Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 127

Einen recht guten Überblick über die bisherigen Auswirkungen des Beschlusses des EZB-Rates für das Aufkaufprogramm von Staatsanleihen der PIIGS-Staaten mit der Bezeichnung “Outright Monetary Transactions” leistet am 20.9 ein Artikel mit dem Titel “EZB rettet Südeuropa: Wie Anleger mit der Euro-Krise Geld verdienen” in “Focus-Online“.

In diesem Artikel erfahren wir unter anderem: “So (…) sind Staatsanleihen aus der Euro-Zone im Prinzip zu einem angesicherten Geschäft geworden. Einen Zahlungsausfall oder Schuldenschnitt dürfte es nicht mehr geben.

Denn bevor es so weit kommt, würde die EZB als Retter in letzter Minute
auftauchen. Genauer gesagt, springt sie mit ihrem Programm namens Outright
Monetary Transaction (OMT) bereits dann in die Bresche, wenn der Risikoaufschlag
für Staatsanleihen zu groß wird. Das heißt: Verlangen Investoren beispielsweise
für spanische Schuldtitel zu hohe Zinsen, kauft die EZB so lange Anleihen, bis
die Zinsen wieder auf ein erträgliches Maß gefallen sind.

Wie hoch dieser Risikoaufschlag (auch Spread genannt) sein darf, ist offen. Eine genaue Zahl oder gar eine feste Zinsobergrenze gibt es nicht. Nach Einschätzung vieler
Marktteilnehmer dürfte für zehnjährige Staatspapiere die Schmerzgrenze
allerdings bei sechs bis acht Prozent liegen. Ab diesem Niveau wären die meisten
der hochverschuldeten Euro-Staaten nicht mehr in der Lage, ihre Zinslast
dauerhaft zu schultern.

„Würde die EZB nicht in den Markt eingreifen, könnten einzelne Länder weiter in die Abwärtsspirale gedrängt werden, bis hin zum Austritt aus der Euro-Zone“, betont DZ-Bank-Chefvolkswirt Stefan Bielmeier.

Ein Szenario, das Draghi auf jeden Fall verhindern will – besonders im Fall von
Spanien und Italien. Vielmehr sollen mit dem neuen Anleihenkaufprogramm die
Refinanzierungskosten kriselnder Euro-Mitglieder sinken, um Zeit zu gewinnen.
Zeit für notwendige Wirtschafts- und Strukturreformen, ohne die ein Ende der
Euro-Schuldenkrise nicht in Sicht ist.

Auch wenn einige Experten dafür weitere Schritte fordern, die Börse glaubt vorerst an
die grenzenlose Feuerkraft der EZB – und des ESM, der mit Notfallkrediten der
EZB zur Seite steht. Die Scheu vor spanischen, italienischen, portugiesischen
oder irischen Staatsanleihen sinkt. Die Versicherungsprämien gegen eine Pleite
der Länder, kurz CDS, gingen nach Draghis Ankündigung spürbar zurück. „Mit ihrer
künstlichen Befruchtung schafft die EZB wieder Vertrauen und nimmt das Risiko
aus den Anleihenmärkten“, erklärt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der
Baader Bank.

Anleihen aus Euro-Peripherie-Staaten sind für viele Fondsmanager dadurch zu
attraktiven Renditebringern geworden. Überdurchschnittlich hohe Zinserträge,
kombiniert mit der Chance auf weitere Kursgewinne und einer 100-prozentigen
Hilfszusage durch die EZB – wer würde da nicht zugreifen. Mit sicheren
Bundesanleihen zumindest lässt sich nach wie vor nicht viel
verdienen.

Einige Investoren haben bereits begonnen, ihre Depots umzuschichten: Staatsanleihen aus Spanien und Co. rein, Bundesanleihen dafür raus. Weitere sollten folgen, Versicherungen etwa, die traditionell nur wenig Risiko im Portfolio haben dürfen und jetzt die Chance bekommen, ihre magere Gesamtrendite mit abgesicherten Anleihen aus der Euro-Peripherie aufzupeppen. (…).

Die größte Unsicherheit dürfte im Prinzip das strikte Spar- und Reformprogramm
des ESM sein. Spanien und Italien als unmittelbare Rettungskandidaten sträuben
sich (noch) gegen zusätzliche Auflagen, sollten sie die Hilfe der EZB in
Anspruch nehmen müssen.

Halver jedoch sieht die ganze Sache recht entspannt: „Das Drohpotenzial, das etwa von einer spanischen Pleite ausgeht, ist so groß, dass im Falle eines Falles sowieso niemand ernsthaft die Einhaltung von Sparabsichten fordern wird. Bei Griechenland hat man ja auch immer Gnade vor Recht walten lassen.“

Tja, für mich klingt das relativ ermutigend. Ich hoffe, dass Robert Halver recht behält und man im Fall von Spanien und Italien nicht gnadenlos auf die Sparbremse tritt und bedingungslos die erfolgreiche (?!) Umsetzung der Sparabsichten einfordert.

Der bisherige radikale Austeritätskurs hat im Fall der südeuropäischen PIIGS-Staaten leider mehr Schaden angerichtet als Nutzen erbracht.

Auch bei den Finanzexperten scheint der Beschlusses des EZB-Rates für das Aufkaufprogramm von Staatsanleihen der PIIGS-Staaten mit der Bezeichnung “Outright Monetary Transactions” für bessere Stimmung als bisher zu sorgen.

Seht hierzu zum Beispiel den Artikel vom 18.9. mit dem Titel “ZEW: EZB-Beschluss hebt Stimmung der Finanzexperten” in “Finanznachrichten.de“.

Wir erfahren in diesem Artikel: “Die Bereitschaft der Europäischen Zentralbank (EZB) zu Staatsanleihekäufen hat die Stimmung unter deutschen Finanzanalysten und Investoren verbessert. Nach vier Rückgängen in Folge ist das Stimmungsbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im September wieder gestiegen. Wie das Institut in Mannheim mitteilte, kletterte der Index der Konjunkturerwartungen für Deutschland auf minus 18,2 Punkte von minus 25,5 Zähler im August. Volkswirte hatten einen stärkeren Anstieg des ZEW-Erwartungsindex auf minus 17,0 Zähler prognostiziert.

Der nach wie vor negative Wert des Indikators zeigt, dass die Finanzmarktexperten mit einer weiteren Abkühlung der deutschen Konjunktur auf Sicht von sechs Monaten rechnen. “Das Ende der Talfahrt des Indikators im September legt allerdings nahe, dass die Konjunkturabschwächung nach Auffassung der befragten Finanzmarktexperten eher moderat ausfallen wird”, erklärte das ZEW, das diesmal 263 Analysten und institutionelle Anleger in seiner monatlichen Erhebung befragte.

Der Index der Lagebeurteilung sank im September und notierte bei plus 12,6 Punkte. Im Vormonat hatte der Index bei plus 18,2 Punkte gelegen, erwartet worden war ein leichter Rückgang auf plus 17,9 Zähler.

Zu der Verbesserung des konjunkturellen Ausblicks dürfte die Ankündigung der Anleihekäufe seitens der EZB, so problematisch diese auch sind, beigetragen haben”, kommentierte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Rettungsschirm ESM sei dagegen ohne erkennbare Auswirkung geblieben.

Die Konjunkturerwartungen für die Eurozone stiegen im September um 17,4 Punkte auf minus 3,8 Zähler, der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Euroraum sank um 1,2 Zähler auf minus 76,3 Punkte.

Die EZB hatte am 6. September den grundsätzlichen Beschluss gefasst, unter bestimmten Auflagen unbegrenzt Staatsanleihen von europäischen Krisenstaaten zu kaufen. Das Bundesverfassungsgericht urteilte wenige Tage später, dass der Fiskalpakt und der Euro-Rettungsschirm ESM mit der Verfassung vereinbar sind; allerdings wurde die Haftung Deutschlands auf 190 Milliarden Euro begrenzt.

Einen ähnlichlautenden Artikel vom 18.9. mit dem Titel “ZEW: EZB-Beschluss hebt Stimmung der Finanzexperten” findet ihr “Der Aktionär Online

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