sind es heute um die vier, und zwar nur auf den Sparanteil – also jenen Anteil, den Versicherer nach Kosten für Vertrieb, Verwaltung und Todesfallschutz noch anlegen. Neukunden bekamen noch Anfang 2000 vier Prozent jährlichen Zins auf den Sparanteil garantiert, heute sind es nur noch 1,75 Prozent. Der mickrige Garantiezins wird vom Bundesfinanzministerium festgelegt. (…).

Deutsche Versicherer halten aktuell mindestens 13,5 Prozent ihrer Investments in Staatsanleihen und Darlehen an Staaten. Viele Anleihen dürften darüber hinaus in Fonds stecken. Höhere Nachfrage hätte zur Folge, dass deren Renditen sinken. Denn Kurse und Renditen von Anleihen verhalten sich entgegengesetzt: Je höher die Nachfrage nach Staatsanleihen ist, desto stärker steigen deren Kurse, und desto mehr sinken die Renditen. Staaten können sich so günstiger verschulden, Sparer bekommen auf ihre staatlich geförderte Altersvorsorge weiter nur magere Renditen”.

Noch deutlicher ist ein Artikel vom 16.10.2011 mit dem Titel “Wackelige Lebensversicherer bedrohen private Renten” in “Welt-Online“.

In diesem Artikel erfahren wir unter anderem: “Amüsiert ist keiner. Obwohl sich das Publikum ans Kasperletheater erinnert fühlen könnte, wenn dieser Tage Ratingagenturen abwechselnd auf Staaten und Banken einschlagen. Ohne dass klar wird, wer die Rolle des Kaspers und wer die Rolle des Krokodils einnimmt, machen die Bonitätswächter stets die Schwäche des einen für die Schwäche des anderen verantwortlich. Erst stufen sie die Kreditwürdigkeit der Staaten herunter, weil diese die Banken retten müssen. Dann wiederum stufen sie die Kreditwürdigkeit der Banken herunter, weil jene Anleihen der immer weiter an Finanzstärke einbüßenden Staaten in ihren Portfolios haben.

Vorsorgesparer sind durchaus Teil dieses Schauspiels , auch ohne sich dessen bewusst zu sein. Denn Leidtragende sind ausgerechnet die Lebensversicherer, denen Millionen Bundesbürger ihr Geld anvertrauen. Einen Großteil der Ersparnisse ihrer Kunden haben die Gesellschaften in genau die Anlageklassen investiert, die jetzt von den Ratingagenturen in die Mangel genommen werden: Staatsschuldtitel und Bankanleihen. Damit geraten Versicherer selbst ins Visier. Die führende Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) warnte in dieser Woche vor einer Bonitätsschmelze bei deutschen Lebensversicherern. (…).

Lebenspolicen sind immer noch die meistverbreitete private Altersvorsorge der Bundesbürger. Über 90 Millionen Lebensversicherungspolicen gibt es hierzulande, davon ist mehr als jede zehnte ein staatlich bezuschusster Riester-Vertrag. Anders als im Umlageverfahren des öffentlichen Rentensystems, in dem die Jungen für die Renten der Alten aufkommen, funktioniert die private Altersvorsorge kapitalgedeckt. Das heißt, der Anbieter investiert das Geld jedes Einzelnen an den Märkten. Je erfolgreicher er anlegt, je günstiger er wirtschaft, desto mehr bekommt sein Kunde Jahr für Jahr gutgeschrieben und im Alter ausgezahlt.

Genau dieser Job, Geldanlegen, wird für die Asset-Manager jedoch zur großen Herausforderung. Sie müssen das Kunststück fertigbringen, Jahr für Jahr eine konstante Rendite zu erwirtschaften. Zwar können starke Versicherer kurzfristige Schwankungen im Anlageergebnis aus den Rücklagen ausgleichen, doch kann sich niemand leisten, in einem Jahr mit einem zweistelligen Minus aus dem Markt zu gehen. Damit ist das Anlageuniversum extrem eingeschränkt.

In die Elite des deutschen Aktienmarkts, die im Dax versammelt ist, kann ein auf Kontinuität eingeschworener Anlagestratege nur ganz bedingt investieren: 2002 und 2008 brach er um mehr als 40 Prozent ein. Diese Nöte spiegeln sich auch in den Portfolien der Assekuranzen wider. Von Aktienquoten um 20 Prozent und mehr um die Jahrtausendwende sind nur noch rund drei Prozent übrig geblieben. Stattdessen investieren die Manager das Geld in Staatstitel, Bankanleihen und Pfandbriefe.

Und hier setzt die Warnung der Ratingagenturen an. Laut S&P sind die Versicherer einer sich verschärfenden Schuldenkrise und dem anhaltenden Niedrigzinsniveau möglicherweise nicht gewachsen. Sollte sich das Umfeld nicht zum Besseren wenden, werde die Agentur die Kreditwürdigkeit der Assekuranzen herabstufen. S&P ist nicht die erste Agentur, die Gefahren für die Branche publik macht”.

Tja, so sieht´s aus, und zwar schon seit Ende 2011. Im Prinzip ist die ganze Entwicklung seit Beginn der Eurokrise auf dem Markt für europäische Staatsanleihen für die Asset-Manager der deutschen Lebensversicherer ein zunehmend gravierendes Problem.

Ob die Entscheidung Mario Draghis und des EZB-Rats (zu dem auch Jörg Asmussen gehört) für das Programm “outright monetary transactions” daran grundsatzlich etwas ändern kann, wird man sehen.

Insofern sind Thomas Mayers Argumente, weswegen wir angeblich in der Eurozone auf eine inflationäre Entwicklung zulaufen, einfach unsinnig.

Tatsächlich ist von einer Inflation weit und breit nichts zu sehen. Und die Phänomene, die er hier als vermeintlichen Beweis für eine schleichende Inflation in der Eurozone anführt, sind tatsächlich Nebeneffekte der Eurokrise und haben mit der Geldpolitik der FED oder EZB wenig zu tun.

Seht zum Thema “Inflationsgespenst” auch den guten Artikel vom 7.8. mit dem Titel “Vergesst die Inflation!” von Jens Berger in den “Nachdenkseiten“.

Hinzu kommt, dass in der aktuellen wirtschaftlichen und finanztechnischen Situation eine gewisse Inflation in der Eurozone durchaus wünschenswert wäre.

Seht hierzu unter anderem von Paul Krugman den Artikel vom 29.7. mit dem Titel Internal “Devaluation, Inflation, and the Euro (Wonkish)” und den kurzen Artikel vom 6.9. mit dem Titel “Draghi“, beide in seinem Blog “The Conscience of a Liberal” in der “New York Times“.

In diesem kurzen Artikel vom 6.9. mit dem Titel “Draghi” stellt Paul Krugman fest: “What I’ve been arguing for a while is that saving the euro requires two things: (a) large ECB purchases of peripheral bonds (or at least a declared willingness to do so, to cap yields), and (b) an indication that the ECB will be willing to allow higher inflation to make adjustment possible.

It looks as if we sorta kinda got (a), although the details are hard to interpret. Nothing on (b) yet, and market indicators of inflation expectations are still too low.

So, a step in the right direction, probably enough to buy a significant amount of time, but not enough unless more follows”.

Und seht zu diesem Thema auch den guten und klaren Artikel vom 5.9. mit dem Titel “Deutschland braucht die Inflation” von Wolfgang Münchau in seiner Kolumne “S.P.O.N. – Die Spur des Geldes” in “Spiegel Online“.

Ihr werdet euch jetzt fragen: Da diese Inflationsgefahr aktuell eindeutig unsinnig und unbegründet ist, warum hat dann “Der Spiegel” dieses “Inflationsgespenst” zum Hauptthema seines neuen Hefts 41/12 mit dem Titel “Vorsicht Inflation” gemacht?

Nun, ich war lange Journalist. Meine Erklärung wird jetzt vielleicht manche meiner Blogleser erstaunen, aber sicher keinen einzigen professionellen Journalisten: Die Inflationsangst gehört seit der deutschen Hyperinflation im Jahre 1923 zu den Urängsten der deutschen Bevölkerung.

Diese deutsche Hyperinflation von 1914-1923 war übrigens letztlich eine Folge des verlorenen und extrem kostspieligen Ersten Weltkrieges. Es ist nunmal nicht wirklich lohnend, einen Weltkrieg zu verlieren.

Trotzdem haben die Deutschen im letzten Jahrhundert zweimal dieses Abenteuer gesucht, aus welchen Gründen auch immer.

Und mit derlei Themen, die auf den Urängsten der jeweiligen Bevölkerung beruhen, kann man auf dem Zeitschriftenmarkt richtig punkten und Geld machen und sich bei seiner Leserschaft beliebt machen.

Ein einfaches Beispiel: Hätte das neue Spiegel-Heft den Titel “Hunger,Totschlag und Chaos in Schwarzafrika” gehabt mit umfangreichen Artikeln zur katastrophalen Lage in Schwarzafrika (Hunger, Armut, Krieg und Anarchie, Aids etc.), hätten sich die meisten deutschen Leser wohl kaum dafür interessiert.

Aber das Inflationsthema, damit kann man richtig punkten und Kasse machen.

Und sollten sich die in die in diesem Spiegel Heft 41/12 mit dem Titel “Vorsicht Inflation” verkündeten dunklen Prophezeiungen wegen der angeblich in Deutschland näherrückenden Inflation nicht bewahrheiten (wovon ich mit 99%iger Sicherheit ausgehe), so gilt immer noch das deutsche Sprichwort: “Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern“.

Insofern bin ich sicher, dass morgen sehr viele Deutsche dieses neue Spiegel-Heft 41/12 mit dem Titel “Vorsicht Inflation” kaufen werden.

Ich werde es allerdings nicht kaufen. Ich habe keine Zeit für derlei “doomsday“-Lektüre, die auf die Ängste des Deutschen Michels zugeschnitten wurde.

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