Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 128

Währenddessen hält die massive Kapitalflucht aus Spanien weiter an. Seht hierzu zum Beispiel einen Artikel vom 31.8. mit dem Titel “Kapitalflucht aus Spanien auf Rekordhöhe” im österreichischen “derStandard.at“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Die von der Bankenkrise beschleunigte Kapitalflucht aus Spanien hat im ersten Halbjahr einen neuen Rekordstand erreicht. Insgesamt 219,8 Mrd. Euro wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres aus Spanien abgezogen, wie die Zentralbank in Madrid am Freitag mitteilte. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte das Land noch einen Kapitalzufluss von 22,5 Mrd. Euro verzeichnet. Allein im Monat Juni belief sich die Kapitalflucht auf 56,6 Mrd. Euro, gegenüber 41,4 Mrd. Euro im Vormonat.”

Bleibt abzuwarten, ob als eine mögliche Auswirkung des Beschlusses des EZB-Rates für das Aufkaufprogramm von Staatsanleihen der PIIGS-Staaten mit der Bezeichnung “Outright Monetary Transactions” auch ein Rückgang der Kapitalflucht in den PIIGS-Staaten, nicht zuletzt auch in Spanien zu beobachten sein wird.

Ende August dieses Jahres hat man in Spanien beschlossen, die in den Portfolien der Banken liegenden “faulen” Kredite in eine sogenannte “Bad Bank” auszulagern.

Seht hierzu einen Artikel vom 31.8. mit dem Titel “Immobilienkredite: Spanien packt faule Kredite in eine Bad Bank” in “Welt-Online“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Spanien lagert die faulen Wertpapierbestände seiner Geldhäuser in eine “Bad Bank” aus und macht damit einen wichtigen Schritt zur Sanierung des maroden Finanzsektors.

Das Institut solle ab Ende November oder Anfang Dezember starten und für zehn bis 15 Jahre Bestand haben, sagte Wirtschaftsminister Luis de Guindos. Zuvor hatte die Regierung die Bankenreform beschlossen.

Die Gründung einer Bad Bank, die Schrottpapiere aus dem maroden Bankensektor aufnehmen soll, ist eine zentrale Voraussetzung für die Auszahlung der Milliarden-Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm. Geldhäuser können faule Papiere künftig an die Bad Bank auslagern. (…).

Seit der jahrelange Immobilienboom in Spanien vor vier Jahren jäh endete, wächst der Berg an faulen Darlehen stetig. Das Land befindet sich in einer tiefen Rezession und hat in Brüssel massive Finanzhilfen zur Stützung des heimischen Bankensektors beantragt.

Die EU hat dem stattgegeben und bis zu 100 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Die genaue Summe, die benötigt wird, ist allerdings noch unklar. Der entsprechende Antrag der Spanier steht noch aus”.

Wie hoch das tatsächliche Volumen an “faulen” Krediten in den europäischen Banken ist, zeigt zum Beispiel ein Artikel vom 15.8. mit dem Titel “EU: Über eine Billion Euro fauler Kredite bei Europas Banken” in “Focus-Online“.

In diesem Artikel erfahren wir unter anderem: “Einer Studie zufolge können viele Verbraucher, Häuslebauer und Unternehmen – insbesondere in den südeuropäischen Krisenstaaten – ihre Darlehen nicht mehr bezahlen.

Nach Berechnungen der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) standen Ende 2011 Verbindlichkeiten, die von den Schuldnern nicht fristgerecht getilgt wurden, im Nominalwert von rund 1,05 Billionen Euro in den Büchern. Das waren fast neun Prozent mehr als 2010, wie PwC am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Vor allem die Banken in den Euro-Krisenländern haben nach den neuesten Daten mehr Problemkredite in den Bilanzen.

Ein Vergleich mit dem Jahr 2008 – dem Höhepunkt der Finanzkrise nach der Lehman-Pleite – zeigt deutlich, wie groß das Problem ist. Damals hatten Europas Geldhäuser Problemkredite im Volumen von gut 500 Milliarden Euro in den Büchern stehen.

Deutsche und britische Institute trotzten zwar dem Trend. Das Volumen blieb mit 196 Milliarden Euro beziehungsweise 172 Milliarden Euro im vergangenen Jahr gegenüber 2010 konstant. 2009 hatten deutsche Geldhäuser den Angaben zufolge sogar noch 204 Milliarden Euro in den Büchern stehen. Die Belastung der Banken in den von Rezession und hoher Arbeitslosigkeit geplagten Euro-Krisenländern stieg im vergangenen Jahr dagegen deutlich.

In Griechenland erhöhte sich der Nominalwert der faulen Kredite um fast 50 Prozent auf 40 Milliarden Euro, in Spanien um 23 Prozent auf 136 Milliarden Euro und in Italien um 37 Prozent auf 107 Milliarden Euro. Etwas weniger stark fiel der Zuwachs in Portugal mit plus 20 Prozent auf 12 Milliarden und in Irland von 109 auf 119 Milliarden Euro aus”.

“Die schlechte wirtschaftliche Entwicklung in Südeuropa hat im vergangenen Jahr
erwartungsgemäß zu mehr Zahlungsausfällen von Kreditschuldnern geführt“,
erklärte PwC-Experte Markus Burghardt. Zuletzt sei das Volumen der notleidenden
Verbindlichkeiten aber insgesamt nicht mehr so stark gestiegen wie in den
Vorjahren”.

Die aktuelle spanische Regierung unter Mariano Rajoy will jetzt anscheinend gegen Ende September den geschätzten Finanzbedarf der spanischen Banken bekanntgeben.

Seht hierzu zum Beispiel einen Artikel vom 16.9. mit dem Titel “Spanien gibt Finanzbedarf für marode Banken Ende September bekannt” in “stern.de“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem: “Die spanische Regierung will noch in diesem Monat den von der EU-Kommission lange erwarteten Finanzbedarf für die maroden Banken des krisengeplagten Euro-Landes bekanntgeben. Die genauen Beträge für die einzelnen Banken legt das US-Prüfungsunternehmen Oliver Wyman nach Angaben des stellvertretenden spanischen Wirtschaftsministers Fernando Jiménez Latorre voraussichtlich Ende September der Regierung in Madrid vor. Ein Hilfsantrag der spanischen Regierung könnte deswegen erst im Oktober erfolgen.

Die EU-Kommission hatte Spanien im Juni Bankenhilfe im Umfang von bis zu 100 Milliarden Euro zugesagt. Als Soforthilfe stehen davon 30 Milliarden Euro zur Verfügung. Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos sagte am Wochenende in Nikosia, von diesem Angebot müssten wahrscheinlich höchstens 62 Milliarden Euro beansprucht werden. Dies ist die Summe, die das von der spanischen Regierung beauftragte US-Beratungsunternehmen Oliver Wyman bereits im Juni berechnet hatte. Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte in Nikosia: “Nach jetzigem Stand wird Spanien deutlich unter der Obergrenze von 100 Milliarden Euro bleiben.”

Na ja, ich will Wolfgang Schäuble nicht immer notorisch widersprechen, aber der oben von mir schon zitierte Artikel vom 15.8. mit dem Titel “EU: Über eine Billion Euro fauler Kredite bei Europas Banken” in “Focus-Online” geht von einem Volumen von ca. 1 Billion Euro an “faulen” Krediten in Europa aus.

Ein bedeutender Teil hiervon liegt in den Portfolien der südeuropäischen Banken. In Spanien schätzt PricewaterhouseCoopers (PwC) das Volumen der “faulen” Kredite in den Portfolien der spanischen Banken auf ca. 136 Milliarden Euro..

Wird es unter diesen Bedingungen tatsächlich bei den höchstens 62 Milliarden Euro an geschätztem Finanzbedarf für die spanischen Banken bleiben?

Zum Thema der “faulen Kredite” in Europa gibt es einen Wikipedia-Artikel mit dem Titel “Notleidender Kredit“.

In Spanien ist das Volumen der “notleidenden Kredite” seit dem Krisenjahr 2008 (Zusammenbruch der Lehman-Brothers-Bank und Platzen der spanischen Immobilienblase) von ca. 70 Milliarden auf aktuell ca. 150 Milliarden Euro angestiegen.

Und seien wir mal ehrlich: Niemand kann genau sagen, wie hoch das tatsächliche Volumen der “faulen” Kredite in Spanien ist.

Das sind alles nur Schätzwerte und das tatsächliche Endvolumen der “faulen” Kredite in Spanien wird massiv von der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung des Landes abhängen.

Verschärft sich die aktuelle wirtschaftliche Rezession in Spanien, werden noch mehr Spanier ihren Job verlieren und können somit auch die Raten ihrer Hypothendarlehen für die Wohnungen und Häuser nicht mehr bezahlen, die sie in der Phase des spanischen Immobilienbooms erworben haben.

Insofern ist diese Sache nicht wirklich klar abzuschätzen und ich finde es gewagt, wenn Wolfgang Schäuble versichert, dass Spanien letztendlich deutlich unter der Obergrenze von 100 Milliarden Euro bleiben wird. Ich wäre mir bei dieser Sache nicht so sicher.

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