Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 132

Das morgen am 8.10 erscheinende “Spiegel“-Heft 41/12 mit dem Titel “Vorsicht, Inflation! Die schleichende Enteignung der Deutschen” wird sich wieder mal um das beliebte deutsche Inflationsgespenst drehen.

Einen guten Artikel vom 14.9. mit dem Titel “Das Inflationsgespenst und die deutsche VWL” findet ihr in dem offensichtlich noch recht neuen Blog “trostlosewissenschaft.de“, der anscheinend von einem jungen deutschen VWL-Juniorprofessor betrieben wird (Seht hierzu den Eintrag “Über mich” in diesem Blog).

Wir erfahren in diesem Artikel mit dem Titel “Das Inflationsgespenst und die deutsche VWL unter anderem: Gerald Braunberger (GB) hat eine sehr schöne Gegenüberstellung der deutschen Orthodoxie und der aktuellen Wirtschaftswissenschaft im Fazit aufgestellt. Es geht dabei um den Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation. Nach orthodoxer Sicht muss der massive Anstieg der Zentralbankgeldmenge durch QE I-III in den USA und durch Staatsanleihenkäufe der EZB mittelfristig zu Inflation führen. Die moderne VWL zeigt, dass diese Schlussfolgerung absolut nicht zwingend ist.

Nach dem Lesen von GB könnte man denken, dass die deutsche Orthodoxie vielleicht einfach nur ein paar Jahre hinterher ist und die neuen Forschungsergebnisse noch nicht verarbeitet worden sind. Dem ist nicht so. Im Grunde ist es noch schlimmer. Denn auch ohne die Arbeiten der letzten Jahre kann man wissen, dass der Zusammenhang längst nicht so eindeutig ist.

Hinter der Vorstellung der Orthodoxie steht die Quantitätsgleichung und der Geldmengenmultiplikator. Der Fehler den die Orthodoxie bei beiden macht, ist anzunehmen, dass die Faktoren konstant sind. Gerade der Geldmengenmultiplikator ist in einer Krise nicht konstant, da die Banken zusätzliches Zentralbankgeld während einer Krise nicht ausleihen. Im Gegenteil ein Großteil des Anstiegs der Zentralbankgeldmenge in den letzten Jahren kompensiert den Rückgang des Geldmengenmultiplikators. All dies ist seit der Großen Depression bekannt. Jedes gute Lehrbuch zu Banken und Finanzmärkten (zB. Mishkin) enthält Grafiken, die diesen Zusammenbruch zeigen.

Warum die mechanistische Vorstellung sich trotzdem noch immer hält (auch unter jüngeren Ökonomen) ist mir ein Rätsel”.

Tja, mir ist die Sache auch ein Rätsel. Aber die Ideologeme von Milton Friedmans Monetarismus halten sich in Deutschland viel hartnäckiger noch als in den USA.

Nirgendwo auf der Welt ist wirtschaftspolitisch die neoliberale Ideologie fester installiert und dominierend als in Deutschland und nirgendwo auf der Welt wird der Keynesianismus mehr verketzert als in unserem schönen Land.

Der einzige bekannte Lehrstuhlinhaber in Deutschland, der zumindest vom Keynesianismus beeinflusst ist, ist Peter Bofinger.

Ansonsten haben wir in Deutschland vor allem pickelharte neoliberale Ideologe vom Schlage Hans-Werner-Sinns, die hier in Deutschland auch auf akademischer Ebene in der deutschen Volkswirtschaftslehre das Sagen haben.

Derlei Wirtschaftsprofessoren wie Hans-Werner Sinn werden hierzulande ernsthaft als sogenannte “Starökonomen” angepriesen.

Nun, für den Wirtschaftsnobelpreis wie im Fall von Paul Krugman oder Joseph Stiglitz wird es im Falle von Hans-Werner Sinn wohl kaum reichen. Hier in Deutschland ist er allerdings ein geschätzter Lokalmatador. Das ist ja immerhin schon mal was.

Nun, zurück zu dem am 8.10 erscheinenden “Spiegel“-Heft 41/12 mit dem Titel “Vorsicht, Inflation! Die schleichende Enteignung der Deutschen“: Ein entsprechender zusammenfassender Vorab-Artikel vom 7.10. mit dem Titel “Schuldenkrise: Deutsche-Bank-Berater warnt vor sinkender Kaufkraft” ist schon heute in “Spiegel-Online” aufzufinden.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Der frühere Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, hat vor den Folgen der Politik gewarnt, mit der Amerika und Europa ihre Schulden- und Wachstumskrise bekämpfen. Die extrem lockere Geldpolitik der USA strahlt auf große Schwellenländer wie China aus. “Dort sind die Zinsen zu niedrig. Dort überhitzt die Wirtschaft als Erstes”, sagte Mayer dem SPIEGEL.

Auch in Deutschland wachse die Gefahr der Geldentwertung. “Die Inflationsdebatte wird extrem verkürzt geführt”, sagte Mayer. “Der Verbraucherpreisindex bildet große Anschaffungen wie Immobilien nicht ab.” Die tatsächliche Kaufkraft der Verbraucher sinke stetig.

Mayer sieht eine Spekulationsblase bei deutschen und amerikanischen Staatsanleihen. Die Folge seien niedrige Zinsen, die an den Ersparnissen der Bürger zehren. Wer streng regulierte Produkte wie Lebensversicherungen kaufe, werde in Anleihen gezwungen, wo die Niedrigzinsen voll zuschlagen. “Wenn die Leute täglich in der ‘Tagesschau’ sehen könnten, wie durch die Niedrigzinsen ihr Erspartes an Wert verliert, wären sie entsetzt.” (…).

Die Sorge vor Inflation in der Euro-Zone war zuletzt wegen der Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB) gestiegen, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen von Ländern zu kaufen, die unter den Euro-Rettungsschirm flüchten.

EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen wies die Warnungen zurück. “Ich sehe keine steigende Geldentwertung. Nach unseren Prognosen wird bereits im nächsten Jahr die Inflation wieder unter die Zwei-Prozent-Marke sinken”, sagte Asmussen der “Bild am Sonntag”. Die EZB werde auch in Zukunft die Stabilität der Gemeinschaftswährung gewährleisten. “Darüber muss sich niemand Sorgen machen”, fügte Asmussen hinzu”.

Nun, ich muss hier Jörg Asmussen völlig recht geben. Was Thomas Mayer, der frühere Chefvolkswirt der Deutschen Bank hier behauptet, ist einfach Unsinn.

Wenn ihr euch in “Statista” die Graphik mit dem Titel “Inflationsrate in der Euro-Zone von September 2011 bis September 2012 (gegenüber dem Vorjahresmonat)” anschaut, so pendelte die monatliche Inflationsrate in der Eurozone in den letzten 12 Monaten konstant zwischen 2,5 und 3%.

Wenn es in den letzten Monaten eine leichte Steigerung der Inflationsrate in der Eurozone gegeben hat, so lag das an vor allem an den steigenden Kraftstoffpreisen an den deutschen Tankstellen.

Dazu habe ich unter anderem schon einen längeren Blogartikel mit dem Titel “Eine entscheidende Ursache der aktuell steigenden Inflationsrate in der Eurozone: `Peak Oil´” verfasst.

Wenn ihr euch nun mal auf der Website des “Deutschen Instituts für Altersvorsorge” den Eintrag mit dem Titel “Die Inflationsraten im Verlauf der vergangenen 50 Jahre” mitsamt der eingebetteten Graphik anschaut, dann seht ihr ganz klar, dass die Inflationsraten in Deutschland seit der Einführung des Euro als Buchgeld im Jahre 1999 auf ein historisches Tief gesunken sind.

In diesem Eintrag mit dem Titel “Die Inflationsraten im Verlauf der vergangenen 50 Jahre” erfahren wir: “Von 1960 bis 2010 sind die Verbraucherpreise in Deutschland (bis 1990 alte Bundesländer) im Durchschnitt um 2,8 Prozent pro Jahr gestiegen. Nach höheren Inflationsraten im Verlauf der 70er und 80er Jahre des letzten Jahrhunderts, ist die Inflation in den Jahren von 1998 bis 2010 mit einem durchschnittlichen Wert von 1,5 Prozent auf ein historisch tiefes Niveau gesunken”.

Der frühere Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, warnt nun also im am 8.10 erscheinenden “Spiegel“-Heft 41/12 mit dem Titel “Vorsicht Inflation” vor den vermeintlichen Folgen einer Geldpolitik, mit der Amerika und Europa aktuell ihre Schulden- und Wachstumskrise bekämpfen, und zwar mit folgenden Argumenten: Die extrem lockere Geldpolitik der USA strahle auf große Schwellenländer wie China aus. “Dort sind die Zinsen zu niedrig. Dort überhitzt die Wirtschaft als Erstes“, sagte Mayer dem SPIEGEL. Auch in Deutschland wachse die Gefahr der Geldentwertung. “Die Inflationsdebatte wird extrem verkürzt geführt“, sagte Mayer. “Der Verbraucherpreisindex bildet große Anschaffungen wie Immobilien nicht ab.” Die tatsächliche Kaufkraft der Verbraucher sinke stetig.

Mayer sieht eine Spekulationsblase bei deutschen und amerikanischen Staatsanleihen. Die Folge seien niedrige Zinsen, die an den Ersparnissen der Bürger zehren. Wer streng regulierte Produkte wie Lebensversicherungen kaufe, werde in Anleihen gezwungen, wo die Niedrigzinsen voll zuschlagen. “Wenn die Leute täglich in der ‘Tagesschau’ sehen könnten, wie durch die Niedrigzinsen ihr Erspartes an Wert verliert, wären sie entsetzt.” (…).

Nun, China lasse ich hier mal aussen vor. Die chinesischen Chefvolkswirte waren in den letzten Jahren sehr erfolgreich und werden schon wissen, wie sie auf eventuelle Inflationsgefahren reagieren müssen.

Seht hierzu einfach mal in “Statista” die Graphik mit dem Titel “China: Jährliches Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2002 bis 2012“. Bisher lag das Wachstum des chinesischen BIPs bei ca. 9-14%, dieses Jahr sollen es etwas über 8% sein, was für China eher wenig ist. Solche Wachstumsraten erreicht man in einem Land nur, wenn man wirtschaftspolitischen Verstand hat.

Was das aktuelle Absinken der chinesischen Wachstumraten angeht, so kann es sehr wohl es sein, dass vor allem auch die Krise in der Eurozone dafür mitverantwortlich ist.

Von einer “Überhitzung der chinesischen Wirtschaft“, wovor der frühere Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, jetzt warnt, ist im Moment jedenfalls nichts zu sehen. Eher scheint in China die Konjunktur jetzt etwas abzukühlen. Und sollte es dennoch passieren, werden die chinesischen Chefvolkswirte darauf zu reagieren wissen.

Im Moment scheint der chinesischen Führung eher das sinkende Wachstum Probleme zu bereiten. Die chinesische Notenbank hat im Juni 2012 darauf reagiert, indem sie nun zum ersten Mal die Leitzinsen in China deutlich gesenkt hat.

Seht hierzu den Artikel vom 7.6.2012 mit dem Titel “Überraschender Schritt der Notenbank: China senkt erstmals seit 2008 die Leitzinsen” in “Focus-Online“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Die Leitzinsen für Ausleihungen und für Einlagen von jeweils einem Jahr werden jeweils um 0,25 Prozentpunkte reduziert, wie die chinesische Notenbank am Donnerstag in Peking mitteilte.

Die plötzliche Zinssenkung deutet darauf hin, dass sich die chinesische Wirtschaft schlechter als erwartet entwickelt. Im ersten Quartal hatte sich das Wachstum mit 8,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich abgebremst. Es war der niedrigste Anstieg seit fast drei Jahren.

So hatte Regierungschef Wen Jiabao im Mai bereits angekündigt, dem Wachstum wieder mehr Priorität einräumen zu wollen. Übereilte Hoffnungen auf ein eventuell geplantes neues Konjunkturprogramm wurden von offizieller Seite aber sofort wieder gedämpft.

Wegen der Schuldenkrise in Europa waren die Exporte stark zurückgegangen, so dass die Wirtschaftsdaten seither weiter schlecht ausfielen. Am Wochenende werden die Mai-Zahlen für Inflation, Investitionen und Industrieproduktion erwartet. Während die
Verbraucherpreise weiter moderat wachsen dürften, erwarten Experten vor allem
bei der Industrieproduktion ein langsames Wachstum.

Die Zinssenkung wird ab Freitag wirksam. Die Zinsen für einjährige Einlagen fallen damit auf 3,25 Prozent, während die Kreditzinsen auf 6,31 Prozent sinken. Zuletzt waren die Zinsen in China Ende 2008 gesenkt worden, als das massive Konjunkturprogramm zum Kampf gegen die Auswirkungen der globalen Finanzkrise aufgelegt worden war. 2011 hatte die Zentralbank dreimal ihre Leitzinsen erhöht, um die hohe Inflation zu bekämpfen. Seit Juli 2011 blieben sie aber unverändert”.

Was nun der Hinweis von Thomas Mayer auf die aktuellen deutschen Immobilienpreise angeht (die in die Inflationsrate nicht miteingerechnet werden), so hat er insofern recht, als die Immobilienpreise in Deutschland seit einiger Zeit stark am steigen sind und diese nicht in die Inflationsrate eingerechnet werden.

Die Wohnungsmiete macht allerdings einen grossen Posten von ca. 30% beim Warenkorb aus, der für die Berechnung der Inflationsrate (bzw. dem Verbraucherpreisindex) die Grundlage ist.

Ursächlich für die steigenden Immobilienpreise in Deutschland ist aber nicht die Geldpolitik der FED (die uns übrigens in der Eurozone auch nicht wirklich direkt betrifft) oder der EZB, sondern die Eurokrise: Denn angesichts der Unsicherheit gegenüber dem weiteren Schicksal des Euros und der Eurozone und dem zunehmenden Wertverlustes des Euro (ein Phänomen, das vor allem durch den mittlerweile seit mindestens einem Jahr vorhandenen massiven Niedergang der grossen PIIGS-Staaten Spanien und Italien verursacht wird), flüchten viele deutsche und internationale Anleger in das sogenannte “Betongold“, also in die Immobilien.

Zur Entwicklung der deutschen Immobilienpreise seht euch zum Beispiel in der “Wohnungsbörse.net” den Eintrag mit dem Titel “Immobiilienpreise Deutschland” an. Dort findet ihr für jede grössere deutsche Stadt die Entwicklung der Immobilienpreise im Vergleich zum Vorjahr.

Und zu der von den Verbrauchern in Deutschland in den letzten Jahren gefühlten Mietpreisentwicklung schaut euch den Eintrag mit dem Titel “Wie haben sich die ortsüblichen Mieten in den letzten Jahren in ihrer Region entwickelt?” in “Statista” an. 66% der Deutschen sind  der Meinung, dass in ihrer Region in den letzten Jahren die Mietpreise gestiegen sind.

Wenn ihr euch mal in “finanzen.net” die Tabelle “Dollarkurs (Euro – Dollar) – Historische Kurse” anschaut (hier mal von Anfang April 2011 – bis heute), dann seht ihr, dass der Euro von seinem Höchststand Mitte April 2011 von ca. 1.48 US-Dollar/1 Euro auf aktuell ca. 1.3 US-Dollar/1 Euro in den letzten anderthalb Jahren massiv an Wert gegenüber der US-Dollar-Leitwährung verloren hat.

Ursächlich ist hierfür, wie gesagt, dass auch die grossen PIIGS-Staaten Spanien und Italien (jeweils viert- und drittgrösste Volkswirtschaft in der Eurozone) mittlerweile ganz massiv in die Rezession gerutscht sind, was den Wert des Euro natürlich erheblich runterzieht.

Mitte August war der Euro von seinem Höchststand Mitte April 2011 von ca. 1.48 US-Dollar/1 Euro sogar auf ca. 1.23 US-Dollar/1 Euro abgesunken.

Dass der Wert des Euro also wieder ein bisschen gestiegen ist, führe zumindest ich nicht zuletzt auf die Entscheidung Mario Draghis und des EZB-Rats (zu dem auch Jörg Asmussen gehört) für das Programm “outright monetary transactions” zurück.

Draghis Versprechen, als Chef der EZB alles notwendige zur Rettung des Euro zu unternehmen, erfolgte am 26.7.2012.

Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 27.7. mit dem Titel “Aufkauf von Staatsanleihen: Anleger bejubeln Draghis Euro-Versprechen” in “Spiegel Online“.

Das Programm wurde ab dem 2. August ins öffentliche Gespräch gebracht. Seht hierzu den Artikel vom 2.8. mit dem Titel “Enttäuschende Ankündigung der EZB: Draghi verschiebt die Euro-Rettung” in “Spiegel Online”.

Am 6. September wurde dieses EZB-Programm “outright monetary transactions” dann beschlossen.

Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 6.9. mit dem Titel “Unbegrenzte Anleihekäufe  Börsen feiern EZB-Entscheidung” in “Spiegel-Online”. Und seit Mitte August steigt der Wert des Euro auch langsam wieder.

Nun, zurück zur Behauptung von Thomas Mayer, dass die Gefahr der Geldentwertung in Deutschland wachse.

Ich zitiere nochmals aus dem Artikel vom 7.10. mit dem Titel “Schuldenkrise: Deutsche-Bank-Berater warnt vor sinkender Kaufkraft” in “Spiegel-Online“: “Die Inflationsdebatte wird extrem verkürzt geführt”, sagte Mayer. “Der Verbraucherpreisindex bildet große Anschaffungen wie Immobilien nicht ab.” Die tatsächliche Kaufkraft der Verbraucher sinke stetig”.

Nun, was nun das Ansteigen der Immobilienpreise in Deutschland angeht, so ist diese Entwicklung ganz eindeutig auf die Eurokrise zurückzuführen, die die deutschen und internationalen Anleger in den deutschen Immobilienmarkt treiben. Mit der Geldpolitik der FED oder EZB hat das nicht viel zu tun.

Seht hierzu zum Beispiel die gut gemachte Infografik vom 26.6.2012 mit dem Titel “Flucht ins Betongold. Entwicklung der Preise für Wohnimmobilien seit Beginn der Euro-Krise” in der “Wirtschaftswoche“.

Dieser zunehmende Preis-Höhenflug auf dem deutschen Immobilienmarkt hat schon spätestens im Jahre 2010 im Gefolge der Griechischen Finanzkrise und der dann immer sichtbareren Eurokrise begonnen.

Ich habe in diesem Blogartikel schon öfters über diesen durch die Eurokrise bedingten Immobilienboom in Deutschland geschrieben.

Die einfachste Möglichkeit, sein Geld ausserhalb einer unsicher gewordenen Währung zu “parken” ist nun einmal der Kauf von Immobilien. Das ist noch viel einfacher und bequemer als sein Geld in die Schweizer Banken (Schweizer Franken) oder in englische Banken (Britischer Pfund) oder andere europäische, vermeintlich sichere Häfen zu verschieben.

Und vor allem: Wenn man in einer Stadt eine Immobilie kauft, wird man auch zu einem Bürger dieser Stadt mit festem Wohnsitz.

Das berechtigt einen dann auch, sein Geldvermögen in den Banken dieser Stadt unterzubringen. Kauft man also eine Immobilie zum Beispiel in Berlin, Zürich oder London, kann man auch sein Geld in die Banken dieser Städte bringen.

Und genau so machen es unter anderem viele reiche Südeuropäer seit Beginn der Eurokrise, seitdem sie der Wirtschaft ihres Landes und ihren Banken nicht mehr trauen und nicht mehr sicher sind, ob ihr Land überhaupt dauerhaft in der Eurozone bleiben wird oder der Euro diese Eurokrise überhaupt überlebt.

Und die deutschen Bürger trauen dem Euro zum guten Teil auch nicht mehr und schieben ihr Erspartes ebenfalls in eine Immobilie. Und so kommt es dann seit Beginn der Eurokrise auch in Deutschland zu einem zunehmenden Immobilienboom.

Besonders ausgeprägt ist dieser deutsche aktuelle Immobilienboom übrigens anscheinend in Berlin.

Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 16.9.2012 mit dem Titel “Immobilien-Boom Wohnung in bester Krisenlage: Wie ein Berliner Makler an der Angst vor dem Euro-Kollaps verdient” in “Zeit-Online“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Als der Berliner Makler Malcolm McRae um neun Uhr morgens seine E-Mails abruft, sind wieder 50 neue Nachrichten eingetroffen. Vor drei Jahren, als er bei der Immobilienfirma David Borck anfing, waren es an einem gewöhnlichen Morgen nicht einmal halb so  viele. Damals bekam Malcom McRae mehr Spam als Anfragen und verkaufte in manchen Monaten gar  nichts. Das ist anders, seit die Menschen wegen der Euro-Krise zu ihm kommen: Sie haben Angst  um ihre Währung, also stecken sie ihr Geld in Immobilien. Es sind Kunden aus Süddeutschland, aber auch aus Italien und Spanien. McRaes Handy klingelt alle zehn Minuten, nach einer halben  Stunde hat er an diesem Dienstagmorgen seine erste Wohnung verkauft.

Der 38-jährige Malcolm McRae ist ein Krisengewinner, auch wenn er das nicht gerne hört. Wie viel er verdient, will er nicht sagen. Es lohnt sich für ihn, so viel lässt er durchblicken. Früher verkaufte er Mitgliedschaften in einer noblen Fitnesskette. Es war die Zeit, als die Fitnessbranche ihre große Zeit erlebte. Als der Boom vorbei war, zog McRae weiter. Er ist nicht der Typ, der einfach nur arbeiten will, er muss sich beweisen. »Ich wollte in eine Branche, in der es keine Grenzen nach oben gibt

Tja, lest euch mal diesen Artikel in Ruhe durch. Da seht ihr ganz klar, welchen Zusammenhang es aktuell zwischen der Entwicklung des Berliner Immobilienmarkts und der Eurokrise gibt.

Das alles hat nicht zuletzt mit der aktuellen massiven Kapitalflucht in den PIIGS-Staaten zu tun, gegen die kein europäischer Politiker übrigens etwas unternehmen will, auch nicht Angela Merkel und Wolfgang Schäuble.

So haben wir doch zumindest auf der Ebene der reichen europäischen Oberschichten ein gemeinsames Haus Europa und eine echte Europäische Einheit.

In den unteren Etagen im sogenannten “gemeinsamen Haus Europa” hingegen hetzen in Deutschland zum Beispiel die Medienorgane der Axel Springer AG (Bild-Zeitung) die Europäer gegeneinander auf. In den anderen Eurozonen-Ländern wird die jeweilige Boulevard-Presse die aktuelle Eurokrisen-Situation wohl ebenfalls propagandistisch ausbeuten.

Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 27.10.2012 mit dem Titel “Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen… und die Akropolis gleich mit!” in der Bild-Zeitung.

Die reichen Griechen hingegen, die ihr Geld in Berliner Immobilien anlegen wollen, sind in Berlin wohl herzlich willkommen.

Auch in London sind diese reichen Griechen wohl herzlich willkommen. Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 1.11.2011 mit dem Titel “Luxusimmobilien in London: Griechen im Kaufrausch” in “Zeit Online“.

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